| Frühlingsmeeting
2005
Samstag,
21. Mai 2005, ab 14.00 Uhr, Künstlerhaus Saarbrücken,
Karlstraße 1, 66111 Saarbrücken
Seit Spätsommer 2001 verfügt der Terminus „islamistischer
Terrorismus“ im medialen Allerlei über einen erstrangigen
Platz. Seit Beginn des laufenden Jahres avanciert das Gespenst des
Neonazismus wieder zum Politikum im urbanen Milieu Bundesdeutschlands
- in Feuilletons und den Sendefolgen des Glotzophons. Gegen den
schwer konfliktbeladenen wie gewaltbereiten Auswuchs des Völkischen
und Gottgeweihten wollen die Mitstreiter des Periodikums DIE BRÜCKE
anderweitig aus der Reserve gehen, indem sie eine Tour zu einem
zukunftsträchtigen Gedankengebäude starten.
Das
diesjährige Frühlingstreffen des kosmopolitischen „Forum
für antirassistische Politik und Kultur“ hat das Wagestück
„Utopia“ zum Thema: Ein autonomes Plenum jenseits kultureller
Identitätszwänge und ethnisierter Weltbilder. In seinem
Blickfang liegen die Perspektiven eines metropolitanen Gesellschaftsgefüges
jenseits der Gaskonaden-Maskerade der doktrinären Integrationsgilde.
Literarische
Rezitationen, musikalische Präsentationen, emotionale Interpretationen
und interaktive Informationen werden die Gesprächsrunden auf
der Tour zu einer „Kosmopolitania SaarLorLux“ begleiten.
Vom
Kontra zum Pro
Seit
etlichen Jahren liegen real-utopische Entwürfe in den kritischen
Debattenfolgen des Blätterwerks DIE BRÜCKE vor, die sie
jetzt auch in den Fokus ihrer praxisnahen Aktivitäten stellen
und konkretisieren will.
Diesen
von ethnozentrisch zementierten, majoritären Routen abweichenden
Weg gehen die Brücken-Fertiger gerade in einer Zeit, in der
die Protagonisten einer postmodernen „Demokratie der Apartheid“
über das bereits registrierte Scheitern ihrer integrationalen
Eifer und über die noch bevorstehenden Gefahren durch ein fiktiv
fabriziertes Getto-Getöse herumnörgeln. Längst haben
sie das Leitwort des „friedlichen Zusammenlebens“ verschmerzt,
damit den „interkulturellen“ Impetus zur Makulatur erklärt
und den „Zusammenprall der Kulturen“ als Pudels Kern
ihrer Exkursion im Leitkultur-Kutter erhoben. Es orakelt an allen
Ecken und Enden - von der Erosion der Hinterhöfe und Vorstädte
ist die Rede, vom Unterwandern der Hochkulturen durch die hohe Fertilität
der allochthonen Minoritäten, von der Invasion der primitiven
Djihadisten oder dem Komplott der hinterlistigen Hijackings.
Halsstarrige
Händel der selbststilisierten Menschenrechtsersten erhöhen
den Druck auf das Getriebe der selektiven Assimilation bzw. der
absoluten Absorption eingewanderter Quartiere, sprich Integration,
auf den obendrein als „humanitär“ erklärten
Deportationsbetrieb, auf das Vegetieren der überflüssigen
Fremden im Hungerturm namens „Ausreisezentren“.
Das
Leidthema Migration, die fingierte Invasion der Unterbemittelten
aus Steppen und Savannen, etablierte sich seit den Siegessignalen
des Homo oeconomicus zum Leitthema der Demokraten-Domäne. Die
routinierten Honoratioren der Monekratie kreieren aus dem Erdenrund
ein krisensicheres „globales Dorf“, komplettieren getreu
ihrem ethnozentrischen Kredo eine Apartheidspyramide mit stählernen
Demarkationslinien zwischen Gutsbesitzern und Habenichtsen.
Daher
gilt es, ein affirmatives Auge auf die Globalismus-Glocke zu werfen
und auf den Abriß der Scheidewand zwischen der Feste Okzidentale
und dem restlichen Erdenrund zu pochen. Dabei geht es um das Kontra
zum eurozentrisch verengten kulturalistischen Rundblick auf den
oriental peripheren wie trikontinentalen Rand als Gefahrenherd.
Zum Beispiel ballt sich parallel zum Kopftuch-Konflikt in deutschen
Landen das mediale Geplänkel über die „islamistische
Internationale“ als Wiederkehr der faschistoiden Oden auf
die Heloten der Barbarei täglich aufs Neue zusammen, der zum
zentralen Pfeiler im Lehrgebäude der Anti-Terror-Zeloten aufstieg.
Im
zirzensischen Agentenstadel der medialen Brennpunkt-Fechter nehmen
die denunziatorischen Kapriolen überhand, tourt der teutonische
Kumpanen-Konvoi des Leitkultur-Patriotismus, als dessen Nonplusultra
die ethnisch-kulturalistisch orakelten Miseren der orientalen Get-togethers
hervorsticht. Zwischendrin brüsten sich die Apostel des Gutmenschen-Getues
mit ihrem Mirakel des Ellenbogenrechts und spinnen in elitären
Kaminrunden Intrigen, um den widerspenstigen Anonymus fortzuscheuchen,
jede andere Daseinsform in Sippenhaft zu nehmen oder bestenfalls
als Folklore zu verdrängen.
Da
dem Mitleid gewöhnlich nicht das Leid der Minderbemittelten
innewohnt, sondern die Leidenschaft der Hochbetuchten, entspricht
ihr humanitäres Dafürhalten dem Gemeinplatz des Appellanten
unter der Fuchtel der Global Governance. Die durch Mammonmoral gepflegte
Mitleidsfalle geht wie geschmiert, ein von orientalen Gebräuchen
und Gedanken befreites Abendland durchzufechten. Darauf stützt
sich auch das pentagonparat projektierte Primat, Zielgebiete der
Kreuzzüge auszudehnen - gegen jene imperatorisch ausgebrüteten
„Vorposten der Tyrannei“.
Ein
orientalisches Außen innerhalb der okzidentalen Zitadellen
eines Imperium Germanum wird im Feuilleton kultiviert. Selbst den
Multikulturalismus, der eine Zeit lang als humanitäres Minimodell
des ethnisch-hierarchischen Nebeneinanders ins Gewicht fiel, denunzieren
die kreativen Zuchtmeister der Feder schwingenden Intellektuellen-Zunft
als karikatives Gutmenschentum oder karikierten Mikrokosmos der
Political Correctness.
In
seinem Selbstwertgefühl des autoritären Autismus inszeniert
sich der Abendländer als einzig und ewige Wirklichkeit. Elementare
Erkenntnishorizonte, die mit dem Raster seiner aufklärerischen
Auguren-Aura nicht zusammenstimmen, gehören eliminiert. Als
geläuterte Morgenländer in den subalternen Strukturen
der metropolitanen Präsentation treten nur die Einen zutage,
welche den kommerziell diktierten Zitaten-Zirkus der Zivilisierten-Zone
makellos meistern und sich an der Kasse der präpotenten Patronage
drängeln, um ein Eintrittsticket in die Gladiatoren-Arena der
globalen Gustos zu lösen.
Auf
zur Aurora wider den Augiasstall
Ohne
das Gegenfeuer, das die Fuchtel der superimperialen Rauchfahnen
zum Bersten bringt, ist nicht zu vereiteln, daß das Raumschiff
Erde auf das eigene Ende zusteuert. Mehr den je benötigt die
Menschheit die Renaissance des Utopischen - die Don Quichotts der
Utopia heute. Gerade mit dieser Morgenröte korrespondiert die
„Kosmopolitania SaarLorLux“.
Bei
diesem unkonventionellen Unterfangen dreht es sich dimensional um
ein Konstrukt, das auf das Konglomerat der kosmopolitisch fundierten
Lebensformen fußt. Sein libertäres Leitmotiv besteht
darin, gegen den schwer konfliktbeladenen wie gewaltbereiten Auswuchs
der ethno-kulturell identitären Isolationen bzw. Formationen
aus der Reserve zu gehen und einen Streifzug zu den Gestaden jenes
imaginären Eilandes „Utopia“ zu wagen, welches
von Gelehrten-Gentlemen und Geistesfürsten der Zitadellen-Zivilisation
gestern wie heute nur achselzuckend angesehen wird - garniert mit
Seemannsgarn und Gardinenpredigt, im Habitus eines Homonkulus. Was
nun?
Eine
Menschheit, die nicht fertigbringen kann, für Heroen und Herolde
der bahnbrechenden Odysseen zu faszinieren, für ein reflektiertes
Kollektiv der autonomen Individuen alle Register zu ziehen, läuft
Gefahr, in den Fanggründen der Mäuse miauenden und Meute
mimenden Sirene zu landen. Eine Gesellschaft, die Zocker und Zeloten
zelebriert, Zündler und Zampanos züchtet, welche zeremoniell
über die Nachwelt Zoten reißen, kann die Fata Morgana
eines fatalen Morgens nicht verschmerzen und gleicht geschichtlich
einer von Gefahren umgebenen Gemecker-Gemeinde im Schatten des Konsumtempels.
Die
Suche nach einem Gegenüber zum Gestrigen benötigt Wagemut,
die Antipoden-Attacke eines Don Quichotten. Gerade in dieser Hinsicht
bietet „Kosmopolitania SaarLorLux“ einen Lichtblick
auf einem egalitären Steg vom mentalen Gestern des völkischen
Unitarismus zum sonnendurchfluteten Morgen eines sozio-humanen Universalismus.
Auf folgenden primären Standbeinen fußt das Gedankengebäude
des provokativ konzipierten Projekts:
•
Frühlingsmeeting 2005. Eingeladen zum aktiven Engagement
sind die Realisten und Utopisten eines lebensfähigen Planeten
für alle. Das Schwergewicht der mit literarischen Rezitationen
sowie einem Podiumsgespräch umrahmten Zusammenkunft zielt darauf,
das Fundament für ein Stiftungswerk zu legen, das den Namen
des orientalen Dichters Nazim Hikmet tragen soll. Dieses Vorhaben
will u.a. demonstrieren, daß die eingewanderten Lebenswelten
aus dem kleinasiatischen Morgenland wider den kulturalistischen
Intellekt der autochthonen Abendländer einiges mehr im Koffer
hatten als die Pläne von Döner-Buden, Hinterhof-Moscheen
oder Stadtrand-Minaretten.
•
„Literatouren-Atelier“. Da der Weg vom Idealen
zum Realen bruchfeste Basiselemente benötigt, beabsichtigen
die Brücken-Fertiger, die allochthonen Stützpfosten der
kosmopolitischen Menschenlandschaften (Iberianer, Sizilianer, Anatolier,
Magrephiner, Thrazier, Balkanier, Adrianer, Moreaner u.a., die sich
dagegen wehren, von den integrationalen Protokollanten der autochthonen
Majorität als leibeigene Probanden einer retrospektiven Civil-Society
ver- und entwertet zu werden) in einem exemplarischen Erdstrich
wie SaarLorLux zu pflegen, aber auch zu pflanzen, indem sie ein
„Literatour-Atelier“ ins Leben rufen wollen. Dieses
erstrangige Engagement geht weit über die Sphäre des belletristisch
Literarischen hinaus und umfaßt ein breit angelegtes Spektrum
- alles, was allgemein als Politikum an die Oberfläche kommt.
•
Literatur-Wettbewerb. Zum Auftakt der „Literatouren“
steht die Idee, demnächst einen Literatur-Wettbewerb auszuschreiben
und dessen Früchte in einer Anthologie zu sammeln. Die darin
enthaltenen Beiträge sollen Impressionen aus dem gelebten Weltalter
wiedergeben, das Schwergewicht auf den exemplarisch markierten Erdstrich
SaarLorLux legen und greifbare Utopien illustrieren. Die Teilnahme
setzt keine regionale Zugehörigkeit voraus.
•
Gemeinschaftliche Herausgebe des Sommerheftes des Periodikums
DIE BRÜCKE zum Thema „Kosmopolitania SaarLorLux“,
das die Beiträge zum beabsichtigten Frühlingsmeeting enthalten
soll. Die Kooperation setzt einen finanziellen Beistand für
Satz-, Druck- und Versandkosten voraus, gewährt dem Sponsor
gleichzeitig das Privileg, den Inhalt anhand eigenen Textmaterials
zu ergänzen.
Tagesablauf
des Meetings
Begleitet
wird das Meeting mit einer Liederpalette gegen Faschismus &
Krieg, Apartheid & Apokalypse, Patriarchat & Patriziat,
Hyänen und Hunnen, Zeloten-Zucht & Zyklopen-Zombies, Nomen
& Omen der Nomenklaturen. Zum Repertoire des Tages gehört
neben der Interpretation aus den Werken von Nazim Hikmet und aus
„Die Nachbarschaften dieser Welt“ von Jannis Ritsos
auch eine Rezitation aus Heleno Sañas neuestem Opus „Don
Quichotte in Deutschland“. Weitere aktive Teilnahme am epischen
Präsentationsprogramm anhand eigener Texte oder mit Texten
der Lieblingslyriker wird erwartet.
Gebeten
werden alle initiativ aktiven Akteure, die sich getreu den sozialen
Progressen institutionell wie individuell für das vorgelegte
Vorhaben zu erwärmen, dem gewagten ersten Schritt auf dem Wege
zu einer metropolitanen Bürgerrepublik kosmopolitaner Menschenbilder
mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. DIE BRÜCKE als frei-gemeinnützige
Assoziation baut bei diesem Experiment auf die Solidarität
aller und rechnet mit einem engagierten Entgegenkommen.
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