| EDITORIAL
Auf ihrem Herbstreffen im November 2004 resümierte die Redaktionskonferenz, ein genaues Auge auf den Randsturm aufs Zentrum zu werfen sowie auf die migrantischen Parallelwelten – als Perspektive einer metropolitanen Gesellschaftsformation. Als konkreter Ausgangspunkt des Unterfangens wurde in Aussicht genommen, ein Frühlingsmeeting 2005 mit literarischem Schwergewicht zu realisieren, bei dem es gilt, das Fundament eines Stiftungswerks »Nazim Hikmet« zu legen. Als Vermächtnis vom Gestern hält dieses Blätterwerk an der Parteinahme für die Revolte des Sozialen als Blütentraum von einem ebenbürtigen Morgen wider die germanophil-hegemonial schwadronierenden Paraphrasen von Leitkultur und Patriotismus fest. »Die einzige Möglichkeit, um nicht moralischen und geistigen Selbstmord zu begehen, ist: Lieber ein Außenseiter oder gar Besiegter zu bleiben, als Komplize der waltenden Irrationalität zu werden.« Unter diesem von Heleno Saña in seinem Beitrag zum vorliegenden Heft akzentuierten Leitsatz will DIE BRÜCKE das Terrain sondieren, damit auf ihren Seiten die Realisten und Utopisten einer egalitär metropolitanen Bürgerrepublik kosmopolitaner Lebenswelten weiter zur Feder greifen. Die allseitige Reaktion auf den Unstern über Südost-Asien mit Soforthilfe- und Spendenaktionen kam als erstrangiger Akt gelebter Solidarität ans Licht. Das nachhaltig fatale Elend in diesem Himmelsstrich verpflichtet nun die hochbetuchten Honoratioren des »globalen Dorfes«, ehrenhaft zur Tat zu schreiten und unverweilt für die betroffenen Staaten einen kompletten Schuldenerlaß zu bejahen. Necati Mert
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