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DEN KULISSEN DER TEUTOZENTRALE |
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| TÜRKEI-RAPPORT Humoresken
zum Projekt-Humus Provinzia Anatolia Von Necati
Mert
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| Auf der Strecke Anatolia – Teutonia Dichter Flugverkehr seit vier Jahrzehnten, Blamage seit vier Jahren. Die Flüge des staatlichen Turkish Airlines verspäten sich regelmäßig. Der Grund: Reger Besuchsverkehr des Berufstandes Politik mit der Klasse VIP (very important person). Das heißt z.B. auf der Seite www.berlin-airport.de: „Angeboten wird ein komplettes Dienstleistungsarrangement von der Ankunft auf den Flughäfen über Gepäckservice, Limousinengestellung, Hotelbuchung, Stadtrundfahrten bis hin zum persönlichen Sicherheitsdienst. Auf Wunsch werden auch Besprechungen, Empfänge und Pressekonferenzen sowie Charter- und Hubschrauberflüge organisiert. Politiker und Parlamentarier des In- und Auslands schätzen deshalb diesen stets auf die Wünsche der Gäste eingehenden Dienst ebenso sehr wie Persönlichkeiten der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens.“ Alle Ex- und Jetzt-Apparatschiks des türkischen Parteien-Parlaments und Kabinetts samt Familienangehöriger genießen auf den internationalen Flughäfen des Landes den Luxus eines solchen Sonderstatus. Sie kommen mit den konventionellen Passagieren nicht im Kontakt, werden im separaten „Ehrensaal“ empfangen und von Extra-Hostessen bedient. Zur First class im Vorderraum der Maschine werden sie begleitet, nachdem die Masse der Economy class hinter dem Vorhang die Sicherheitsgurt angelegt hat. Meist treffen die VIP-Gentlemen verspätet ein, und der Kapitän schiebt per Lautsprecher irgendeinen Grund vor, z.B. Bagatellen im Bagagen-Bunker, das Warten zu rechtfertigen. Zuvor muß der Fluggast folgende Warteschlangen passieren: • Gepäck- und Leibeskontrolle beim Betreten des Airportkomplexes. • Visa- und Staatsangehörigkeitskontrolle beim Check-In der Fluggesellschaft (verpflichtet von der EU-Gendarmen-Zentrale gemäß dem Schengen-Vertrag). • Paß- und Ticketkontrolle am Zugang zum Abfluggelände. • Paß-, Ticket- und Handgepäckkontrolle beim Einlaß in den Warteraum der Gate. • Ticketkontrolle beim Einstieg in die Maschine. Im Zielflughafen z.B. Frankfurt am Main, der einem im Vergleich zum Aerodrom Atatürk von Istanbul wie ein peripheres Konstrukt vorkommt: • BGS-Kontrolle beim Verlassen der Maschine. • Paßkontrolle am Ausgang des Anfluggeländes. • Zollkontrolle... Je lauter die Globalismus-Glocke und das neoliberale Liedergut der Libertas, desto strenger und dichter werden die Kontrollpunkte in die Feste Okzidentale - eine Selektion von Menschen nach Zugehörigkeit zur Rasse und Klasse, vorgeschrieben in den Maximen der Kastell-Konvention.
Marsianer spielen als Glöckner unter dem Kampanile des Globalismus. Aliens agieren gegen die Allegorie der Zitadellen-Zivilisation. Rebellen werden gezüchtet und ereifern sich daher über die Revolution. Seit zwanzig Dekaden hält der Homo democraticus die Hand über den Fortschritt, der aber das Parkett einer Retro-Fiktion nicht verlassen kann. Man geht daher großartig stiften, um das Ärgernis der eigenen Heuchelei in den Strumpf zu stecken. Groß ist die Rede davon, wie sich die Erdkugel dreht und ihr Gesicht verändert. Etwas bleibt dennoch beim alten: Das Blickfeld des christlich-abendländischen Humanitarismus, der sich gegenüber dem Morgen- und Sonnenland abschottet - hinter dem Meridian Ural-Balkan-Ägäis und oberhalb der mediterranen Breitengrade. Daher zeichnet sich die Frage nach der Position der Halbinsel Kleinasien als ein elementarer Bestandteil des nordisch ideologischen Mainsteams ab. Die Kaskaden im Diskurszirkus spielen sich zwischen zwei Fronten eines neocäsarischen Kasten-Kastells ab, ob der Türkensturm auf die Zivilisationszentren in die Zielgerade einbiegt (Kassandraruf) oder ein Expansionszug auf den einstigen Gleisen der Bagdad-Bahn bevorsteht (Triumphgeheul). Da treten die EP-Renommisten vor die Kameras - als Protektoren. Ihnen folgt die Grünen-Claudiatorin-Roth als Schutzheilige. Hinter ihr her der Konvertiten-Konvoi der Greenhorns. Nachdem sie sich obenhin aus dem Orientalismus der weißen Weissager bedienten, formulieren sie den weisen Weg des gebieterischen Universalismus: Laissez faire, laissez passer! Wahr ist, daß das periphere Get-together am Bosporus sich im Zustand des rasanten Kommens befindet. Die Ökonomie boomt, der Markt von Westwaren überflutet, die Elendsbombe tickt. Nimmt man die Ergebnisse der EU-Kommissaren-Recherchen in Betracht, hat die dortige Regentschaft den Markt noch weiter zu öffnen. Das Konsum-Terror überwältigt das humane Dasein, die Besitzgier sprengt jegliche Grenzen des kollektiv Sozialen. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ein Fünftel dessen, worüber die Fünfzehn der Alteuroländer verfügen. Alles scheint zum Verkauf parzelliert zu sein: Die Natur, das Wasser, die Luft, der Glaube, die Ehre - in einem Himmelsstrich, der Jahrtausende lang zu der Wiege der Zivilisation gehörte. Dort war ich drei Wochen lang, räsonierte, die Welt-Zellen nicht über die Gazetten-Zeilen zu betrachten, sondern zu entblättern. Die Euphorie, endlich im Kasten-Kasino der Europoiden angekommen zu sein, ist endlos in der Herbstglut. Der Morgenländer-Traum seit dem Untergang von Byzans. Kein Vertrauen auf eigene Dynamik. Seine Schicksal dem Windhauch aus dem Westen über eignet, lebt der byzantinische Osmane fort - als Hammal zwischen Basar und Supermarkt, als Ganymed im Provinzial-Palast des Imperium Romanum. Die Republik Türkei liegt unter IWF-Faust als eine der meist verschuldeten Staaten des Planeten. Nach der Zollunion mit der EU vor zehn Jahren öffnete sie ihren Markt einseitig für das Überangebot der westlichen Oligopole, gilt als semi-periphere Symbiose der mondialen Syndikate. Ihr Beitritt zur lüsternen Allianz des globalen Ständesystems wird die ökonomische Kontrolle institutionalisieren und ein starkes Gewicht für Hegemonial-Allüren der anglo-amerikanischen Rivalen schaffen. Ob diese eurasische Landzunge als Brückenkopf für den christlich zivilisatorischen „Friedensstoß“ Lücken ausfüllen wird, bleibt der Kaiser-Wunsch des Novum Imperium. Nicht in Frage gestellt wird dort das Götzenbild „AB“ (Europäische Union). Selbst der Allvater läßt sich die Hand füllen, glauben die Prinzipale der oriental-lokalen Macht und hoffen, daß er ihnen die Strecke zu den Châteaus der imperialen Besitzkasten schützend gangbar macht. Kosmisch kompositionelle Sondersonetten fabulieren sie für jedes halbgewalkte „Bravissimo!“ aus dem Hochsitz der Patronage, wohin sie fast täglich in Windeseile wallfahrten, um sich professoral zu profilieren. Das Kastell-Konstrukt der hochbetuchten Nordiden verfügt über keinen festen Boden der demokratischen Nomenklatur, erweist sich als nicht zukunftsträchtig. Beäugelt man die Ergebnisse der EU-Parlaments-Wahlen im Frühsommer 2004, bekommt man ein düsteres Bild, was das trojanische Pferd Demokratie angeht. Das Stimmvieh legte die Hände in den Schoß und ließ sich auch von televisionären Talk-Partys der Partei-Phantasmagorien nicht beeindrucken. Der Anteil derjenigen, die sich die Mühe machten, zum Wahllokal zu gehen, blieb weit unter fünfzig Prozent, rutschte sogar unter ein Drittel. Anders mit der Provinzia Anatolia. Euphorie hieß Devise der Neuigkeiten. Alle dafür: Konservative, Liberale, Nationalisten, Sozialdemokraten, Mainstream-Linke, allen voran die moderaten Islamisten am Gewalthebel. Nur die linken Kemalisten jenseits des parlamentarischen Spektrums, Kommunisten, Maoisten, religiöse Traditionalisten stehen hinter einem Nein, werden daher als Antipoden der Zivilgesellschaft gebrandmarkt - als Fossile eines in Verfall geratenen Antiimperialismus. Recep Tayyip Erdogan als Dossier-Doyen des monetär modellierten Islams bramarbasiert wunder- und wandelbar wie ein Proteus mit Chamäleon-Charme. Keine Attacke mehr auf den spätkapitalistischen Kult des Zinsgeschäfts, keine Ambitionen, den Reichtum umzuverteilen, keine staatlichen Interventionen zugunsten der Besitzlosen und Unterbemittelten. Einzig predigt er die auf die Scharia gestützte Ethik als Pfeiler für soziale Gerechtigkeit: Saghat (Pflichtabgabe an Bedürftige) und Sadagha (Almosen). Den westlichen Säkularismus verinnerlicht, mobilisiert er die Mentoren des Mammons sowie Marketender der Moral, um die Feste der Kemal-Paschas zu stürmen: Alles gehört privatisiert, selbst das Schul- und Gesundheitssystem. Der Prototyp mit Mandarinen-Mandat hantiert gewiß nicht mit „Takkiya“ (das Taktische verheimlichen, um das Strategische nicht zu gefährden), verspricht seinem Klientel mit Takunya (Holzpantoffel) Meriten ohne Ende. Natürlich begütigt er auch die Djihadisten: Wir dringen erst ins Zentrum der Giuaren ein, werden sie dann zur Konversion bewegen. Er verspricht ihnen im stillen, die 15 bis 30 Millionen Muslime in der EU zu instrumentalisieren, sie unter ihr Protektorat zu nehmen. Das ist den EU-Architekten bestimmt nicht unbekannt. Schließlich verfolgen sie auch die gleiche Strategie: Wir absorbieren das Gefilde, machen es zu unserem Untertan. Dem tüchtigen Reformator ist willkommen, wenn hier irgendetwas getan wird, egal was, warum und wie. Nicht ohne triftigen Grund ist er der Protegés der geflissentlichen Abendländer. Vom Kopf bis an die Füße will er nämlich erneuern, das heißt dem Kemalismus den Garaus machen, um Lorbeeren des Patronats zu sichern. Anreize motivieren besser als Zwang, lautet der Leitsatz, den die neoliberalen Reformlyriker in drastischen Worten auf der superimperialistischen Strecke vom Zentrum zum Rand. Hinter dem Gardinen-Paravent der Demokratie und Menschenrechte übt das „AB“-Primat dennoch einen permanenten Druck auf den peripheren Erdstrich zwischen Balkan und Kaukasus aus, protegiert den Auswuchs der gewaltbeladenen ethnischen Identitäten. So präsentierte die „Menschenrechtskommission“, angesiedelt im Tayyip-Hause, Ende Oktober ihren Bericht über die Rechte der Minderheiten und honorierte die stammesständischen Zerwürfnisse. Ihre universalistische Konstruktion über soziale Realitäten wankte wie eine hölzerne Feluke eines Amerigo Vespucci, die unterwegs ist, einen nächsten Kontinent im Cyberspace auszukundschaften. Das ethnisierte Geflecht des superimeprialistischen Projekts verherrlicht das Gefecht zwischen stammesständischen Gewaltzentren und verteufelt das Soziotope des humanen Geschlechts. Mafioso gehören zum Alltagsgesicht. Auch die kapitalistische Warenästhetik an Frauenfleisch und Kinderkörpern. Schlagzeilen über ein weiteres Phänomen erschüttern die Öffentlichkeit. „Kapkaç“ ist der neugebackene Titel für Taschendiebstahl. Die Banden machen die Straßen und öffentliche Verkehrsmittel unsicher. Sie überfallen Passanten und Passagiere, versetzen ihren Opfern ein Hieb, die sie anschließend berauben. Die Tat hat oft Todesfolgen.
Die Population Kleinasiens hat die Demokratie verinnerlicht, damit die Wahl zwischen den Justitiaren der Holdings und Syndiken der Syndikate im System der Mandatare. Das Syndrom des Besitz-Brummens schwillt an, den aufrechten Gang durch den Niederwald der Paranoia einzupauken. Den realen Humus des Humanen gibt es kaum noch, dafür aber zuhauf Musentempel der Menschenrechte, die von Filialen und Tacherons der globalen Grossisten reichlich verwertet werden, um Eigentum zu erwerben bzw. zu vermehren. Das Wetteifern in der breiten Unterschicht nimmt dreiste Dimensionen an. Noch wilder tritt aber der untere Mittelstand in der Gladiatoren-Arena des Überlebens auf. Die Panik am Futtertrog verschiebt sich, wenn die satten Mandatare des rechtgläubigen Manierismus in den Armen-Küchen-Zelten der Varoschs erscheinen und sich, begleitet von Kameras, als Patrone des Gottvaters sowie Protektoren der Gerechtigkeit auftun. Es gelingt ihnen stillschweigend, angespannte Lebenslagen mit dem Konstrukt des Kommunitarismus in ein knechtisches Fahrwasser zu lenken. Jeden Morgen hat die Sonne ein anderes Gesicht. Die Tayyip-Klasse, die Sahne-Schicht des Guten-Schönen-Gerechten, steckt hinter dem Leumund der Mündigen. Man erkennt sie an der Zahl der Kreditkarten im Säckel, der Marke der Handys, dem Modell des Autos, der Mode der Frauen - Turban auf dem Kopf oder freiem Bauchnabel... Die Reklame ist der Bestandteil des Alltags, macht das Leben bunt - nicht nur in ca. drei Dutzend Fernsehkanälen, sondern auch auf der Straße. Gefährlich ist hier das Fußgängerleben. Den Renommisten am Lenkrad sind die Zebra-Streifen kein Begriff. Auch das Rot nicht, wenn es blinkt, weil es für Fußgänger grün ist. Die Mega-Polis am Bosporus gleicht einem rasanten Bravourstück: Die Flucht vor einer Katastrophe oder der Sturm auf eine Beute. Jeder will den anderen überholen, am Ende kommt kaum einer durch. Auf diese Türkei des stets steigenden Handelns und Wandelns werden die Politikusse der Global Players nicht verzichten können. Nicht nur, weil sie im „Krisendreieck Balkan-Kaukasus-Vorderer und Mittlerer Orient“ liegt und eine Brücke zum islamischen Himmelsstrich darstellt. Ihre derzeitigen Regentschaften sind auch so byzantinisch, daß sie nur noch annehmen, was sich die Eurokraten erdreisten. Lieber hat man sie auf den Fährten der Waffenbrüderschaft gemäß der Merkel-Formel der „privilegierten Partnerschaft“ dort als hier, als Karawanserei auf der Strecke zu den Märkten und Ressourcen, als Reservoir der Fronarbeit, der Hartschier und Söldner für die sicherheitsimperialistische Homeland Security, als Auffanglager für Migrantenheere, als Vorposten für den Kreuzzugskonvent gegen den treulosen Trivial-Terror und schließlich als Standort der „Maquiladora-Industrie“. Als Maquiladoras werden arbeitsintensive Betriebe bezeichnet, die das niedrige Lohnniveau in nördlichen Grenzregionen Mexikos zu den USA nutzen. Der Begriff leitet sich vom spanischen Wort maquila ab. Dabei handelte es sich früher um den Anteil an Mehl, den ein Müller als Lohn für seine Arbeit vom Bauern einbehielt, bevor er das nun veredelte Getreide zurückgab. Die Hungerlohnbetriebe funktionieren nach dem gleichen Prinzip.
17. Dezember 2004. Ein Datum, mit dem die Drang-nach-Osten-Operation zu ihrem Novum gelangt. Der Syndiken-Chor der Krautjunker auf dem geneigten Gewaltsessel sprach Tacheles, dirigiert von Neojakobinern an der Saine und Spree. Beginnen können die Gesprächsrunden, die den Kolonisator-Kolonnen die Zielgerade in den Orient ermöglichen müssen. Der Pausenclown-Prozeß verspricht den byzantinischen Bourgeoisen gar nichts, nicht einmal ein poppig protokollierter Beitritt in weiter Ferne. Vielmehr enthält er einen einzigen Test darauf, wie schnell sich die türkische Seite auf die Protektoratspläne der eurozentrischen Text-Diktierer einläßt bzw. sich dafür herrichtet. Somit ist nichts „ergebnisoffen“, sondern Vorsatz. Die einst eingefleischten altkontinentalen Atlantiker im superamerikanischen Windschatten segeln nicht mehr handzahm. Der Spruch, wer im Rudel mit dem Leitwolf auf die Jagd geht, bekommt ein Stück von der Beute, gilt nicht mehr ganz. Sie wollen das Ganze, und der demokratisch doktrinäre Kolonialismus der eurokratischen Evolution fordert das nordamerikanische Gruseln-Reich heraus. Wenn es fortan mit dem Einsatz des Krieges grinst und hinter dem Schutzschild Freedom-Democracy das Töten trompetet, dann dient das nur als Beleg dafür, daß der Prozeß seines Untergangs bereits begann. Daß Orient und Okzident nicht zusammenpassen, ist ein Merkel-Märchen. Dort zeigt sich die Zivilisation der globalisierten Freibeuter im vollen Gang der neoliberalen Reform-Routine. Die Subsistenz-Symbole und nationalstaatlichen Schutzsysteme werden von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes regelrecht zertrümmert, die sozio-kollektiven Konturen ausradiert, jeder geldwerte Gegenstand privatisiert. Ein Modell, das hier praktiziert werden soll: Ein bißchen Killer- bzw. Mafia-Kapitalismus, ein bißchen Sekten-Moral für die Besitzkaste, ein Sackvoll Menschenrechte für die Enteigneten. Daher setzen neben Markt und Manufaktur die EU-Prämissen voraus, dem Glauben, allen voran dem abrahamitischen Monetheismus, noch mehr Einfluß zu gewähren, für die Sekten-Schakale eine Extrawurst zu braten. Die Untergeben und Überflüssigen der merkantilen Werte-Gegenwart sind auf die Reste der Kollekten angewiesen, nicht mehr auf die Ergebnisse des Kollektiven. Hier werden auch die Schuhe des abendländischen Massen-Menschen so eng, daß er nicht weiter gehen kann, auch wenn er langsam läuft. Was nützt die weite Welt? Sein Landesherr will nach wie vor die Welt hinter seiner Hand verstecken. Für ihn gilt der Grundsatz, daß nicht nur die Schlangen giftig geboren sind, sondern auch die Antagonisten. Nur so versteht er es, aus dem Alltag der warenproduzieren Prozesse schwere Themen in Arbeit zu nehmen, ohne Leichtigkeit zu verlieren. Ex oriente lux, ein Licht, das leuchtet und lockt, wenn es um die Verhältnisse der Galeerensklaven geht.
Riskiert man ein Auge auf den Debatten-Zirkus des eurozentrischen Publikums, bekommt man vom rasant gerührten EU-Projekt ein Bild, das den Tabula rasa-Tönen der weißen Rasse entspricht. Denn wahrnehmen wollen die Mentoren der hiesigen Majorität nicht, daß die Türken längst in Europa sind, nicht erst seit ein paar Jahrzehnten, sondern seit über fünf Jahrhunderten. Jede entgegengesetzte Sicht führt in den Circulus vitiosus, auch das Kopfzerbrechen über die Integration der einstigen Gastarbeiter, denen D-Ärzte sogar aufs Gebiß schauten, bevor ihnen das Transport-Ticket in das großindustriellen Reich der alten Kasernen, brachliegenden Baracken, kalten Containers u.a. überreicht wurde. Gegenwärtig werden sie fragil in die Parallelwelt der Ausgebufften eingewiesen und ins Gemeine gezogen, dem gefährlichen Odium der kulturalistischen Konkurrenzen geliefert - im Identitätsdschungel der Ethnien und Sekten gemäß dem Konstrukt eines postmodern parzellierten bzw. polarisierten Erdenrunds. Dabei steht das Deckwort Integration für eine ethnozentrische Maskerade, in deren ideologischen Hintergrund das Gutdünken der selektiven Absorption keimt, nämlich die Auswahl der Nützlichen aus der Menge. Sozio-logisch wie praktisch kann sich kein Nationalstaat einen dritten Weg zwischen Assimilation und Autonomie leisten. Der Terminus Parallelgesellschaften, mit dem die Eingewanderten-Quartiere verunglimpft werden, sind das Ergebnis einer Lüge seit einem halben Jahrhundert, die den Sachwaltern der Metöken-Ökonomie ermöglichte, die unveräußerlichen Menschenrechte der Wanderproleten in den Staub zu treten. Diese Erkenntnis benötigt keine Süßmuth- oder Müller-Kommission. Hellauf sendet die Funktionärs-Fabrik der Menschenarbeit gegen die verbale Wiederkehr der braunen Gefahrenzonen Alarmsignalen aus, die sich dazu eignen, die Unterklassen von sozialen Sorgen abzulenken. Denn das neodarwinistische Auge benötigt ein gegenwärtiges Phantom als minderwertigen Sündenbock zu züchtigen, aber nicht das finstere Phänomen des arglistigen Faschismus aus den Annalen der Geschichte zu zitieren. Das illustrierte Image der integrationalen Imitationen wird den Migranten nach wie vor effektvoll den Rundblick auf die Autonomie verdunkeln. Da helfen neben den arisch artikulierten Alibi-Funktionären der Ausländerbeiräte (jetzt: Migrationsräte) oder interkulturellen Clubs die als Selbstorganisation servierten Soziusse kräftig mit. Gegründet wurden sie in der Regel als Filialen irgendeiner Partei mit dem Ziel, dem heimatlichen Mutter-Organismus Kader oder Geld zu verschaffen. Ob rechts, links, religiös, nationalistisch oder separatistisch orientiert, sie haben über drei Dekaden lang die „Landsleute“ als Melkkuh instrumentalisiert. Damit sie ihrer Mission nachkommen können, sind sie von Dank erfüllt, integrationale Aufgaben abzuleisten und sich als dolmetschende Eleven der nordisch-zivilisatorisch mentalen Mentoren Meriten zu erwerben. Zugleich fungieren sie als Agenturen majoritärer Parteien und ihrer Stiftungswerke für deren Türkei-Intervention. Das Fehlen eines Autonomie-Anspruchs innerhalb der eingewanderten Population ermöglichte der Regentschaft des germanophilen Volkstaates eine zeitlose Bequemlichkeit. Entsprechende Studien landeten in den Marginalien der Diskurswerkstatt. Die Gesetzmäßigkeit der Migration wurde in den Staub getreten. Niemals kamen die Aliens der Fronarbeit im Groß-D-Land an. Selbst die Annahme der Staatsbürgerschaft geschah unter dem Zwang, der Angst, bestimmte Ansprüche nicht zu gefährden. Nie hat der Volksstaat den Boden verlassen, auf dem er die eingewanderten Lebenswelten als Menschenmaterial der Wirtschaft betrachtete. Somit wurde die Integrationszunft im „heißen Sommer“ 1973 als Instrumentarium installiert, um die rebellierenden der Gastarbeiter zu züchtigen, wird als humanitärer Fetisch wahrgenommen, obwohl er seit drei Jahrzehnten außer fingierter Fragmente und selektierter Segmente nichts vollbringen konnte. Rutschte einem das Faktum aus dem Mund wie „wir brauchen Einwanderer die uns nutzen...“, wurde er in Visier genommen, nicht die de facto knechtende Praxis seit vier Jahrzehnten. Wie kann man in einem Lande vom integrationalen Gelingen sprechen, das humanitäre Züge aufweisen soll, wenn das UNO-Abkommen „Rechte der Wanderarbeiter“ nicht ratifiziert und das Abkommen über „Sprachminderheiten“ nach nationalem Belieben manipuliert wird, um die Autonomie der Migration zu negieren? Gestützt auf das Lehrgebäude der Menschenrechtsersten führen die Hegemonial-Husaren der „zivilisierten Zentren“ ihren Integrationsbetrieb fort - nach innen und außen gerichtet. Solange sie sich von den cäsarischen Zombies nicht angewidert abwenden, bleibt ihr historischer Humus im Heidendreck stecken - trotz seines humanitären Habitus.
Beim Betrachten der neoständischen Reformtouren im Zentrum des kriselnden Kasino-Kapitalismus bekommen die Schaumschläger der Provinzia Anatolia feuchte Augen und verfallen tagtäglich ins Schmachten. Was hier im virtuellen Mekka der Monekratie aber tatsächlich vorgeht, mag den Privatier-Parvenüs der kleinasiatischen Perestroika nicht ansichtig werden. Hier in den Metropoleis des opulenten Dolce vita spiegelt das Primat der Arbeit aus dem Rahmen der Götzenbilder. Es gilt als Nadelöhr, das man passieren muß, um an der Untergrenze zu existieren. Um den Klassenkonflikt mit dem amoklaufenden Endkapitalismus zu trüben, werden selbstrefentiell manövrierfähige Parabeln erdichtet, z.B. ein individuelles, vom Malochen unabhängiges Grundeinkommen, um das warenproduzierende System angeblich an seinen zentralen Prämissen zu neutralisieren. Ob sich die Lohnarbeit als dominierender Pfad der gesicherten Existenz davon befreien läßt, ohne das Privateigentum anzutasten? Auch wenn vom Krisenkurs gewaltig bedroht, behält das Werktor sein Niveau als Mekka der kapitalistischen Kastengemeinde bei. Für sie gilt der Wert als überflüssige Varia, wenn er sich nicht verwerten läßt. Die Produktivkraft Arbeit ist der Vektor der ökonomischen Aktion, um stabile Mehrwertsraten zu erzielen, die das Kapital animierten zu investieren. Ohne das definiert höhere Ziel, dem Besitzgötzen zu dienen, ist der Verlauf sinnlos. In diesem Terrain stolziert das arbeitsterroristisch-sozialdarwinistische Tabula-Rasa-Programm schwarz-rot-gelb-grün demokratisch einher, behält den migrantischen Randsturm auf das Zentrum fest im Blick. Wenn der sozialdemokratisch stilisierte Kanzler Ger-Hartz die hart errungenen sozialen Systeme als Mitnehmmentalität diffamiert, demütigt er nicht nur die Schwachen unterhalb der wackligen Wohlstandsschwelle. Er protegiert auch die Trennlinien zwischen ethno-sozialen Lebenswelten. Seine Attitüden involvieren dabei grundtiefe Züge der imperialen Ambition, von denen neben einer millionenfachen Menschenmenge im Status der Fremden vor allem die trikontinentalen „Illegalen“ vor den Toren der Schengenburg betroffen sind. Das sicherheitsimperialistische Vorhaben, Asylanten-Camps auf der anderen Seite des mediterranen Teichs, in der Wüste des Maghreb, zu installieren, ohne die Souveränität der dortigen Staaten der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ist ein weiterer Hinweis darauf, daß es sich hierbei nicht um die dünne Gardine dreht, welche die Welten trennt, sondern um ein spätkolonialistisches Wallwerk.
Der Fall einer schalldurchlässigen Exekution in Faluca rief im breiten Publikum unter dem Abendstern kaum Aversionen hervor. Dort in einer Moschee zielte ein Yankee-Jüngling seinen Schießprügel auf den Kopf eines schwer verletzt am Boden liegenden Rebellen und feuerte. Ein Augenzeuge aus den Reihen der hermetisch sortierten Journalisten-Meute, die eingeladen war, über die heroischen Taten der Terroristen-Jäger zu berichten, filmte den Vollzug der nicht richterlich gesprochenen Todesstrafe, was eine patriotische Wut im Homeland der Rechtspflege entfachte. Konfrontiert wurde im Internet-Dschungel mit Fluch und Frevel nicht der eigenmächtige Scharfrichter, sondern der berufstätig aktive Reporter. Kein Thema, weswegen die Marotten-Mimen auf dem Kopf stehen sollten, wenn im diskursiven Zirkusrund der Zivilisationsobersten Prachtexemplare der patriotischen Parabeln aufblühen. Schließlich kommandieren die Patrioten Pentagoniens kolossale Kriegerscharen und Söldnerschergen, um aus den Trümmern der von ihnen überfallenen Himmelsstriche Nationalstaaten und Demokreaturen hervorzuzaubern. Profil gewann der Amsterdamer Mordakt am exaltierten Leinwand-Künstler und provokationsproduktiven Polemiker Theo van Gogh auch im germanisch geographischen Politika-Geflecht als Auftakt des fiebrigen Gefechts der Kulturen. Das Schlagwort „Freiheit-Humanität-Gerechtigkeit“ ging in Rauchfahnen jener monolingualen Moralprediger-Meute auf, die im Duktus der Demokratie die allgewaltige Natura naturata erkundet. Sprecher und Schreiberlinge der „Vierten Gewalt“ trompeteten zur Volksfront gegen das postmoderne Kuddelmuddel, das Pathos des Multikulturalismus, den sie als fatale Melange aus Lamento und Bußritual titulierten. Das säkulare Christentum wird vom doktrinären Islam bedroht, lautete ihr Lamento. Daher hat die libertäre Gegenwart gegen das totalitäre Mittelalter zum Angriff über zu gehen. Toleranzgeboten fehlt der adrette Adressat - weg damit! Das Regelwerk der selektiven Assimilation soll reformiert und so reformuliert werden, daß der Volksstaat den verfrorenen Höllenfürst obsiegt, der sich als globaler Glöckner der Notre-Dame aufspielt. Fatale Folgen medialer Hatz lassen sich überall beobachten. Lange Reden schwingen die Kulissenschieber in Talkparties oder auf Frontseiten der Revolverblätter, legen ungehemmt Legenden vom Zusammenprall kultureller Lebenswelten an den Tag - gemäß dem Denkfaden, daß derjenige gewinnt, der die besten Fäden strickt. Sie intonieren den Singsang der fundamentalistischen Furie und initiieren ethnozentrische Intrigen, damit der Friedenskämpfer die Brocken hinschmeißt. Damit das großdeutsche Publikum mit angstgeweiteten Augen auf die Rauchwolken der Kulturkriegsarenen schaut, wird jeder Laut der liederlichen Leidenschaft zur Leitlinie der auf Moral paukenden Lektion erhoben - darin der erdichtete Zynismus des Orientalen zementiert, dessen Endstand einem prekären Antizionismus des faschistischen Zombie-Zöglings gleichkommt. Das kontrastive Konstrukt zwischen Muselmanen und Müslimännern bezeichnen die Tugendwächter und Krösus-Patrioten der Teutonia als so inkompatibel, daß ihnen außer dem exotischen Genuß alles verkorkst vorkommt. Der Toleranz-Torso, mit dem sich die christlichen Abrahamiten bisher in Szene setzten, ihren muslimischen Pedanten freudig zu begegnen, verfiel auf Windesflügeln in einen trostlos mißvergnügten Tropus.
Die wiederholt experimentierte Inventur der Invektiven ließ sich nicht komplementieren. Der anschwellenden Islamophobie wohnt nicht das Antipathische inne, sondern die Reaktion darauf, daß sich Parallelwelten original orientalen Ornaments verschlagen und megalomanisch, aber standhaft weigern, das universalen Werte-Werk ihrer kolonisierten Gegenwart anzuerkennen. Daher müssen im Vorgriff auf hartherzig herankommenden Tage die abendländischen Regimenter reglementierend reagieren und das Ordinäre in den Orkus kehren, wie der holländische Feuilletonist Leon de Winter in „Die Zeit“ vom 18. November 2004 resümiert: „In einem liberalen Rechtsstaat wie den Niederlanden kann die Regierung nicht so eingreifen wie Eltern, die ihren Kindern ihre religiösen, emotionalen und existenziellen Werte vermitteln. Doch wenn die Gefahr besteht, dass Familien, die unter den hier in groben Zügen dargestellten Problemen leiden, potenzielle Terroristen hervorbringen, die nicht nur bereit sind, einzelne Gotteslästerer wie Theo van Gogh niederzuschießen, sondern ganze Städte wegen ihres irreligiösen Gepräges zu zerstören, sollten wir uns überlegen, wie wir die moralischen und ethischen Familienstrukturen traumatisierter islamischer Einwanderer und ihrer Kinder beeinflussen können.“ Die Mordtat am Skandal-Skript-Spekulanten van Gogh gab dem neuerechten Wochenblatt der konservativen Revolution „Junge Freiheit“ den Ansporn, das Konstrukt des Multikulturalismus als endgültig erledigt zu versinnbildlichen und seine Objekte zum Weggehen zu veranlassen. Auf dem gleichen Fundament formulierte auch die Redaktion des „Bahamas“, das Organ der zionistischen Adlaten konsum-kommunistischer Koketterie, am 12. November 2004 ihre anti-orientalen Attitüden und Attacken auf die „islamfaschistischen“ Gilden: „Van Gogh und auch Hirsi Ali haben - wie vor ihnen schon Pim Fortuyn - ausgesprochen, daß sich im Namen des Islam eine zunehmend gewalttätige Abschottungsbewegung großer Teile der Migranten aus islamischen Ländern vollzieht; daß im Namen eines kritiklos heilig gehaltenen Buches voll finsterer Verbote - des Koran - und einer ihm abgelauschten Rechtsordnung voll der drakonischen Strafen - der Scharia - die Lizenz zum Zuschlagen, Einsperren, Vergewaltigen und in letzter Konsequenz die zum Töten erteilt wird. Es ist nicht das Patriarchat, sondern jene im Namen des heiligen Buches sanktionierte Männerherrschaft, die von der Klitorisbeschneidung, über die Zwangsverheiratung bis zur Vergewaltigung in der Ehe alles im Angebot hat, was aus Frauen und Mädchen Arbeits- und Sexsklavinnen macht...“ Die buschigen Kolonnen einer von der Pentagon-Patronage dirigierten Singakademie der spätkolonialen Kreuzzüge faszinieren die judeophil geprägten Abendland-Krieger und Jehova-Günstlinge unter der antinationalen Flagge des gesamtgermanischen Stammesbewußtseins im besonderen Maße.
Jetzt wird wieder den dunklen Gestalten aus dem Mittelalter und den neuzeitlichen Monstren der Marschmarsch geblasen, weil der Fluß der Visionen stockt und der Krisenkurs der superimperialen Raumfähre sich dem Endspurt nähert. Auf dem Thementablett der kollektiven Emphase sticht in erster Linie das Leiden des schwachen Geschlechts hervor. Dabei wird zwischen brav okzidentalem Macho und burschikos orientalem Pascha strikt unterschieden. Der eine Eigene handelt kommun und kommutabel, der zweite Andere kommandiert und schmiedet ein Komplott gegen den universalen Werte-Konvoi. In Katastrophentalks und den Spalten der schwarzen Kunst dämmert den Donnerwetter-Don Juans das Bild der geknebelten Orientalin - als subalterne Leitkulturfigur des Zynismus. Dem Patriarchat begegnen sie mit konstanter Ekstase vor der Notre-Dame. Kommentatoren der Pax europeana glorifizieren sich insgesamt als Kommandanten eines Space Shuttle, der das Erdenrund umkreist und dabei spirituale Signale aussendet: Wer nicht spurt, wird den Sprengkörper des zivilisatorischen Strafgerichts spüren. Im Nukleus seiner Euphorie befindet sich der Prinzipal dieser hohen Tour im Stadium nicht einer Euphonie, sondern des Ausweichmanövers eines ertappten, entzauberten und ausgetricksten Scharlatans. Aus dem Paradigma „Parallelgesellschaften mit undurchsichtigen Strukturen“ werden Horrorszenarien konstruiert und eine Menge grausiger Anekdoten. Demgemäß schaukelt sich zwischen den Milieus der Geknechteten und den herrischen Hasardeuren der Haß hoch. Reformulierte Antisemitismen aus dem Gruft gehen im Diskursrund allen minoritären Einwänden voran. Aufgeräumt mit jener multikulturellen Gesellschaft allseits, die zwei Jahrzehnte lang den exotischen Rand der Spaß-Society bereichern durfte. Lange genug tummelten sich im klerikalen Einklang der Integrationsgerüste voll versorgte, mit Sold und sonstigen Meriten gemästete missionarische Mythen-Mentoren. Sie wurden von den Entmutigten nicht entlarvt oder gar angebrüllt, sondern angebettelt. Jetzt soll der Druck der selektiven Assimilation erhöht werden, was die potentiellen Häretiker veranlaßt, mit einer inneren Emigration zu korrespondieren. Die kritische Öffentlichkeit des christlichen Abendlandes, die bisher eine muslimische Identität unterhalb des Zivilisatorischen protegierte, inkriminiert das individuelle Attentat eines Zeloten als kollektiven Tatvorgang, dessen Gefahrenzone in peripheren Subtropen der Eingewanderten-Quartiere aus der islamitisch isolierten Hemisphäre transferiert wird. Glaubenskollektiven wird aus Nutzkalkül Beistand gewährt, kulturalistischer Terraingewinn ermuntert. Zugleich brandmarkt die christlich korporative Sanftmut das religiöse Brauchtum der Entfremdeten wie das Sonderdelikt eines ganzen Weltalters. Die Dschihad-Hysterie äußert sich nach Amsterdam noch miesepetriger im biederen Dauerheulen der medialen Society. Demagogie und Ressentiments ergänzen sich in der wehrhaften Demokratie, der missionarische Eifer duldet keine wahrhaften Eskapaden in der straffen Endlosschleife, straft die Kaskaden der Querulanten.
Das kritische Schriftgut, das nicht über das Potential verfügt, jeden Schritt des okzidentalen Okkupanten sozialer Stadien zu entlarven, hat nur den Wert der Liliputaner-Litanei. Im ständigen Herzklopfen fristet der besitzlose Barde sein Leben, daß er sich in die Finger schneidet, wenn er wagt, dem separaten Patronat, den patronage-parat stolzierenden Philanthropen zum Hals herauszuhängen. Inspiriert vom Hardlinerflügel einer Gottheit, deren einzige Novelle das Recht aufs uferlose Besitztum ist, laufen die neolinken Nepoten der Domänen-Demokratur dem Gebot hinterher, dem Demokratie- und Menschenrechtsexport ideologischen Rückhalt zu geben. Nicht nur haben sie über dem Gelände der sozialen Revolution von langer Hand Gras wachsen lassen, sondern dem Sozialismus par exellence auch die Schuld an nebulösen Sachlagen aufgesackt. In ihnen blüht die Sehnsucht nach einer Pax european als Nonplusultra auf, damit der Aufstieg des alten Kontinents zur Supermacht der Hypermärkte. Die Evolution, evaluieren die Event-Eremiten, kommt voran nur noch unter dem Evergreen der mondialen Evangelisation ohne jegliche Eventualität. Sie verfassen das Dekret für die als unmündig klassifizierten Unterlegenen und klopfen ihnen kräftig auf die Finger: Diese Sklaven in metropolitanen Enklaven sollen die ewige Leier von der Litanei, durch die Kolonisatoren bevormundet zu werden, endlich verstummen lassen und sich ihrer Rolle als Leibeigene im Amphitheater der Kröten-Patrioten widmen.
Ein Mann, der seine wort- und lichtspielkünstlerische Karriere auf dem Lehrgebäude des Attackierens und Provozierens seines Gegenübers tüftelte, wird auf offener Straße von einem bis dahin namenlosen Randstadt-Streiter islamisch-frommen Weltbildes ermordet. Es folgen Brandanschläge auf Gebetshäuser. Es sind dieses Mal die islamitischen Gemeinden, die sich zu lange und unverfroren dagegen gesperrt haben, erhebt sich der schlitzohrige Vorwurf der schicksalsschweren Schickeria, den Widerstand gegen die islamistische Mutprobe zu ihrem eigenen zu machen und sich von den Schwärmern des Dschihadismus zu distanzieren. Die Journaillen-Meute klärt die Tat auf und läßt nichts der Vergessenheit anheimfallen. Sie spekuliert hinter dem Podest der Gardinenpredigt auf ein profitables Spektakel. Kulissen-Kurtisanen des Kulturalismus betreten den Bretterboden der Komödianten-Revue, Revanchen-Rhetoren ergreifen das Wort. Es dreht sich um einen ideologischen Mord, lautet ihr Urteil, um die Kollision der Kulturen - gerade in einem Lande, wo die integrationale Inventur lückenlos erschien. Fein haben die demokreativen Dramaturgen sich die Karambolage der multikulturellen Kollektiven aus den Fingern gesaugt. Nun können sie aus dem Handgelenk den kosmopolitanen Kombattanten in die Suppe spucken. In einer Zeit der krachenden sozialen Zyklen müssen die assimilatorischen Regelwerke der selektiven Migration reformuliert, die Nützlichen absorbiert, die Überflüssigen aussortiert, in die Deportationsdepots eingewiesen, die Volksschicksalsgemeinschaft behütet werden. Das Migrationsregime gründet auf zielstrebigen doktrinären Faustregeln: Wer seine Fähigkeit oder Bringschuld gemäß den Prämissen der dominanten Majorität nicht veranschaulicht, kann sich ohne Zeugnis seiner vollzogenen Assimilation kaum als gleichwertiges Mitglied in die Get-togther-Party einfügen, bleibt draußen. Moralische Appelle an formalen Menschenverstand oder normalen Anstand lösen sich entweder in Luft auf oder haben einen Bumerang-Effekt, potenzieren die Leitkultur-Fetischisten, die sich nicht weichklopfen lassen, wenn es um den Erhalt völkischer Maximen geht. „Nicht integriert“ gilt als Regelsatz, mit dem die majoritären Gewalthaber vor allem die türkische Community in den Status der Metöken zurücksetzen. Menschenrechte gibt es nur, wenn sie von Zivilisationsersten definiert und demonstrativ diktiert werden. Dabei dreht es sich nicht nur um einen Elitenkonsens der weißen Weissager, sondern auch um das All-Parteien-Koalitions-Regime. Wenn z.B. dem erzwungenen Aufenthalt der Fluchtmigranten in ausgesonderten Gegenden mit Residenzpflicht als Vorstoß gegen das Menschenrechtspaket ersten Grades eine Blöße gegeben wird, regen sich alle Avantgardisten der metropolitanen Reviere auf. Zentrale Aufnahmezentren, Abschiebeanstalten, Ausreisezentren u.a. in Containerlagern oder überwucherten ehemaligen Kasernenkomplexen zwischen Buchen und Birken, hinter Stacheldraht oder Mauern werden zwar als ein bißchen inhuman wahrgenommen, aber nicht als menschenrechtswidriges Vergehen. Aus den archivierten Annalen der vergangenen zwei Jahrhunderte kennt man die Wertemission der nordisch-weißen Kolonisatoren. Wo die Eingeborenen den Okkupanten zähneknirschend gegenüberstanden, wurden sie rassisch abqualifiziert und als minderwertiges Menschenmaterial kategorisiert. Wo gegenwärtig Freihandel auf Hindernisse stößt, werden kulturelle Menschenrechte aktualisiert, Stammesfürsten militarisiert und als lokale Lakaien instrumentalisiert.
Die virulenten Vokabeln wie „christliches Abendland“ oder „gesunder Patriotismus“ der preußisch prahlenden Barritus-Base in der binären Unität mit dem bajuwarischen Barden-Baron lassen keine Klarheiten zu, was eine morgenbunte Kritik an einer nach Brand riechenden Terra barbarica angeht. Gewandt getarnt hinterm mildtätigen Antlitz attackieren sie jegliche Interaktion zwischen inneren und äußeren Menschenbildern, die sie nach eigenem Gutdünken nicht indoktrinieren können. Der machinale Machiavellismus und monetäre Humanitarismus wirken bei diesem Duo so komplementär, daß sie kontinuierlich krakeelen können, komplette Weltbilder der sozialen Kommunität ins Trübe zu transportieren. Was der eisig inszenierte Diskurs-Zirkus bietet, ist ein Bubenstück für Buhmänner, sprich das martialische Aufleben des Ritter-Rasselns gegen den Alibaba-Bart. Eine Feuerlinie lancieren die weißen Drama-Despoten in den infantil inspirierten Frauenbildern mit Turban und Tradition, stopfen ihnen die Überreste der sozialen Apartheid in den Rachen und reglementieren das irreguläre Regelwerk der häuslichen Fronarbeit, ohne am Standbild des Wertgötzen und profitparaten Patriarchats einen Kratzer zu hinterlassen. Jeden Morgen erfinden die Frömmlinge des lasterhaften Besitztempels das Rad von neuem, artikulieren die messianische Message der abrahamitischen Apologetik, attackieren den Laizismus als verkappten Atheismus, bedienen sich der ethnophoben Dauerklischees des Orientalen aus der Boulevard- und Porno-Presse und servieren ihrer Geistesverwandtschaft den Sexus als emanzipatorischen Luxus. Paranoia pur! Nur: Das Gedankengut, das beispielsweise die kohlrabenschwarz kopfbedeckten Himmelsbräute mit Kruzifix und Kursbuch auftischen, findet keine krittelnden Demokrauter. Unter der Freiheitsstaffage der zivilisatorisch standardisierten Staatsräson funktioniert die Zensur der widerspenstigen Faksimile nicht nur als Zucht-Zubehör im Hungerturm. Sie reduziert auch fragile Figuranten der Kritik auf die Fragmente des Zombismus und züchtigt das Gegengewicht der Privatier-Piraterie, indem sie ihm keine andere Wahl läßt, als am Hungertuch zu nagen. Wer die Lehre der Liebedienerei nicht erfolgreich abschließen kann, muß Klinken putzen gehen. Ruhm und Starkult mit Preisen und Stipendien ergattern diejenigen Gören der Getto-Grotten, die zu bewerkstelligen wissen, ihre Gegenspieler durch die Gosse zu ziehen und die Hyänen-Hymne der Obrigkeit als deren willfährige Groupies ganz hoch zu singen. Exerziert werden sie extra zur Hurra-Meute einer militaristisch militanten Patriotismus-Horde, zur Kameraderie einer marodierenden Kamarilla in einem hybriden Husarenstück mit der Hunnan-Hybris. Für ein Groß-D-Land der Leitkultur, das über den Tellerrand des verschimmelten Paragraphensalats hinausschauen will, erwärmen sich die eingewanderten Kultur-Eleven des merkantilen Messianismus mehr als ihre indigenen Konkurrenten. Denn antizipieren müssen sie den Knalleffekt der Kantschen Keule, die diktiert, sich aus der Unmündigkeit zu befreien, indem man den Mut faßt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, ohne von einem anderen angeleitet zu werden. Doch der in diesem frühbourgeoisen Lehrgebäude originär gebunkerte Allvater der ökonomisch organisierten Orgie pinkelt dem autonomen Individuum übersprudelnd ans Bein. Die offiziös offerierte Maskerade des steinern erscheinenden Patriotismus-Primats oktroyiert die Eingewanderten-Gemeinden zugleich in die Provenienz der Barbaren-Barriere und okuliert den christianistischen Okzident als Keimzelle einer OneWorld-Idee, mit der alle brauchbaren Bastarde der byzantinischen Bataillons der Mäuse-Bastei hausieren gehen müssen. Keine Odysseen der Utopisten haben darin ein Gewicht, sondern nur noch der schwärige Phänotyp eines zivilisatorischen Zyklopen, dessen supervisionäre Entreprise ausschließlich aus der Urschrift der Apokalypse genährt wird. In „Junge Freiheit“, dem neurechten Wochenblatt vom 10. Dezember 2004 erspäht Doris Neujahr in der Lockpfeifen-Lokomotive des auf poppige Leitkultur eingeschwenkten Patriotismus keine ausreichend ausgerichteten Bajonetten und greift auf den Nihilismus Oswald Spenglers zurück, der das „Verschwinden des Kulturmenschen zugunsten des Fellachen“ vorausgesehen habe. „Dessen häßlichster Phänotyp aber ist gewiß nicht der stolze Ziegenhirt aus Anatolien, sondern der schwach, stumpfsinnig und herzensträg gewordene Europäer,“ schlußfolgert die germanisch manische Barritus-Base. Mit Patriotismus-Pathos ließ die majoritär-autoritäre Aristokratie der Neokonservativen ein Brandpapier los, um die Widersacher der germanophil gestützten Hegemonie-Ambionen über die Klinge springen zu lassen. Der Advents-2004-Parteitag der Christen-Union mit 1001 Delegierten im D-Dorf ergrübelte aus dem exotisch Romantischen einen Probeschwank des prometheisch Ideologischen. Er kreierte den imaginären Islamismus zum kollektiven Zentralfeind, dessen Groupies - symbolisiert durch Turban und Tyrann - ermahnt werden, sich mit ihren eigenen kulturellen Traditionen auseinanderzusetzen und für das germanische Gestürm Feuer zu fangen. Das kühn wie routinierte Aufmucken des den Takt schlagenden Weibsbildes manifestierte den Machtmoment einer Scheherazade aus der Tausendundeinernacht, welcher eine Art Dschihad, respektive Kreuzzug einkalkulierte. Die Trittleiterin orakelte dennoch keinen Lichtblick über die von der Menschheit mehrheitlich angetretene Höllenfahrt hinaus. Dieser merklich messianische Patriotismus der Mecker-Party Angela Merkels mausert sich zum surrenden Surrogat, um einen aufsteigenden Paria-Fleiß mit dem sinkenden Anspruch zu managen sowie der Kapitalflucht durch den Salärverzicht entgegenzutreten, was auch erklärt, daß die Marginalisierten an ihrer Miesere selber schuld sind. In ihrem populistischen Projekt wiegt das braune Grauen des „tausendjährigen Reichs“. Mit antiquarischen Attitüden aus der Kammer der kraftmeierischen Kameraderie gewürzt, glaubt die Eva der markt- und wertkonservativen Avantgarde, daß die Blut- und Boden-Brühe nach nicht Alltäglichem schmeckt. Um eine imperiale Funktion zu bekleiden, elaboriert sie mit dem Eliminatorischen, traktiert mit dem manuell Mentalen, taktiert mit der Rekonstruktion des different unterlegenen Anderen, um die zugeschriebenen Identitäten einzufrieren. Geschickt schiebt sie den Konkurskurs der Marktmechanismen auf die lange Bank und manövriert, den Splitter im Sehloch des Gegenübers zu dramatisieren, ohne den Balken im eigenen Auge spüren zu wollen. Es scheint, die repräsentative Demokratie wird ohne Repression die Ziele der metropolitanen High-Society, die soziale Hierarchie aufgrund neorassistisch reglementierter Kriterien zu legitimieren, nicht realisieren können. Dagegen hilft der szenarisch zwinkernde sozialistische Budenzauber eines Franz Müntefering mit Gesang und Bergmannskapelle nicht. |