| GEGENWART
DER GESCHICHTE |
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| Macher,
Akteure und Profiteure Von Erich Rückleben |
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| „Das noch bessere haben wir, aber Gutes nicht die Spur. Das Neueste gibt es. Aber nichts Neues.“ Alexander Sinowjew
Umstellt und durchdrungen von der medialen Welt, multimedial und virtuell gleich geschaltet, wirkt der Medienmensch als Vollstrecker des technoiden Imperiums. Im kommunikativen Austausch zwar verstummt, läßt sich der Medienkonsument umso mehr von der lauthalsen Zunft der Macher zudröhnen. Angebote, wie abstrus sie auch sein mögen, sind gleichsam das Muss, das Gebotene zu konsumieren, zu erwerben, um zusammen genommen das Gefühl der Zugehörigkeit zur Masse zu befriedigen. Lebensqualität bezieht ihren quantitativen Bedarf nicht mehr aus dem Fundus traditionsgebundener Kultur, sondern aus dem Konglomerat medienträchtiger Pseudokultur. Der damit verbundene Wertverlust wird unermüdlich durch recycelten Kulturmüll ersetzt, der in den Fabriken der Macher zu schmackhaftem Futter aufbereitet wird und den Hunger der Masse stillt. Sowohl die entartete TV-Kultur als auch die Internet-Wüste und das printmediale Gewerbe, insbesondere die Boulevard-Presse, transportieren jenen unsäglichen immer währenden Strom von Daten, Nachrichten und Show-Events, der die Hirne des Konsumenten flutet und damit jene Hohlräume füllt, in denen der Geist und die Vernunft unwiederbringlich untergegangen sind. Hier sind psychische Schäden und geistiges Siechtum nicht das Thema an vorderster Front des Medien-Aktivismus, vielmehr das Bemühen, den Boom jedweder Spielart innovativ und exzessiv an zu heizen, das Wahnwitzige auf die Spitze zu treiben, das Machbare zu überdehnen, um somit ziel- und maßlos die Spirale des Medienterrors hochzuheizen. Die globale Vernetzung ist gleichsam der elektronische Herz- und Pulsschlag des Medien-Imperiums, dessen Rhythmus bei zunehmender Frequenz die Beschleunigung ins schier Pathologische steigert, in eine Befindlichkeit des Krank-Seins, dessen Symptome in eigener Wahrnehmung aber auf störungsfreie Gesundheit hin deuten. Eine Selbstdiagnose mithin, die das Krank-Sein zur Normalität erhebt und den Wahnsinn für die Regel hält. Das dezidierte Festhalten an intentionalen Werten lässt weder eine Divergenz zu, noch dass diese überhaupt zur Diskussion stände. Doch, wer wollte uns zwingen dem Zeitgeist zu folgen, oder wie Jean Auguste Dominique Ingres formuliert: „Man lasse mich in Ruhe mit der absurden Behauptung..., wir müssen dem Geist unserer Zeit folgen. Was aber ist, wenn meine Zeit den falschen Weg geht...? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir den genannten Weg verlassen und mit unzeitgemäßer Sicht die Dinge betrachten.“ Das, was der Fortschritt hinter sich ließ und mit fortschreitendem Tempo hinter sich lässt sowie durch Banalität und Trivialität ersetzt wird, hat jeden Maßstab verloren. Die Meßlatte des Seichten wird von jeder noch so sinnentleerenden Spielart leichtgewichtiger Medienkost mühelos übersprungen. Schrotttransporteure und Müllspezialisten sind unentwegt tätig ihre Produktion zu mehren und das teutonische Absurdistan mit Abfall zu rüsten. Das Schaufenster zur Welt, ob es nun TV oder Internet heißt, lebt und gedeiht durch die Vielfalt einheitlicher Verdummung und potenziert damit den Konsumenten zum medialen verblödeten Allesfresser. Sowohl das Glotz-Kino als auch die Internetwüste sind zum virtuellen Zeitvertreib und Kommunikationsersatz geworden. Während das TV-Repertoire aus schwätzend und lärmendem Inventar besteht, transportiert das Internet unentwegt lautlosen Datenmüll. Der Konsument, von beiden zur Sprachlosigkeit und Sprachunfähigkeit verdammt, verinnerlicht das Repertoire der sprechenden elektronischen Maschinen, um sich nunmehr mediengerecht dieser „neuen Sprache“ zu bedienen. Sprache aber, wie man weiß, setzt Denken voraus, wo jedoch das Denken weitgehend abgeschaltet ist, verliert der Mensch die Fähigkeit sich kommunikativ zwischenmenschlich einzubringen. „Der Lärm des TV- Geredes“, so H.D. Jünger, „wächst proportional mit dem Verlust der realen Gesprächsfähigkeit und dem Niedergang einer Kultur des Wortes.“ TV – oder das T.ollhaus der V.errückten Fernsehen ist gleichsam das Fernstehen von der Wirklichkeit, gewissermaßen die Auszeit vom richtigen Leben, in der der Mensch einen erheblichen Teil seiner Freizeit verbringt. Stunden des Schweigens und Stierens versetzen ihn in den Zustand suggestiver Trance, einer geistigen Dämmerung, die ihn permanent in die Tristesse fortwährenden Stumpfsinns zwingt und, wie Jean Baudrillard sagt, „tragen uns die vorbeirauschenden Bilder davon.“ „Sind das aber noch Bilder auf dem Bildschirm?“ fragt er und antwortet: „Ein Bild erzeugt jedoch eine Illusion. Es gab ein Illusionsprinzip, eine Ästhetik, einen Abstand zum Bild. Zum Bildschirm jedoch haben wir keinen Abstand mehr, wir tauchen in die Datenfluten ein. Hier kann man nicht einmal mehr von Entfremdung im Sinne von Marx sprechen, da hatte man noch die Chance die Entfremdung aufzuheben, hier sind wir indes in den Bildschirm eingetaucht, weil wir zu nahe dran sind, fehlt uns der Abstand des Blicks zur Bühne des Urteils. Wir sind der Operation des Zaubertrankes des Operativen verfallen.“ Auf der Oberfläche des Bildschirms berühren sich Menschen, Blicke und Dinge nur virtuell, weder dass sie kommunikativ in Verbindung treten, noch gegenseitig im Sinne von Kontakten einen Dialog aufnehmen. Auf allen TV-Kanälen zuhause, namentlich aber dort, wo leichteste Kost serviert wird und Banalitäten en masse geboten werden, richtet sich der TV-Mensch häuslich ein, um sich nun in Raum und Zeit des magischen Glotz-Kastens zu verlieren. Das inflationäre Repertoire der TV-Fabriken wie Film, Show, Geschwätz, Fußball und jeder Art seichter Unterhaltung entwertet sich in Wiederholung nicht nur selbst, sondern ist überhaupt Entwertung par excellence. Wenn hier Werte am Zeitgeist fest gemacht werden, dann dienen sie einzig den Machern, die sogenannte Quote wasserdicht zu machen. Das Zugpferd des Unsäglichen sind aber die privaten Schund-Transporteure, die unentwegt mit dem dazu gehörenden Lärm ihren Müll an den Mann bringen. Sie setzen nicht nur vorbildlich Television „Made in USA“ um, sondern sind auch zunehmend Vorbild für das öffentlich rechtliche Fernsehen, das den Schrittmachern hinterher hechelt und mit dem Sammelsurium des Banalen und Trivialen ebenso aufrüstet. Je seichter und leichter diese Schwemme daher kommt, um so mehr boomen die Einschaltquoten, jenes magische Wort der TV-Macher, an dem sie ihre „Erfolge“ fest machen. Delirien jeder Art und Qualität, von Comedy über Talk-Geschwätz bis hin in die Niederungen des Show-Spektakels, animieren und verführen den TV-Süchtigen zu unermüdlichem Konsum des Schwachsinns. Talk-Runden, die ausdauernden Renner des TV-Gewerbes, schwimmen auf einer Welle des speziellen Blödsinns. Wenn Promis permanent herumgereicht werden, als hätten sie ein Abonnement auf das Quassel-TV, um hier ihren nichtssagenden Schaum abzusondern, dann wiederholt sich wieder und wieder das nervtötende Geschwafel jenes Ensembles, das als die Creme der TV-Branche gehandelt wird. Aus diesem Kreis rekrutiert sich aber auch eine unüberschaubare Zahl schreibender Amateure, deren erbärmlicher literarischer Status hier vergoldet und aufgewertet wird. Und so weiß man auch, dass die Buchindustrie hier kräftig mitmischt und ihre Marketing-Maschine zwecks Transport ihrer „Autoren“ als werbende in eigener Sache und der Verlage an Talk-Shows vermittelt. Es überrascht also nicht, vermehrt „Autoren“ dieses Genres als Dauergäste in Talk-Shows zu sehen, die am geeigneten Ort ihre zweifelhaften Produkte dem Publikum präsentieren, und das nicht ohne Erfolg wie man weiß. Und ebenso weiß man, das diese TV-Fabelwesen in vielen Fällen ihren reduzierten Intelligenzquotienten nur schwer zu verbergen in der Lage sind. Von so manchem Sujet blieben wir freilich verschont, gäbe es nicht die Ghostwriter, jene anonymen Texter, die ihren Auftraggebern das Namensschild vergolden. Insgesamt sind diese „Autoren“ zu einer Seuche geworden, die hochansteckend auf einen immer größeren Kreis von TV-Promis übergreift, die im Zyklus der Talk-Shows ihre Runden drehen. So spektakelt der Promi-Zirkus von einer Manege in die andere, selbstgerecht schwatzend und Aufmerksamkeit heischend. Ebenso und gleichermaßen abgedroschen kommt der Polit-Talk daher. Auch hier wird Wiederholung bis zum Exkess strapaziert. Die gleichen Köpfe, das gleiche Vokabular, die gleiche Vermittlung von Standpunkten, die der Parteilinie getreu und erwartungsgemäß immer erneut, gleich einer Litanei, herunter gebetet werden. Geradezu unerträglich und unverträglich reizt dieses Gesülze zum Kotzen, aber auch die verbale Peitsche zu schwingen, um den Schwätzern mit aller Schärfe übers Maul zu fahren. Fernsehen als politisches Medium hat Hochkonjunktur und ist gleichsam Sprachrohr, Podium und Arena für das Ensemble des Polit-Zirkus. In den Arenen des TV-Schaustellergewerbes tummelt sich eine Spezies, die wie das virtuelle Inventar zum Standard dieser Branche gehört. Ein Ensemble, das im Zirkusrund des TV-Spektakels mit Dauer und Ausdauer die digitalen Manegen besetzt und die Präsentation aller Schattierungen der intentionalen Fernsehkultur darstellt. Show ist auf den Bühnen des TV-Theaters gefragt, Inszenierungen aus dem Repertoire „voll blöd, voll geil“, wie sie unter anderem die Comedy-Seuche mit Klamauk und hirnlosen Späßen transportiert und zelebriert. Humor aus der untersten Klamottenkiste mit dem Spaßfaktor „Massenverblödung“ triumphiert und hat Hochkonjunktur. Hier haben wir es mit Spaßakteuren zu tun, deren Züchtung ohne die TV-Fabriken undenkbar wäre und die, hätten sie nicht das Fernsehen als Steigbügelhalter, würden ihre jämmerlichen Späße wohl eher in Bierzelten feilbieten. Nun diese „Elite“ der Spaßaktivisten avancierte zu Vorzeigehumoristen, die gemäß ihrer TV-Bestimmung das Ensemble der Spaßmacher stellen. Insgesamt kamen und kommen hier Akteure zu Gesicht und Namen, die mit dem Duktus intentionaler Normen maßgenau in das Raster der Neokultur des Fernsehens passen. Mit der Amplikation dieser sonderbaren Züchtung, vermehrt sich auch zwangsläufig der Geist des Banalen und Billigen, der sich nachhaltig profilierend, immer deutlichere Konturen des Verrückt-Seins annimmt. Die in den TV-Fabriken produzierte Ware, namentlich aber jener Schund, den die kommerziellen Produzenten anbieten, weist auf zunehmend geistigen Verfall der Macher hin, die im Verbund mit dem Werbewahnsinn eher in der Psychiatrie ihr Unwesen treiben sollten. Der TV-Cineast, oder besser gesagt, der Action-Konsument und Thriller-Psychopath, lechzt geradezu nach Blut, nach infernalischer Gewalt, nach Mord und Todschlag. Umsomehr sich dieses Szenario verdichtet und final zum Exzess wird, je mehr frohlockt der süchtige TV-Klient. Nicht das Wort, der Dialog und die zwischenmenschliche Kommunikation steht hier im Mittelpunkt, sondern der nonverbale Austausch von Gewalt, die Inszenierung blutrünstigen Horrors, das Schlachtfeld der Action-Akteure und jeder Art destruktiver Zerstörungswut. Indes vermitteln Pilcher & Co bis hin zum unsäglichen Musikantenstadel und die Flut von Serien jeder Couleur, Trivialität der billigsten Sorte und damit zeigen die Fernsehmacher eine weitere Facette ihrer Produktion aus dem Repertoire „Schwachsinn“. Schwachsinn ist freilich auch das Wort für Werbung, „denn dieses Konglomerat aus Datenmüll, Slogans und Bandenwerbung“, so Hans Dieter Jünger, „hat den Charme der endlosen Flure eines Katasteramtes und die Übersichtlichkeit eines David-Lynch-Films.“ In einem Gespräch zwischen dem ehemaligen RTL-Boss Helmut Thoma und dem ARD-Programmdirektor, Günter Struve, ließ letzterer in Bezug auf Werbung verlauten: „Eine Welt in der keine Werbung mehr stattfindet ist eine künstliche Welt:“ Mit diesem Satz wird einmal mehr deutlich, wie das werbeträchtige Fernsehen und deren Macher in dem Denkkäfig ihres entfremdeten Medien-Kosmos eingeschlossen sind, nämlich jener „Künstlichen Welt“, die bei Nah- und Fernbetrachtung ein Potential von Irrsinn und Entfremdung produziert, das die TV-Macher und Werbestrategen hermetisch gegen die Außenwelt abschließt und die Verirrung der ganzen Branche ersichtlich macht. Ein Protagonist par excellence dieser Zunft ist der schon genannte Helmut Thoma. Die Denkstrukturen dieses Menschen sind ein Synonym für die geistige Verfassung der Medienbruderschaft. Wer diesem Zunftbruder zuhört, der wähnt sich in der Tat in einer anderen Welt, die von einem Anders und Irresein dominiert wird, das einen vernunftbetonten Dialog nicht mehr zulässt, und dennoch wird der Mensch als Vorzeigeobjekt unermüdlich in Talk-Runden herum gereicht, was freilich nicht verwunderlich ist, denn hier ist er ja schließlich beheimatet. Der TV-Konsument als ausgewiesener Allesschlucker, dem verdirbt nichts so leicht den Magen, wenn die Kost nur leicht genug ist, und da macht er weder einen Unterschied zwischen Werbung, Talk-Gewäsch, Show-Spektakel noch Film- und Serienwust. Von Frühstücks-TV bis zur Late-Night-Show rotiert das Kaleidoskop des Fernseh-Klienten mit einer Bilderflut, die weder verarbeit wird, noch reflektierend in einen weiterführenden Denkprozess mündet. Fernsehen als Ersatz für Bücher, Theater und dem kommunikativen zwischenmenschlichen Dialog, ersetzt alles, und dies auf einem Niveau, das sich weitgehend an dem reduzierten geistigen Bedürfnis des Publikums orientiert, das für die Aufnahme jeden Schwachsinns zu haben ist und damit die Niederungen des Stumpfsinns befriedigt. Überrauscht von Bildern und Eindrücken, zugedröhnt von Informationen und Nachrichten, dämmert der Konsument ins virtuelle Nirwana. Kulturzeit, gleich Primetime, frühestens kurz vor Mitternacht oder noch später im Programmsgebot, zielt ausnahmslos auf jenen kleinen Kreis Intelligenzler, die scheinbar mit weniger Schlaf als die Masse auskommen und aus Sicht der TV-Macher dementsprechend auch zu faul zum Arbeiten sind. „Ab 23.00 Uhr sendet die ARD offensichtlich für Ich-AGs... Wer vor 23.00 Uhr schlafen geht, ist einfach dümmer...“ - so der Kabarettist Dieter Hildebrandt. Nächtlichen Nischen ist es vorbehalten, was in der Masse des Seichten und Leichten über den Tag nicht unter zu bringen ist und weitgehend als Störfaktor für den TV-Konsumenten gesehen wird. „Fernsehen macht traurig“ - unter diesem Titel veröffentlichte das Allensbacher Institut für Demoskopie im November 2003 einen Bericht, nach dem 55 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen am häufigsten traurig sind und das aufgrund eines intensiven TV-Konsums. In der US-Zeitschrift „Science“ wurde zur gleichen Zeit eine Studie der Columbia-Universität zusammen gefasst, aus der hervor geht, dass der Zusammenhang von übermäßigem Fernsehen und Gewalt bei Schülern und Jugendlichen eindeutig erwiesen, aber erstaunlicherweise in der Öffentlichkeit immer noch nicht angekommen ist. „In der Studie“ so ihr Leiter Jeffrey Johnson, „würden alle Hypothesen widerlegt, die einen Zusammenhang zwischen Gewalt in den Medien und der Gewalt in der Gesellschaft negieren.“ In der Tat wird dieser Zusammenhang permanent herunter gespielt, tot geschwiegen und in den Katalog des Sachverhaltes Gewalt nicht aufgenommen. Vergleichbar dem Auto, das nachgewiesenermaßen als Luftverpester ersten Ranges die Pestilenz triumphierender Mobilität verbreitet, aber nicht im Zusammenhang mit Umweltzerstörung gesehen wird. Schweigen, Verdrängen und aus ökonomischem Interesse schön reden, sind die einzigen Antworten auf den Autowahn. Der dem Wahn Television in nichts nach steht und in dem Sinne verbindet, dass beide zum unverzichtbaren Standard der Modernität gehören. So wie das Fernsehen das Lebensgefühl der Heranwachsenden verändert, genauso verändert offenbar die Erwachsenen ihr Anders-Sein, das es ihnen nicht mehr erlaubt, paradigmatisch ihre Vorbildfunktion zu erfüllen. Datendschungel und Internetwüste Wer sich der Magie des Internet geöffnet hat, der Sucht dieses Mediums verfallen ist und sich den Kräften suggestiver Vereinnahmung ergeben hat, der hat sich unwiderruflich für eine Gegenwelt entschieden, die ihn vom richtigen Leben abschottet und ihn in die Gefangenschaft eines Universums zwingt, in dem er gleichsam als Siedler in Raum und Zeit des virtuellen Kosmos vegetiert. Die digitale, auf Abruf verfügbare Datenflut, dem Medium entsprechend mit einer Sprache aufbereitet, deren technoider Charakter einer Sprachschöpfung gleich kommt, deren Neologismen adäquat dem Medium sich als Internet-Esperanto präsentiert. Mit dem Notat der Internetsprache ist gleichsam die Lexik „fachidiotisch“ auf den Weg gebracht, eine Sprache mithin, die den technoiden Standard des Mediums legalisiert und den Menschen auf das Maß des sprachentfremdeten Internetidioten reduziert. Die Kommunikation mit dem Computer, ein Dialog zwischen Mensch und Maschine, in dem das sprechende Wort seinen Stellenwert verloren hat und durch den pseudokommunikativen phonetischen Austausch ersetzt wird, ist gleichsam das Zwiegespräch auf der Ebene entfremdeter digitaler Verständigung. Dies ist als solches die Interaktivität des in Abhängigkeit geratenen Internetsüchtigen überhaupt, der wiederum augrund der Interdependenz in die Pflicht genommen, sein Pensum Internet erfüllen muss, um der Zeitvernichtung breitesten Raum zu gewähren und der absurden Kommunikation mit Datenkolonnen und Informationskarawanen seine Freizeit zu opfern, um somit als Siedler im Internetdschungel zu hausen. Dschungel und Wüste sind der alternierende Raum, in dem sich der Internet-Nomade bewegt, der hier sein virtuelles Paradies findet, das ihn wie eine Glasglocke gegen die Wirklichkeit abschirmt. Paradiesisch ist freilich auch der virtuelle Warenkorb, mit dem das Internet aufwartet, der mit Mausklick abgerufen werden kann, die Shop-Hopper mit jedweden Konsumgütern bedient und versorgt. Ein unvergleichlicher Werbeboom sorgt für steigende Umsätze, Agenturen und Newcomer streiten verbissen um Vormachtstellungen, werben mit Tricks, Maschen, Strategien und unlauteren Mitteln, um sich auf dem Online-Markt zu behaupten und profitable Geschäfte zu tätigen. Die unter Volldampf stehende Werbemaschine Internet reißt den Konsumenten, ob er will oder nicht, auf die Straße des Kaufrausches mit, ja sie verführt ihn gegen jedes bessere Wissen zu Käufen von Waren, die weder gebraucht, noch nutzbringend im Sinne von notwendig sind. Während der traditionelle Warenabsatz stagniert und rückläufig rote Zahlen schreibt, wartet der virtuelle zunehmend mit schwarzen Zahlen auf. Der virtuelle Rausch beflügelt aus vielfachen Gründen die Kauflust weit mehr, als der traditionelle Gang in den Laden. Somit hat der Internet-Mensch ein Stück mehr Internet-Wirklichkeit in seinen Alltag geholt. Dem verkabelten Internetsüchtigen, als solcher programmatisch auf das Medium Internet eingestellt, für den ist die virtuelle Welt zur Wirklichkeit geworden. Ohne zu hinterfragen und kritisch zu sichten, wird jedwedes Angebot angenommen, Neugier gestillt, Voyeurismus befriedigt, Lust auf Vermehrung jeden Blödsinns hochgeschaukelt und der Appetit auf die abstrusesten Informationen und Daten angestachelt. Was immer ins Internet gestellt, somit abzurufen ist, dient in großem Umfang den Gelangweilten als Freizeitfüller, als Droge für den Dauerrausch, der die Zeit-Vertreibung in den Mittelpunkt stellt. Gewiss hat das Internet auch einen Korridor für sinnvolle Nutzung, aber da hier Sinn und Unsinn dicht beieinander liegen und das Überangebot des Unsinns dominiert, verwundert es nicht, dass sich die Masse der Konsumenten für den Blödsinn entscheidet. Eine nicht mehr überschaubare, unsägliche Flut von Botschaften aus dem virtuellen Kosmos flutet die Hirne der Internet-Klienten, bei denen nicht nur ihr Denken rettungslos untergeht, sondern auch die letzten Reste ihres Verstandes ausgeschwemmt werden, was freilich auch auf die Handyoten zu trifft. Denkunvermögen und Sprachverlust in der modernen Kommunikationsgesellschaft, namentlich junge Menschen betreffend, die schon in Schule und Bildung ungenügende bis mangelhafte Deutschkenntnisse aufweisen, sind vielfach auch das Ergebnis einsamer Kommunikation mit dem Computer. Sprachkompetenz reduziert sich weitgehend auf eine phonetisch gebrauchte Umgangssprache, die sich in Handy-Kurzmitteilung und Internet-Sprache artikuliert. Die Verdrängung der korrekten Schriftsprache stellt auch einen Zusammenhang zwischen Sprachverlust und Gewalttätigkeit her. Denn dort, wo das Wort, die Argumentation, seine reiche Mittlertätigkeit einbüßt, werden demzufolge nur noch Fäuste und Affekte das Sagen haben. Was wiederum bedeutet, zurück in die Steinzeit zu den Barbaren. Nach einer UNESCO-Studie zählen 25 Prozent deutscher Schüler zur „Risikogruppe“, die am Ende ihrer Schulausbildung kaum lesen und schreiben können. Namentlich dieser Personenkreis und die fast 1 Mio. erwachsener Analphabeten wird durch Internet und Fernsehen im Besonderen und am nachhaltigsten geschädigt. „Und da die Deutschen überhaupt ein gestörtes Verhältnis zur ihrer Sprache haben,“ diagnostiziert der Romanist Roland Kaehlbrandt von der Hertie-Stiftung, „sammle sich hier soviel „Sprachmüll“ an, wie in keiner anderen Sprache der Welt.“ Hier aber sind die Verstärker TV und Internet an führender Stelle tätig, die mit Anglizismen, Kürzeln und jedwedem Kauderwelsch, die Sprachverhunzung kräftig voran treiben und aufrüsten. Dieser Trend dürfte sich zukünftig vermehrt und in großem Umfang verstärken, zumal die nachwachsende Generation aufgrund fehlender Vorbilder einen weiteren Verlust ihrer Orientierung hinnehmen muss und analog dieses Verlustes wird sich der Sprachschatzes „Deutsch“ vermutlich gänzlich in „Sprachmüll“ verwandeln. Mithin ein Bildungsnotstand, der die fortschrittstrunkene moderne Gesellschaft vor ungeahnte Probleme stellen dürfte. Wer sich nur noch im Chatroom verständigen kann, der hat damit die Sprachkompetenz zum Dialog mit Niveau verloren, der wird sich eher mit der nonverbalen Keule „Gewalt“ austauschen und den Barbaren sprechen lassen. In Ergänzung, aber wie ich meine, auch in Konkurrenz zum Buch, rüsten öffentliche Bibliotheken verstärkt mit Computer und Internet auf. Als die Hamburger Zentralbibliothek im Februar diesen Jahres ihre neuen Räume der Öffentlichkeit vorstellte, wies man besonders darauf hin, dem Publikum neben dem Buch jetzt auch Internet anbieten zu können, über ein vergrößertes Angebot von Videos und CDs zu verfügen und via Mediathek nun alle zu bedienen. Das Publikum applaudiert, die Initiatoren sind begeistert und die Bibliothek als Refugium für den Leser hat ihre Rolle diesbezüglich ausgespielt. Handyoten in den Manegen des Medienzirkus Neben dem Internet als Kommunikationsersatz ist das Mobiltelefon zwischenzeitlich zum Multifunktionsgerät heran gereift und in Erweiterung der menschlichen Sinne zum integraler Bestandteil des Selbst geworden. Ohne dies Gerät, das dem Menschen scheinbar ins Fleisch gewachsen ist und gleich einem Organ, das im Sinne von lebensnotwendig funktioniert und die Teilhabe am immerwährenden Kommunikationsrausch fordert, wäre der Homo-handycus wohl kaum noch lebensfähig. Wo immer wir uns aufhalten begegnet uns die Spezies der Handyoten, quer durch die Gesellschaft und in allen Altersschichten. Mit dem Quasselphon als Dienstleister für überflüssige Kommunikation ist nunmehr jeder zu erreichen. Hier ist freilich nicht die Frage nach Sinn und Zweck des notwendigen Bedürfnisses zu stellen, sondern eine Antwort auf dies psychotische Phänomen zu finden. Die insgesamt pathologischen Strukturen der technokratischen Gesellschaft und der damit einhergehende geistige Verfall, die Glorie des Technozentrismus, die Massendomestizierung, die Umpolung und Transformierung zum alles dominierenden Homo-technicus mögen einige der Antworten sein, wenn auch nicht erschöpfend, so aber doch über die Kernpunkte Aufschluss gebend. Mit Blick auf die Zukunft des Mobiltelefons, das aktuell von 60 Mio. Menschen benutzt wird, und mit Multifunktion seinen Gebrauchswert maximiert und mit weiteren Zuwächsen den Konsumenten animiert, schauen wir einmal mehr in Richtung des Unnutzes, des Überflüssigen und Sinnlosen. Das Ziel der Innovateure ist der total vernetzte Mensch von Handy über Internet bis Digital-TV. Mit dieser Entwicklung, und das ist das Bedenkliche überhaupt, entwickeln selbst Jugendliche und Kinder schon elektronische Sinne und Sensoren, die sie von der Wahrnehmung der Wirklichkeit wegführt, mit Computer, Handy und TV in die Welt der Illusion entführt. Dass Kinder mit Handy gerüstet sein müssen und mit sinnlosem und nutzlosem Geschwafel die Kassen von Telecom & Co füllen, darüber mögen einzig die Profiteure jubeln, ansonsten ist einem da wohl eher zum Weinen zu Mute. Addieren wir noch die Problematik der Gebührenfinanzierung mit wachsender Verschuldung des jugendlichen Personenkreises hinzu, dann ist die Grenze dessen längst überschritten, was überhaupt noch zu verantworten ist. Jedoch der Neoliberalismus mit seinen sich mehrenden Verfallserscheinungen kennt diesbezüglich keine Verantwortung, verfügt dabei aber über die besten Kenntnisse, wie man sich skrupel- und gewissenlos bereichert. Printmedien – BILDwelten und Yellow Press Mit dem Überangebot von Zeitungen und Zeitschriften, die wie die elektronischen Medien eine Flut von Bildern, Nachrichten und Informationen transportieren, hat der Konsument zwar Zugang zu Wort und Schrift, nur, was auch immer hier geschrieben wird, schöpft aus dem Repertoire der gängigen Nachrichten, die sich im Einzelnen nur dadurch unterscheiden, welches Blatt sie vermittelt. Die scheinbare Meinungsvielfalt reduziert sich unter dem Strich auf eine Meinungslinie, die richtungsweisend den Markt der Zeitungsmacher bestimmt. Alternativen und andere Sichtweiten, Standpunkte, die nicht in den Konsens der Macher passen, sucht man vergebens in der Presselandschaft, wie z.B. eine durchgängige Kritik an Kultur, Politik und Gesellschaft. Vielmehr dominiert die kritiklose Berichterstattung und der begleitende Informations-Journalismus. Mit wenigen Ausnahmen erscheint es so, als liefe die Journalisten-Zunft mit Maukörben herum. Linientreue im Rahmen eines Kodex, der Tabus unangetastet lässt, was heißen will: das tabuisierte Gesellschaftssystem Neokapitalismus, in das der Journalismus und die Zeitungsbranche in vollem Umfang involviert ist, wird, manifest als existenzielle Lebensform, ohne Wenn und Aber anerkannt und als heilige Kuh akzeptiert. Damit ein Istzustand hingenommen, der nur gelegentlich in den Fokus der schreibenden Zunft gerät und dann wiederum nur partiell, marginal und mit Scheuklappen versehen. Namentlich die politische Landschaft, die sich z.Z. in einem fatalen Umbruch befindet und mit Reformen und Modernisierung seltsamste Blüten treibt, ein Desaster, das von der Presse zwar begleitet wird, wiederkäuend und in Wiederholung gedroschen, aber weder tiefergehend analysiert und Hintergründe sichtbar macht, noch systemimmanente Zusammenhänge aufspürt, oder wie Erich Fromm sagt: „Zeitungen, Nachrichtenmagazine, Fernsehen und Radio produzieren aus dem Rohstoff der Ereignisse die Ware: Nachrichten. Nur Nachrichten sind verkäuflich, und die Nachrichtenmedien bestimmen, welche Ereignisse zu Nachrichten aufbereitet werden und welche nicht. Die Informationen, die der Bürger erhält, sind bestenfalls zu recht gestutzt und oberflächlich und geben ihm kaum die Möglichkeit, tiefer in die Materie einzudringen und die eigentlichen Ursachen von Ereignissen zu erkennen.“ Während der Enthüllungsjournalismus von Zeit zu Zeit Schlagzeilen macht, hüllen sich selbige in Schweigen, wenn es darum geht, die Kohärenz teutonischer Talfahrt mit der neokapitalistischen Republik in Verbindung zu bringen. Nicht das faulende System Demokratischer Kapitalismus steht im Mittelpunkt der Berichterstattung, sondern die Protagonisten aus Politik und Wirtschaft, die als integeres Management beschrieben, jedoch nicht in Beziehung zum Fäulnisprozess des Gesellschaftssystems insgesamt gesehen werden. So wie die Werbung zum Standard der elektronischen Medien gehört, genauso raumgreifend füllt sie die Seiten der Druck-Medien. Wer Zeitungen, Magazine und Zeitschriften erwirbt und liest, muss zwangsweise Werbung mit in Kauf nehmen. Der wird neben dem noch vorhandenen Text mit Werbung jeder Art und Schattierung bombardiert. In so manchem Blatt, und dazu gehören an vorderster Stelle der Spiegel, Fokus und Stern, ist Werbung zu einer Größe heran gereift, die sich eher als Magazin derselben darstellt. Das Übergewicht an Werbung spricht eine deutliche Sprache unverhältnismäßiger Proportionierung zu Gunsten des Werbeunsinns. Dabei fällt auf, dass in nämlichen Magazinen das Nebeneinander von Produktwerbung und eigenem Text häufig in jene Schieflage gerät, dass das werbende Objekt zum Gegenstand kritischer Berichterstattung wird, aber dennoch keinen Interessenskonflikt bei den Machern herauf beschwört. Die Geldquelle Werbung als Publikationssicherheit wischt in jedem Fall jedes Bedenken zur Seite, zumal sich der Leser und Konsument an dies Ärgernis gewöhnt hat und sie als Beigabe, wie so manches Überflüssige, Nebensächliche und Unsinnige der Medien-Branche, kritiklos akzeptiert. Mit der Werbekarawane, die unaufhaltsam durch den Blätterwald der Druck-Medien zieht, geht gleichermaßen ein Sammelsurium des Unsäglichen einher, dessen Habitus ein Konglomerat gesellschaftsimmanenten Facettenreichtums an Verblödung offenbart und nichts als plakative Slogans aus dem Repertoire Werbungsrummel transportiert. Seriosität, Wahrheit und sachdienliche Information ist nicht Sache der Werbeindustrie, vielmehr und im großen Umfang dominieren arglistige Täuschungen, leere Versprechen, die auf dem Prüfstand der Wirklichkeit nicht einzulösen sind. Im Dienste der Ware wird von der Werbe-Branche gelogen was das Zeug hält, manipulierend und suggestiv auf den Konsumenten eingewirkt, um ihn mit allen Mitteln zur Teilhabe am Kaufrausch zu verführen. Public Relation ist das Zauberwort der Werbeindustrie, dessen Strategie nur auf eines abzielt: den Warenkorb ihres Klientel Wirtschaft so herzurichten, dass der Appetit des Konsumenten nicht nur angeregt, sondern vielmehr noch das permanente Hungergefühl nach dem Allerneuesten gestillt wird. Sonderstellungen in der Presselandschaft nehmen indes die Boulevard-Zeitungen und die Yellow Press ein, und hier ist es namentlich ein „BILDungsblatt“, das Millionen von Menschen auf dem BILDungsniveau geistig Minderbemittelter hält. Schlagzeilen, die hier auf der Frontseite als Aufmacher fungieren und in Überdimensionierung zum Blickfang aufgeblasen werden, sind zumeist das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt sind. Durchgängig vermittelt dieses Blatt den Habitus eines Sammelsuriums, dessen substantieller Wert auf einem Niveau angesiedelt ist, das den Niederungen des Informationshungers der Masse entspricht. Auf die Formel gebracht: BILDer, Nachrichten und Informationen so auf zu bereiten, dass das Spektrum des zu Vermittelten auf den geistigen Horizont der BILD-Konsumenten abgestimmt ist, verspricht den Machern andauernden Erfolg. Hier reicht sich das kommerzielle Fernsehen mit der Bild-Kultur die Hand, die beide mit dem Konsumenten, als dritten im Bunde, einträchtig ihre Hochzeit des Schwachsinns feiern. Der BILDorientierte und zunehmend VerBILDete, für den ist der BILDungshorizont das Maß mit dem er die Welt seines Wissens absteckt und aus dieser begrenzten Sicht sein Urteilsvermögen bezieht. Einige Zeitungen befleißigen sich immer noch auf „überparteilich“ und „unabhängig“ hinzuweisen, unter anderen auch die BILD-Zeitung, nur, wie hier und so auch bei manchem anderen Blatt bräuchten wir diesen Vermerk nicht, ist doch die Presse- und Medienlandschaft für jeden sichtbar, deutlich in Schwarz und Rot aufgeteilt. Nun mögen die großen überregionalen Tageszeitungen ihren Anspruch höher schrauben und ein anderes Publikum bedienen, das neben Wirtschaft, Börsenkursen und politischen Nachrichten, auch eher geneigt ist das Feuilleton zu lesen. Nur, wer in den letzten Jahren die Kulturbeilage in nämlichen Blättern verfolgte, hat nicht nur das sinkende Niveau der Feuilletons bemerkt, sondern auch registriert, dass Feuilletons zunehmend zur Spielwiese intellektueller Schausteller wurden. In der Tat ist hier ein Boden für die immergrünen, nimmermüden Gewächse fruchtbar geworden, deren Namen Gewicht haben und dementsprechend in die Wagschale geworfen werden. Ob sie nun Biermann, Kunert, Jens, Grass oder Handke heißen, sie sondern gleichermaßen jenen Schaum ab, der wiederum ihren Gegenpart schäumen und die Feuilletonmacher die Hände reiben lässt. Der öffentliche Disput, in Rede und Wiederrede hochgeschaukelt, dient den Beteiligten letztendlich als Autofellatio, einer Befriedigung, deren Höhepunkt man sich wieder selbst einverleibt. Selbstbefriedigung und Selbstdarstellung sind mithin die treibende Kraft. für die das Feuilleton zweckbestimmend herhalten muss. Schon Karl Kraus geißelte das Feuilleton in den zwanziger Jahren, mit dem Satz: „Feuilleton schreiben heißt, auf einer Glatze Locken drehen.“ Auch die Buchindustrie hat schon seit längerem ihren Platz im Medienmix gefunden, um mit Marketing-Strategien die Eroberung neuer Märkte voranzutreiben und ihre Absatzchancen zu erhöhen. Namentlich das Sortiment Massenbedarf läuft über diese Schiene, zumeist eine Ware, deren Haltbarkeit schon vor dem Verfalldatum abgelaufen ist, aber punktuellen Profit einfährt und das Geschäft ankurbelt. Diese inflationäre Produktion der Buchfabriken, angeheizt und weiter gereicht durch die Medien, ist ein Lesestoff der kurzlebig den überfüllten Buchmarkt verstopft und als bestes Lesefutter bei der Masse ankommt. Promis, Skandalnudeln und die allseits bekannten TV-Gesichter stehen auf der Bestsellerliste dieser Zunft ganz oben. Sie werden vermarktet, herumgereicht, zu Werbeträgern gemacht und sind im multimedialen Wettbewerb die Gewinner der Branche, die ihren Status „Autor“ einzig den machinalen Strategien der Medien verdanken. (...)
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