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EDITORIAL
Während die neoliberalisierten feudalen Frondienst-Kommandos wie eine Panzerfront die kollektiven Kräutergärten niederwalzen, attackieren die Konformisten des Kulturkreis-Konstrukts – im haupt- oder nebenamtlichen Gewand – DIE BRÜCKE wegen der angeblich darin enthaltenen schwierigen Wortkunst. Mag sein, daß das für manche Beiträge zutrifft, die jedoch höchstens ein Fünftel des Gesamtumfangs ausmachen. Was dahintersteckt, ist nicht das Augenmerk auf den Ausdrucksstil, sondern der generelle Mißmut über das stilistisch Verpackte, das neben der kreativen Kritik an der Zyklopen-Zivilisation auch die Misanthropie jenes Volksstaates ins Visier nimmt, der derzeit droht, zehntausenden Mehrstaatlern migrantischen Werdegangs die Staatsbürgerschaft abzuerkennen, weil sie ihre kniefällige Akklimatisation nicht aktiv genug akklamierten. Ein mondiales Publikum wider die Ausfluchts-Auguren gottesbedürftiger Belange braucht den Ausflug in die »Utopia«. Nicht nur als gelegentliche Besucher. Das kann den Zeitgeist-Poeten der Moneten-Monarchie als Illusion vorkommen, wenn nicht Irritation. Zu Fall läßt sich das Gedankengut nicht bringen, der generalerprobten Apartheidspyramide die Perspektive des Kollektiven entgegenzuhalten. Ein anderes wagemutig experimentierendes Sprachgut braucht die Zivilisationskritik und Rebellenlyrik einer zielstrebigen Zukunft, auch wenn sie mit dem Attribut »wild« oder »folgewidrig« attackiert wird. Ein Leser schrieb nach dem Erhalt des Heftes 135: »Ihren Essay zur Provinzia Anatolia habe ich noch nicht ganz gelesen. Aber was ich bisher gelesen habe, ist wieder fulminant und sehr geistreich. Frappierend ist auch Ihre klassische Bildung, eine Seltenheit heutzutage.« Das spricht den Brücken-Brigadiers Mut zu, sich neben der Routine der Heftproduktion auch mit der sprachlichen Illustration der Utopia weltläufig zu befassen. Hier fruchtet auch der Grundstock, auf dem DIE BRÜCKE standhält. Die Fragen, die Anlaß ihrer Geburt waren, bleiben ohne Antwort – trotz aller pompös populären Abrakadabras der parlamentarisch positionierten Oratoren. Ein Blätterwald, der vielen aktiven Handwerkern des ästhetischen Wortes eine Heimat bietet, lebt vom Beistand jener Nonkonformisten, die ihren Blick unentwegt auf einen frischen lichten Morgen richten und nicht um dasselbe Reservoir werben wie die Musketiere der medialen Gilde. Darauf fußt die redaktionelle Werkbank weiter. Zutage kommt als Positivum für diesen Kurs die Menge des zugesandten Textmaterials und das Anwachsen des Autoren-Terrains um das »Forum für antirassistische Politik und Kultur«. Auch wenn sich die Redaktion stets mit Platzmangel konfrontiert fühlt, nahm sie sich bisher nicht vor, den Schreibwillen mit den für vergleichbare Periodika geltenden formalen Regeln zu beeinträchtigen, die eingetroffenen Beträge zu selektieren sowie Vorgaben über ihren Umfang zu machen. Dennoch erscheint mit Blick auf künftige Bürden der freiwilligen Arbeit vonnöten, folgendes zu klären: – Die Redaktionskonferenz entscheidet über die Richtlinien der redaktionellen Arbeit bzw. Schwerpunktthemen. Sie findet zweimal jährlich an möglichst wechselnden Orten statt und ist allen Interessierten, vor allem der Autorenschaft offen. – Die geschäftsführende Redaktion (Stammredaktion) tätigt die laufenden Geschäfte und ist verantwortlich für die Herausgabe der einzelnen Hefte. – Sie erwartet, daß Manuskripte und Entwürfe am besten per E-Mail-Anhang, CD, notfalls Diskette mit einem Ausdruck gesandt werden. Papier-Vorlagen sollten deutliche schwarz-weiße Konturen zum Scannen haben. – Zwischentitel im Text sollen nicht hierarchisch gestaffelt bzw. nummeriert, Fußnoten als Endnoten möglichst sparsam verwendet und fremdsprachige Zitate übersetzt werden. – Rezensionen sollen vollständige Angaben enthalten: Autor bzw. Herausgeber, Titel und Untertitel, Verlag (mit Anschrift) und Ort, Jahr und Preis. Am Textende Name und Anschrift des Rezensenten. Necati Mert |