IN DEN KULISSEN DER TEUTOZENTRALE

Regenbogenbaum der Privatiers verdüstert den Blütentraum der Parias

Wieder wiehern die Wahl-Wallache willfährig

Impressionen von einer Sonnen-Saison, die sich verflüchtigte, bevor sie fruchten konnte

Von Necati Mert

 

Evolutionsevent am Ende

Zusätzliche Wärme für nordische Zone hatte die kommunikativ kreierte Illustration des komplett kommerzialisierten Kosmos auszustreuen. Außer Zweifel: In Fahrt brachte sie die Illusion von der selektiven Fusion linker Sektionen auf Tour zum eventuellen Urnengang. Vielerorts eingebürgert in den medial moderierten Missionars-Events der Mäuse-Mönche treten sie als Flagellanten und Fakire der Geschmähten und Geschändeten hervor, ohne ein Auge auf die potentielle Rebellion der Utopia-Poeten zu riskieren.

Wohlgemerkt: Jeden Moment droht der Planet der OneWorld-Piraten aus den Fugen zu geraten. Die Utensilien der Feste Europa entgleiten der „unsichtbaren Hand“ der Marktkräfte. Sie erwies sich längst als Luftschloß der Münchhauseniaden. Die Referendums-Revue hinterließ rauchige Spuren des Abfackelns.

Urteil sprach der Souverän, indem er die Chateau-Charta der Vermögenden verwarf. Jedoch nicht, weil er sich einem progressiven Prozeß universalen Charakters anschloß, sondern in einem unipolaren Utilitarismus mit kolonial rassistischem Unterbau zusammenhielt. Ob unter dem neurechten Einfluß der weißen Revier-Ritter oder der neolinken Eselsbrücke, das plebiszitär pointierte Nein zum Krautjunker-Konstrukt hatte einen primären Adressaten, nämlich den Steg der Provinzia Anatolia zum Zentrum des Novum Okzidentum entzweizuhauen. Gewiß wird die Urkunde in Raten ratifiziert. Das Chaos werden die Feldhüter der Domänen-Demokratur ignorieren, ohne ihr kulturalistisch kultiviertes Charisma triumphaler Tribunen und kabarettistisch karikierter Chamäleons auf den tele-visionären Tribünen changieren zu lassen.

Die Bastei-Basis bleibt beständig: An der Meritza, dem Grenzfluß zwischen Griechenland und der Türkei, läßt sich ihr süd-östlicher Limes befestigen und in seinem vorderorientalen Jenseits jenes Unkraut pflanzen, dessen Keimzelle vom Kompost einer „privilegierten Partnerschaft“ veredelt werden soll. Mit Bravour einer C-Union, deren hegemoniale Euphonie evident auf der pangermanischen Plattform fußt, vervollkommnet mit Zutaten eines event-reifen Evangeliums.

Während sich die Justitiar-Junta der Monekratie auf der hohen Warte des triumphalen Trommelfeuers positionierte, mußte das breite Publikum bei der invariablen Imagination der institutionalisierten Investitionsintimi hausieren. Bei der instrumentalen Integrität der Intriganten. Beim zunehmenden Einsatz von Pamphletprodukten und Seemannsgarnen. Rücken an Rücken mit den postmodernen Provokateuren der neorassistischen Postillen à la „Zusammenprall der Kulturen“. Aber auch vor den Pranken eines erdichteten Ungetüms in Panik geraten sowie in Schrecksekunden, daß der kapitalistisch komparable Kannibalismus alle Zügel sprengen und der Vandalismus bis in die Dolce-vita-Viertel übergreifen könnte.

Dennoch: Die Argusaugen der prä-patriotisch eingestellten Patronage-Parteien richten sich ethnozentrisch erfroren geradewegs auf die „Untertasse“ der expansiven Unterklasse von Langzeit- und Dauerarbeitslosen. Gemeint sind in erster Linie jene untergebildeten und integrationsunwilligen Jungmigranten, denen die Raub- und Sexualdelikte aufgebürdet werden. Auf sie zielt merklich das Damoklesschwert von Angela Merkels Elendsmanagement - als Agenda aller Zukunftsaussichten.

Dies fußt auf der altertümlich erdachten Tatarennachricht vom „Untergang des Abendlandes“ und brüskiert folgenschwer die trikontinentalen Menschenscharen auf der Flucht vor Naturkatastrophen und Ressourcenschwund, vor Kollaps und Korrosion der Lebensgrundlagen durch die Warenlager-Zombies als Wahrzeichen der Zivilisation.


Vor dem Südsturm türmt sich das Schengen-Werk auch im Alpen-Plateau

Das hochbetagte Gedankengebäude des Nationalstaates brüskierte im ausgereiften Frühjahr die Domänen-Doktrin der supranationalen Supermacht. Die Zwischenbilanz der Kampagne für die Ratifikations-Routine des Konstitutions-Konstrukts alarmierte die Kommissaren-Kompanie. Resultate des Plebiszits in zwei Urheber-Ländern des Monekraten-Monuments unter dem Label „Europäische Union“ erwies sich nicht nur als labyrinthisch labil, sondern auch als Reaktion auf dieselbe Litanei liederlicher Liturgien. Während die Phrasendrescher der europoid evolutionären Episoden mit affirmatischem Blick auf die Esoteriker-Eskorte den Anonymus verlustig als Kostverächter und Skeptiker charakterisieren mußten, konnten die Leitritter der Routine nunmehr durch Rhetorik und Ritual den Nackenschlag verschmerzen und sich von neuem verlustieren. Mehr hatten sie sich nicht anstrengen müssen, als nachtsüber am 5. Juni 2005 die Nachricht aus der Alpen-Republik der Banken abzuwarten.

Mit einem plebiszitären Ja zur Schengen-Burg-Bruderschaft votierten die Eidgenossen des platonischen Plateaus, daß die Globalismus-Glocke der neoliberal nivellierten Apartheidspyramide bleibt, wie die eurozentrische Eine-Welt-Demokratur sie herbeisehnt.

Die Scheidewand zwischen Innen und Außen der Mäuse-Götzen-Anatomie soll die Antimonie zwischen dem geringwertigen Genre der Erdenbürger und der werthaltigen Wesensart ethnologisch lokalisieren, sie bestenfalls genetisch generalisieren. Die Bestialität des Banalen diktiert das Dokument des Donnerwetter-Apostels, deklariert die Schengen-Schergen zu gerechten Regenten, degradiert das planetare Publikum zu Show-Society-Laien der Grabenkriegs-Szenarien.

Im luxembourgeoisen Dorf Schengen am Mosel-Ufer wurde vor zwei Jahrzehnten das Vertragswerk gebastelt, das regelt, wo der Limes der Feste Okzidentale abmontiert und wo er mit Stahlbeton wieder aufgebaut werden sollte. Mit harten Materialien kostspieliger Hochtechnologie und erschwinglichen Segmenten der Humanitas wurden die Außengrenzen der Zivilisationszitadellen so zementiert, daß beim Versuch, sie zu durchbrechen, innerhalb des letzten Jahrzehnts über 5 000 Erdenbürger verendeten: ertrunken, erstickten, erfroren, verdursteten, in den Zellen und Maschinen des Deportationsbetriebs in den Freitod getrieben oder erschossen wurden.

International aktive Akklamation wollen die Maestros und Akteure des Husarenstücks mit Humanitarismus-Hymnus noch dazu einheimsen, indem sie den Asyl-Artikel der universal proklamierten Menschenrechtskonvention auf ein hegemonial instrumentalisierbares Utensil reduzierten.


Der Marktschreier-Staat der Satten und Stattlichen

In den Laboren der Think tanks werden Verbrechen mit Ethnien verknüpft, ein orientalisch-islamisch-despotisch dominiertes, fromm-fremd-banal barbarisches Außen dem aufklärerisch-emanzipatorisch-demokratisch doktrinierten Eigenen gegenüber gestellt. Die Methoden des psychologischen Krieges gegen den Kommunismus werden aufgemöbelt gegen ein turbulent getüfteltes Phantom Islamismus als Furie der Gescheiterten in den mondialen Mega-Slums. Lauter und lauter beschwört die spätbürgerliche Demokratur die kulturalistische Variante der Markt- und Mammonökonomie als Allheilmittel, manövriert das von kreischenden Havarien heimgesuchte Raumschiff Erde auf die Startpiste des „totalen Krieges“, wenn die Gefahr fortwährt, daß die unter dem superimperialistischen Gekreische der Globalismus-Glocke Enteigneten sich nicht entmutigen und entzweigehen lassen, sich endgültig für die Rebellion entscheiden.

Noch im Spätfrühling nimmt der Frühherbst nach dem Sturzflug der Heuschrecken-Schwärme den Habitus einer Harlekinaden-Horden-Atmosphäre an. Zurückkehren wird die Stille des Unwillens, das Zähneklappern vor dem lausekalt mäuse-melkenden Schwarz, vor dem nachhaltigen Ausbluten der errungenen sozialen Systeme. Es ist das geladene Schweigen vor der Premiere des Aufschwungs-Schwanks im Teutomanen-Theater mit Stilblüten einer Heroin unter dem Hesperos, der Hore im Humus jener Honoratioren, die im Sinn haben, das humane Dasein der besitz- und arbeitslosen Proleten voll aufs Dahindämmern zu dezimieren. Das mit Event und Elend politisierte Management reflektiert die Tragweite der wehleidigen Selbstreklame, evoziert, daß alles, was ein kollektives Gewicht hat, zu parzellieren gehört - zu privatisieren, um die Renditenkassen zu protegieren und die Rentier-Kaste zu prosperieren.

Bald werden die Spionage-Nasen der Arbeitsagenturen bis in die Küchen und Kühlschränke der Unterbegüterten reichen und Agenten-Antennen der Terroristen-Jäger in die Schlafzimmer der brünetten Bürger.

Die administrativ artikulierte Euphonie mit der Reformatoren-Euphorie steuert darauf zu, die Opfer der popularisierten Patronage-Poeme soweit zu entmündigen, daß sie am Ende im Schoß der Anthroposophen landen. Als Protagonisten eines solchen Husarenstücks haben sich alle Funktionäre des Marktschreier-Staates samt seiner Mandatare und Mandarine professionell zu prostituieren vor den Fruchtfontänen und Foren der Magnaten, um dem Händel mit dem Zankteufel zu entkommen. Vor dem Wall der endkapitalistischen Kapriolen angelangt, bleibt den Statthaltern des Satten-Staates des öfteren nichts anderes übrig, als die Wahl-Wallache zum Zwischenspurt zu satteln wie in der Maienzeit 2005.


Prospektive Wahl-Wallache vor dem Hippodrom des prosperierten Patriziats – Akt I: Brummen im Paria-Parterre, Panik im Palaver-Parkett

Während das parlamentarisch partizipierte Establishment rot-grüner Politur von einem Plebiszit sprach, erspähte die Media-Meute in dem vorgezogenen Urnengang zum Reichstag ein Spektakel mit einem Schelmenstück, dessen Amüsement daraus besteht, dem enteigneten grimmigen Haufen des Staatsvolkes einen Dämpfer zu verpassen.

Einen zeitweiligen Kurzschluß im Schaukelspiel zwischen dem christdemokratischen Dragoner als Dukatenscheißer und dem Dramendichter der sozialdemokratischen Dreigroschenoper wird es kaum geben. Der Drahtseilakt, den die Antiparties der mit dem Manifest „Eine andere Welt ist möglich“ manierierten Parteien bewerkstelligen, wird die Antipathie der Enteigneten nicht bezähmen. Es ist dasjenige Parlament, das die Verfechter des kollektiven Elans durch die Fünfprozentsperre draußen hält, wenn es seinem Primat nicht gelingt, sie zu akklimatisieren.

Mit aphoristisch abgerundeten Träumen am Kamin ihrer klimatisierten Quartiere sekundieren die apollinischen Appellanten des linken Universums dennoch der apodiktisch dekorierten Demokratie als kontradiktorischem Konstrukt unter dem Diktum der Profit-Propheten.

Welchen Ausgang das nächst herbstliche Kreuzchen-Malen auch immer haben mag, in Sicht ist Neuland nicht, das die linkslastigen Liliputaner als Lichtboten betreten könnten. Zum Inhalt hat das Drehbuch ihres Schwanks das Realgewicht der Akteure und nicht den Idealgehalt der Strukturen. Schon in ihrer Eingangsdebatte haben die formenreichen Vorturner die Frontlinie ihrer byzantinischen Bündnisbude so flott und frugal personifiziert, daß es den beiden Aufschneidern der Nation, dem Plagiator der hochkapitalistischen Reformplage Oscar Lafontaine und dem Wendeputsch-Advokaten Gregor Gysi gelang, sich als Programm plakatieren zu lassen.

Festgesetzt hat sich in den Denkzellen des abendländischen Menschengeschlechts schlechterdings der rassistische Bazillus als Überbleibsel des über ein halbes Jahrtausend alten Kolonialismus. Ein Mysterium, das sich aufgrund der Anlage-Architektur von Monumenten und Dokumentationszentren nicht durchleuchten läßt. Sein Nährboden ist verwoben mit dem Erwerb des Privateigentums, wie sich gegenwärtig in der Dilettanten-Debatte um den Stillstand des ökonomischen Wachstums manifestiert. Philiströs auf der gleichen Linie trägt sich auch die linksläufig unterwürfige Sphäre der marktgängigen Szenarien zu. Mit biophilem Brimborium. Verdrängt wird, daß die merkantil kreierte Philanthropie den Wert des Menschlichen nicht in seinem bloßen Sein markiert, sondern in seinem funktionellen Gebrauch als Produktivkraft, die Mehrwert aufwirft und Eigentum vermehrt. Doch die dritte industrielle, respektive mikroelektronische Revolution, deren totalitärer Fortschrittsglaube einzig an den ökonomischen Elan orientiert, erklärte den Produktionsfaktor Arbeit zu unerschwinglichen Utensilien und seinen Eigner zum global parasitären Kostgänger.


Wahl-Wallache im Hippodrom des Husarenstreichs – Akt II: Heidenspektakel

Das bucklig wie buntscheckig gebündelte Bündnis stellt sich zur Wahl. Links von der Mitte manieriert. Demokratisch sozial. Demographisch national. Saisonal sensational. Bisweilen blaßrot und ein bißchen byzantinisch. Burlesk und brünstig zugleich. An dieser Stelle will ein Probe-Porträt des possenhaft positionierten, post festum privilegierten Projektes wie folgt auf die Fragmente seiner Fundamente ein Schlaglicht werfen:

Auferstanden aus den Retro-Reform-Ruinen der Berliner Republik, um den Kollateral-Kollaps im Konsumtempel kollaborationsparat zu präparieren und den humanitären Habitus des Krisenkapitalismus kommunikativ zu reparieren. Kommunitär auf Kollaborationskurs zum Kosmos des Konformismus mit poppigen Partei-Parodien kompensiert, als Pleitiers am Potentaten-Portal der Privatiers kokettierend, Klinken putzend. Präsentiert vom Promotor der Parabolspiele, partizipiert am Komplizen-Konvent der Demo-Krauter und Ethno-Kreaturen, der Krautjunker und Yuppie-Jünger, der Journaillen-Junta und Jubel-Jakobiner, die Antagonisten-Attacke und das Komplott des Anonymus zu kontern.

Ein Barden-Bataillon in der Bastarden-Baracke der Bramarbas-Bastei, das sich als kleineres Übel auf dem Wahl-Allüren-Markt als Hasardeur-Humanismus und Herkules-Harlekinade aufstellen läßt. Als Maskeraden-Maschine im Kompromiß-Kompaß zwischen Mäuse-Mysterium und miserablem Zombie-Szenarium des ministrablen Menschen-Elend-Managements. Als Dilettanten-Kompanie im Catcher-Chateau der Duellanten, vor dem der Fundus der Furcht und Furie fruchtet.

Gesetzt den Fall, daß die Koalierten-Kompanie aus traditionstreuen Trade-Unionalisten des Westens und Graswurzel-Revisionisten des Ostens unter der Reichstagskuppel die dritte Kraft stellt - wird daraus mehr als ein Wolkenkuckucksheim? Werden die demokratischen linken Soziusse der Kompromiß-Kutsche das widerständische Augenmerk der enteigneten Überflüssigen auf den Urgrund des superimperialistischen Lehrgebäudes der Syndikate lenken können, ohne sie linken zu wollen? Oder werden sie sich der Singakademie der Europoiden-Euphorie anschließen, die trotz einiger Mißtöne weiter Platz greift? „Denn die heutigen Europäer haben doch dieselben Gene,“ prahlt der Alt-Kanzler Helmut Schmidt in einem biologistisch rassistischen „Zeit“-Zitat vom 9. Juni 2005, „welche schon die vorangegangenen Generationen hatten. Diese Erbanlagen haben die Europäer befähigt, die enormen Opfer zweier Weltkriege und der nationalsozialistischen, der faschistischen und kommunistischen Diktaturen zu ertragen und gleichwohl ihre Gesellschaften kraftvoll, jedoch ohne Kriege und Bürgerkriege wieder aufzubauen.“

Ohne Kriege? Welch ein Bravourstück? Einmalig in der Weltgeschichte? Verhehlt werden kann, was gestern geschehen war, aber nicht, daß die selbststilisierten Zivilisationsbesten künftig mit ihren „Erbanlagen“ und eurozentrischen Allegorien verhängnisvolle Volten vollbringen und sich heroisch über die erbarmenswerten Welten erheben, die endkapitalistischen Herostraten verehren und die Herolde der Hominiden wie die Homeriden der Freiheit und Fortuna brüskieren werden.

Welchen perspektivistisch alternativen Entwurf werden die Projekt-Promotoren des Kombattanten-Chors dem neokonservativ krakeelenden Wildwuchs entgegenhalten, der anhaltend gewaltigere Menschenschwärme an den Bettelstab führt und sie zu Bütteln der Dolce-vita-Diktatur macht? Oder werden sie sich nach dem Vermächtnis der einstigen Multi-Kulti-Kurtisanen, respektive Grünen-Gladiatoren richten und für den Fortgang der Menschenrechtskriege unter der hermetischen Flagge der imperial koalitionären Herrschaftsriege und mit der pangermanischen Retro-Reform des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes triumphieren, infolgedessen zehntausende „Deutschländer“ vom Staatsbürgerstatus in den Rang der Ausländer degradiert werden? In den Fußstapfen eben jener alteingewurzelten Alternativen, die auferstanden aus der Szene-Sektion der Hausbesetzer in den Erste-Klasse-Kreis der Villenbesitzer aufstiegen?

Unter welcher Lichtflut man die linkslastige Block-Banderole auch immer beäugelt, nicht die Ideal-Illustratoren des Sozialismus stolzieren im Diskutanten-Distrikt der Zukunftswahl-Alternativen, sondern die Impresarios der züchtigenden Zunft-Idolatrie. Gewaltige Gerüchte kursieren allenthalben, daß es sich hier um eine Art Leichenschmaus dreht, nämlich den Kommunismus als zukunftsträchtiges Weltbild ein für allemal eliminiert zu erklären. Wahrnehmbar sind lautes Murren und Aversionen wegen der Fusion der beiden Fraktionen eben aus dem Regenbogen-Revier der antikommunistischen Zirkeln, vorwiegend unter dem Dach der „Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit“. Von der Media-Meute werden sie daher nicht nur provoziert und protegiert, sondern auch dazu angehalten, die Blockaden vor kollektiv revolutionären Eventualitäten emporzuziehen. Man hört von stets weitläufigeren Sprachröhren aus dem Unterbau der „Wahlalternative“, daß sie einst reflexartig für die Allianz in den Chor eingestimmt, ihr Dafürhalten hernach revidiert haben und nicht mehr bereit sein wollen, sich an morsche Wracks anzuketten. Gemeint ist damit jene „Partei des Demokratischen Sozialismus“, der man sich allein wegen des dritten Wortes ihrer Aufschrift weigert, als Blockflöte zu folgen. Was man alles noch tut, damit sie doch noch mit einem Mühlstein um den Hals in die Arena der Stimmenjäger startet und in der Dreckhalde der Mainstream-Demokratur entsorgt wird.

Hier endet die Porträt-Probe auch im zweiten Akt, das sich abermals nicht als Artefakt versteht, dennoch mit einem Protagonisten-Protest rechnet. Denn hinter dem Vokabularium steckt geradezu die Arrivierten-Arie der aufklärerisch klerikalen Profession, und die Standpauke der merkantilen Missionare reizt, das andere Genre mit trüber Tinte zu bekrakeln, um das eigene Dafürhalten dicht und dick als genial zu bekräftigen.


Linken-Lyrik-Training vom turbulenten Teutonen-Touch auf neorassistischem Niveau

Während sich die Gewalthaber der hoch begüterten Zentren befleißigen, die eingesessenen Untertanen mit unvermeidlichen Ressourcen-Resten beim stets verminderten Existenzminimum zu versorgen, besitzen sie auch noch die Stirn, die Globalismus-Glocke humanitär gongen zu wollen, indem sie den Rest des Erdmenschentums in ihr Kismet entlassen. Um ihrem mit Tartüff-Tugenden ausgestatteten Bravourstück jedoch einen zivilisatorischen Helm aufsetzen zu können, müssen sie sich kulturalistischen Beistand aus der Gelehrten-Galerie holen, wo sich der Globus bereits ethnisch aufgeteilt vorfindet - separiert in hoch- und unterzivilisierte Kulturkreise. Daß hier die Ethnie als postmoderne Kopie der Rasse gilt und der Ethnizismus als Zwillingspaar des Rassismus, darauf braucht nicht extra angespielt zu werden.

Das euro- und zivilisationszentrische Arioso des arisch aristokratischen Arrangements, über das Erdenrund omnipotent die Zügel in der Hand zu haben, bricht links-liturgischen Liberté-Literaten in Scharen das Herz. Ihnen raubt in ihren sumpfigen Surfing-Links der linien- und gesichtslos lingualen Cut-Up-Lyrik, deren n weit über den Bildschirmrand hinausgeht, der überbevölkerte Planet den Schlaf. Angesichts der global geglaubte Dschihad-Zitate aus dem Zöglings-Dschungel des „islamischen Fundamentalismus“ hängen sie qualvoll ihrem Kummer nach. Mit Zigarrenglut im Mund und Qualm vor Augen gedulden sie sich dennoch in ihren Patronage-Parterren - einmütig beim Lichtblick auf den nächsten von Präpotenten Pentagoniens patentierten Bombenhagel über einem Gefilde von Minaretten und Miseren. Dem Schulbeispiel der Kurdophilen und Philosemiten im lausig links-lustigen Szenen-Zirkus folgen weitere Sekten und Miniatur-Sektionen der Emanzipations-Akrobaten im Dunstkreis vom „Weißen Haus“ der „NewWorld“-Häuptlinge am Potomac. Exemplarisch bei diesen Biographien erscheint ein gewisser Hartmut Krause, Redakteur eines dem trotzkistischen Weltbild zugeordneten Osnabrücker Blattes namens „Hintergrund“ und Eigner der Internet-Seite „www.glasnost.de“.

Zum Thema hat dieser Krisen-Kritikus neben seiner melancholischen Manie für den „überbevölkerten Globus“ (gemeint die als überflüssig abgesonderten Menschenscharen im Trikont) schwergewichtig auch die Muselmanen-Invasion im christlichen Metropolitan-Areal. Unter „Euroislamismus statt Euroislam - die Quittung für multikulturalistische Ignoranz“ schreibt er: „Im Zuge globaler Migrationsbewegungen siedelten sich nach dem zweiten Weltkrieg bis heute ca. 15 Millionen Muslime in Westeuropa an. Darunter sind nicht nur Wirtschaftsimmigranten und Menschen, die aufgrund ihrer oppositionell-demokratischen Haltung zur islamisch geprägten Herrschaftskultur ihrer Herkunftsländer hierher gekommen sind. Dazu zählt auch eine beträchtliche Zahl von Leuten, die ihre schariatische bzw. konservativ-gesetzesislamische bis fundamentalistische Grundeinstellung mitgebracht haben. Aus den Reihen dieser Gruppe von „streng gläubigen“ MigrantInnen, die sich einer Integration kategorisch widersetzen, hat sich eine demokratie- und grundrechtsfeindliche Gegengesellschaft in Form abgeschotteter Sozial- und Erziehungsmilieus gebildet. Geschützt durch eine Mischung aus politischer Ignoranz, schönfärberischer Multi-Kulti-Ideologie und einer Laissez-faire-Rechtssprechung konnte sich ein institutionell verzweigter Euroislamismus etablieren, der über eigene Medien, politische Organisationen, Koranschulen, Moscheevereine, Wirtschaftsverbänden etc. verfügt. Damit existiert in Westeuropa bereits seit längerem eine festgefügte antiemanzipatorische Subkultur, in der totalitäre Überzeugungen und Handlungsweisen systematisch herangezüchtet und reproduziert werden.“

Etwas Neues erzählt der Europiden-Autor nicht, liebäugelt vielmehr mit aufgeschwemmten islamophoben Angriffen, um dem Hydra-Schwarm der „Hidjra“ (Migration) einen Gegenschlag zu versetzen, und positioniert sich damit hinter dem vom Pentagon proklamierten Kreuzzug gegen den Dschihad.

Zuvor haben die Heimatschützer ihre Attacken auf die Getto-Insassen zu beflügeln, die unbekehrbaren Islamisten hoppzunehmen, um ihre Töchter von Kopftuchzwang und Zwangsehe zu befreien und ihnen den Pflichtgang in den Integrationskurs aufzuerlegen. Vielleicht lassen sich diese emanzipierten Evastöchter eines Tages für die Herrenmenschen-Heere der Libertas als Söldlinge mit Sündenerlaß als Sold rekrutieren.

Mehr als einer der Plagiatoren der Media-Junta läßt sich dieser neolinke Orient-Experte nicht einreihen. Daß seine neoliberalen Expertisen von Rechtsaußen angeeignet werden können, darauf spielt er selbst an: „Wer sich der neuen kapitalistischen Verbündungsstrategie mit nichtwestlich-despotischen Herrschaftsrägern und deren religiösen ‚Leitkulturen‘ widersetzt und den wachsenden Migrationsimport zusätzlicher reaktionärer Denk- und Verhaltensweisen kritisiert, wird als ‚rassistisch‘, ‚fremdenfeindlich‘, ‚rechtslastig‘ gebrandmarkt.“ Wenn er dennoch lockeren Zugang zu weiteren Portalen im linken Blickwinkel wie „www.kalaschnikow.net“ erkaufen kann, muß von einem gemeinsamen Bindeglied die Rede sein: Das neorassistische Weltbild.


Theatrum mundi auf Mond-Tournee – Herold im Gegenzug

Der Frühling 2005 kam unter dem Kommando eines Dabbeljuh-Bush-Despoten zum Tragen, der sich rühmt, die Interventions-Armada des archaischen Arkanums mit der messianischen Mission ins Rollen gebracht zu haben, um über die Himmelsstriche Hindikusch und Mesopotamien Feuerteppiche zu legen und die provinziellen Ackerböden des Morgenlandes in Petrolfelder der globalen Holdings zu parzellieren. Das Erdmenschentum hat sich jetzt noch blutvoller für den Leuchtturm der „Freiheit und Demokratie“ zu begeistern und dem „Greater Middle East“-Stück des Theater-Cäsaren von Washington Revue passieren lassen.

In diesem frühjährlich kontradiktorischen Akt des Drachen-Drang-Dramas haben die launigen Leitfiguren der Gegenwartsgeschichte samt ihrer leibeigenen Lakaien und leidigen Laien Vortritt. Sie steigen im allgemeinen in den Himmel, sehen sich das Erdenrund an. Dann und wann bleiben sie unten, lassen sich beäugeln.

„Privatisierung des Planeten“ lautet ihr Leitsatz. Als urbane Fontäne ihres Ukas kommt jene antike Agora zum Vorschein, auf der das Recht aufs Privateigentum konkrete Konturen annahm und der Sklavenhandel als Extrakt des gesellschaftlichen Tauschwertes registriert wurde. Darauf stützt sich eine spätere, himmlisch sanktionierte Urkunde, die heute schwerer als einst ins Gewicht fällt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh oder alles, was sein ist.“ (X. Gebot der zehn Gebote).

An diesem Lehrgebäude des Herren der himmlischen Heerscharen orientiert sich auch die Ochsentour des Theatrum mundi. Die Kulisse ist eine Vollmondnacht unter einer Kapitol-Kuppel, bevölkert von Zeloten der Zombie-Zivilisation. Im Postszenium posaunen die Pantalones des virtuellen Weltalters, proben die Potentaten-Parodie der Parteien-Kompanie weiter.

Hominiden werden in Heerscharen der Eremiten verwandelt. Satelliten umkreisen die Erde. Und während sie zum elitären Spielball einiger mit Moneten dekorierten Despoten unter dem demokratischen Duktus erklärt wird, kommt der Herold anmarschiert, attackiert das Politikum der merkantil versierten „Vierten Gewalt“, spricht zum Publikum:

Verbreitet sich die Botschaft, daß die Marktmonarchie den Hungerturm in die Höhe trommelt, raufen sich die Klageweiber der Menschenrechte immer geräuschvoller die Haare - vor einem Publikum prunkvoller Puppen, das sich dem Terror des simulierten Antiterrors hingibt und keine Notiz davon nimmt, welchen Schmerz das Erdenrund überhaupt erträgt.

Der Terror der Antiterror-Tugenden gegen den mythischen Tartarus artikuliert sich wirkmächtig als Normalität des demokratischen Mündels. Es hat nur noch seinem Vormund zu gefallen, und seine Autonomie als Menge gerät ins völlige Schlingern beim Anbruch der Nacht. Die Wertetrias der bürgerlichen Revolution wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bröckeln durch den Einsatz der High-Tech-Kommandos für den Terminus technicus „Enduring Freedom“ in den Orkus. Die Cyber-Zirkus-Piraterie unter der Standarte „Stars and Stripes“ hinterläßt tiefe Spuren des künftigen Vagabundendaseins.

Wer indessen von der Humanität des altkontinentalen Projekts „EU“ spricht und um den Applaus der Enteigneten in aller Welt buhlt, die noch wankelmütig und burschikos gegenüber der Apartheidspyramide sind, der hat nicht mehr zu verlieren außer seinem Verstand.

In vollem Gange ist beim Werte-Streit über das Verhältnis von Akteur und Struktur der Betrieb der Scharlatanerie, die Manipulationsmaschinerie. Augenfällig sind in Monumenten und Dokumenten die Bibel-Worte als endgültige Werte. Der Humanismus hat seine historische Wurzel im Christentum, krakeelen die drolligen Advokaten der abendländischen Domäne. Welches universales Gewicht birgt aber dieser Humus der Humanitas?

Nicht erst mit der Spät-, Torbo- oder Schlußphase des Kapitalismus überwiegt das Recht der Mächtigen auf den evolutiorän Fortbestand ihrer Kaste - festgefahren auf der Achillesferse der Besitztümer-Barbarei.

Die Neo-Cäsaren des Marktes reklamieren Menschen als Handelsware. Diese verelenden inmitten des Reichtums, der noch nie so groß war wie heute. Atomisiert und vereinsamt müssen sie miteinander ringen, um in den Inventuren der Investoren als „Sozialkapital“ auftauchen zu dürfen. Es sind die zeitnahen Galeerensklaven der Subsistenzproduktion, der Saison-, Teilzeit-, Heim- und Leiharbeit, die heimlichen Malocher und illegalisierten Billignutten aus der Peripherie. Der weiße Männer-Hunger nach dem Frauen-Elend wuchert. Die Prostitution verleiht dem Anlagekapital neues Schwingen.

Auf das altertümliche Postament sektoraler Strukturen stützen sich die Sekt-Sektionen der Fortschritts-Sekten. Neuland betreten sie in der Kulisse der demokratisierten Theatralik der Oligarchien.

Anglophon dominiert ist das Drang-nach-Osten-Drama, das im Space Shuttle namens Erde spielt. Ein burschikoser Clown des Weißen-Clans stellt die Evolution vom Affen zum Zoologen dar - zum Zenturio des Demokraturen-Theaters. Mehr als einen „Ferenginar Attaché Doping“ in „Deep Space Nine“ bewerkstelligen die Abonnenten des Abendlandes, aber auch seine Possenspiel-Abtrünnigen nicht.

Die Stabsstrukturen des EUropäischen Opportunismus samt ihrer subalternen Kräfte der Opposition verfolgen die Strategie des „Appeasement“, indem sie hoffen, den Zirkus-Zyklopen des Imperium Americanum durch immer mehr Zugeständnisse zufriedenzustellen. Einen Angelhaken schlucken sie in der Zwickmühle, bevor der Krake seine Arme ausstreckt

Die Parteinahme für die Kriegsfront unter dem Transparent der ewigen Freiheit richtet sich gegen das sozial Kollektive, protegiert einen Individualismus, der nicht mehr imstande ist, Rücksicht auf das Leben zu nehmen. Die Kleinode der gewandten Gentilhommes verfeinert die Ode auf die kleine Olympiade der Verwandten, die mit dem mutwilligen Gebrauch des Terminus „Islamismus“ beginnt. Von einem theoretisch tyrannischen Christianismus haben selbst die Sekten-Roten in den Szene-Soziotopen noch nie gewußt, aber ihre Schöpferkraft von einem „theokratisch-faschistischen Islam“ geht nicht in den Bruch. Statt dem Mainstream zu widerstehen, dienern sie sich auch in diesem Kontext faktisch an der okzidentalen Domäne an, um sich an einen Strohhalm zu klammern und durch die Galaxien zu reisen...

Die häßliche Grimasse der kapitalistischen Fortschrittsfront enthüllt sich und grinst. Tiefer und tiefer wird der Inhalt des Menschlichen ausgehöhlt, höher und höher steigt die kosmische Kosmetik-Kurve der Mäuse-Kumpanen hinter den konkurrenzfähigen Ambitionen der imperialistischen Nationen auf der epochalen Bühne. Von Saison zu Saison verschieben sie ihren Limes - beseelt vom Vorsatz, die Festa Europa unter dem apostolischen Zwölf-Sternen-Banner auszubauen. Dies erzeugt selbst bei den islam-grünen Newcomer im anatolischen Hochland die Bereitschaft, sich zum abrahamitischen Monotheismus biblischen Anstrichs bekehren zu lassen, der dem Besitzgötzen den mustergültigen Thron verbürgt.

***

Hier wird der Herold unterbrochen, der Kobold springt auf die Bühne und reagiert demonstrativ:

Aufhören mit derlei laizistischen Attacken auf das Firmament der Laisser-aller-Zivilisation, auf die Eckpfeiler der Freiheit! Elementare Erkenntnishorizonte fremdartiger Fragmente, die nicht ins Raster des aufklärerischen Blickfangs passen, gehören eliminiert - auch der Personenkreis, der nicht zu geläuterten Gutleuten zählt sowie lakaien- und papageiennhaft die original okzidentale Zunge meistern kann.


Wie eine kürzlich lang gerühmte Novelle zehntausenden Neubürgern die Faust unter die Nase hält

Burlesk von Grünen-Gutmenschen, den Multi-Kulti-Mentoren alternativ bourgeoiser Basisdemokratur ausgebrütet, präpariert und ins Parlament gebracht, von roten Rotoren und anderen Reichstags-Rhetoren 1999 besiegelt, am ersten Tag des dritten abendländischen Millenniums in Kraft getreten, entpuppt sich die Staatsangehörigkeitsrechtsreform als Reparatur-Routine der völkischen Fontäne.

Einen auf dem unteilbaren Bürgerrecht fundierten Fortschritt sollte sie ausrufen, indem sie sich auftürmte, in die Angelegenheit der eingewanderten Einwohner bezüglich der Staatsbürgerschaft Licht zu bringen. Diese Landeskinder der geringwertigen Sonderrechte ließen sich vor dem Inkrafttreten des novellierten Regelwerks am 1. Januar 2000 gemäß dem archaischen Ermessensrichtmaß in den Rang der Citoyens etablieren. Sie hatten zuvor prinzipiell den Nachweis zu erbringen, daß sie langjährig beständig in Deutschland leben und aus der bisherigen Staatsangehörigkeit entlassen wurden. Neben dieser Kondition und der Mindestaufenthaltsdauer (von fünfzehn auf acht Jahre reduziert) müssen die späteren Kandidaten das Zeugnis für den bestandenen Deutschtest, das Testat der Straflosigkeit, den Treue-Eid zum Grundgesetz, den Beleg, daß sie finanziell auf eigenen Füßen stehen können, dokumentieren. Es lag zuvor im Bereich des Möglichen, daß man sich nach dem Erhalt der neuen Kopfpapiere auch die vorherigen wieder zulegen konnte. Diese ungewollt geduldete Mehrstaatigkeit richtet die geltende Novelle mit dem StAG § 25 vollständig bankrott: „Ein Deutscher verliert seine Staatsangehörigkeit mit dem Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit, wenn dieser Erwerb auf seinen Antrag oder auf den Antrag ... des gesetzlichen Vertreters erfolgt...“


»Wenn ich Ausländer sage, meine ich die Türken« (Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister 1982-1989)

Tatsächlich gilt der Passus § 25 StAG jenen eingebürgerten „Türken“, die scheinbar nicht fähig sind, sich assimilieren zu lassen, wie man aus der EU-Türkei-Debatte kennt. Sie würden außerdem die geltenden Gesetze umgehen, indem sie nach dem Erwerb der „Nationalität: deutsch“ die „Staatsangehörigkeit: Republik Türkei“ wiedererlangen - im Vertrauen darauf, daß der Besitz von Doppelpässen nicht auffliegt. Die ersten Jahre der Retro-Reform verliefen auch ohne besondere Vorkommnisse. Geändert hat sich die Situation erst nach der allkoalitionär fabrizierten Mutation der „Ausländergesetze“ zum „Zuwanderungsgesetz“ im vorigen Jahr. Türkische - aber auch andere - Mehrstaatler in der Zahl um fünfzig Tausend werden seither aufgefordert, Selbstanzeige zu erstatten, wenn sie neben dem Verlust ihrer hiesigen Staatsbürgerschaft nicht noch dazu mit Schwierigkeiten konfrontiert werden wollen, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Jegliche Diskussion über den bevorstehenden Massensturz in den Tiefstand der Bürger- und Menschenrechte schließt das Bundesinnenministerium mit dem grauen Germano-Europoiden Otto Schily an der Spitze aus, natürlich auch eine eventuelle Amnestie.

Hektisch und mit reichlichem Heckmeck treten Heckenschützen allerorts hervor, brüsten sich mit einem konstruktiv kommunikativen Kunstgriff, die heimlichen Doppelstaatler bloßgestellt zu haben. Wie die Behörden von der Praxis Kenntnis nahmen, stellt sich als eine heikle Frage heraus. Aufgrund selbst bestellter Schnüffler-Strukturen oder bombastisch fingierter bilateraler Kontakte? Transparent ist jedenfalls, daß das Groß-D-Land seinen Graswurzelcharakter jenseits der Fundamente einer Staatsbürgernation fortschreibt - als Volksstaat. Seine Systemschützer stützen ihre Techniken, sich Information zu beschaffen, auf der völkisch bewässerte Tretmühle und stecken ihre Riecher bis in die Privatsphäre all jener, die unter dem Generalverdacht stehen, dem Deutschtum im selektiv systematisierten Integrationsprozeß keinen ausschließlichen Treue-Eid zu schwören.

Wie viele Schicksale in der Zwickmühle zwischen individuell autonomem Selbstvertrauen und volksstaatlich autoritärem Mißtrauen noch von den Folgen der Spitzeldienste betroffen sind, läßt sich nicht ermessen. Viel abenteuerlicher werden jedenfalls die zukünftigen Biographien unter den Zwängen zwischen globalisierten Glockenturmstürzern und lokalisierten Deutschtümern.


Zum Beispiel die Odysseen des zierlichen Memet

Mit achtzehn Anker gelichtet am Bosporus, kam Mitte der 1970er in die BRD, studierte Elektrotechnik, ging im Anschluß daran mancherlei mühsamen Handwerken zwischen dort und hier nach, kam am Ende zum Entschluß, sich auf Dauer im D-Land niederzulassen, ohne sich seine gewerblichen Kontakte mit der Türkei aus dem Kopf zu schlagen, ist seit fast einem Jahrzehnt Geschäftsführer einer Exportfirma und verheiratet mit der Tochter einer alteingesessenen Familie aus dem Ruhrgebiet. Seine Handelswelt erstreckt sich vom Vorderen bis Mittleren Orient, vom Bosporus über den Ural und Kaukasus bis zum Aral. Seine Steckpferde sind selbstgekochtes gutes Essen und Jogging.

Die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft erwarb er 1999, beantragte kurz danach die Türkische, die er allerdings erst im Jahre 2000 bekam. Während er unter nachhaltigen Prämissen des Krisenklimas seinem Broterwerb nachgehen muß, ist er seit Anfang Juni 2005 mit dem Verlust seiner hiesigen Legitimation konfrontiert, mit dem Sturz vom Bürgerstatus ins marginalisierte Ausländer-Areal.

Warum die Parlamentäre der haushoch ersonnenen Humanitas, die neokonservativen Marktschreier und neoklassischen globalen Glockenschläger bei einem solchen Husarenstreich schweigen, erklärt ihr völkisch volltönendes Gemüts-Gehabe und ihre Volten im Wolkenkuckucksheim.

Im Dunkeln der Berliner Retro-Reform-Republik halten sich aber auch die Kompagnons des Menschenrechtsmetiers, die Gutleut-Garden der integrationalen Gilde nebst ihrer subtilen Nebenbuhler im subalternen Gefilde der migrantischen Selbstorganisationen. Ende der Euphorie jener majoritären Autoritäten, welche die Nase konstant hochtragen, über die minoritären Lebenswelten die Hand immer gehalten zu haben? Natürlich nach Wahl. Wer weiß, ob sie nun unter dem Kometenkrach des Krisenkapitalismus zu der Erkenntnis gelangen, daß sie bislang eine Natter am Busen nährten. Ob sie diesmal nicht am Plattitüden-Portal eines vierten Reichs poltern und die Furie inständig darum bitten sollten, die bitterbösen Gespenster aus dem Vorderen Orient und sonstwoher unter ihre Fuchtel zu nehmen.

Zu hoffen bleibt, daß die - noch nicht - gefährdeten Neubürger beim nächsten Urnengang den Gemeinplatz-Fraktionen der Allparteienkoalition ihr Kreuzchen-Malen verweigern.


Rückblick: In 1980er entschied sich die Türkei - noch unter dem Repressalien-Regime der Militärs - für die Mehrstaatigkeit. Seither kann man sich dort einbürgern lassen, ohne ein Dokument vorlegen zu müssen, daß man aus der vorherigen Staatsbürgerschaft entlassen wird. Gewiß: Darin steckt auch die Absicht, eine Art „Fünfte Kolonne“ inmitten Europas zu protegieren, deren Lehrgebäude man aus der pangermanischen Geschichte mit „Volksdeutschen“-Kolonien kennt. Dennoch erwies sich der türkische Vorstoß als ein progressiver Prozeß, den das Groß-D-Land der Kohl-Ära hinnehmen mußte.

Ab 1991, nachdem einige Vorschriften zugunsten der eingewanderten Einwohner aufgelockert worden waren, schnellte die statistische Kurve der eingebürgerten Landeskinder steil hoch - damit auch der Anteil der Bürger mit Doppelpässen. Indessen traten vor allem die Grünen-Groupies hervor, das völkische Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes aus dem Jahre 1913 zu novellieren, nämlich die gängige Praxis der Mehrstaatigkeit zum Gesetz zu erheben. Mehr als eine Retourkutsche auf den Doppelpaß-Drang wurde daraus nicht.

Wer jetzt während der heißen Wahlsaison bekundet, sich ein solches Ergebnis nicht gewünscht zu haben, legt nur noch falsches Zeugnis ab. Faule Kompromisse schließt man nicht, wenn man dazu grundsätzlich nicht bereit ist. Daher müssen die grünen Großkopferten den reaktionären Reformkonsens retrospektiv rechtfertigen, deren Urheber sie schließlich bleiben.

»Ich werde auch noch mit 100 auf die Barrikaden gehen«

Hanne Hiob, Tochter Bertolt Brechts, Friedens- und Freiheitskämpferin – Ein Porträt

Im März 2005 zweiundachtzig geworden, wird sie am 1. September mit dem Aachener Friedenspreis für ihr Lebenswerk gewürdigt, das seit mehr als 30 Jahren heranwuchs, verzweigt auf dem unermüdlichen Engagement und getreu dem Leitmotiv: „Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!“.

Genannt wird sie von Preisstiftern die „grimmige Kassandra“, der das Etikett „Radikale“ bestens gestanden, ihr als Ehrenzeichen gegolten hätte. Ohne Rast und Ruh in ihrer Revolte „gegen den übernommenen und wieder aufblühenden Faschismus“, gegen die vermeintlich post- und zugleich präfaschistische westdeutsche „Hai“-Society, die eingefleischt auf ihrer kriegslüsternen Route beharrt.

Hanne Hiob kam als erste Tochter Bertolt Brechts aus der Ehe mit der Wiener Opernsängerin Marianne Zoff am 12. März 1923 in München zur Welt. Nur wenige Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie im Beisammensein mit ihrem Vater, wuchs im Hause ihres Stiefvaters, des Schauspielers Theo Lingen, dessen Popularität die Brecht-Tochter und ihre halbjüdische Mutter vor der Hetzjagd der Nazischergen schützte. Den biblischen Namen trägt sie seit ihrer Heirat mit einem Arzt.

Als ausgebildete Tänzerin, Soubrette und Schauspielerin begann Hanne Hiob 1941 ihre Theaterlaufbahn, trat u.a. in Rollen aus Stücken von Gorki, Tolstoi, Strindberg, Sartre, Büchner, Kleist, Max Frisch, Dürrenmatt, Shakespeare sowie in verschiedenen Premieren von Brechtstücken in München, Wien, Salzburg, Berlin, Zürich, Frankfurt und Hamburg auf. Ab 1969 gab es auch Fernsehen- und Spielfilmrollen.

1976 beendete sie ihr schauspielerisches Handwerk, widmete sich dem Brecht-Zitat „Man muss auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen“ zu und begann, neben theatralisch aktiven Engagements Brecht-Abende in einer Vielzahl von Soloprogrammen wie „Lehnen Sie sich zurück“, „Der Schoß ist fruchtbar noch“, „Brecht gegen Wallmann“ u.a. aufzuführen. „Ich habe den Zufall, die Tochter Bert Brechts zu sein, mir zu Nutze gemacht, mit seinen Worten meine eigene Botschaft mitzuteilen.“ Dieses Lebensmotto Hanne Hiobs fokussiert ihre Auftritte auf Tourneen.

Als Ko-Organisatorin und Akteurin wirkte sie häufig in Straßentheaterprojekten wie dem „Anachronistischen Zug oder Freiheit und Democracy“ (1979, 1980, 1990, 1999), der auf das gleichnamige Gedicht von Bertolt Brecht aus dem Jahr 1947 zurückgeht. In 41 Strophen wird beschrieben, wie die alten Nazis gänzlich Freiheit für sich forderten und welche gesellschaftliche Schichten vom Faschismus profitierten.

Uraufgeführt wurde die szenarische Interpretation des Gedichtes 1979 am Bonner Rhein, als sich das ehemalige NSDAP-Mitglied Carl Carstens zum Bundespräsidenten wählen ließ. 1980 fuhr der „Anachronistische Zug“ gegen die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß drei Wochen quer durch die Republik. 1990, nachdem die Annexion der DDR durch die BRD vollzogen worden war, reiste er von Bonn aus 14 Tage durch das Neufünfland und kam am Wahlabend in Berlin an. Am Nachmittag zum Silvester 1999/2000 bewegte er sich erneut durch Ostberliner Stadtteile. An der Bahnstation Friedrichstraße mischten sich Hanne Hiob und weitere Darsteller mit Transparenten und Schlagworten in die feiernde Menge ein und führten die letzte Szene von Brechts Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ auf.

1985-1989 adaptierte Hanne Hiob das Gedicht „Legende vom toten Soldaten“ in theatralische Szenen unter freiem Himmel. Darin wird der ausgegrabene Soldat immer wieder „kriegsverwendungsfähig“ erklärt, was heißt, daß die Mächtigen Deutschlands sich davor nicht abschrecken lassen, ihre Feldzüge fortzuführen.

Zum Repertoire Hiobs gehört auch die szenarische Rezitation „Menschenlandschaften, Hikmet-Brecht - ein Abend von und für Asylsuchende“, die 1986-1988 vor den Mauern der Sammellager aufgeführt wurde. 1989 inszenierte sie unter dem Motto „Am Fleischerhaken hängt er, ach“ (Brecht) die deutschlandweite Tournee. Das Programm bestand aus Berichten von Deserteuren des Zweiten Weltkrieges - unter ihnen war neben den jungen Bundeswehrgegnern auch Ludwig Baumann, Aachener Friedenspreisträger 1995.

Mit mehr als 200 Rezitations-Matineen und -Abenden unter „Nun lebet wohl und werdet Kämpfer - Letzte Briefe aus Konzentrationslagern“ in Theatern und Schulen wandte sie sich besonders an die Jugend. Dabei geht es ihr nicht nur darum aufzuzeigen, was ein „Drittes Reich“ war, sondern wie es hier und heute aussieht mit Rassismus, Faschismus und Krieg. Zu ihrem Einsatz für das Projekt „Das Begräbnis oder die himmlischen Vier“, welches das 60. Jahr des Kriegsendes zum Anlaß nimmt, meint sie: „Die Antikriegsaktion ... nach Brechts Gedicht ,Die Legende vom toten Soldaten‘ ist von hoher Aktualität. Mehr noch: Sie ist dringend nötig in diesem Land, das sich 60 Jahre nach der großen Barbarei weigert, durch die Umsetzung und Anwendung der Beschlüsse von Potsdam in die Reihe der Völker zurückzukehren, deren Losung zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur sein kann: ,Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!‘“

„Die Mörder sind unter uns“ lautet eine Hiobsbotschaft, der Hanne Hiob stets den Appell in den Worten von Arthur Koestler aus dem Jahre 1945 anknüpfte: „Wir müssen festhalten, daß wir zu Verrätern werden, wenn wir nicht anprangern, was angeprangert werden muß. Die Verschwörung des Schweigens verurteilt uns in den Augen derer, die nach uns kommen werden.“

Darauf baut die Biographie einer außergewöhnlichen Frau und der beständigen Freundin des Blätterwalds DIE BRÜCKE seit zwei Jahrzehnten.