| EDITORIAL
Im Gegenüber aufklärerischer Allüren zeichnet sich ihr mediales Sein als ein gescheites Gestade des Blütentraums ab – als Schneise, in der die Gegenspieler eines Weltalters der globalen Apartheid, des selektiven Humanismus, der demokreativ dekorierten Domäne-Dogmen und der euro-zentralen Bravour-Bastei zusammenkommen. Stets befand sich dieses Forum der freimütigen Fron im Existenzkampf, beharrte jedoch auf seinem Fortbestand. Immer wieder appellierten seine redaktionellen Pfleger an die Vermittler der Zeitgeist- und Zivilisationskritik und brachten ihr Vertrauen auf solidarisches Entgegenkommen zum Ausdruck. Die Reaktionen darauf blieben mager. Eher starten die meisten Streiter des freien wie ästhetischen Wortes einen postalischen Besuch in diese Karawanserei der libertären Erdenbürger. Stets war die Redaktion daher mit dem Faktum konfrontiert, daß immer mehr Adressaten des Schriftguts in DIE BRÜCKE eine Heimat suchen. Ein Beleg dafür, daß es dem virtuellen Blickfang im Cyberspace nicht gelang, die schwarze (Druck-)Kunst in den Orkus des Millenniums zu verbannen. Ein belangvoller Beleg dafür, daß der Fruchtboden dieses Blätterwalds beständig ist – dank eines aktiven Autoren-Auditoriums. Aber es genügt nicht, gegen den Anonymus zur Feder zu greifen oder das Schreibschwert zu schwingen. Wenn der Kritik an maroden Mechanismen der Blick auf eine Belvedere fehlt, so ist sie in Gefahr, als Künstelei des Kritikaster deklariert zu werden. Dem Kritischen wohnt erst ein Gewicht inne, wenn es beim emphatischen Nein zum Alten einen Fingerzeig auf das Ja des utopisch Neuen hergibt. Und diese dialektische Interaktion benötigt feste Bausteine. Daher fassen die Brücken-Pfleger ins Auge, ein »Literatouren-Atelier« ins Leben zu rufen und das in einem exemplarisch markierten Erdstrich wie »SaarLorLux« zu pflanzen – gestützt auf den Vorsatz, noch in diesem Sommer einen Literatur-Wettbewerb auszuschreiben und dessen Früchte hinterher in einer Anthologie zu publizieren. Ohne das Wagestück, ein Gegenfeuer zu entfachen, um die Fuchtel der superimperialen Rauchfahnen zum Bersten zu bringen, ist nicht zu vereiteln, daß der Planet Erde auf das eigene Ende zusteuert. Mehr den je benötigt die Menschheit die Renaissance des Utopischen – die Don Quichotts der Utopia heute. Gerade mit dem Ausbruch dieser Aurora korrespondiert das Gedankengebäude »Kosmopolitania SaarLorLux«, die das Frühlingsmeeting 2005 unseres Forums thematisieren will. Den Aufruf dazu dokumentieren die ersten fünf Seite dieses Heftes. DIE BRÜCKE als frei-gemeinnützige Assoziation baut bei diesem Experiment auf das solidarische Entgegenkommen aller engagierten Verfechter der echten Welt- und Menschenbilder. Unverhofft kommt oft. Aufrechte Geduld ist nötig – im Vertrauen darauf, was alles eintreten kann, bevor die nächste Morgenröte anbricht. Necati Mert
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