LYRIK

Unsere Lieder

Unsere Lieder
   müssen hinaus auf die Straßen der Vorstädte gehen.
Unsere Lieder
   müssen vor unseren Häusern stehenbleiben,
klopfen müssen sie an die Fensterscheiben,
müssen die Hände der Türen pressen,
   gewaltsam pressen,
       bis sie es spüren,
bis die Türen
   ihre verriegelten Flügel öffnen!
Wir können das Lied aus einem einzigen Mund
      nicht verstehen!
Ob Trauernacht
   oder Feiertag...
Unsere Lieder
   müssen eine Öltonne umstürzen,
        auf die Tonne steigen
und mit ihren riesigen Händen das Tempo anzeigen!
Unsere Lieder
   müssen, dem Wind in den Wäldern gleich,
      wie eine einzige Stimme erklingen!
Unsere Lieder
   müssen in vorderster Reihe den Feind angreifen,
ihr Antlitz muß
   gerötet werden von Blut!
Unsere Lieder
   müssen hinaus auf die Straßen der Vorstädte gehen,
unsere Lieder
   können nicht im Haus eines einzigen Herzens
      – hinter geschlossenen Vorhängen,
          hinter verriegelten Türen bestehen!
Unsere Lieder
   müssen hinaus in die Winde wehen!

Nazim Hikmet

Deutsch von Annemarie Bostroem. Aus: »Ich liebe mein Land«

***

warnung

inmitten des text-meers
die streitbare frau
die herrin zwiststifterin
„schrift“
lässt heute nur namen
tilgen
von listen doch morgen
die leiber samt namen

ent-sorgen

Jutta Dornheim

***

Neue Grenzen

Alte Grenzen sind
gefallen,
neue Grenzen werden
aufgestellt.
Unsichtbare, tief verletzende
Gebinde, überall lagernd –
lauernd, um auszugrenzen.
Die Stachel stechen tief,
und eine Flucht
aus diesem wirren
Stacheldraht der Zeit
führt den Betroffenen bis an
die Armutsgrenze seines
inneren SEINS.

Friederike Weichselbaumer

***

Wachstum

Ich liebe das Kraut
und den Regen,
der es sprießen lässt,

auch wenn die Nachbarn
böse herüber schauen
und mich verbieten möchten.

Schließlich hat Gott
die Welt geschaffen,
nicht der Magistrat.

Wilhelm Riedel

***

Familienhände

Muskeln am Ende des Arms, Bänder: fünf kleine Hebel
als haben sie die Gabe des Gesichts
wenn Tim die Milchflasche umspannt

Die Hände meines Großvaters unbeweglich
vor der Schnauze mit dem grauen Rips (Goebbels)
Knochen
   als würden sie die Haut durchstoßen
Haarbüschelfinger (gekrümmt an Abzugshebeln in Flandern)
im letzten Aufgebot um Berlin

Großmutters Hände: Sauermilch-Molke-Silage-Symbiose
bevor die Flucht begann aus Schlesien

Die Hände meiner Mutter: kleiner als die der Großmutter
voller Nadelstiche in den Fingerspitzen - Konzentration
bei der mit den Lippen angefeuchteten eingerollten Heftgarnspitze
   vorm Rutsch durchs Öhr –

Später:
Sie wirkten komisch in der Umspannung des Fahrradlenkers
beim Ausflug zum Ith*: Nervenstränge, braunfleckig:
ein Universum von Geweben in der Faltung
für Maria, die Gebenedeite

Reinhard Bernhof

* Bergrücken im Weserbergland

***

Verlogene Nostalgie

Am Friedhof welken Rosen
Gewürgt von feindlichem Gras
In der Nähe erzählt die Trauerweide
Über die verschwundene Vergangenheit
Ohne Hass und Schmerz
Alle gingen leise
Ich blieb schauend
Diese schöne Welt
Die sie vernichteten
Mit einer Blume im Haar
Beim verschlafenen Bächlein
Schimmert aus Liebe die Sonne
Und der weiße Stein lächelt leise
Wegen der verlogenen Nostalgie

Jasmina Segrt

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Weltbrand

Krieg im Westen! – Männer scheiden
totenblaß und pflichtgetrieben
still von allen, die sie lieben,
um im fremden Land zu streiten
für die Heimat,
für die Heimat!

Krieg im Osten! – Frauen tragen
Jahr um Jahr in dunklen Stunden
ihrer Sehnsucht tiefste Wunden,
ihr Verlangen, ihr Entsagen
für die Heimat,
für die Heimat!

Überall - in Unterständen
und daheim, im Westen, Osten,
stehen Menschen treu auf Posten,
leiden, bluten und verenden
für die Heimat!
Für die Heimat??

Frederic W. Nielsen

Aus: »Alle meine Lieder«, Freiburg 1995

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Unabhängig?

Unabhängigkeit kann es nicht geben,
Freund, du brauchst die andren daneben:
Trinkst du dein Bier, den, der's dir braut,
genießt du den Wein, den, der ihn anbaut.
Isst du dein Brot, den, der das Korn sät,
und ist es gereift, den, der es mäht.
Und die da den Mähdrescher wirksam bedienen,
brauchen die Hersteller dieser Maschinen.
Alle Kranken die, die Medikamente haben,
und die Sterbenden jene, die sie begraben.

Margot Born

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Dreck

Ich hab versucht den Dreck zu vergessen,
Der mir in die Quere gekommen
Seit meiner Geburt,
Ich hab ihn beschrieben,
Ich hab ihn bemalt,
Ich hab ihn gefressen bis zum Geht-Nicht-Mehr,
Ich hab ihn besungen, beschimpft, verflucht,
Ich hab über ihn mit dir diskutiert,
Ich habe versucht,
Ihn zu verstehen, von der Wurzel her,
Und von seiner Krone,
Und wenn er mir in die Augen flutschte,
Und wenn er in meine Ohren kroch,
Wenn er mich besetzte wie ein feindliches Heer,
Hab ich mich gewaschen,
Hab ich mich gereinigt,
Hab ich mir frische Hosen und Hemden
und T-Shirts und Socken angezogen,
Hab ich mich belogen,
Hab ich ihn belogen,
Hab ich das Gute in ihm zu sehen versucht,
Hab ich ihn analysiert,
Hab ich ihn bedichtet, o Dreck, großer Dreck,
Hab ich ihn getreten und weggeschmissen,
Hab ich ihn verbrannt, verbannt
Und seine unsichtbaren Burgen berannt,
Hab ich "no milk today" gesummt
Und den Sender lauter gestellt
Wenn sie alle Jubeljahre mal
"Working Class Hero" von Lennon spielten,
Nun mag ich nicht mehr,
Ich hab genug,
Hab genug von Betrug der Ohren und Augen,
Spül sie mir mit Suren,
Mit Seitenlangen,
Und bitte Dich, nimm diese Dreckshunde von mir,
Halt sie fest,
Ich will nicht mehr gebissen werden,
Ich möchte, mein Gott, den Himmel auf Erden,
Und Du zeigst mir die Schlüsselblume der Hölle.

Hadayatullah Hübsch

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Ich weiß, der Nachbar keltert Weine,
wenn auch aus Erdbeeren und dergleichen.
Er ist kein Freund von dummen Streichen.
Ich denk mir eine lustige Geschichte für ihn aus.
Im Keller unter seinem Haus
vollzieht sich bald der Gärprozeß.
Ich klopfe bei ihm und sag indes,
ich sei ein Freund von Kelterei
und war erfreut,
wenn er mir zeigen würde,
wie man's macht.
Ein Heft, das hätte ich mitgebracht,
um alles fein aufzunotieren
und dann es selbst auszuprobieren.
Der Nachbar sieht sein Lebenswerk
gekrönt von meinem Augenmerk,
und bringt mich in die Kelterei.
Da stehn sie der Kübel drei,
Johannis-, Stachel- und Erdbeeren,
bereits zerquetscht, noch nicht am Gären.
Ich nehm, ich hatt sie unterm Futter,
ein großes Stück von Essigmutter.
Und Schwupp die Wupp hineingesenkt.
Beim Keltern wird sie schön vermengt.
Und in sechs Wochen, 'nen Besen freß ich,
hat er den schönsten Erdbeeressig.

Jaime Salas

Aus dem Zyklus »Der Nachbar«

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fische

such ich im fluß die quelle
geh ich durch den schlämm
ins wasser bewegt mich
eine Schwingung aus wind
und wellen nähren mich fische
in der aufgebrochnen schale
der erde fängt mich eine frau
im netz wirft sie mich ans ufer
lodern flammen in den büschen
halt ich das weiche fleisch ins feuer
auferstehn die leiber aus den gräten

Holger Benkel

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Fronleichnam in Granada

Kommt zu Fronleichnam nach Granada.
Jeder Schritt ist ein Spaziergang durch die Poesie.
Unter dem Baldachin des Himmels könnt ihr
die Stille fühlen.

Kommt her und seht die Blumenprozession.
Jedes Aroma ist ein Sonnenstrauß
und ein Mondnest,
das sich in den Augen einnistet
wie die Pupille eines Kindes beim Anblick
der Sterne.

Wenn der Walzer der harmonischen Bewegung
schon vorbei ist,
– vorbei so wie der Wind –,
so wendet eure Blicke
zu den Gemälden von Fernando González.

Erinnert euch:
Granada, um es zu leben,
und Fernando González, um es zu malen.

Víctor Corcoba

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Wo ist das Problem

Wo ist das Problem, wenn man Mensch ist –
da schwänzt man so nachts durch den Park,
und plötzlich steht da ein Bulle
und funzelt dir mitten ins Mark?
Wenn man Köter erstmal auf Distanz hält –
vielleicht ham die Viecher den Biß?
Wenn man fluppwuppdiweg in den Knast fällt
und kriegt schon bei Mausfiepen Schiß?

Wo ist das Problem, wenn man Mensch ist
und sexualkundelt ohne Theorie?
Verschieb nicht die Praxis auf später,
sonst lernste die Chose doch nie!
Mach mit Nancy mal Überstunden
und spendier ihr n Kaffee mit Schuß
und n Kuchen und was zum Verspunden –
und dann passiert s so, wie es muß!

Wo ist das Problem, wenn man Mensch ist
und gerne mal badet im See
und sommers gern nackt auf dem Gras tanzt
und auch mal gern Bier trinkt statt Tee?
Wenn man einsteht für Frieden und Freundschaft
und hat Angst vor Atomkriegerei’n;
man mehr Lohn will und sich nicht dran totschafft
und mehr Brot und mehr Fleisch und mehr Wein?!

Wenn du sagst, du „stirbst für die Menschheit“,
dann tu s - doch dann frag dich auch das:
was nützen schon „Helden“, die tot sind?
So, das war’s, und jetzt: öffnet das Faß!

Brendan Behan

Aus: »Richard‘s Cork Leg«. Übersetzt von Ní Gudix und HEL Toussaint

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Käufers Nachtlied

Bin des Kaufens müde,
Liege matt im Bett;
Schlaf erfaßt mich, aber
Eh' er ganz mich faßt,
Ringt aus Mund und Brust
Sich mit letzter Kraft:
Morgen wieder, Kaufhaus,
Hab' ich auf dich Lust!

Gottfried Weger

Aus: »Hau’n wir der BRD...«

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Trost

Ach, mein Herz,
der müde Kämpfer
der verlorenen Kriege.
Du wartest nun, wie ein altes Segelschiff
– in einem mit Algen bedeckten Meer der Lieder –
auf einen abendlichen Wind.

Du darfst nicht aufgeben.
Es werden wieder Winde wehen
an einem grünen Frühlingsmorgen.
Sie werden dich vertreiben
aus jenen seichten Gewässern,
in denen du verankert bist.
Und du wirst
mit vollem Wind voraus
zu unentdeckten Meeren segeln.

Mevlüt Asar

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Nebenan im Viertel
viele Kinder

keine Bänke
nix zu klettern
kein Spielplatz.
Doch Zigarettenautomat.

Nebenan
eine große Wiese, Bäume
– Stacheldrahtzaungebiet –
dort treffen sich die Vögel
und der Hausmeister zum Rasenmähen.
Dort tollten einmal
fröhliche Kinder
nach getaner Pflicht
von Schule und Hausaufgaben.
Sie vergaßen ihr Eispapier
Unterm Baum.
Die „Großen“ vergaßen
Einen Papierkorb aufzustellen
Und schimpften die Kinder weg.

Zwischen den Häusern
sind grüne Flächen ohne Zäune
die Einladung trügt
sind gefährlicher
als mit Draht umzäumt.
Wo hört die unsichtbare Grenze
„betreten verboten –
Gras könnte zertrappt werden,
anschauen erlaubt“,
zum Nachbargrundstück auf?
Nebenan
wurde der Spielplatz
wegen zu hoher Instandkosten stillgelegt
wie ein gefährliches Atomkraftwerk.
Die Kinder der Eigentümer
sind dem Spielplatz entwachsen
und für anderes Kindergeschrei
hat dein Ohr kein Gehör.
Ruinenhafte Betonklötze
– ehemalige Sitzgelegenheiten –
stehen am Rande
neben Papierkorbträgern.
Nicht mal die Bänke haben sie stehen gelassen.

Es sind die Erwachsenen
die vergessen haben
dass auch sie mal jung gewesen,
Kinder waren
Denen laut das Herze lachen konnte.

Die Erwachsenen sinds
die vieles
unmöglich machen,
manchmal auch
   Kindsein
Draußen wird zurechtgestutzt
In einer Weise,
dass michs wunderte,
dass ich so fröhlich bin.

Christine Fellner

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Menschenrechte

Noch immer bricht das Land
weiße Hügel aus
endlos Menschen
zwischen zwei Atemzügen
nimmt die Straße
geduldig Staub auf
Bürgersteige
schlagen Haken
aus Häusern geschleppt
Schweißgeruch
aus Salz und Gewürz
an seinen Kinderhänden
klirrte Angst
als die Welle der Ohnmacht
Augen rollte
   als sie kamen
   ihn zu holen
   war es Tag
für Stunden seelengleich
mutterlos vaterlos
wird es wieder Tag
weder weiblich noch männlich
weder grün noch braun
wird es wieder Tag

und ein Mensch
in Stille genäht.

Carmen Caputo


***

Sonnen-Route 2005

   – Empfohlen vom Hominiden-Herold der       Morgensüchtigen an die Rebellenlegion –

Es wieselt
der Absender des Apologeten-Absatzes anonym
im Uralträtsel und Unikum der Universal-Urbanen
erstürmt das Überhaupt des Hasardeuren-Hauses
im Supermarkt der Helfer-Horden-Humanität
   den Orakel-Orbit der arischen Oratoren-Arien
      mit Bravour und ruhmreichem Rapport
daß der Rivalenriege demnächst die Kräfte schwinden
und die Schwaden der Fangkriege verschwinden

Es kriselt
in der Levante des Seesturms
hantiert der Handlanger Hegemoniens
      in Havarien-Varia mit Ali Babas Havaris
      und Haramiten unter dem Sternenbanner
während die Flieger-Flotten Levantinen beladen
den Olymp überqueren nordwestwärts
und die Elogen-Legion des Paneuropa-Pathos
medailliert überm Haupt mit Zwölf-Sternen-Kranz
aus der “Apokalypse des Johannes”
patrouilliert am ewigen Elegien-Fluß der Elenden
         vor dem Kasten-Pyramiden-Fuß

Es rieselt
Bruthitze im Bräute-Basar
und Himmelkruzitürken und Hunnenwitze
und Schwermut-Linien auf der Brustspitze
und Schwertlilienhügel und Branchenbrand
und Drachenbrut hinter Helfershelferheeren
und Hybrishirten auf der Steppenstrecke

Es nieselt
Blutgeruch überm Luftozean
zwischen Glut- und Gerüchteflut auf Gladiatorengipfel
   der Zusammensturz im Krauter-Kasino
niest der Waterloo-Planet der Varosch-Wandalen
   über dem Dinosaurier-Plateau der Demo-Kreaturen
wiehern die Wahlwallache Wallstreets
vor der Wiederkehr der Wilden wider West-Herren-Wind
wallen die Wacht-Veteranen der Warenzeichen-Walhalla
überfallen die Ulanen-Alm der Frondienst-Nomaden
         zwischen Arier-Areal und Arien-Arsenal

Es kreiselt
Aufruhr der Armen-Armeen
vorm Barrikaden-Dunkel der Kröten-Tempel-Hüter
kündigt sich an am Heloten-Horizont
         der Herold der Hominiden

Es hagelt
Barden-Pulver am Piraten-Port
Grillenfangen zwischen Parasiten- und Parteien-Part
nagelt Heldensold für Herostrats Miniwelt
         im Tugend-Trust des Pontifex maximus

Es hegelt
der Mädchenhirt im Märenmeer
wie der Kosmos im Grundbuch der Grossisten ausgehebelt
Alles im Nu
zwischen Trost-Tamtam im Tohuwabohu
         und Touristen-Tumult vernebelt
Traumturm der Verlorenen
         im Titanen-Terrain der Tugend-Tüftler-Troupies

Es krakeelt
während Grabhügel-Krähen sich vor Lachen kringeln
über die Gladiatoren-Garde im Gänsegang
         zwischen Studios und Stadions
in allen Stadien des Makrokosmos
brechen Heckenschützen mit Heckmeck hervor
      zum braunen Feldzug gegen blauen Dunst

Eliminiert die Revolten-Phase
         durch Arten-Episode der Evolution
registriert Anthropophage anonym als Kostgänger
      in der Anatomie der Ethnologen-Logen
verglüht die Antiquitäten-Antinomie
in Acht und Bann
auf der Bramarbas-Bahn zum Parasiten-Palast
      zwischen Druiden-Dreh und Druden-Dorado
kultiviert Kurtisane als Dragoner-Dulzinea
diktiert das Dokument im Banalen-Paket
      das Urbanen-Bankett der Börsenbastei
dirigiert das Renegaten-Regiment
      den Regenten-Reigen im Blätterwald
dringt das Moralin in den mageren Morgen ein
deklariert die Auguren-Aura im Krösus-Klub
      die archaische Strenge der Argusaugen
dereguliert das Publikum zu Litanei-Laien
      mit Desperado-Grimasse im Grasgarten
delegiert Krautjunker zum Ministranten
      zur Miseren-Feier im biblischen Nebelschleier
         des Routinier schwärzen
die Druckfahnen des Meuterer-Manifests
und das Sommersonnenbunt und Wetterleuchten
durch Rhetorik und Ritual und Esoteriker-Erotik
      und Zeremonie-Zirkus für Mäuse-Moral

Kumuliert der Kadi-Kult
      die Kuppen-Kurven der Schuld
Kommt der Herold an
im Patronagen-Park der Europoiden-Panik
      dem Parterre der Partikular-Pyramide
          mit Pantalone-Paschas im Pantheon
unterbricht das Turbulenten-Lyrik-Training
         vom linken Teutonen-Touch
             verkündet den Traum

Wo wächst der Regenbogenbaum
      auf welchem gemeinsamen Boden
Wo fruchtet der Blütentraum
      furchtlos von einem Morgen
         in welchen Oden
            welchem Reim geborgen
               die Antipoden

Beeil dich Rebell
Melde dich am Schalter der Kollektiven-Kolonne
dem Karawanen-Komitee der Kosmopolitania
                  schnell

Merke Rebell
Erst bricht der Tag an
auf dem Leuchtturm der Loser
mit dem Sturm auf die Zyklopen-Höhle
      und das Sternengold im blauen Banner

Beeil dich Rebell
Melde dich schnell
      beim Grundtexter des Utopia-Gerüsts
Jeder nach seinem Tun plus
         jedem nach seiner Sehnsucht
            reicht die Erde aus

M. Kurtulus