EDITORIAL

Im Blickfeld der freiwilligen Streitschriftsteller


Bald soweit: Ein Vierteljahrhundert DIE BRÜCKE. Sie ermöglichte Tausenden von Streitschriftstellern den Zugang zum medialen Meeting und trug dazu erheblich bei, daß Themen wie Rassismus und Ethnizismus (Ethnopluralismus) relativ gesellschaftsdiskutabel wurden.

Dieses Forum ist daher seit Jahren den Eliminations-Ambitionen einer »Koalition« des neuen Pangermanismus ausgesetzt, einer Koalition der Menschenrechtskrieger auf den Fährten des wilhelminischen Drang-nach-Osten-Denkens. Inne wohnt ihrer Strategie das ethnische Zersplittern der Lebenswelten als Vorstufe der »humanitären Interventionen«.

In ihrer widerständischen Beständigkeit verstand sich DIE BRÜCKE immer als Sprachrohr der Marginalisierten in der Feste Europa, der eingewanderten Minoritäten, Asylmigranten und »Illegalen«. Und sie versteht sich als Forum der literarischen Handwerker.

In den über zwei Dutzend Jahren ihres Bestehens konnte sie keines der marktorientierten Magazine mit Soft-Lay-out werden. Vielmehr gab sie den vielfältigen Diskussionsansätzen den Vorrang vor der gekürzten Gefälligkeit für Auge und Hirn. Heraus kam ein »Textorgan«. Seit der Ausgabe 72 (Juli-August 1993) erscheint sie als broschierte Zeitschrift in Heftformat.

Wiederholte Bittschrift wider die Bitternis des nahenden nackten Winters

Nach dem Erscheinen jeder Ausgabe erhalten alle darin vertretenen Autoren jeweils ein Belegexemplar mit einem begleitenden Appell als Faltblatt. Außerdem werden an ein paar Hundert potentiell Interessierten Probeexemplare versandt.

Zum Teil haben die autonomen Autoren den Appell ignoriertet. Der Text-Fluß hält hingegen beständig an, bestätigt den gewichtigen Kurs dieses Blattes im print-medialen Dschungel. Aber eine affirmative Reaktion auf das beigefügte Faltblatt wäre das Mindeste, was die Redaktion erwartet, die ausschließlich aufgrund freiwilliger Arbeit tätig ist.

Parallel dazu gibt es jedoch froh stimmende Stimmen. Autoren, die dem Fortbestand des Blätterwerks bereits mit einem Abonnement oder einer Mitgliedschaft im herausgebenden Verein beistehen, bestellen zusätzliche Exemplare, andere leisten Spendenbeiträge. Hinzu kommt der Rückhalt durch einige frei-gemeinnützige Institutionen.

Auf dieser Basis konnte DIE BRÜCKE manche Stolpersteine übersteigen, die ihr von Seiten einer konformistischen Community in den Weg gestellt werden. Trotz mancher Zugänge neuer Abonnements und Fördermitgliedschaften wird das kommende Jahr nichtsdestoweniger ziemlich schwierig.

Der geschäftsführenden Redaktion bleibt kein anderes Mittel übrig als der erneute Appell an alle

– Bezieher von Probeexemplaren, ein Abonnement in Betracht zu ziehen,

– Bezieher von Belegexemplaren, ihre Mitgliedschaft in DIE BRÜCKE e.V. zu erklären,

– Autoren, ein paar Extra-Exemplare (mit Autorenrabatt) zu bestellen und dafür zu sorgen, daß die Buchläden in ihrer Nähe DIE BRÜCKE zum Verkauf auslegen.

Begrüßenswert ist, wenn engagierte Autoren sich der Redaktionskonferenz anschließen, die über die Richtlinien der redaktionellen Arbeit entscheidet und sich mindestens zweimal jährlich möglichst an wechselnden Orten zusammenfindet.

Ein Mitglied der Redaktionskonferenz kann DIE BRÜCKE auf regionalen Foren (auf überregionalen Foren in Absprache mit der geschäftsführenden Redaktion) selbständig vertreten und als regionale Kontakt-Adresse fungieren.

Die redaktionelle Mitarbeit kann folgende Bereiche umfassen: Beiträge zu laufenden Debatten; Mitarbeit an aktuellen Dokumentationen; eigene Rubriken; Aufbau lokaler Redaktionskreise; Organisation von Meetings und Standaktionen vor Ort; Kontakt zu Buchläden; Werben von Abos/Geschenkabos...Ein Bündel Literatur und Kritik gelangt fast täglich an die Adresse dieses Blätterwerkes. Es enthält zeitweilig Blütenträume, Ideale über das Reale hinaus. Merklich bleibt der Antagonismus zwischen Stagnation und Aktion, der Ursprung des Wortes im Kollektiven, auf dem das breite Parkett des freien Denkens baut. Es geht dabei um Konstellationen, dem Menschen in höchster Not Kraft zu verleihen. Mit dem Wagnis zu Utopien, auch wenn sie bisher kaum Wirklichkeit geworden sind. Gescheitert sind sie hingegen auch niemals. Ihnen wohnt die Saat inne, die stets fruchtet und die Individuen zum kollektiven Handeln bewegt.

Um ihrem Ruf als Morgenstürmer gerecht werden zu können, müssen die Streitschriftsteller das okzidentale Lehrgebäude und den von ihm eingebrockten verfahrenen Verlauf human-sozialer Verhältnisse auf dem Globus attackieren. Ihren historischen, ökonomischen und moralischen Hintergründen müssen sie standhaft auf die Spur kommen, ohne Rast und Ruh mit dem waltenden, den Erdkreis in Schach haltenden Imperium Okzidentum abrechnen, sich dem Fazit anschließen: Das heutigentags verfaulte System läßt keinen Blütentraum aufkeimen, keinen Ausblick auf eine Zukunft jenseits markiger Miseren und martialischer Mißstände wie Hunger, Gewalt und Krieg für wahrscheinlich halten. Nur ein neuwertiges Emanzipations- und Zivilisationsmodell macht die überfällige Umkehr möglich.

Necati Mert