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INTEGRATIONALE
INTENTIONEN |
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| Türkische
Selbständige als Wirtschafts- und Beschäftigungssektor |
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| Vor vierzig Jahren kamen türkische Zuwanderer als „Gastarbeiter“ nach Deutschland, um den erheblichen Arbeitskräftemangel in der Industrie zu beheben, denn das bundesdeutsche Wirtschaftswunder ging in die „heiße“ Phase, die Auftragsbücher der Industrie waren voll, es herrschte Arbeitskräftemangel und händeringend suchten Deutschlands Industriemanager nach Arbeitskräften für die Kohlebergwerke, in den Stahlküchen und an den Laufbändern der florierenden Automobilindustrie. Und nach Italienern, Griechen und Jugoslawen fiel der Blick der deutschen Wirtschaft auf das schier unerschöpfliche Menschenreservoir in der Türkei. Die Arbeitsmigranten dagegen hatten in erster Linie ein Interesse daran, ein paar Jahre besser zu verdienen, um sich dann in der Heimat eine eigenständige Existenz aufzubauen. Die meisten der hier lebenden Migranten sind somit als Arbeitnehmer oder als deren Angehörige nach Deutschland gekommen. Die türkischen Migranten konnten ihre Absicht, sich mit dem angesparten Kapital eine Existenz im eigenen Heimatland aufzubauen, aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktlage in Deutschland und der ökonomischen und sozialen Krise im Herkunftsland nicht verwirklichen. Vor diesem Hintergrund verzögerte sich die Rückreise in die Türkei um einige Jahre, bis schließlich die Familienangehörigen nachzogen und sich die Migranten in Deutschland eine Existenz aufbauten. Die ersten Gründungen waren, im Zeichen der Strukturkrise der klassischen „Gastarbeiterbranchen“ Kohle, Stahl, und Verarbeitendes Gewerbe, zunächst Ausdruck der wirtschaftlichen Selbsthilfe - und damit der Notwendigkeit, die wirtschaftliche Existenz eigenverantwortlich zu sichern. Als Reaktion auf die wirtschaftliche Strukturkrise überrascht es auch nicht, dass das wichtigste Zentrum der ethnischen Wirtschaft in Deutschland heute im Rhein-Ruhr-Raum, der bedeutendsten altindustriell geprägten Region der Republik, zu finden ist. Die Aspekte Arbeitslosigkeit, der Wunsch nach sozialem Aufstieg und die geringen bzw. wenig attraktiven Beschäftigungsmöglichkeiten motivierte somit viele türkische Migranten zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit. Die Geschichte der türkischen Selbständigen begann mit der Eröffnung kleiner Läden für die eigene Versorgung. Mit dem verlängerten Aufenthalt und dem Bevölkerungszuwachs der türkischstämmigen Migranten wurden auch die Geschäfte vergrößert; aus den kleinen Lebensmittelläden und Imbissbetrieben wurden Supermärkte und Restaurants. Bereits Anfang der achtziger Jahre betätigten sich die türkischen Migranten in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Heute sind vielfach aus den „Ausländern“ sowohl der sogenannten ersten als auch der zweiten Generation längst Mitbürger geworden, die sich hier in einem hohen Maß beheimatet und daher auch veranlasst sehen, eine Existenz in Form eines eigenen Unternehmens zu gründen. Die türkischen Unternehmen sind zu einem festen und unverzichtbaren Bestandteil in der Unternehmerlandschaft geworden. In Zeiten eines beschleunigten wirtschaftlichen Wandels tragen sie in vielfältiger Weise und in großem Umfang zur Wirtschaftsleistung Deutschlands bei. Im Jahr 2002 tätigten die 56.800 türkischen Selbständigen in Deutschland Investitionen in Höhe von 6,5 Mrd. Euro und erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von 26 Mrd. Euro. In Nordrhein-Westfalen erbrachten die 20.500 türkischen Selbständigen im selben Jahr ein Investitionsvolumen von 2,4 Mrd. Euro und einen Gesamtumsatz von 9,4 Mrd. Euro. Mit den unternehmerischen Initiativen der türkischen Migranten sind vielfältige Beschäftigungseffekte verbunden. Türkische Unternehmer sichern hierdurch nicht ihre eigene Existenz und die ihrer Familie, sondern sie geben vor allem auch anderen Menschen unterschiedlicher Nationalität eine berufliche Perspektive. So haben die türkischen Selbständigen im Jahr 2002 in Deutschland 290.000 Menschen eine Beschäftigung gegeben. In Nordrhein-Westfalen waren es im selben Jahr 103.000 Beschäftigungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang zeigt sich in besonderer Weise die Integrationsleistung der türkischen Migranten. Durch ihre selbständige Tätigkeit sichern sie nicht nur ihre Existenz und tragen zu einer Erhöhung des eigenen Selbstwertgefühls bei. Hierdurch erhalten auch die Familienangehörigen bessere ökonomische Möglichkeiten mit den entsprechenden positiven sozialen Folgen. Auf der anderen Seite erlangen die türkischen Unternehmen Anerkennung durch die Mehrheitsgesellschaft. Durch die Geschäftsbeziehungen, die Kunden- und Lieferbeziehungen, erfolgt ein Austausch zwischen Akteuren unterschiedlicher Herkunft. Die türkischen Selbständigen haben in den über vierzig Jahren ihres Aufenthaltes in Deutschland eine beachtliche wirtschaftliche Leistung erbracht. Mit einem hohen Maß an Motivation, Risikobereitschaft und Durchsetzungsvermögen haben sie die Angebotsstruktur in Deutschland wesentlich bereichert. Ihre Unternehmerkultur fußt auf persönlichen Fähigkeiten wie Flexibiltät und Kreativität. Mit dem sozioökonomischen Wandel gehen eine höhere Qualifikation der Betriebsinhaber und eine Professionalisierung der Unternehmensstrukturen einher. Es ist davon auszugehen, dass das Potential an Existenzgründungen unter Migranten türkischer Herkunft sowie die bereits erkennbare Dynamik des Wachstums an türkischen Selbständigen noch verbessert werden kann. Auf landespolitischer Ebene ist das Potential der ethnischen Ökonomie für die Bewältigung des Strukturwandels übrigens seit einigen Jahren erkannt worden. So hat die Förderung von Gründungen durch Ausländer seit Jahren ihren festen Platz in der Wirtschaftspolitik der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Insbesondere fördert das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit die am Essener Stiftung-Zentrum für Türkeistudien angesiedelten „Regionalen Transferstellen zur Förderung selbständiger Migranten in NRW“ und den „Arbeitskreis selbständiger Migranten in NRW“, die Multiplikatoren der Wirtschaftsförderung vernetzen sowie Unternehmen mit individueller Unterstützung bei der Unternehmensplanung, -gründung und -sicherung zur Seite stehen.
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