| IN
DEN KULISSEN DER TEUTOZENTRALE |
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| Das
geplagte Groß-D vor Affenspektakel unter Sturmglocken Von Necati Mert |
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| Die Montagsmärsche des sonnengottverlassenen Sommerlochs im sechsten Jahr des Schröder-Fischer-Gewalt-Fiakers demonstrieren die Mienen und Merkmale von Furcht und Frust in der eurysomen Nebelzone des Endkapitalismus. Über das episodische Wider und Für, Warum und Wegen dieses Geschicks der siegreichen Marktgeschichte wurde in stilgerecht geschriebenen und gesprochenen Organen der „vierten Gewalt“ geräumig genug gerätselt und gegrübelt. Die allparteiisch paraphierten Paragraphen wurden mal als Gegenreform abgetastet, andermal als Hartzentrische Halluzination gebrandmarkt, wobei sich der nationale Konsens über den Ernst solcher Anstalten nicht in Zweifel ziehen ließ, auch nicht vom Hauptteil der selbstdelegierten Protestzug-Posten. Alles, was im Mainstream einer ethnisch-homogenen Formation metropolitaner Hauptmerkmale zum Thema gemacht wurde, deutet auf das elementare Elaborat eines selbstgefällig inszenierten Ellenbogen-Aktionismus hin, bei dem die Erbauer und Gralsritter der elitären Einheitspartei mit eleganten Elogen auf Fortschritt eiern, während die ad hoc Nebenbuhler des herkömmlichen Hegemons mit allegorischen Litaneien und Lamentos, mit Elan elegischer Allüren weiter eifern. Die postproletarischen wie poppolitischen Poetaster und die vielerorts parteilos patrouillierenden Protestzugposten attackieren den denkbar sozial-emanzipatorischen Linksruck mit dem katzenfreundlichen Argument, so auch das Auftrumpfen der rechtsextremen Aufwiegler und ihrer Zöglinge ausschalten zu können. Überdies geben sie sich anstellig dem Anschein hin, als ob die Tatarennachricht, die den Erlaß zum Abrutsch in das arg expansive Armutsareal verkündigte, über Nacht eintraf. Als ob sie sich im Hörsturz befänden, während das tatkräftige Tuten des Groß-D-Zuges der Holding-Honoratioren holterdiepolter die fabelhaft läutenden Freiheitsdefilees der TV-gesteuerten „sanften Revolution“ unter dem Leitspruch „Wir sind das Volk“ übertönte, dann übertölpelte und letztlich unterwanderte, ihre Protagonisten sich zu liberalen Liebedienern sowie Libertins des monetären Makrokosmos mauserten - zu Marionetten sowie Miniaturen der Krautjunker sowie zu extravaganten Utensilien des expansiven Gewaltkartells. Verschwistert haben sich die arischen, manisch-germanischen Agora-Urbanen großteils als provisorische Soziusse des Markedenter-Konvois und dessen neokolonisierten Kolonnen auf beiden Seiten der „Schandmauer“, an der sie sich vorher erleichterten. Natürlich bekannten sie sich bereits und immer stämmiger zu jenen teutonisch tradierten Tugenden des volksstaatlichen Konstrukts, welche mit Wissen und Willen glorifiziert wurden, um auch den Urquell der sozialen Kastenpyramide zu untermauern sowie für den Revierkrieg der Global Players namens Standortwettbewerb zu mobilisieren. Als die Ouvertüre des heutigen Reformpokers gilt der großkoalitionäre Kompromiß-Kompaß vor einem Dutzend von Jahren, der darauf hinsteuerte, das Asylrecht noch einträglicher zu komplementieren, dem von Geburt an ein Torweg zu Gebote stand, kostengünstiges Menschenmaterial zu importieren. Dieserlei Retourkutsche der völkisch wie herrisch vollbrachten Reform-Regeln komponierte die Segmente eines stämmigen Sicherheitssystems und orchestrierte sie mit brühheißem Augenmerk auf den Bauriß, den Limes der Pax germanica als konstitutiven Cordon sanitaire vor den Fluten der überflüssigen Elendsflüchtlingen zu konsolidieren. Als feuchte Fruchtfolge der stimulierten Selektionsgebote leuchtete schnell eine neokoloniale Konstellation auf: Die Grundfeste der Kontraktarbeit expandierte, aber auch die des illegalen Malochens, welche in manchen Branchen wie Bau- und Bordellgewerbe die dramatische Gestalt des Sklaventreibens annahm - jener Drangsal durch die traktierend stiefelnden Spezialtrupps der spitzbübischen Tacherons, die das Zeitalter der Galeerenhäftlinge ins Gedächtnis rief. Dank des Frondienstes der geknebelten zur Maschine reduzierten Metöken sowie spartanischen Heloten ragten Prachtpaläste der Konzerne, Rathäuser, Flughäfen, der Reichstag, selbst das Stuttgarter Hauptgebäude von verdi (damals ÖTV) empor.– Als weitere Vorläufer der gegenwärtig attackierten „Gegenreformen“ gelten die kulturalistisch rekonstruierten, domänen-demokratisch nivellierten Paragraphennovellen des Staatsbürgerrechts und Zuwanderungsgesetzes, denen neben der globalisierten Auslese des demographisch deklarierten nützlichen Humankapitals auch die besitzständisch begründete Selektion innewohnt, wonach beispielsweise die ethnofremden Bezieher der Sozialhilfe sich die Chance verscherzen, eingebürgert zu werden, oder die als Nichtsnutz entwerteten Asylmigranten weit unter dem allgemein gültigen Existenzminimum in Auffanglagern, Ausreisezentren oder im Abschiebe-Arrest ihr Leben fristen müssen. Vorliegende Notate, bei denen es sich generell um das Los der Loser dreht, reagieren auf die miserablen Message-Momente und mentalen Mementos der Gewalthaber sowie auf deren Widerhall im Glotzophon und Blätterwald. Ihr stilistisches Schwergewicht liegt zwischen poetischen und kritischen Zonenzyklen, ihre Genese in Gegengesichtsfeldern der Phrasenauslese. Sie zielen daher nicht allein auf das Sammelsurium der arg erschallenden Statements im Allerlei des Krisenmanagements, sondern fokussieren auch das arteigene Scheuklappen-Weltbild der Montagsmarschierer, welches größtenteils den züchtigenden Geistesblitz der Reform-Routine reflektiert. Obendrein schießt dessen kulturalistische Sentiment in Bezug auf die ethnisch entfremdete Population Giftpfeile ab, schließt ihren Ausschluß auch von kollektivem Kontingent, der gleichartigen Teilhabe am Allmende Alamanias ein. Die metaphorische These: Der Souverän, der sich als Gewaltkartell des demokratischen Dominiums auftut, mutiert am global überwölbten Horizont des superimperialen Okzidents zu einem Oktopus, dessen Optikus (Sehnerv) sich bis in das Souterrain des Menschenmaterials spannt und sein Riechkolben in die Kochnische, seine Horchlöffel in das Schlafgemach des Individuums reicht. Gegen diesen Achtfüßler der öligen Oligarchien hilft keine Olympiade der metropolitan manierierten Kosmetik-Opponenten, sondern die Revoltenroute kosmopolitaner Kontrahenten des merkantil monströsen Monopols, die wagemutig auf das Revival des Gespenstes Kommunismus ein Auge riskieren und in Kauf nehmen, der Donquichotterie bezichtigt zu werden. Es ist nämlich notwendig, den Hochmut der durch Kreuzchen-Zeichnen partizipierten Potentaten des postmodernisierten Patriziats am Zeug zu flicken, damit den kollektiv enteigneten Menschenlandschaften ein Talglicht aufgeht, daß sie sich nicht als Grautierherden im nachtfarben bewölkten Talgrund der mammonhörigen Mummelgreise traktieren lassen.
Teamarchie (auch Teamokratie): Ein Wortkonstrukt, das darauf zielt zu entschleiern, was sich in den prüden Prüfbüros des Armutsmanagements namens Agentur für Arbeit abspielt. In den hierarchisch aufgeschichteten Betriebsetagen werden die „Kunden“ von einer Warteschlange zur nächsten beordert, indem ihnen ein Papier in die Hand gedrückt wird, dessen Signatur lautet: „Ihr Team“. Themakratie: Ein Wortgut, das darauf hindeutet, daß die Themen, bei denen es sich um das Los des breiten Publikums dreht, nicht aus der Fontäne der uferlos wiederkäuten Pluralität hervorsprudeln, sondern von einer parlamentarischen Minorität diktiert werden, wenn auch von der neunundneunzig prozentigen Majorität der Mandatare. Damit erwächst der besitzbürgerliche Demokratismus in hohem Tempo zu einer Timokratie (= Diktatur der Geldaristokratie), zu einem Lehrgebäude repräsentativer Repressalien. Monearchie: Ein Synonym für Monekratie, als deren Avantgardisten sich im metropol-linken Mainstream die „Antideutschen“ aus dem Milieu der judeophilen Zirkulare wie „Bahamas“, „Jungle World“ u.a. auftun. Wenn diese Szenen-Späher während der Montagsreaktionen auf das Reform-Remake der Berliner Retro-Republik jedesmal in einen Protestzug einstiegen, hatten sie im Sinn um ein Haar nur, den Leitspruch „Wir sind das Volk“ so unter Generalverdacht zu stellen, daß es sich dabei um die abonnierte Wiederkehr der Volksgemeinschaft dreht. Auch aus der Anwesenheit der ethnophoben Frondeure schlußfolgern sie immerfort ein forsches Gegenforum der markt-mentalen Urbanität und beharren auf dem windschiefen Lehrgebäude, den anglo-amerikanisch dominierten Endkapitalismus als geheiligten Wegweiser zu einem Kommers-Kommunismus aufzutischen. Im Auge habe sie dabei stets ein Kastenkonstrukt, dessen Rohstoff aus dem kolonialen Raubgut besteht und dessen Trägerpfosten sich auf das elitäre Ensemble der High-Tech-Yuppies und Yankee-Jubel-Jünger stützten. Aristokratischer Argwohn war und bleibt die einzige Meßlatte, die sie im Hinterkopf verstecken und mit der sie herumdoktern, jeden Slogan und Slang, der dem „Volk“ nahesteht, als Völkisches zu verdammen. Selbst am Transparent „So lange Zinsen Reiche reicher machen, haben wir nix zu lachen!“ entdeckten sie einen „antisemitischen Unterton“ (Susanne Fischer, Jungle World, 08.09.04). Ob auch der Spruchband „Markt und Menschen vertragen sich nicht“ dazugehört? Gewicht hat in der Fantasie der Antideutschen außer dem Individuum als robuster Konkurrent im Kröten-Konnex kein Subjekt. Der kontradiktorische Rest der Hominiden gehört zum Reservoir der Hochurbanen als verwertbares oder überflüssiges Menschenmaterial.
Im Dämmerlicht eines Wahlsonntags: Rivalenrevolte der Rhetoren und Rezitatoren als Jünger der Juniorjunker-Akademie Das Sommerloch der Amphitheater-Tour 2004 verdunkelte sich meistenorts verschlammt wie an der Saar unter den Schwarzen-Wolken des christ-demokratischen Schleichhandels. Dem Schlawiner Peter Müller in der Positur des Landesfürsten gelang es, als Doyen der polyglotten Poesie zu posaunen und den napoleonesk prahlenden Don Quichotten der demokrakeelenden Citoyens, Oskar Lafontaine, zu outen. Es gelang ihm orakelnd, das Tohuwabohu hundsgemeiner Tonfolge locker ins Geschick zu bringen. Und es gelang ihm, die Tretmühle mittelprächtiger Privatiers mannhaft zu geleiten, die kollektiv Enteigneten und Abgekanzelten auf ein aussichtsloses Gleis zu manövrieren. Als Hofschranze der Kasino- und Börsenbarone und Konjunkturritter gelang es ihm jenes Zertifikat zu beerben, mit dem er Plauderpotenz errang, sich für die Hochsprache der Pläsier-Paläste eine Reihe von Münchhausiaden zu klauben und den Hurra-Refrain fürs Junioren-Junkertum aufzufrischen. Auf der Hauptstrecke zum Machtpalast rappelte sich hinter ihm das Establishment der Top-Etagen maßvoll auf, bekam die Hebel in die Hand, mit denen man immer zu hantieren wußte, um den Unmut der jenseits von Flanierfans belebten Straße wenigstens partiell in eigene Kanäle zu leiten. Am sommerlichen Wahlakt-Abend demonstrierte der Triumphator und Ex-Kadi im televisionären Truppenbild Tüchtigkeit, experimentierte mit dem schwarzen Peter-Spiel weiter, um seine Hofschranzen zu beglücken und homerisches Gelächter zu ernten. Draußen zogen die Bodenständigen im „kleinsten Reich der Mitte“ fast zur Hälfte (45%) das Lustwandeln in der Natur dem Urnengang vor. Damit machten sie sich zu Vagabunden eigener Autorität und nicht zu Untertanen jener mega-mental lizenzierten Logik der Leibeigenen-Loyalität, welche die automatische Ungleichheit der Gleichgeborenen artikuliert sowie sich an die epochale Luxus-Lokomotive der Holding-Yuppies ankoppelt. Um dem Steilhang des Demokratie-Dogmas entgegen zu steuern, re-formierte sich so ein Doppel der Arteigenen, dessen Artefakt in theatralischer Aktion dem Duett des Dilettanten in der Scharlatanen-Schanze ähnelt. In der Tat verfügt das parlamentarische Pathos selbst über kein zukunftsträchtiges Traktat, das einen ernsthaften Gegenwert enthält, um zwischen dem ökonomischen Crash und dem Demos schiedsrichtern zu können. Wer weiß, ob ihm, dem Ex-Kadi, die Regional-Geschichte nicht das Schwarze unter dem Nagel gönnen wird? Zu veranschaulichen hatte er immerhin seine Kunstfertigkeit, das Arsenal der Sündenböcke zu markieren, warum die braunen Bramarbasse mit vier Prozent der ausgezählten Kreuzchen ihre Gegenwart gemäß dem Saar-Reklame-Spot „ich bin auch da!“ verbildlichen konnten. Als ein Grund dafür kursierte das Gerede vom Widerwille der Schönwetter-Geschwister, zum Urnenstandort zu wallfahrten. Während sich die Moderatoren im TV-Monitor befleißigten, den Urquell dieses „Wahlverhaltens“ zu lokalisieren, wußte der Triumphator Müller eine majestätischere Legitimationslyrik zu rezitieren, die er dem Saar-Napoleon Oskar Lafontaine widmete. Dieser habe zwischen den von Melancholie der Meuterei infizierten Menschenlandschaften herumgestrolcht, deren Aversionen gegen die etablierten Parteien protegiert und somit auch den Avancen der Braunen-Partie wohlgetan. Auf diesem Gestrüpp türmte sich auch das Lehrgebäude der sozialdemokratischen Soziusse, um die Wurzelflecken ihrer schmerzlichen Verluste reinzuwaschen. Um ein Rezept, wie sie die Misere ihrer immer lauter brodelnden Krise bewältigen können, kümmern sie sich kaum - außer, daß sie auch an herbstlichen Montagen unter dem Fingerzeig des obersten Reform-Oratoren nach „Hartzweilerschied“ wallfahrten müßten, dem Daheim des Ideen- und Namengebers elend-fabrizierender Elogen. Um die dortige Villa Hartz und das umgebende Anwesen anzusehen, lud das „Bündnis gegen Sozialkahlschlag“ bereits vor dem eklatanten Saar-Wahlakt-Sonntag zu einer Spritztour ein.
Der gewalthabende Intimus der Intelligenzbestie lehnt sich auch noch zurück, wenn sein Lehnsesseln schon zu wackeln beginnt. Retrospektiv probt er jenes bekannte Jägerlatein, wenn die Leitplanken der Demo-Krauter Gebrechen vorweisen, die Parteien-Getriebe knirschen und die Republik aus dem Lot zu geraten droht. Realitäten gibt es immer mehrfach: Die lauthals als absolut applaudierte Mehrheit des christ-demokratisch dekorierten Protzentums liegt weit unter zwanzig Prozent der absoluten Einwohner-Wahrheit des Saarlandes. Im pluralistisch publizierten Wortgeklingel dieser Stimmjäger-Champions steckt damit das spirituelle Projekt des Absolutismus, der faktisch aus der Wahlurne hervorquillt. Solange es den Regimentern des Privatier- und Rentier-Regimes gelingt, ihre Untertanen durch Extraprofite aus dem Erdenrund relativ zufrieden zu stellen, bleibt die demokreierte Bauernfängerei perfekt. Die etappenweise pervertierten Perspektiven einer egalitären Bürgerrepublik verkümmern im Dunstkreis des monetären Patriziats, und das partizipierte Patronat bedarf vermutlich bald keines Sozialdemokratismus mehr. Das triviale Triumvirat Schröder-Münteferik-Clement finden aus dem Hexenkessel nicht heraus. Ihrer Partei-Apparatur droht allmählich die Schlappe, im eigenen Spiel „Agenda 2010“ nicht mehr mitspielen zu dürfen. Dem biologischen Aderlaß der Partei-Buch-Senioren könnte die Flucht der Junioren in die Community der Yuppies folgen, in das Original des Kröten-Konservativismus und deren liberaler Liebediener oder auch in das purpurrot pulsierende Kollektiv des kosmopolitanen Proleten-Potentials. Während die Clementar-Tartüffs der Kleptomanie nach wie vor mit dem Donnerwetter der Pseudojobs vor den Kameras paradieren, parodieren die Tausendsassas der Journaillen-Zunft die Husaren-Hymne des Theaterherolds, propagieren die machiavellistische Machart der Staatskunst, lamentieren über den Schicksalsneid der Leidlämmer, heben den Leithammel der Demokratie-Domäne in den Himmel und steuern zu seinem Tatendurst Tiefgreifendes bei, die Troupiers der Pressure Groups zu verschmelzen, um die Trauten-Tour der aufrührerischen Troubadoure zu verschmerzen. In „Die Zeit“ vom 9. September 2004, dem wöchentlichen Sprachrohr der Reform-Rituale, riskiert Matthias Geis nach dem Wahlakt im „Regierungsbezirk de luxe“ an der Saar abermals einen Blick auf das Neufünfland und läßt die Sturmglocken läuten: „In ganz Deutschland sinkt die Zustimmung zum etablierten System.“ Er orakelt einen solchen Erosionsprozeß, bei dem sich „linke und rechte Populisten ... wechselseitig nach oben ... schaukeln.“ Es gelänge ihnen, die montäglichen Protestzüge gegen den monetären Vormarsch auf ihre Mühlen zu lenken. Aus dem Sog, in den das loyale Parteiengefüge zu geraten scheint, kann das bundesrepublikanische Establishment nur ausbrechen, erkundet er, wenn die Fraktionsallianzen unverdrossen darauf verharren, „den schwierigen sozialen Umbau durchzuhalten.“ Damit unterwirft sich der „Zeit“Geist den diktatorischen Dogmen des Monetarismus wie die globalen Mulatten-Mumien der medialen Gilde, die ihren Renommierten-Platz im historischen Museum nur als Pauker der malträtierenden Reformparaden behaupten können. Gelangt ihre Operation nicht in das ersehnte Stadium, das Elend im Weltmaßstab zu verlängern, haben sie sich zu fürchten, daß die gegenwärtige Konsistenz ein oder anderthalb Jahrzehnt Bestand hat. Dann heißt die Agenda 2020: Kommunismus.
Auf die resignative Redensart, daß der große Fisch den kleinen selbst im Trüben erwischen und verschmausen kann, stützt sich der Wahlspruch der Eurozentriker vom Schwarzen-Wall an der Saar. In ihrem soziabel sortierten Wagestück kommen die Hominiden als Wahrzeichen des Daseins nach ihrem Nutzeffekt vor oder als Lappalie. Um ihr Handwerk anpacken zu können, hantieren die verrosteten Roten und ergrauten Grünen auf dem Gemeinplatz der Plagiatoren. Im Gegensatz zu Notsignal-Revoluzzern im Nestoren-Revier, denen nachgesagt wird, daß sie von einem Comeback in einem frisch-gebackenen Geflecht wach träumen, hängen die Kompagnons der rot-grünen Seniorengarde am Gewalthebel ihren Retroreformen als Renaissance nach. Sie schraffieren den Entwurf ihrer Route je nach Bedarf von Neuem, auf der ihr Troupier-Troß chauffieren kann. Wer nicht bereit ist, lautet etwa ihre Devise, die kriselnden Verhältnisse notfalls kriegerisch in den Griff zu bekommen, steuert automatisch dazu bei, die „Schicksalsgemeinschaft“ der Hochurbanen aus den Angeln zu heben. Damit hat der Manchester-Kapitalismus auch in der Neuberliner Republik ein Gesicht, nämlich Dr. Peter Hartz, der protzt, aufgrund seiner Agenda betriebswirtschaftlicher Rationalität das makro-ökonomische Manko auszukurieren. Er berät im Kostüm des Mandarinen die parlamentarischen Mandatare und knallt ausgefeilte Reform-Romanzen auf den Tisch. Eine andere Form der Demokratie scheint hier nicht zu existieren als die der Regimentstechnik, die allein zum Nutzen gereicht, die Interessenkonflikte - zwischen welchen Fronten auch immer - zu moderieren. Das Grünen-Gutdünken gründet generell auf einem popmodernen Gebieter-Status des bürgerlich gebildeten Geflechts saturierter Mittelschicht, die sich den elitären Luxus des absoluten Öko-Patriotismus leisten kann, ohne jedoch die private Prasserei verpassen zu müssen. Die Zeche der verkonsumierten Natur haben andere zu zahlen, während sie vom Nimbus ihrer geschlossenen Nischen-Noblesse und der Novität ihrer Novellen zehren, sich bequem in den Blätterwald einbringen und Stimmzettelkreuze einsammeln können. Gestützt auf das menschenrechtsgefällig affektierte Ethnoschutz-Gehabe kann ihr figuratives Antlitz sich so vom realen Tropus jener Potentaten puppenleicht abheben, die mit einem potentiellen Trommelfeuer von faulen Eiern bedacht werden, wenn ihre Grimassen auf einem Marktplatz vor der Masse antanzen. Aber auch die „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“, deren Genese automatisch in der alternativlosen Hypothese des Parlamentarismus wurzelt, arbeitet den Opportunisten der elitären Oden in die Hand, statt sich ihnen konfrontativ entgegenzustellen und utopische Odysseen zu riskieren. Um ausfindig zu machen, wie brach der Humus der humanen Fontäne dieser Alternativinitiative liegt, braucht es keinen extravaganten Scharfblick. Mit oder ohne Lafontainer kommt sie als Refrain des sophistischen Songs sowie als Sondersonde der reformistischen Soziusse im Sog des kraken-kapitalistischen Souveräns ins Stocken und trägt dazu bei, die kosmopolitanen Menschenlandschaften in den Sack zu stecken.
Die Frustrierten-Variante in den Varia der Fanfaren-Phantasten: Nebelkerzen-Halter bevölkern bewölkte Herbstabende. Im spätmontaglichen Protestzug Deklassierter dreht sich die Frustspirale spiritual und real, wiegt sich zwischen Lethargie und Allergie, zwischen Apathie und Antipathie. Auskundschaften läßt sich nicht, wie weit das Groß-D-Land vom karnevalesken Friedensfort der Eldorado-Oden weicht und zum Forum der Frustrierten alterniert oder zum Kontaktzentrum der martialischen Machtriege sowie zum Punktrichterturm der Interessenkriege... Die Aversion der vom Werkstuhl freigesetzten Unterschicht illustriert eine Version jener Faktionen neben den etablierten Fraktionen, welche unter der Wucht der „unsichtbaren Hand“ hantieren und probieren, die kasten-konfrontativen Friktionen zu frisieren sowie das verdeckte Verdikt zum Klassenkismet noch dicker zu färben. Eine begünstigte BRD des „Kalten Krieges“ wird es im Stadium der Großrevier-Gefechte der Global Players nicht mehr geben, solange das Gespenst namens Kommunismus sich nicht zurückmeldet. Selbst der aufgenötigte Ausbau des sozialstaatlichen Standards à la Ordo-Liberalismus oder Rheinischer Kapitalismus erfolgte nicht automatisch als Gefallen der bundesdeutschen Budenzauber-Bourgeoisie, sondern als ein provisorisch programmiertes Bravourstück byzantischen Bindfadens, ihre Legitimität gegenüberüber dem sozial strukturierten Souverän durch die DDR zu akzentuieren. Konterkarieren konnten damit die Bravo-Brigaden des Gewaltkartells die ängstigende Westwärts-Expansion des Kollektivismus. Solange die loyalen Protest-Legalisten ihren Blickwinkel auf das Luftschloß demokreativer Liturgien heften und sich herumplagen, Lorbeeren zu ernten, indem sie für die pompösen Senioren oder emeritierten Apparatschiks der Politokratie (vielleicht sogar mit Recht) Redeverbot auf Montagsmeetings verhängen, sich unter dem Spruchband „Hartz IV, das ist Armut per Gesetz. Weg damit: PDS!“ zerstreuen, die SPD allein als „Sklavenhalter-Partei Deutschlands“ karikieren, ohne die Bündnis-90-Grünen als deren Leit-, mindestens aber Geleitboot zu kränken, solange sie nicht drauf und dran sind, den drolligen Drachen-Dreh des Dolce-Vita-Dominiums samt seiner diplomatischen Divisionen zu entlarven, im Gegenzug die utopisch illustrierten Silberstreifen nicht in den Strumpf zu stecken, solange sie das Augenmerk der Aktionen hauptsächlich auf die spießige Attraktion bzw. spaßige Diktion „Weg mit Hartz-Gesetzen, her mit versprochenen Arbeitsplätzen“ konzentrieren, ohne den Götzen „Arbeit“ selbst an den Pranger zu stellen, wird der Starttrabant ihres Tumults und Trubels im Lustgarten der Liliputaner-Lyrik landen und nicht in den Annalen der Geschichte, in der sie bei Null Prozent rangieren müssen. Randale allein haben noch nie den Urquell der existentiellen Skandale bloßgelegt und die Schakale der Schicksale aufgescheucht. Sie können höchstens dafür sorgen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Nicht vor der gegenwärtigen Kritikaster-Variante, den Kapitalismus in den Varia der Fanfaren-Fantasie zu bändigen, scheuen sich die Oberhoheiten, sondern vor der abstrahierten, von dem Ideal des Kommunismus inspirierten Rebellionslyrik, die ihnen immer die Haare zu Berge stehen ließ. DAS »NOW« DES HOMO ANATOLICUS ALS NOVUM IM SUPERLATIVEN DER EUROZENTRIKER Der Weltschmerz der Kanaken-Kanaille
Das szenarische Syndrom der okzidentalen Orgie symbolisiert ein nächstes Theatrum mundi, welches sich aus Symptomen der apokalyptischen Phantome zusammensetzt und in dessen Spiegeleien am Selbstverständnis eines Europa als überdimensionalem Markt gegrübelt wird. Mit der potentiellen Akklamation eines muslimischen Musterlandes im christlich-abendländischen Kulturkreis brüsten sich die Menschenrechtsmentoren, den kemalistischen Kumpanen die Leviten gelesen zu haben. Mit dem ultra-west-orientierten Orientalen und proper zur Reife gelangten Renommisten der Reform-Rekorde sowie prototypischen Potentaten des mondialen Monetarismus Tayyip Erdogan im Führersitz drängt der TR-Sattelschlepper hin zum Eldorado der Zivilisation, und es wimmelt mal höflich ab, winkt mal hoffärtig zu. Die gewandten Imitatoren des gemäßigten Islamismus am Bosporus versprechen den Hungerheeren unter ihrem Machtgefüge Arbeit, die das mächtigste Land im EU-Flechtwerk seinen muslimischen Untertanen vorenthält. Bei ihnen liegt die Erwerbslosen-Quote gegenwärtig doppelt so hoch als bei der autochthonen Population. Doch sie fungieren als Objekte einiger Gewerbe und verursachen als Teufelsbraten - Kamikaze-Touristen, Dschihad-Topoi im Toleranz-Dschungel, Kabale-Terroristen - den immer währenden Widerhall der Kampanilen-Kampagne gegen die Kanaken-Kanaille des Tartarus.
Der Turmhahn des Kartellen-Kastells kräht kreuzbrav. Der Krösus-Konvoi will großspurig ins Morgen vordringen, überrollt die Schützengräben der Unterlegenen. Die Fraktionen der gebietenden Schickeria defilieren einhellig in den Ständehäusern. Darüber hält die Nationalgewalt Hof und schickt sich an, den ansteigenden Fluß der Extraerlöse von der Peripherie ins Zentrum zu sichern. Das Bigbusiness floriert in den Fußstapfen Marco Polos, polarisiert das Gros der Lebenswelten. Die PR-Front für ein herbstliches Ja der Trustburg-Technokraten, amtliche Gespräche zum TR-Beitritt in den Monearchien-Club aufzunehmen, weitet sich zum generellen Lampenfieber aus. Eminente Eremiten, Ex-Staatsmänner aus Finnland, Holland, Italien, Spanien, Polen, F-Reich und D-Land schlagen dafür die Pauke. Die Retro-Republik am Bosporus habe sich in knapp zwei Jahren nachhaltiger verändert als während der Jahrzehnte zuvor, pointieren sie in einem außerdienstlich publizierten Rapport und merken freimütig eine „stille Revolution“ an. Beim Kernstück der Aktion dreht es sich aber um die eigensüchtigen Positionen, somit um die Position der zu installierenden Drehtür: Für die angestrebte EU-Feste wäre der geopolitische Platz einer TR-Mitgliedschaft mit einem markigen Truppenpotential - der künftige Südost-Pfeiler der westlichen Sicherheitsysteme - in der Schnittstelle von Balkan, Kaukasus, Mittlerem Orient und Zentralasien ein außen- und sicherheitsstrategischer Trumpf von historischer Tragweite. Daraus könne die Brücke in das islamische Erdreich erwachsen. Der als gewandt gefeierten Islamisten-Teamarchie wird im Eurozentriker-Projekt „Mittlerer Osten“ die Rolle des Avantgardisten zugeteilt, und zwar im Konsorten-Konvoi einer expansiven Mission, deren Freifahrtsticket einen missionarisch aufgeladenen Universalismus der „zivilisierten“ Zentren innehat. Hier gibt eine mentale Mentoren-Melange aus christlichem Bekenntnis und dem beständigen Glauben an Privateigentum, Individualismus sowie repräsentativer Gewalt den Ton an, spricht vital die kulturalistischen Differenzen aus, akzentuiert die bourgeoisen Hegemonie-Ambitionen über einen Orient des Kollektivismus, Primitivismus sowie repressiver Regentschaft. Hier gilt die Urbanität als absolute Eigenschaft der okzidental optimierten Dialektik - von den Ureremiten, die als Jäger und Sammler durch Buschwerke, Steppen, Weiden und Wälder streiften, über Viehzüchter, Sklavenhalter, Händler, Manufakturen u.a. bis zu industriellen und monetären Magnaten. Was im Anbeginn der Erdglobus das Pachtgut des Gottvaters war, wird die morgige Agora den Oligarchen anmuten müssen. Hier erblicken die Visionäre des merkantilen Missionarismus im lokalen Leit-Leuchten der Glühbirnen-(Emblem)-Partei, Tayyip Erdogan, endlich einen der ihrigen. Er praktiziert, was die Kommissionäre der kulturalistischen Momente des Menschenrechtsmetiers planen. Um seinen Untergebenen Zucker zu geben, tut er aber auch etwas, was seine Protektoren unterm Herperos mit Stirnrunzeln belauern. So enthält sein zuletzt diskutierter Reformlauf Korrekturen im Strafgesetzbuch. Darin wird das Ehebrechen als Verbrechen abgehandelt, dessen Sünder im Arrestlokal landen sollen. Während sich an dieser Stelle die christlich-abendländisch loyalen Skeptiker des Beitritts-Betriebs bestätigt sehen und die Retourkutsche starten, unternehmen die Spitzen-Technokraten des Kastell-Kartells Spritztouren im Südosten Kleinasiens und machen sich ein Bild vom ethnischen Zustand der Einwohner, prüfend zu vermeiden, irgendeine Last aufgebürdet zu bekommen. Zu erfüllen hat Ankara zentral die Prämisse wie Marktliberalismus und Minderheitenschutz, wobei die sozialen Menschenrechte als Makulatur gelten oder als makabrer Marasmus (Wehwehchen) unterm sozialistischen Sonnenstrahl.
Eine Künstler-Karawane vom Bosporus gastierte vom 27. August bis zum 4. September 2004 an der Spree und präsentierte nach Angaben der Organisatoren an zwanzig Festspielorten rund vierzig Produktsorten, „darunter Konzerte, Ausstellungen, Tanzabende, Comedy-Shows, Lesungen und Filme“. Unter der Devise „Wie weit reicht Europa?“ stand auch eine Gesprächsrunde. Neben den hochamtlichen Finanzspritzen von Ankara und Berlin stärkten zwanzig Konzern-Kompagnons wie Deutsche Bank, Türkischen National Lotterie, Garanti Bank, Metro Group, Koc Holding, Turkish Airlines, Hürriyet, Berliner Zeitung dem Spektakel das Rückgrat. Im Selbstporträt charakterisiert sich das „simdi-now“-Event als „eine Entdeckungsreise durch Raum und Zeit: vom Pop- zum klassischen Konzert, von der traditionellen zur Weltmusik, von der osmanischen zur zeitgenössischen Kunst und von der reichen türkischen Vergangenheit zur dynamischen, modernen Gegenwart.“ Wenn die Promoter und Textkünstler des Premiere-Programms den Hinweis auf ihr Trachten als Lappalie betrachten, das Kind nicht beim rechten Namen nennen und das Artefakt als naturhaft artikulieren, gehorchen sie dem eigenen Fantasma oder äffen eine Vogel-Strauß-Taktik nach. Denn getreu der postmodernen Mode moderieren sie einen notdürftig normierten, nobel nivellierten, niveauvoll notierten Reklame-Feldzug als Votum, um das Angora-Ensemble der globalen Grossisten für den Rhetoren-Olymp auf Touren zu bringen - unterwegs zur Groß-Agora. Das „Jetzt“ des „simdi-now“-Festivals kurz vor dem Altweibersommer 2004 an der Spree verkörperte weder Ideal noch Idee, sondern das Ideogramm für den Identitätstrubel der Spätankömmlinge in der Spaßgesellschaft. Denn der erfolgreiche Abschluß, den die Organisatoren der Performance ihren Protektoren schulden, hängt vom Quantum der Masse ab und nicht von der Qualität der Meetings. Nicht von ungefähr gewinnen das Auswärtige Amt Berlin (mit dem Etat der Kulturstiftung des Bundes) und das Ministerialressort für Auswärtige Angelegenheiten Ankara als Sponsoren-Gespann des gewerblich gemanagten Engagements Profil. Was dem Repertoire der musikalisch-theatralisch-folkloristisch-rezitatorisch renommierten Auftritte und der begleiteten Expositionen sowie Exotismen auch immer innewohnen mag, der Aufwand hatte nur das Ziel zu demonstrieren, daß es dem türkisch orientalischen Gemach doch gelang, für das kontinentaleuropäische Haus zur Reife zu gelangen. Also Schluß mit dem Remake des kollateralen Konflikte-Katalogs im Einband Orient-Okzident!
Welch eine Lachnummer! Während das Krisenmanagement der inzwischen hochbetagten „Neuen Mitte“ die Retourkutsche ihrer Reformen gerade auf die Mitte richtet und das Ende der Spaß-Society proklamiert, probiert sie ein solches Eleven-Event mit den Partikular-Parvenüs der eingewanderten Getto-Generation - ein popeliges Politikum, bei den kollektiv Enteigneten in den Magistralen der kummerkapitalistischen Kapitale Aufmerksamkeit zu erregen und sie in das eurytope Gefilde des ethnozentrischen Euphorie-Potentials zu manövrieren? Einkalkuliert haben die Philanthropen auf der Ottomane der Funktionäre mit ihrem Geld-Geschenk einen solchen Knalleffekt gewiß nicht, auch nicht die manisch germanischen Affekthascher unter ihnen. Denn beim taumel-tauglichen Tamtam des kleinasiatischen Gettogethers in Bundesdeutschland drehte es sich so ziemlich um die zielstrebige Neuauflage der wilhelmistischen Drang-nach-Osten-Dramaturgie. Aus den Überresten der konventionellen Waffenbrüderschaft soll eine zivilgesellschaftliche Brühe für kommerziell kommunizierende Spießgesellen zusammengebraut und ein Brückenschlag kreiert werden, der es den Wächtern der Berolina ermöglicht, ihrem Wachtraum nachzueifern, indem sie herum laborieren, das kemalistisch widerspenstige Geflecht am Bosporus in eine Province Anatolia zu re-formieren, zugleich den Laut ihrer Hegemonial-Allüren im Bruderbund der EU-Europoiden zu protegieren. Demzufolge läßt sich die ernsthafte Eventualität des Türken-Events in der Skizzen-Skyline eines Novum Romanum der Pax germanica als Reklame-Feldzug veräußern, dessen kurzfristig rekrutierte Inszenatoren gemäß der Imitation eines Erntedankfestes verfuhren und reklamierten, daß die Regentschaften des vorderasiatischen Tafellandes das fachkundige Vermögen erworben haben, über die Prämissen und Paradigmen einer preisgünstigen Annexion, sprich Beitritt, bilaterale Gespräche zu führen. Druckreif muß nur noch das diakonisch wie drakonisch diagnostizierte Dokument eines mehrjährigen Dialogs werden, das dem orientalen Renommisten der eurychoren Reform-Reprise einen Terminvorschlag macht. Nicht mehr lange darf dem Konvertiten des Guten-Schönen-Gerechten Tayyip Erdogan als Gentleman der höchstmodernen Civil-Society Stolpersteine in den Weg gelegt werden, lauten die singulären Sittensignale der rot-grünen Singakademie unter dem Reichstags-Gewölbe. Denn trotz seiner prekären Position memoriert er monolingual das mondäne Modell eines seiner Vorgänger, der sich vor einem halben Jahrhundert vordrängte, aus Kleinasien ein Kleinamerika zu kreieren, was ihm zum Teil auch gelang. Nicht nur servierte dieser das Territorium seiner Befehlsgewalt dem Pentagon als Vorderfront-Plattform im Feldzug gegen den Kommunismus, sondern untergrub dafür auch die kemalistischen Nationalstaatsprinzipien wie Republikanismus, Patriotismus, Nationalismus, Laizismus, Etatismus, Popularismus (Volksverbundenheit) und Revolutionärismus. Diese „sechs Pfeile“ zielten nicht auf die Genese eines monolithischen Gebildes, sondern auf die Synthese der kondensierten, vielgesichtigen Überbleibsel eines Weltreichs, dessen Schicksal der Untergang war wie das jedes anderen Imperiums. In der Sintflut der global konzertierenden Sirene, an das zentrale Gelage-Gelände der monetären Monarchie zu gelangen, praktiziert der heutige Prinzipal der „anatolischen Tiger“ (die Aufsteiger der Provinz) den Kontext der bereitwilligen Kollaboration, wobei er sich im Einklang mit der eurozentischen Sicht der Dinge auskennt. Um die Aufmerksamkeit der abendländischen High-Society auf sich ziehen zu können, verdrängt dieser Genius der himmlischen Gerechtigkeit jene Nervositäten, welche dicht unter der Fassade eines kontinentaleuropiden Konstrukts lauern. Daß hier die großflächige Sorgfalt des generösen Patronats schrankenlos einem tabuisierten wie angstbesetzten christlich weißen Gläubigerclub gilt, fällt ihm im geringsten ins Gewicht. Sein Realitätssinn reicht bis zu einem Zeitpunkt, an dem er bramarbasieren kann, sich selbstredend in den Singkreis des EURO-Päans unter dem Zwölfsternenkranz einreihen zu dürfen. Eine nächste Runde über die Frage, ob der Türken-Traum nach der Ankunft in den blühenden Landschaften der EU-Epigonen jemals erfüllt wird oder im vorderorientalischen Brachflur endet, wird es nicht geben. Die Rezitatoren des zivilisatoristischen Opus werden sich hingegen im superimperialistischen Diskurs-Zirkus zeitlos Meriten erwerben. Begrenzt wird jedoch die universalistische Güteklasse ihrer Wortkunst bleiben und soviel Gewicht haben wie die Poesie eines Possenstücks oder die Dramaturgie eines Amphitheater im Berliner Sommerloch, in dem die Menschenrechtsmetiers der Zitadellen-Zombies nicht fehlen.
Schwermut beladen starrt der Blickfang der Metropolitan-Mentoren. Den inneren Schweinehund haben sie aufs Neue zu besiegen, indem sie das Stück des Universalen proben, den peripheren Präpotenten orientaler Ortschaften den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Wie zuletzt am Hindikusch und in Mesopotamien suchten sie sich im Terrain der Stammeshäuptlinge ihre Marionetten, um sie für das selbststilisierte Absolut-Projekt „nation building“ zu Status-quo-Demokraten zu züchten. Diese Zöglinge der Monekratie werden jetzt in den Kapitalen des krisenkapitalistischen Kraken als Staatsoberhäupter jener zivilisatorisch gezüchteten Erdstriche präsentiert, welchen die Repressalien noch bevorstehen. Doch der Osten geht nicht ain die Knie. Das Gentleman-Getue des größten Grossisten aller Zeiten, des Rackets Pentagoniens, dort die Aussaat der Freiheit und Fortuna zu säen, entpuppte sich längst als Liaison der Katzen-Kavaliere hinter dem Moralin der Mäuse-Monstra. Der Most gärt weiter, die Wüste des Petroleums gerät immer tiefer in den Zyklon der Brachialgewalt. Nichts bliebt den anglo-amerikanischen Kreuzrittern der Demokratie übrig, als an die konföderierten Mischpoken ihrer Altvordern östlich des atlantischen Großteichs zu appellieren, ihnen den Kassandraruf der militaristischen Megären zu senden, dessen Schallwellen darauf zielen, jedem Nonkonformisten den Mund zu stopfen. Dennoch läßt sich der mesopotamische „Terrorport“ (Francis Fukuyama) nicht austrocknen. Im Groß-D-Land wackelt die Schröder-Fischer-Polyarchie heftig. Ihre Reform-Ritualen, durch den Abbau des Wohlfahrtsstaates den Wohlstand der Zukunft zu sichern, überzeugt immer weniger. Auffallende Ausnahmen in Holland oder Dänemark, daß der deregulierte Sozialstandard die Marktkräfte in Schwung bringen kann, bestätigen die Regel, wie Helmut Schmidt in „Die Zeit“ vom 16. September 2004 bemerkt. Daher setzen die Reklame-Routiniers der rot-grünen Geschäfts- und Gewalthaber auf die Meritokratie der globalen Glocken-Gockel und expedieren die Ambitionen der anatolischen Steppen-Tiger ins Gesichtsfeld der Themen. Das christlich-schwarze Szenario-Primat, sich die Türkei durch das Angebot einer „privilegierten Partnerschaft“ als Standort der primitiven Privatiers zu angeln, erntert hingegen im breiten Publikum der Europoiden vielfältige Früchte. Die Drehscheibe im Areal zwischen Balkan und Kaukasus muß instand bleiben, kloppen sie sich um den Kompromiß-Kompaß. Sie darf aber niemals die Reife erlangen, im Innern der EU-Architektur installiert zu werden. Sonst drohe der Verfall in jene Freihandelszone, welche den Weltzustand beschreibt, aber nicht die Allüren seiner Betreiber als globalisierter Freibeuter. Gegenständlich keimt eine kontradiktorische Ad-hoc-Allianz aus allen Fraktionen des Hegemonial-Gebildes auf, übertönt die „Türkei in die EU“-Ariosi. Bisher kam aber nicht in Bruchstücken ans Licht, warum ein Abdriften der kleinasiatitischen Landzuge östlich der Levate zu befürchten sein sollte. In der Tat: Eine kleinasiatische Republik kemalistischer Zivilität kann im Knotenpunkt des Weltgeschehens ihren Fernblick vom Atlantik abwenden und auf den Pazifik richten. Da gehen die imperialen Gezeter-Genies der medialen Garnison nicht stiften, vermachen dem gläubigen Reformmeister Erdogan grenzenloses Vertrauen. Nur: Er hat gegenüber dem wohltätigen Westen Kadavergehorsam zu leisten und nicht auf den vollwertigen Beitritt zur christlichen Mischpoke zu drängen. Zum ersten Mal, seit es sich beim Themen-Novum der altkontinentalen Zivilisationsbastei um die türkische EU-Aspiration dreht, errang das Gedankengebäude „Kultur“ Oberhand. Neben den „kulturellen Unterschieden“ sowie der „kulturellen Verwandtschaft der Türkei mit den Muslimen in Asien und Nordafrika“ gründet der Altkanzler Helmut Schmidt in seinem „Zeit“-Beitrag den Nein-Trumpf auf die Einwohnerzahl der vorderorientalischen Republik - sie wäre schon in wenigen Jahrzehnten „der volksreichste Staat der EU“. Damit schiebt er wie alle Apologeten der Pax Okzidentale die gleiche Retourkutsche vor: Christentum versus Islam! Man versiebt nur: Das Christentum entsprang seinerzeit als Gegenpart zum hochbejahrten Imperium der Urbanität, zerstückelte es, polarisierte die Trennwand Ost und West, Byzanz und Rom, brachte einen Kolonialismus zuwege, dessen Folgen auch gegenwärtig nur noch mit dem Wort „katastrophal“ kombiniert werden kann. Der postmoderne Terminus „Globalismus“ gestattet den kreuzfahrenden Kapitänen des Raumschiffs Erde, beim marktwirtschaftlich ausgelösten Tornado ein Insular-Dorado zu entdecken. Hingegen trat der Islam in der Geschichte der Zivilisationen als revolutionärer Moment auf den Plan, der den Stammesgesellschaften beträchtlich den Boden entzog und selbst den europäischen Völkerschaften ihren Weg zur Urbanität einläutete. Die kulturalistisch fundierte Für- oder Wider-Debatte über das Schicksal der eurasischen Republik am Bosporus deklassiert auch die türkisch grundierten Quartiere Deutschlands, schürt ethnophobe Antipathien. Ihre hier in aller Munde wiederdekäute Integration erwies sich von langer Hand als jener ideologische Terminus, der sich dazu eignet, die ursprünglich pangermanischen Ambitionen zu verbergen: Selektive Assimilation! Das bedeutet die Auslese der Nützlichen aus der Masse, lautet ihre Absorption, nämlich sie gänzlich in Anspruch zu nehmen und in sozialen Hierarchien zu klassifizieren.
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