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EDITORIAL
Im Sommer der millennaren Spitzen-Hitze kamen die Budget-Bürokraten an der Saar in Schwung, den herausgebenden Verein der Vierteljahresschrift DIE BRÜCKE nach über einem Jahrzehnt aus dem Etat jener frei-gemeinnützigen Projekte zu streichen, die für ihre Tätigkeit im gesellschaftlichen Gefüge der „Migration und Integration“ am öffentlichen Fördertropf hängen. Die Initiative für dieses getreu der Zensur kalkulierte Bravourstück ergriff die CDU-Ministerin Dr. Regina Görner. Unter dem Schlagwort „Schwarzer Winter an der Saar. Das Dominium der Leitkultur schlägt zurück...“ dokumentierte das Heft 131 (Januar-Februar-März 2004/1), wie sich die bürokratischen Prätorianer der demokratisch dekorierten Domäne im „Kleinsten Reich der Mitte“ (Saarland) absprachen, DIE BRÜCKE in ihrem dreiundzwanzigsten Jahrgang zum Einsturz zu bringen. Untätig wollten die Realisten und Utopisten der literarischen Ästhetik nicht zusehen, wie das kosmopolitische „Forum für antirassistische Politik und Kultur“ in das „Aus-Druck“-Dunkel der herrischen Leitkultur katapultiert wird. Sie kapitulierten davor nicht und bauten auf widerstreitende Solidarität. Die Resolution der Redaktionskonferenz im Rahmen des Meetings „Mediendiskurs in der kosmopolitanen Gesellschaft“ Ende November 2003 bildete die Grundlage einer Protest-Brief-Aktion, die Mitte Januar 2004 anlief. Eine Vielfalt von Protestbriefen traf bisher beim Schwarzen-Ministerium an der Saar ein - ebenfalls Solidaritätsbotschaften bei der Redaktion DIE BRÜCKE. Eine Auswahl dokumentieren die ersten acht Seiten dieses Heftes. Wider den Schwarzen-Winter an der Saar Auf Touren ist die Karawane der Solidarität
Die Promoter der vollzogenen Zensur-Zeremonie versuchten, dem Blätterwerk DIE BRÜCKE einen enthumanisierten Stempel aufzudrücken, indem sie ihren Rotstift an einem Gutleut-Getue anseilten. Um ihrem Urteil eine weltanschauliche Tünche überziehen zu können, spielte sich die Ministerin als Padrona der Gutherzigen „gegen die Ausgrenzung von MigtantInnen in Deutschland“ auf. Darum sei sie hier erneut im O-Ton zitiert: Insofern melde ich heftigen Widerspruch an, wenn in der „Brücke“ die Integrationsbemühungen von Menschen lächerlich gemacht werden oder sogar offen gegen das Konzept „Integration“ polemisiert wird. Das ist nicht nur unfair gegenüber denjenigen, die sich bemühen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen und ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Es liefert im übrigen - und das halte ich für regelrecht gefährlich! - auch denjenigen, die mit dem Rassismus und den Ausgrenzungen liebäugeln, Vorwände, an ihren menschenverachtenden Haltungen festzuhalten. Die saarländische Landesregierung und, da bin ich sicher: die allermeisten BürgerInnen des Saarlandes, wo immer sie geboren sind, werden eine solche Haltung jedenfalls nicht akzeptieren. Ob DIE BRÜCKE tatsächlich eine Attacke auf das Konzept der „Integration“ im Visier hatte und es torpedieren wollte, solange der Terminus einen emanzipatorischen Prozeß verkörpert, die Heloten in den Status vollwertiger Citoyens einzuführen, ist dahingestellt. Einen Beleg für ihren Lehrsatz legt die Ministerin nicht vor, überläßt es damit dem Leben, die wahre Geschichte zu schreiben. Das neurechte Wochenblatt „Junge Freiheit“, das eine Renaissance der „konservativen Revolution“ propagiert und mit den Ideen des französischen Europoiden Alain de Benoist vom „Recht auf Unterschied“ sowie dem „Ethnopluralismus“ sympathisiert, widmete in seiner Ausgabe vom 7. Februar 2003 DIE BRÜCKE ihre Rubrik „Zeitschriftenkritik“. Unter dem Titel „Interkulturelle Verständigung“ bewerkstelligte der JF-Autor Werner Olles ein ziemlich denunziatorisches Porträt: „Forum für antirassistische Politik und Kultur“ nennt sich die im 21. Jahrgang erscheinende Vierteljahreszeitschrift Die Brücke im Untertitel. Als Herausgeber zeichnet „Die Brücke e.V. - Verein zur Förderung politischer, sozialer und kultureller Verständigung zwischen Mitbürgern deutscher und ausländischer Herkunft“ verantwortlich. Gefördert wird das Blatt vom saarländischen CDU-Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales. Gleich nach ihrem ersten Erscheinen attackierte Die Brücke den Begriff der „Integration“. Der deutsche Staat und seine Institutionen hätten „aufgrund ihrer Praxis jedes Vertrauen bei den Einwanderern aus den Südländern verloren“. Da dieser Staat über eine Gesellschaft herrsche, „die Keime des Rassismus, des Chauvinismus und des hegmonistischen Nationalismus“ in sich trage, dürfe er nicht „der alleinige Vertreter der eingewanderten ethnischen Minderheiten sein“. Den eingewanderten Minderheiten müsse „das Recht auf kulturelle Autonomie“ zugestanden werden, schreibt der „verantwortliche Redakteur“ Necati Mert. Jeder „Versuch von Rassentrennung“ sei zu verbieten. Die Frage, ob derartige Definitionen und Forderungen überhaupt irgendetwas mit der Realität unserer Gesellschaft zu tun haben, stellt sich dabei für den Autor offenbar gar nicht. Einen abrundenden Beitrag zu diesem „Portrait“ leistete ein gewisser Dr. Karl Soest aus Bonn unter dem Leserbrief-Titel „Brückenkopf statt Brücke“ im gleichen Blatt vom 28. Februar 2003: Bei der Zeitschrift „Brücke“, die sich im Untertitel „Forum für antirassistische Politik und Kultur“ nennt, handelt es sich nicht um „Interkulturelle Verständigung“, eher ist das Gegenteil der Fall. Diese offenbar von der JF-Redaktion hinzugefügte Überschrift beschönigt einen Sachverhalt, der längst ein Skandal hätte sein müssen: Eine überwiegend von Ausländern gemachte Zeitschrift, finanziell gefördert von einem saarländischen Multi-Ministerium (das daher wohl den Überblick über seine Subventionsempfänger verloren hat), ist gegründet worden unter dem Motto: „Den Vielvölkerstaat BRD verwirklichen“. Integration von Ausländern wird abgelehnt, vielmehr sollen ethnische Brückenköpfe - und eben nicht eine „Brücke“! - geschaffen werden. Daß sich diese Zeitschrift dezidiert gegen deutsche Interessen wendet, ist damit klar. Daß dies, subventioniert durch Deutsche, mit antideutscher Polemik erfolgt, ebenso. Diese Zeitschrift ist eher ein Fall für den Verfassungsschutz. Der letzte Satz dieser „Korrektur“ erinnert an die Kampagne, die Ende der achtziger Jahre im vorigen Jahrhundert die „Nationalfreiheitlichen“ des ethnisch homogenen Deutschtums um „National+Zeitung“ und „Deutscher Anzeiger“ bundesweit gegen DIE BRÜCKE starteten. Sie attackierten vor allem die „ausländischen“ Autoren des Blattes und versuchten, die „mündigen Bürger“ gegen die Gemeinnützigkeit des herausgebenden Vereins zu aktivieren. Also war DIE BRÜCKE immer ein Dorn im Auge derer, denen es auf den Magen schlug zu erspähen, wie es die „Ausländer“ hier zu weit treiben und das Gras wachsen hören wollen, indem sie auf eine unzensierte Aussprache pochen. Welche adjektivische Aura sich die Gutmenschen-Mentoren auch immer leisten mögen, sie verfolgen die neokonservativ kulturalistische Generallinie einer Schwarzen-Union, die im „Kampf der Kulturen“ das Regiment der Leitkultur führt und den Druck auf die selektive Assimilation potenziert. Noch dichter und dicker werden daher die schwarzen Wolken über den migrantischen Quartieren hängen. Und das doppelbödige Spruchband „Integration“ hinter dem abendländisch ethnozentrisch zusammengewürfelten Attribut „Migration“ wird die Abwehr-Attitüden der gebürtig Überlegenen gegenüber den untertänigen Eindringlingen weiter anheizen, auch wenn der Nutzeffekt der Letzteren für die demographisch demontierte Majorität nicht unerwähnt bleibt. Die integrierte Flickenidentität des Völkischen sekundiert der Blockade des Singulären und reduziert es auf das Individuum des Besitzstandes. Gleichermaßen steigert der Aufklärungsfetischismus die urdeutsche Debatte über das „Volk“. Wer warum dazugehört und wer nicht, wiederholt sich im kulturalistischen Maßstab. Im Gepolter der Gutleut-Gentlemen über das germanische Getue „Integration oder Separation“ entschwand z.B. auch der eigentliche Gehalt des Kopftuch-Streits. Denn das Turban-Tragen der Frauen gilt als Meßlatte für die gelungene oder mißlungene Intention. Paßt es nicht in das Prokrustesbett der Leitkultur, wird es abgeschnitten werden müssen. Erweist es sich als dienlich, die eingewanderten Communities auszumerzen und kommunitarische Perspektiven anzusteuern, um den Volksstaat in sein Sozialklimbim zu entlassen, läßt sich sein Tragen leicht verschmerzen. Verdaut haben die Apologeten der integrationalen Allüren schon lange, wie der vergrämte Versuch, das archaisch antiquitierte Staatsbürgerrecht Bundesdeutschlands zeitgemäß aufzumöbeln, scheiterte. Was kümmert die Gentilhommes der integrationalen Intentionen, daß allein der Bezug der Sozialhilfe als ausreichender Grund vorgetragen wird, den Zugang zur Staatsbürgerschaft zu sperren. Protest-Briefe an die Ministerin Dr. Regina Görner (Auswahl)
um es gleich vorweg zu sagen: Ich finde Ihren „Leserbrief“ an ... „Die Brücke“ bedauerlich und einer Integrationsbemühung abträglich. Als Historikerin dürfte Ihnen hinlänglich die Informationsfreiheit und die Freiheit der Meinungsbildung als Vehikel zu einer Integration, insbesondere von gesellschaftlichen Randgruppen bekannt sein. Durch Entzug von finanziellen Förderungsmitteln greifen Sie massiv negativ in diese zu fördernde Integration ein. Sie erreichen also das Gegenteil von dem, was Sie möchten. Sie schreiben an anderer Stelle Ihres „Leserbriefes“ von der Forderung des „Sich-Aufeinander-Einlassens“, lehnen aber zum Beispiel einen Dialog (wie ich lese) mit der Redaktion der Zeitschrift „Die Brücke“ ab. Auch hier kommt de facto das Gegenteil von dem heraus, was Sie möchten. Das „Sich-Aufeinander-Einlassen“, meinen Sie, sei „kein einmaliger Akt, sondern ein Prozeß, der von allen“, also auch von Ihnen, „immer wieder erneuert werden muß.“ Es setze „vor allem sprachliche Kommunikation“ voraus, worunter Sie „das Erlernen der gemeinsamen Sprache“, also der deutschen verstehen. Ich weiß nicht, Frau Ministerin, ob Sie schon mal die Zeitschrift „Die Brücke“ gelesen haben, sonst müßte Ihnen eigentlich aufgefallen sein, daß sie zu 99,9% in deutscher Sprache ihre Inhalte vermittelt - eine fundamentale Voraussetzung zu einer Integration. Es müßte Ihnen darüber hinaus auch das inhaltliche „Sich-Aufeinander-Einlassen“ - als weitgehende Regel - aufgefallen sein, etwa in meinem Beitrag „Für Melek“ im Heft Nr. 128, April-Mai-Juni 2003, unter Pseudonym „Hans van Ästen“, bei dem unter anderem ein reges „Sich-Aufeinander-Einlassen“ nicht nur mit „Melek“ stattfindet, sondern mit vielen Nationalitäten am Kaffee- und Obststand des Berliner Bahnhof Zoo. Was mach ich nun, wenn in absehbarer Zeit Ihr Rotstift alle finanziellen Mittel für „Die Brücke“ streicht? Die etablierten Medien, etwa der Berliner Tagesspiegel, die Morgenpost, die Berliner Zeitung, ja sogar die Frankfurter Rundschau druckten meine integrationsfördernden Beiträge nicht, und wenn jetzt auch noch die Zeitschrift „Die Brücke“ durch Ihre Streichaktion aufgibt, dann haben Sie wieder das erreicht, was Sie ja eigentlich vermeiden wollen: eine Ghettoisierung, ein weiteres Abdrängen, selbst aus einer kleinen Öffentlichkeit, damit also auch das Gegenteil von Integration, des „Sich-Aufeinander-Einlassens“, wozu ja vor allem die Sprache, mündlich und hier insbesondere schriftlich gehört. Es ließe sich zu Ihrem „Leserbrief“ noch vieles sagen, aber gestatten Sie mir noch eine Bemerkung: Über Konzepte kann man streiten. Auch das gehört in einem demokratischen Staatswesen zur Normalität, wie etwa, daß man einen „Leserbrief“ schreibt, aber fair finde ich es nicht, wenn Sie am Ende dieses Briefes den Vorwurf erheben „Integrationsbemühungen von Menschen“ würden in dieser Zeitschrift „lächerlich gemacht“, ohne daß Sie nicht ein einziges Beispiel anführen. Hans Ingebrand (Berlin) Sehr geehrte Frau Dr. Görner, Ihren Leserbrief in der letzten „Brücke“ haben wir verblüfft zur Kenntnis genommen. Wir leben seit über 12 Jahren als transkulturelles Paar zusammen, und wir haben die Brücke stets als ein Organ verstanden, das auf überaus wohltuende Weise - man muss sagen endlich - von einem emanzipatorischen Ansatz ausgehend über den problematischen Begriff einer „Integration“ hinausweist und die Menschen (so das Denkmotiv der Brücke) nicht länger vor irgendeinem Herkunftshintergrund verortet, sondern per se als gleichwertige Individuen betrachtet. Einen ebensolchen inhaltlichen Ansatz hatte auch die von der Arbeiterwohlfahrt, dem regionalen Deutschen Roten Kreuz und von so vielen anderen Organisationen unterstützte „Bielefelder MigrantInnen-Zeitung“, die wir mitbegründet hatten. Dass die Brücke einen kulturell-ethnischen Ansatz ablehnt und stattdessen eine gleichwertige Individualität aller Menschen - ob mit Migrationshintergrund oder nicht - anstrebt, kann nur mit irritierend schwachem Kenntnisstand als ‘potentiell Rassismus fördernd’ angesehen werden. Ganz im Gegenteil entspricht dieser Ansatz postmodernen Theorien, beispielsweise in der Sozialphilosophie sowie im postmodernen Feminismus einer Judith Butler. Diese postmoderne Theorieentwicklung sollte einer Wissenschaftlerin wie Ihnen eigentlich nicht entgangen sein. Die Brücke bewegt sich also auf postmodernem Terrain und spricht wohl etlichen MigrantInnen aus der Seele, die nicht länger von irgendeiner Leitkultur aus betrachtet und vor dem Hintergrund ihrer Herkunft eingeordnet werden wollen. Indem der Brücke die Mittel gestrichen werden, verliert eine wichtige antirassistische Säule der Theorie- und Sozialentwicklung ihren Boden. Dies sollten Sie nicht verantworten, sondern die Brücke weiterhin fördern. Dr. phil. Ralf Burnicki und Maryam Sharif (Bielefeld) Sehr geehrte Frau Ministerin, wie ich höre, ist die Zeitschrift DIE BRÜCKE in eine äußerst prekäre Lage geraten. Anscheinend auf Ihre Initiative hin ist der herausgebende Verein aus dem Etat der gemeinnützigen Projekte gestrichen worden, die sich den Themen der „Migration und Integration“ widmen und durch die öffentliche Hand gefördert werden. Ich war schockiert und konnte es kaum glauben. Mir ist keine deutsche Zeitschrift bekannt, die mir solcher Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, dabei auf höchstem intellektuellen Niveau, sich gerade dieser Themen annimmt. Hier in den USA, wo ich mich zur Zeit aufhalte, haben amerikanische Freunde, die interessierte Deutschlandbeobachter sind, mit Verwunderung und Unverständnis auf diese Maßnahme Ihrer Landesregierung reagiert. Sie meinen, dass doch gerade ein Land wie Deutschland mit seiner historischen Bürde auf ein Publikationsorgan wie DIE BRÜCKE nicht verzichten kann... Prof. Dr. Hans G. Skitter (USA) Sehr geehrte Frau Dr. Görner, Offenbar will das Saarland seine Rolle in der Mitte Europas und damit auch als interkultureller Treffpunkt nicht mehr spielen. Jedenfalls geht das aus der Streichung der Mittel für die einzig bundesweit bekannte Zeitschrift des Saarlandes „Die Brücke“ hervor. Das ist mehr als traurig. In einem Brief an „Die Brücke“ schreiben Sie, dass diese Zeitschrift ja nur 1000 Auflage hat und somit den größten Teil der Bevölkerung nicht erreicht. Diese Tatsache ist ebenfalls traurig genug. Fragt man allerdings nach den Gründen dafür, so wird deutlich, dass die Politik und die herrschende Öffentlichkeit ja alles dafür tun, dass sich das nicht ändert. Mit rassistischen Vorurteilen läßt sich eben leichter Stimmung machen als ohne sie. Und es ist nur zu verständlich, dass „Die Brücke“ keine opportunistische Zeitschrift sein will, weil es da eh schon genügend gibt, und zwar mit hoher Auflage. Sicher würden Sie „Die Brücke“ unterstützen, wenn ich Sie recht verstanden habe, hätte sie eine Auflage von 100.000 und mehr. Bloß: Dann bräuchte „Die Brücke“ die Unterstützung des Saarlandes nicht. Apropos Stichwort „Integration“: Hat nicht die Politik dafür gesorgt, dass dieser Begriff ein Synonym für bedingungslose Unterwerfung geworden ist? Unterwerfung unter die Gewalt und die auf ihr basierenden Richtlinien des demokratischen Rassismus. Oder ist einem Verantwortlichen wie Ihnen die Unterscheidung zwischen Deutschen und Ausländern, sowie Ausländern untereinander (Gastarbeiter, Asylanten, Aussiedler, Grüne-Karte-Besitzer, Touristen) fremd? Wohl kaum, Sie können sich und wollen sich sicherlich auch nichts anderes vorstellen. Es wäre wahrscheinlich eine Illusion zu denken, Politikern ihre idiotischen Sparbeschlüsse ausreden zu können. Damit deren Rechnung nicht aufgeht, dafür freilich werde ich mich bemühen, im Gegenzug zu sorgen. Wolfgang Richter (Augsburg) Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Gömer, ich teile auch nicht alle Meinungen und Ansichten, die in der Zeitschrift Die Brücke abgedruckt werden, doch immer finde ich genügend Beiträge, besonders die soziologischen, aber auch die poetischen und oftmals auch die schlichten Beschreibungen über den Alltag der Migranten, die mich betroffen machen und mir unter die Haut gehen. Der Zeitschrift Die Brücke, die sich überwiegend als Sprachrohr der in Deutschland beheimateten Migranten versteht, den letzten Cent zu entziehen, ist für mich kleinbürgerlich und undemokratisch. Ich kann nicht sagen, daß unsere regionalen Medien dieses Thema ausführlich und tiefgründig erfassen, weil inzwischen vieles von Werbung und Menschen-Voyeurismus zugepackt ist. - Wenn kaum noch offen, polemisch und tiefgründig diskutiert werden darf in einem vereinten Deutschland, nur wenig ins Freie zeigt, werden wir bald an unserem eigenen Unsinn ersticken ... Rotstift - umschleiert mit gediegenen Worten, um unbequeme Wahrheiten und Gedanken auszuschalten - und Demokratie passen nicht zusammen ... „Die Stütze meines Landes sind die, welche denken. Nicht jene, die mitmarschieren“, sagte schon Friedrich Dürrenmatt. Bitte halten Sie den Etat für Gedankenfreiheit, Toleranz und Meinungsbildung aufrecht -, auch wenn nicht ganz Deutschland Die Brücke liest wie BILD. Ich denke nur an die Bibel, an die Stelle mit den fünf Leuten. Eine bessere Schrift ist mir noch nicht unter die Augen gekommen. Reinhard Bernhof (Leipzig) Sehr geehrter Frau Dr. Görner, mit Entsetzen bekam ich Kenntnis davon, dass der herausgebende Verein der Zeitschrift DIE BRÜCKE aus dem Etat jener frei-gemeinnützigen Projekte gestrichen wurde, deren Tätigkeit im gesellschaftlichen Gefüge der „Migration und Integration“ durch die öffentliche Hand gefördert wird. Zu Ohren kam mir zugleich, dass die Initiative für diese Rotstift-Routine auf Sie zurückgeht. Integration bedeutet, wie Sie wissen, die Eingliederung von Minderheiten ohne Selbstaufgabe und Assimilation, ohne Verlust der eigenen Identität und ohne bedingungslose Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft. Sie erstreckt sich auf alle Lebensbereiche und „setzt die Herstellung von Chancengleichheit und weitgehender Rechtsgleichheit voraus“. Die bisher praktizierte Ausländerpolitik, insbesondere Ihrer Partei, erfordert die totale Anpassung, die Selbstaufgabe zugunsten der Aufnahmegesellschaft. Die immer wieder verschärften Vorschriften und Gesetze führten zur Ausgrenzung und zur Benachteiligung der Emigranten in allen Lebensbereichen. Als Folge dieser Politik ist eine schwer überwindbare Kluft zwischen Majoritäten und Minoritäten entstanden. DIE BRÜCKE hat immer solche Integration, die aufgrund des Widerspruchs zwischen bestehender Realität und gesetzten Anforderungen zum Scheitern verurteilt ist, kritisiert und trat und für die Schaffung von strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Integration ein, die eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Das setzt nicht nur eine Integrationsfähigkeit der Minoritäten voraus, sondern auch die Integrationswilligkeit und Aufnahmebereitschaft der Majorität. Zusätzlich zu diesen Bedingungen tragen solche Auseinandersetzungen zu einer erfolgreichen und gesunden Integration bei, die darauf zielen, die Andersartigkeit der Minoritäten und Majoritäten hervorzuheben und sie zu akzeptieren. DIE BRÜCKE tut das! DIE BRÜCKE vereint wie kein anderes Beispiel in der Medienlandschaft weltweit so viele Künstler, Autoren, Wissenschaftler, Schreiber und Betroffene zusammen. Sie ist ein Zeugnis gelungener Integration! Sehr geehrte Frau Dr. Görner, Sie wissen sehr genau, die Streichung der Finanzmittel gefährdet das Weiterbestehen der Zeitschrift, aber das der Gedanken nicht! Wortgewandte Oppositionelle können das Wort als Waffe benutzen. Ich bin sicher, dass es nicht in Ihrem Sinne ist, die Gesellschaft zu spalten... Dr. Metin Buz (Frankfurt/Main) Sehr geehrte Frau Dr. Goerner mit Bestuerzung hoere ich, dass die Foerderung der Zeitschrift Die Bruecke gestoppt wurde. Diese Publikation ist unersetzlich fuer die ausgezeichnete Kombination von Meinungsbeitraegen, akademisch fundierten Dokumentationen und Essays, Rezensionen, Kulturnachrichten, kreativem Schreiben und anderem mehr zum Themenkreis Migration(en)/Nation(en)/Integration(en). In Grossbritannien fehlt uns etwas derartiges; Sie sollten doch stolz sein, ein solches ehrenamtliches und gemeinnuetziges Projekt von beachtlichem internationalem Wert mitunterstuetzen zu koennen. Ich werde hoffentlich bald von der Zuruecknahme des Ausschlusses hoeren. Dr. Tom Cheesman (GB) Sehr geehrte Frau Dr. Görner, mit Befremden habe ich vernommen, dass Sie den Verein der Zeitschrift Die Brücke aus dem Etat frei-gemeinnütziger Projekte gestrichen haben. Es ist absurd, den Verantwortlichen vorzuwerfen, sie würden sich gegen den Integrationsgedanken wenden! Sie legen doch nur den Finger auf die Schwachstellen der derzeitigen Integrationspolitik. Mir ist Ihr Handeln unbegreiflich, zumal es sich bei den Betroffenen zumeist selbst um Migranten handelt. Dass diese ihre Kritik oftmals polemisch vortragen, zeigt doch nur, wie betroffen sie sind und wie sehr sie Veränderungen, wie sehr sie eine echte Integration wünschen. Warum setzen Sie gerade bei ihnen den Rotstift an, anstatt mit ihnen in ein offenes Gespräch einzutreten, das Missverständnisse aufklärt, Positionen zu verstehen versucht? Dass das funktioniert, erfahre ich jeden Tag hier in Nordrhein - Westfalen, in einem Bundesland, das geradezu als Schmelztiegel unterschiedlichster Nationen angesehen werden kann. An diesem Dialog ist hier in NRW ja auch Ihre Partei maßgeblich beteiligt. Natürlich ist das alles nicht einfach. Es gilt zuzuhören, Missverständnisse auszuhalten, beharrlich um Verständnis zu werben und die Menschen in den Nöten und Sorgen verstehen zu lernen, die sie direkt und indirekt zum Ausdruck bringen. Ihre Rotstiftaktion bewirkt genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich beabsichtigen. Sie verletzt, sie grenzt aus, sie schadet. Ja, sie macht mundtot, weil sie diesem Verein an einer wesentlichen Stelle die finanzielle Basis entzieht. Und das kann nicht in Ihrem Interesse als Ministerin liegen. Das glaube ich einfach nicht. Es entspricht keinem christlich - abendländischen Selbstverständnis und weist auch nicht in eine europäische Zukunft. Eine Politik wird nicht dadurch besser, dass man seinen Kritikern das Podium entzieht. Insofern fordere ich Sie auf, den Verein Die Brücke weiter zu fördern und geduldig mit ihm den Dialog über die strittigen Fragen zu suchen. Es ist in Ihrem Interesse! Dr. Artur Nickel (Bochum) Sehr geehrte Frau Görner, ich habe erfahren, dass Ihr Ministerium keinen Zuschuss mehr für die Zeitschrift „Die Brücke“ gewähren will. Eine Begründung für diese Maßnahme ist mir nicht bekannt. Ich weiß jedoch, dass diese Zeitschrift zum Dialog über Fragen des interkulturellen Zusammenlebens seit vielen Jahren einen sehr wertvollen Beitrag leistet. Deshalb möchte ich Sie bitten, die Streichung des Zuschusses für „Die Brücke“ noch einmal zu überdenken. Dr. Richard Kelber (Dortmund) Sehr geehrte Frau Dr. Görner, es mag sein, dass Sie - von Ihrem Standpunkt aus betrachtet - mit Ihrer Kritik an einzelnen Positionen in der Zeitschrift „DIE BRÜCKE“ Recht haben, aber kann diese Kritik im Ernst ein Grund sein, die Zeitschrift aus der Liste der durch Ihr Ministerium geförderten Projekte zu streichen? Sie setzen den Schwerpunkt auf Integration. Aber Integration, was immer Sie darunter verstehen, lässt sich gewiss nicht auf dem Verordnungsweg erreichen, sondern kann höchstens am Ende eines langen und geduldigen Diskussionsprozesses stehen. Soweit ich sehe, ist DIE BRÜCKE, an der ich seit fast von Anfang an mitarbeite, das einziges Forum weit und breit, in der genau diese Fragen kontrovers diskutiert werden. Und Sie wollen ausgerechnet diesem Projekt die öffentliche Förderung entziehen? Dr. Peter Schütt (Hamburg) Sehr geehrte Frau Dr. Görner, man sollte die Brücke m.E. auf jeden Fall weiter fördern, weil diese Art Zeitschriften immer seltener werden. Auch hier macht es nicht die Quantität, sondern die Qualität! Für mich ist die „Brücke“ schon allein deswegen interessant, weil viele Informationen drin stehen, die leider sonst aus keiner offiziellen Quelle, oder Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen zu erhalten sind. Ich gehe mal davon aus, das Sie kaum Zeit haben werden, die „Brücke“ zu lesen, und möchte Ihnen an einem Beispiel erläutern, was ich meine: „Die Brücke“ Nr. 1 / XXIII. Jahrgang, Heft 131, Januar-Februar-März 2004, Seite 17 + 18. Zitat: „Die Attacke auf die Atheisten. Eine Replik auf Martin Hohmanns Rede. Wie gut beherrschen die Deutschen ihre eigene Sprache? Diese Frage stellte ich mir schon, als ich seinerzeit das Flugblatt Möllemanns las und darin weder Anti-Jüdisches noch Anti-Israelisches fand, sondern lediglich die Kritik an die Adresse der Herren Ariel Scharon und Michel Friedman. Eine gemäßigte Kritik, die sogar von sehr vielen jüdischen Menschen geteilt wird. Im Faltblatt stand ausdrücklich: ‘Jürgen W. Möllemann setzt sich seit langen beharrlich für eine friedliche Lösung des Nahost-Konfliktes ein: mit sicheren Grenzen für Israel und einen eigenen Staat für die Palästinenser.’ Wer hierin eine anti-israelische Position lesen will, muss einen Sprachkurs besuchen - oder sich psychiatrisch behandeln lassen. Bei Martin Hohmanns jüngster Rede ist die Sache zwar komplizierter als bei Möllemann, doch seine zentrale Aussage wird ebenfalls geflissentlich übersehen und nicht berücksichtigt. Hohmann sagte ausdrücklich: ‘Weder die Deutschen noch die Juden sind ein Tätervolk.’ Trotzdem wird überall behauptet, dass er die Juden als Tätervolk bezeichnet habe... Shraga Elam, Israelischer Journalist und Friedensaktivist, CH-Zürich“ Ich hatte nie ein Exemplar des „Möllemann Faltblattes“ zu sehen bekommen, und von dem erwähnten Hohmann Zitat, kannte ich auch nur die offizielle Version, weshalb ich diesem Herrn Hohmann in einer Kritik sehr Unrecht getan habe. Jetzt wird es Sie nicht besonders aufregen, zu erfahren, das ein alter Rentner noch Wert auf korrekte Information legt, aber ich bin ja vielleicht nur ein Beispiel unter Vielen. Hans J. Kever (Wittlich) Sehr geehrte Frau Dr. Regina Görner, Denken Sie nicht auch, dass es sehr wichtig ist, dass Menschen in unserem Land, egal welcher Herkunft und Nationalität auch immer, eine Plattform brauchen, wo sie ihre Meinungen, Ängste und Hoffnungen kund tun können? Dieses Forum bietet, so viel ich weiß, nur die Brücke. Ich bin mit vielen Menschen der Meinung dass dieses Forum erhalten bleiben muss... In der Hoffnung auf ein positives Ergebnis für die „ Brücke“... Ingrid Hendricks (Essen)
ich schließe mich voll und ganz dem Protest gegen die Streichung des Vereins der Vierteljahresschrift „Die Brücke“ aus den gemeinnützigen Projekten des Ministeriums für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales an. Es ist nur zu offenkundig, dass neben dem allgemeinen Sparzwang bei dieser Streichung auch politische Motive vorhanden sind. Der intellektuelle und freigeistige Ansatz der Zeitschrift „Die Brücke“ passt nicht in das Konzept einer konservativen Politik. Ich wünsche Ihnen trotzdem viel Erfolg und hoffe auf ein Weiterbestehen dieses wichtigen Organs. Jo Leinen, MdEP (Saarbrücken) lieber necati mert! man kommt wohl nicht am gedanken vorbei, daß die geplante streichung der fördergelder für „Die Brücke“ nicht nur einem allgemeinen sparzwang folgt, sondern zumindest teilweise politische oder, weitergreifend, weltanschauliche gründe hat. jedenfalls entspricht sie dem zeitgeist der zunehmenden entsolidarisierung, den inzwischen auch ein großteil der maßgebenden medien unterstützt. zugleich sind die methoden des kulturabbaus mitunter durchaus subtil. soziales unrecht sowie kultureller und geistiger abbau haben ganz ähnliche ursachen, insbesondere in der Übermacht der geldmechanismen. wo fast einzig noch merkantile verwertbarkeit zahlt, wird freie, lebendige und kreative arbeit permanent entwertet. aber es gibt zu wenig protest dagegen. und die traditionellen protestformen greifen nicht mehr, weil sie überwiegend 13ngst selbst ins politische system integriert und dadurch neutralisiert und zudem rituell erstarrt sind. wenn studenten gegen bildungsahhau protestieren, so wirkt dies, bei aller intelligenz im detail, eher folkloristisch oder karnevalistisch. und die mächtigen können solche proteste leicht ignorieren oder gar darüber lachen. die frage wäre also, wie neue wirksame protestformen aussehen könnten, die wirklich gegendruck erzeugen. mir fallen dazu derzeit vor allem die diskurse und aktionen der globalisierunggegner ein. und damit sende ich die besten grüße. Holger Benkel (Berlin) Lieber Necati Mert, beigefügt erhalten Sie meinen Beitritt zum BRÜCKE-Verein. Ich will mitwirken, so gut ich kann. Den Protest-Brief an die Ministerin Görner habe ich heute abgeschickt. Ich habe den Eindruck, dass Frau Görner Sie missversteht - das liegt wahrscheinlich daran, dass sie die intellektuelle Art Ihrer Kritik nicht nachvollziehen kann; da werden kritische Kommentare zu Integrationsvorstellungen der CDU leider gleich als totale Ablehnung aufgefasst. Dummerweise geht Die Ministerin in ihrem erstaunlich langen Brief gar nicht genau genug auf Ihre Argumente ein. Ich hoffe, dass Frau Görner ihre Entscheidung, die BRÜCKE von der Liste förderungswürdiger Projekte zu streichen, revidiert. Sie muss einsehen, dass Integration nicht nur gestaltet werden kann von den eingeborenen Bundesrepublikanern, sondern kritisch mitgetragen werden muss von allen, die in unserem Land leben. Überlegenswert ist allerdings auch, ob eine kritische Zeitschrift wie die BRÜCKE sich auch ein Kapitel interner Kritik leisten sollte. Die Maßnahme der saarländischen CDU-Regierung, die BRÜCKE über Geldentzug auf die eigene Linie zu bringen bzw. zu eliminieren, wäre jedenfalls eine überaus bedauerliche Panne im laufenden Diskurs (an dem Die Ministerin offenbar nicht teilzunehmen willens oder imstande zu sein scheint). Ich habe mich über manche allzu spitze Meinung oder allzu verstiegene Polemik in der BRÜCKE auch schon hin und wieder geärgert, aber dieses bittere Salz hat mich immer zum Nachdenken provoziert - und diese Schärfe authentischer Gefühle als Begleiter der Gedanken darf nicht fehlen! Zur Toleranz gehört eben auch das unliebe Gefühl - der Leser muss ja nicht zustimmen, er bleibt frei. Wenn er oft und genau liest, wird er erkennen, dass die BRÜCKE gerade wegen ihrer kritischen Haltung eine Heimat bietet für alle Denkenden. Sie wissen, dass der Prozess der (gegenseitigen) Integration gedanklich und psychisch sehr subtil und in der Praxis viel schwieriger ist, als sich das Die Ministerin vorstellt, die jetzt ihre andersdenkenden Kumpels so anmacht und die einzige Brücke einreißt, die sie an der Saar zu diesem Thema hat. Ulrich Bergmann (Remagen-Oberwinter) Lieber Herr Mert, sowie ich von der Post zurückkam, fand ich das neue Heft unserer BRÜCKE im Briefkasten und reagiere selbstverständlich darauf noch einmal sofort. Natürlich habe ich, mit einer kurzen Zusatzbemerkung beziehungsweise Bitte, den Brief unterschrieben und heute abgeschickt; die erbetene Kopie füge ich bei. Sie haben vollkommen Recht, es ist unerträglich, wie hier gezielt gegängelt und mundtot gemacht werden soll, was unbequem und quer in den Ohren dieser Dame liegt. Ich kenne sie übrigens persönlich, wir haben vor beinahe 40 Jahren einmal sehr intensiv miteinander - oder besser gegeneinander - zu tun gehabt, als ich noch in Essen und Düsseldorf aktiv Kommunal- und Landespolitik betrieb. Es wäre allerdings müßig, sie heute daran zu erinnern, wir waren eben nicht im selben ”Stall”. Ich habe für den Fall der Fälle einen Vorschlag: Sollte es tatsächlich so ausgehen, dass man uns die Landeszuschüsse streicht und Sie keine Möglichkeit haben an übergeordneter Stelle auf Einsicht zu stoßen, sollten ganz konsequent a l l e Mitglieder und Autoren gemeinsam das Fehlende anteilig zusätzlich aufbringen und zur Verfügung stellen: Die BRÜCKE muss bleiben! Ich sage das in Unkenntnis der Höhe der Summe, um die es geht, und hoffentlich fallen nicht einige der in Frage kommenden Leute vor Schreck in Ohnmacht, so meine Idee in irgendeiner Redaktionskonferenz denn einmal ,laut gedacht’ werden müsste, was ich nicht hoffe; wir sollten den Verhandlungsweg nutzen, so gut als irgend möglich. Soweit meine bescheidene Meinung für heute. Ihnen und allen Mitstreitern alles Liebe und Gute... Margot Born (Paderborn) Liebe Freunde, das ist ja ein Schlag ins Kontor! Unfassbar! Mit Kritik können die Damen und Herren in den politischen Funktionärs-Etagen nicht umgehen. Dann wird der (Geld) Hahn zugedreht. Zuerst trifft es immer die diejenigen, die sich Kulturarbeit auf die Fahne geschrieben hat, dann die Kindergärten und übrigen sozialen Einrichtungen. Ich habe selbstverständlich meine Solidarität erklärt. Ihr bekommt das Duplikat auf dem Postweg zugesandt. Das Original geht direkt an die Frau Misisterin für Frauen,pp. In meinem Schreiben an die Brücke äußere ich einen schlimmen Verdacht, der mir gekommen ist. Kosmopilitische künstlerische Vernetzung bedeutet für den Staat Gefahr! Besonders, wenn jemand um seinen Stuhl fürchtet... Bin mal gespannt, wann die Bildzeitung das Thema aufgreift. Ich mache ja gerade auf meiner Diskussionsseite -”Allgemeines”- ”das stand heute in Bild” unter www.reliwette.de eine Dauerperformance: Noch ... Tage bis zum Ende der Bildzeitung. Heute sind es noch 404 Tage... Hartmut T. Reliwette (Ostrhauderfehn) Lieber Necati Mert, vielen Dank für die Zusendung der Nachricht mit Link zur Brücke. Brücken sind gut und für die Menschen unentbehrlich, wollen wir doch den Abgrund zwischen uns, unseren Ländern und unseren politischen Einstellungen irgendwie überbrücken. Ich habe mich bei der ersten Lektüre der Inhalte sehr gefreut und denke dabei wie wichtig für uns Griechen und Türken eine Brücke wäre, eine richtige und keine bloß rhetorisch - und dann von Politikern - daher gesagte - Brücke, sondern eine, die tatsächlich zur Überbrückung unserer ”Differenzen” beiträgt. Ich hätte große Lust, etwas für die Brücke zu schreiben, bin aber gefangen in meinen Projekten... Jedenfalls, ich danke dir noch mal, dass du mir mit der Zusendung deiner Mail über die neue Brücke große Freude bereitet hast. Emmanuel Sarides (Community Channel Europe e.V., Berlin) Lieber Necati Mert! Bei allen Schwierigkeiten müssen wir kritischen Elemente in dieser Gesellschaft ja doch irgendwie weitermachen & für Unruhe sorgen. Karl-Heinz Schreiber (Herausgeber von KULT – Magazyn fyr NetzwerkPoesy, Goldbach)
Andreas Schmitt (Berlin), Christian Manteufel (Leimigen), Dipl.-Ing. Georg Walz (Wolfratshausen), Dipl.-Päd. Dieter Neumann (Ludwigsburg), Dr. Jutta Dornheim (Bremen), Edda Gutsche (DK-Taastrup), Elisabeth Schneider (Frankfurt/Main), Ernst Kaufmann (Müllheim), Frank Overhoff (Velbert), Franz Schandl (Redakteur der Zeitschriften Streifzüge/Wien sowie Krisis/Nürnberg), Fred Kautz (Darmstadt), Gottfried Weger (Simbach), Gudrun Rupp (Konstanz), Halil Can (Berlin), Helga Klöpping (Dortmund), Hermine Jöst (Berlin), Kenan Sinanoglu (Duisburg), Krikor Arakel Melikyan (Berlin), Kurt May (Langeln am Harz), Manfreda Bendrien (I-Palermo), Marlis Kandil (Karlsruhe), Max Holon (Darmstadt), Michael Loeckle (Baden-Baden), Molla Demirel (Radio Kaktus, Münster), Norbert Büttner (Berlin), Prof. Dr. Asit Datta (Hannover), Prof. Dr. Fuad Kandil (Karlsruhe), Prof. Dr. Helmut Dahmer (Darmstadt/Wien), Renato Vecellio (A-Wien), Sahabeddin Buz (Hannover), Sibylle Böhmer-Rawas (Erding), VIA-Bundesgeschäftsstelle (Duisburg) u.a...
Die Story eines budget-bürokratischen Bravourstücks
Am 24. November 2003 wandte sich die Redaktion auch an die Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien. Geschildert wurde der Staatsministerin Dr. Christina Weiss der Zustand der Zeitschrift in einem ziemlich ausführlichen Schreiben, das folgenden Ausklang enthält: Gegenwärtig klemmen wir uns dahinter, potentielle Kooperationspartnerschaften anzusprechen. Auch wenn die freimütigen Akteure des kulturellen Engagements großenteils mit den Folgen des generellen Kahlschlag-Kommandos konfrontiert sind, stellen sie sich als Exponenten der Majorität in der Regel nicht der Realität der Lebenswelten mit dem migrantischen Hintergrund. Ihre Angehörigen werden nicht als gleichwertige Mitträger ins Gesichtsfeld der Reproduktion und Repräsentation von Kunst und Literatur einbezogen, höchsten als exotische Exponate aus der Umwelt der Minorität verwertet. Bisher nahm unser morgenbuntes Laubwerk davon Abstand, mit den Unterordnungsparadigmen des Status quo konform zu gehen, verbummelte damit auch den Schritt, an den ruhigen Hafen der Förderpötte zu gelangen. Vielmehr strengten sich seine Mitstreiter an, ein Forum nonkonformistischer Gedankengänge für eine kosmopolitische Bürgerrepublik Deutschland jenseits der mediokratisch popularisierten melancholischen Scheinmelodie „Interkultur“ zu favorisieren. Ihren Schwerpunkt legten sie auch in der Kritik am Postulat „Multikultur“, das mit seinem späteren Pendant „Leitkultur“ am Ende dazu animiert, die anschwellenden sozialen Hierarchien kulturalistisch zu legitimieren. Ideologisiert wird im diskursiven Allerlei die ethnische Charakteristika des Sichauseinanderlebens, mit deren Dazutun das Szenarium der kulturellen Identitäten so komplettiert wird, daß dem Menschentum nichts anderes bevorsteht als der apokalyptische „Clash of civilization“. Wenn die lautstark protegierte „Interkultur“ über ein reales Gewicht verfügen sollte, dann müßte DIE BRÜCKE im Port der durch „Kultur und Medien“ gesponserten Initiativen längst einen Titel innehaben. Hiermit beantrage ich die Aufname unseres „Forum für antirassistische Politik und Kultur“ im Verzeichnis der frei-gemeinnützigen Körperschaften, denen Ihr Amtsbereich Beistand leistet. Zugleich bitte ich Sie um die Bearbeitung unseres Anliegens, ohne den Amtsschimmel zu reiten. Zwei Monate vergingen, eine Antwort blieb aus. Auf ein wiederholtes Schreiben vom 27. Januar 2004, das darauf Bezug nahm, reagierte man mit einem Ablehnungsbescheid vom 9. Februar: „Ich bedaure sehr, Ihnen diese Nachricht übermitteln zu müssen und hoffe, dass Sie über das Land entsprechende Unterstützung finden werden.“ Anfang März rief dann ein anderer Bürolist der Beauftragten an und wollte wissen, worauf sich das Schreiben vom 27. Januar bezog. Nach der Klärung des Sachverhalts bedauerte er ebenfalls, daß der Bundesbehörde die nötigen Mittel fehlen, der vom „Aus-Druck“ gefährdeten Vierteljahresschrift zu Hilfe zu kommen. Ein Verfahren, daß seit dem Trabantenstart des neoliberal verschlankten Ständestaates Schule macht. Seine Ministerialen schicken sich an, ihr Gehalt dadurch zu sichern, daß sie eingetroffene Anträge ohne Lobby zurückweisen, indem sie ihr Bedauern auf finanzielle Engpässe zurückführen. Doch dem Etat der Kulturbeauftragten stehen für 2004 insgesamt 904,27 Millionen Euro zur Verfügung. Davon geht wiederum der größte Anteil an Zuweisungen und Zuschüsse (ohne Investitionen), nämlich 668,27 Millionen Euro, über 11 Millionen mehr als im Vorjahr.
Die Trennschärfe zwischen Ständestaat und Souverän geht bald zur Neige. Am Fördertropf der gestylten Get-together-Party hängen nur noch die Troubadoure und Troupiers der Krautjunker. Sie lenken ihr Allradfahrzeug durch die periphere Wüste des Maastricht-Blocks im abendländischen Imperium. Auch die rot-grüne Allgegenwart läuft aus, ihr Werte-Klimbim erodiert wie das Refugium der ertappten Wegelagerer. Es grünt nichts, es blüht nichts. Der Raubzug durch die sozialen Systeme durchstreift die Quartiere des Existenzminimums. Unter dem geblümten Transparent „Gerechtigkeit für die kommenden Generationen“ drückt die Herrschaftsgewalt vergnügt aufs Tempo der neoliberalen Planierraupe, um zu versteuern, was dem geringfügigen Genuß der breiten Schichten zugute kommt: Ein verqualmter Glimmstengel und ein Glas Sorgenbrecher vor dem abendlichen Glotzophon. Wenn ein Operntheater schließt, beginnt die Singakademie der Krämerseele mit einem windigen Jammerkonzert. Wenn Bibliotheken und ähnliche Anstalten verriegelt werden, wird kein Tonfall laut. Schön brav haben sich die Untertanen anzustellen und den Restriktionen der Bürger- und Menschenrechte ohne Murren zuzustimmen, die schließlich nur dem Erhalt der allgemeinen Eintracht dienen. Hinterm Zonenzaun des Volkstums dürfen kalte Klagen ertönen, aber kein vernehmliches Zähneknirschen. Einige zehn Milliarden fließen vom Staatsbudget in den Kirchentopf als Entwicklungshilfe. Sold beziehen davon die Heinzelmännchen einer „humanitären“ Tragikomödie und die Gehilfen einer Interessengemeinschaft, die sich mehr elitär als humanitär etabliert hat. Selbstbestimmte Tätigkeiten, die keinen Mehrwert auf dem Markt abwerfen, werden über die Achsel angesehen oder kurzerhand herabwürdigt. In dieser Atmosphäre ging die Protest-Brief-Aktion ihren Gang. Mühsam kam der Spätwinter 2004 aus der frostigen Nebelzone der wohltätigen Reklame-Romanzeros heraus. Und es gibt dennoch das Funken der Hoffnung auf dem dornigen Pfad in einen nächsten Morgen. Als eines solcher Blätter, die sich ein Herz nehmen, an neue Ufern der universalen Wertbeständigkeit zu gelangen, versteht sich DIE BRÜCKE. Weiter wird dieses Blatt der Morgenröte über der Biosphäre der Hominiden kreisen. Nicht das Gangbare unter systemischen Asymmetrien wird sie zu assimilieren testen, sondern weiter auf elementare Kritik setzen und auf eine antiimperialistisch humanitäre Ästhetik. Necati Mert |