Der Ansturm auf das Mauerwerk der Feste Europa

Aphoristisch epische Episode einer Attacke wider die abendländische Apologie der archaischen Apokalypse

Ein Text-Entwurf von Necati Mert

 

Nicht mehr nur von weit her kommen sie, sondern auch von überall, scharen sich Winkel um Winkel am jenseitigen Ufer der Stutzburg Europa, um den mediterranen Teich zu überqueren.

Hier gewissermaßen gestern und morgen aufeinander, die gescheiterten Gettos und gefeierten Get-together-Partys der Gegenwartsgeschichte. Daraus tüfteln die Presse-Agenturen Alarmsignale, spielen ekstatisch auf eine Eskalation an. Mit mannigfachen Münchhauseniaden und mancherlei gemimten Mühsalen ziehen die Bravour-Barden der Mäuse-Götzen den alten Hut wieder in die Stirn, vermarkten melancholische Memoiren im Gemengsel des humanitären Metiers und der militärischen Härte gegenüber der imaginären Invasion der Armen-Armeen.

Mehr als ein Postskriptum-Porträt enthält das erdichtete Spätsommer-Spektakel der Domänen-Demokraten im Hinblick auf den Zusammenprall der ersten und dritten Welt in Maghreb nicht.

Es dreht sich dabei um die Flucht vor dem Ruin der Monekraten-Revolution und den Meuten-Run auf die Silhouetten der Highlife-Metropolen. Auf dem Koalitionären-Parkett der Pax Okzidentale prahlt dagegen eine profane Propaganda-Power als perfekte Tüftler-Gilde mit dem Mandat, die mondialen Besitzstandspyramide illuster zu illustrieren. Sie offerieren eine Korporation zwischen jenen Pressure Groups der Media-, Studio- und Politokratie, die sich wiederum als geniale Groupies der Monekratie offenbart.

Auf die explosiv manipulierte Expertise der Menschenrechtsmentoren, die Autonomie der Migration zu negieren, auf das mitleidig sondierte Messagen-Sortiment im Blätterwald und am Bildschirm sowie auf die medial manierierte Gutmenschen-Moral zielen folgende Notate aus sechs Kleinkapiteln.


Der Ansturm der Parias – Prosperierte Pauperität im Euro-Partio

Trivialer Triumph der Titanen-Triarchie „Demokratie-Menschenrechte-Marktwirtschaft“ (Goldenes Dreieck) birgt gelegentlich auch den systemischen Störfall als Stolperstein vor dem endgültigen Konzert der Globalismusglocken: Enteignete Erdenbürger aus dem Schwarzen-Terrain des Trikonts unterwegs, das Eldorado des okzidental eliminatorisch orakelten OneWorld-Elaborats zu erobern. Medial wahrgenommen markiert seit dem Spätsommer 2005 jener Marsch den Blickfang der sensiblen europäischen Señores und Señoras, der keine sensationelle Kino-Produktion mehr ist wie anfangs der Neunziger des vorangegangenen Jahrtausends.

Tatort: Die beiden EU-Bastionen Malilla und Ceuta, Überbleibsel des christlich-weißen Kolonialismus auf islamischem Boden, erobert nach der Reconquista im 15. Jahrhundert unter dem Eumeniden-Kommando Isabelles, sind von Wallanlagen umgeben.

Aus der Informationsfontäne sprudelt her, daß sich Zehntausende von Mohren in Nordafrika auf dem Sprung nach Pyrenäenhalbinsel befinden, nachdem sie in die beiden EU-Exklaven unter der spanischen Standarte eingedrungen sind.

Fürwahr: Sie kommen von überall her und stürmen die massigen Markscheiden der Markt- und Menschenrechtsersten. Nichts mehr haben sie zu verlieren, weil ihnen bereits alles geraubt wurde.

In der Tat: Jahrhundertlange expansionistische Annexion der Erdgebiete der Subsistenz-Ökonomie hat den Überfluß hier oben prosperiert und die Menschenmengen dort unten zu Überflüssigen der Zivilisation, bestenfalls zur Humanressource im Reservoir exemplifiziert.

Von der Vorhut einer bevorstehenden Armenflut ist die Rede, nicht von der Frustrierten-Flucht vor dem ökonomischen Terror mit dem Ziel, in die Bravour-Bastei der hochbetucht Formvollendeten einzudringen. Grund genug für eine Strafpredigt wie folgt: Der Herr der himmlischen Heerscharen möge die Herrschaften des Planeten Erde vor dem Ende der Geschichte bewahren, die sie seit dem Sieg des Kapitalismus über jeden Kontrahenten blutvoll erdichteten.

Denn dieser epochalen Episode der humanen Tumulte wohnt die alltägliche Alliteration einer Spartakus-Sprache inne: Die Rebellion der Parias gegen die Pax Romanum des Patriziats als zeitnahe Zitadelle der Zivilisations-Zombies. Kein Zurück vor dem Zyklopen-Zyklon!

Der Marsch – nicht ein schauspielertes Szenario – markiert das Unterwegs zu jener Feste Europa als Refugium, wohin der Traum treibt, nicht dem heimatlichen Tyrannen-Terrain zu entfliehen, sondern dem erodierenden Elend und Hunger zu entkommen. Auf Menschenrechte pocht das Hominidenheer auch: Sattwerden, ein Dach überm Kopf haben, dem Zugang zur Gesundheit und zum Unterricht auf die Spur kommen – wonach die Millionen jagen. In Mären- und Mythenmeeren der marktkonformen Singakademie lassen sie sich nicht mehr Siesta halten.

Von allerlei Allüren der Humanitäts-Husaren endgültig kuriert, versuchen sie die hohen Stacheldrahtmauern zu übertreten. Einigen gelingt es. Andere werden abtransportiert, warten irgendwo auf die nächste Gelegenheit. Zum Sitzfleisch wird niemals kommen, solange eine Minderheit im Überdruß ißt, eine Mehrheit von weit her zusehen muß.


Medial nivellierter Pavor als mentales Politikum

Beim Unterfangen, sich der Zivilisationszitadelle anzunähern, ertrinken beinahe täglich Migranten in den Fluß- oder Seegewässern. Jetzt verscheiden sie am Natodraht der spanischen Exklaven in Nordafrika, statt von Wellenschlägen oder Fluten des Mittelmeeres verschlungen zu werden. Es herrscht Krieg an der Südflanke der EU-Burg, kreischen ihre Krisenstäbe. Jenseits von Schutzwällen sind Helikopter, Nachtsichtgeräte, paramilitärische Patrouillen im Einsatz, bald vielleicht Mitrailleusen...

Wie der mediterrane Teich als Gottesacker avanciert, bezeugen die Aufnahmen vom Helikopter: „illegale“ Migrantenmeuten ertrinken – als Folge einer Havarie, nachdem ihr hölzerner Seelenverkäufer versuchte, einem Sturmboot der Fort-Flotte vorbei zu manövrieren. Dazu der Kommentar: Gewissenlose Schlepper sind daran Schuld und der getrommelte Tumult, dem schicksalsschweren Elend auf Migrationstour zu entfliehen.

Im Zusammenspiel zwischen Hegemonial-Staat und Zivilgesellschaft, respektive NGOs, den Zeitgeist-Zeloten des Novum Romanum wächst ein renoviertes Gewaltzentrum, dessen Prätorianer ihre Geschütze gerade auf den Morgen des Menschentums richten. Sorgen macht sich dann das Feuilleton der Weißen-Bourgeoisie – dem neoliberal globalisierten Wahn anheimgefallen – um das Schwarzen-Schicksal?

Vorrang hat natürlich das eigene Geschick: In Schlachtschauplätzen wie in Mesopotamien kommen Reporterteams kaum noch zum Einsatz, ohne ihr Leben aufs Spiel zu setzen. An andere Örtlichkeiten müssen sich die Kundenfang-Fanfaren der Informationsindustrie daher orientieren, um ungebrauchte Elendsbilder unumwunden in die Wohnzimmer der Wohlstandsstädter zu liefern. Denn Meriten erwerben sich die meisten Werkmeister der medialen Gilde, indem sie sich auf der Jagd nach Metaphern übernehmen, den heimlichen Sensationsdurst des vaterländisch heimischen Publikums, vor allem der Schildbürger, zu stillen.

Tropen aus Katastrophen wie Erdstößen, Hurrikans, Tsunamis, Dürren, Hochfluten, Krähenkrankeiten (respektive Vogelgrippe) u.a. sind im Überangebot. Aber ihre Schauplätze liegen ziemlich abgelegen. Solange die Einwohner wohlsituierter Gesellschaften von den luft- und erdverbundenen Unbilden verschont bleiben, und der Schemen außerhalb ihres Territoriums haust, nehmen sie vom Geschick der Gescheiterten kaum Notiz. Etwas näheres muß her. Dazu geeignet erscheinen die Szenen der afrikanischen Migranten, die zu Tausenden die spanischen Exklaven in Marokko bestürmen und sich massenhaft gegen die Stacheldrahtmauern werfen. Die Short Story steht wie im Filmdrama „Der Marsch“, eine BBC-Produktion aus dem Jahre 1990 als Beitrag zur „One World Week“.

Der Ablauf: Fünf Jahre lange hat es in Äthiopien und Somalia, im Tschad und im Sudan nicht mehr geregnet, und die Lebensmittel aus dem übersättigten Westen sind im Konkurrenten-Filz der korrupten Regime verschwunden. Es kommt zum Aufbruch Zehntausender Verzweifelter aus einem Wüstenlager.

Angeführt von einem charismatischen Lehrer zieht der Treck gen Norden. Auf dem Weg zur marokkanischen Küste schwillt das Heer auf Millionen an. Ihre Botschaft lautet: „Wir sind arm, weil ihr reich seid. Jetzt kommen wir zu euch, damit ihr uns sterben seht.”

In den windstillen Vierteln der Zivilisationserstlinge macht sich die Aversion vor dem bevorstehenden Ansturm der Erdlinge breit: Eine immense Armee der Armen, die auf die Zentren der Supermärkte zumarschiert.

Als die Menge der Marschmeuterei dann mit Tausenden von Nußschalen nach Gibraltar zu übersetzen beginnt, wird sie am Festlandsufer der Feste Europa von Panzern empfangen. Im Widerstreit von humanitärer Hilfe und militärischer Härte sichert die Sicherheitsarchitektur ihren Burggraben mit Waffengewalt.

Ende des Bildstreifens im Dunkel. Licht an. Gewarnt sind die Türsteher des Konsumtempels und blindgläubigen Trabanten der „unsicheren Hand“. Schwere Schaden kommen zwar am Lehrgebäude des Gutmenschen-Getues zum Vorschein, schwierig bleibt dennoch, illuster einen libertären Standpunkt jenseits der Allmacht der Laisser-faire-Lyrik zu illustrieren. Diesem monetär manierierten Moloch als Tyrannen-Tortur anzuprangern, ihm die Spitze abzubrechen. Der Patriotenparty des Privateigentums den Rücken zu zeigen und sich zu weigern, hinein in die Katakombe der goldenen Götzenbilder katapultiert zu werden. Ein harter Brocken!

Das Gegenstück: Bildhafte Ausschnitte in der Röhre, televisionäre Illustrationen sollen das breite Publikum der Wohlstandswiege wachrütteln. Nicht mehr weiter als ein medial montierter, mental moderierter, moderiger Schabernack mit dem Nebeneffekt eines elitär humanitären Husarenstücks können sie servieren. Der ganze Inhalt besteht aus einem mentalen Mitleid mit Hungerleidern, Gedemütigten, Leibeigen. Eine Libertinage liederlicher Liaisons, die Sentimentalität mit sensationslüsternem Affekt. Isoliertes, abstraktes Artefakt – ausgeschlossen wird jeglicher Zusammenhang mit den historischen Triebfedern.

Das ganze darauf gekürzt, über Desperados und Despoten der gebeutelten Erdgebiete, über deren Soldateska, Stammeskrieger und sonstige Rauhbeine den Stab zu brechen.

Hier kommt die Sintflut des klassischen Rassismus zutage: Das schwarze Geschlecht befindet sich auf der Geistesstufe des Infantilen – ihm muß die weiße Weisenrasse die hütenden Hand reichen. Genau von diesem Weltbild übermannt, hantieren die Mentoren der Mediakratie und des Menschenrechtsmetiers.

Mitleid mit Leidenden, die im Sprung über den Natodraht das letzte Mittel erblicken, um über das Mittelmeer an die Ränder der Überfluß-Bastion zu gelangen. Ein Mysterium? Einhalt wird ihnen jedenfalls durch den martervollen Einsatz der maroden Monarchen-Wächter Marokkos geboten. Verborgen bleibt im Randvermerk nur, daß diese Bataillons dafür gerade wie Fremdenlegionäre respektvoll besoldet werden – von der Kastel-Aristokratie mit ihren Knechten und Kartell-Parteien.

Inhärent dem Gemeinplatz sind die schwergewichtigen Gewerbetreiber der „vierten Gewalt“. Als Gewinnquoten-Gevatter der Menschenrechtsmarketender manifestiert, markieren sie eine zornrote Route der vermuteten Vorhut jener Migrationsheere, vor der das breite Publikum der gutbetuchten Bourgeoisen im Alten-Kontinent schaudert. Die Hoffart der nordischen Highlight-Honoratioren thematisiert Niels Boeing in „Freitag“ vom 14. Oktober 2005:

Für kurze Zeit wird der mediale Scheinwerfer wieder auf die Misere des schwarzen Kontinents gerichtet, der weitere Ausbau der "Festung Europa" wahlweise beklagt oder gefordert. Besonnenere Zeitgenossen erinnern immerhin an die Ursachen: Es sind keine Glücksritter, die sich da über Tausende von Kilometern unter schlimmsten Umständen nach Norden durchschlagen, sondern Verzweifelte, die dem wirtschaftlichen Elend ihrer Länder entkommen wollen. Und dann fällt auch das Zauberwort vom "Marshall-Plan für Afrika", den Tony Blair Anfang des Jahres als Ziel ausgab. Allein, worin der bestehen könnte jenseits von Schuldenerlass und mehr Hilfsgeldern, bleibt im Unklaren.

Ganz bewusst: Die Idee ist ebenso wenig philanthropischen Regungen entsprungen wie sein historisches Vorbild in den vierziger Jahren. Tatsächlich geht es um die Entwicklung Afrikas zu den Bedingungen des Westens. Seitdem der Lomé-Vertrag im Jahre 2000 auslief und sein Nachfolger, das Cotonou-Abkommen, in Kraft trat, versucht die EU, ihre Freihandelsdoktrin in Afrika durchzusetzen. Unter dem euphemistischen Begriff „Economic Partnership Agreement“ sollen ab 2008 afrikanische Märkte vollständig für EU-Produkte geöffnet werden. Umgekehrt "dürfen" afrikanische Unternehmen dann auch ohne Beschränkung ihre Waren bei uns absetzen - und der Aufschwung kann beginnen.

Ein trauriger Witz. Ein afrikanischer Experte hat dazu trocken bemerkt: "Wir dürfen zollfrei Computer, Sportwagen und Atomanlagen ausführen. Das Problem ist nur, dass wir diese Dinge nicht produzieren. Wir sind auch ganz ergriffen, dass wir Sorgum und Maniok nach Europa exportieren dürfen. Dummerweise wollen die europäischen Verbraucher diese Erzeugnisse nicht haben." Und selbst wenn afrikanische Produkte den Geschmack der Europäer treffen: Afrikas Bauern konkurrieren nicht - wie Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, kürzlich bemerkte - auf gleicher Augenhöhe mit Europas Agrarindustrie, denn die hat im Vorjahr 3,49 Milliarden Dollar Exportsubventionen erhalten - das Problem ist um so dramatischer, wenn man bedenkt, dass 37 der 52 afrikanischen Staaten reine Agrarstaaten sind. (...)

Jeder "Marshall-Plan", der diese Hindernisse nicht beseitigt, gerät in den Verdacht, nichts anderes als ein alimentiertes Protektorat mit Obstgarten zementieren zu wollen.

Was Afrika nicht braucht, ist paternalistisches Geschwätz. Nicht von Freihandelsideologen, nicht von europäischen Idealisten, die hoffen, ausgerechnet südlich des Mittelmeeres eine Alternative zum globalen Kapitalismus entwickeln zu können, und die Afrikaner dabei als Versuchskaninchen missbrauchen. Das Gebot der Stunde lautet: Afrika endlich ernst zu nehmen - und mit gleichen Chancen über seine Entwicklung selbst entscheiden zu lassen.


Das Artefakt mit NOG-fertig verdrehten Fakten

Auf dem imperial hofierten Schattenmarkt der Scharlatanen unter dem Transparent „humanitäre Hilfe“ hantieren die Kultur-Kolonisatoren mit der Barmherzigkeit der Freibeuter gegenüber ihren Opfern. Honoriert werden sie neben den tugendsamen Spendern stattlich auch von separaten Sparten der Trutzburg-Architektur, die den Rest des Globus zum Breiten der Bettelbruder erklärt, somit dem Allgemeinanspruch der Emanzipation den Rest gibt.

Der Ethnopluralismus, der seit dem „Ende der Utopien“ weltweit so unaufhaltsam expandiert wie eine Epidemie, entwickelt als Standardprogramm des Menschenmanagements, das auch mit den migrantischen Jobnomaden hantiert und sich Meriten erwirbt.

Wer aber mangelhaft managt, muß hinnehmen, daß ihm nicht gelingen mag, das humanitäre Pathos mit dem monäter elitären Ethos zu schlingen. Ein elektorales Loch bleibt immer bestehen. Als besonderes schwierig empfinden daher die subalternen Weltenverwalter, was anders wiegt und nicht in ihrem Ermessen liegt.

Leicht überschaubar: Ein Überangebot zeichnet sich im ersten Jahrzehnt des dritten christlich-abendländisch-kapitalistischen Millennums im Metier des nichtstaatlich strukturierten Elendsmanagements ab. Alles, womit sich die Marktschreier der Menschenrechtsmeriten auf der Extra-Orchestera der NGOs hervortun, sind die Bettelbriefkopien an die Regentschaften des Imperium mundi. Gebeten werden sie, gegen jene Auswüchse zu intervenieren, welche Fluchtfluten auslösen. Nicht selten stimmen die Trabanten der zivilgesellschaftlichen Aufzucht-Kompanie mit dem Migranten-Mimikry dem eurozentrisch dirigierten Kolonisatorenchor an.

Missionare ließen sich früher die Kolonisatoren-Kumpane nennen. Sie hatten die Tugenden der Marktwirtschaft und deren Techniken an die überwältigten Wilden zu bringen und sie als Frondienst-Formation an den Markt. Gegenwärtig genügen allein die gottgefälligen Donnerwetter-Dogmen nicht mehr, das Los der mondialen Loser humanitär zu verharmlosen. Vielmehr haben zeitnahe Zöglinge des globalen Elendsmanagements Panik-Pauken zu produzieren, zugleich Eventtourismus, Patriotenpartys, Angstparties in Hochzivilisierten-Zonen des „globalen Dorfes“ ins Werk zu setzen.

Im Tal der Tüftler spielen sich die NGO-Aristokraten wieder als letzte Mohikaner auf. Zweifelle angesichts ihres Berufstandes lassen sie leicht ins Reine bringen, indem sie mitleidig die Spenden-Pauke für die Underdogs schlagen und prahlen.

Nischen-Novellen-Schreiber der NGO-Gemeinde enthalten nicht nur krakenkapitalistisch invasionäre Intentionen, sondern auch christlich-fundamentalistisch-rassistische Intensionen. Mit Hilfe von Gegenmeetings, für die sie von der aufklärerischer Obrigkeit abendländischer Abart autorisiert werden, werfen sie die kolonialen Untaten auf eine Projektionswand der als unterzivilisiert deklarierten Außenwelten und tarnen sich als Unikum der Homophobe Humanität.

In Kauf nehmen die NGO-gemäß alimentierten Adlaten und Legionäre landläufig künftige Hekatomben an ihrem Limes, dessen Legitimität sie als unverhandelbar zur Einsichtnahme geben. Um ihre humanitären Hegemonie-Ansprüche nicht argwillig verlästern zu lassen, arrangieren sie Argumentationshilfen, die jede Gegenseite zu paralysieren imstande sind. Wer dem Zivilisierten-Zentrum seine Loyalität nicht dokumentieren kann, ist derjenige, der sich von Nesträubern ankumpeln läßt und gilt als Handlanger im mafiosen Geflecht.

Die NGO-Oberen, die das Ideal des Sozialen verraten, pochen auf Treueprämien von Potentaten. Diese wiederum lieben sehr wohl den Verrat, aber in der Regel zeigen sie sich dafür undankbar. Honig saugen daraus eher die Plutokraten.

Doppelzüngigkeit ist das Standardwerk der normativen NGO-Nomenklatur, deren Experten als Pioniere und Tacherons der „humanitären Interventionen“ fungieren. Wenn Millionen vor dem ökonomischen Terror fliehen und an die Tore der Feste Okzidentale gelangen, beenden sie ihre Ruhepause und beginnen, Menschenrechtsmemoiren zu erdichten, die sie dann als kostspieliges Konsumgut für die barmherzigen Bramarbasse vermarkten. Die Schurken sind immer die anderen so die besoldeten Soldateska der Maghreb-Regimes oder die faulen Eliten der Herkunftsländer, wobei verdunkelt wird, daß sie unter den vehementen Diktaten der IMF und Weltbank vegetieren müssen – als Libertiner oder Liliputaner der globalen Krösusse.

Im steten Angstzustand vor dem Gespenst des Marktes und seiner Domänen-Demokratur müssen sie auf das Warnzeichen des Besitzgötzen Acht haben – der Kumpanen-Koalition der Global Players, der Staatsgewalt und Civil-Society. In dieser Kooperation gilt der Grundsatz: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Während die routinierten Reklame-Regisseure und Gemeinplatz-Regimenter der NGO-Kontingenten-Gilde den Rachen nicht voll genug kriegen können, die Gendarmen-Kompanie Marokkos zu Rambos gegen das allgemeine Menschenrechte-Memorandum zu erklären, greift das Zitadellen-Regime der Zivilisierten-Society den Soldateska des gleichen Staates reichlich mit Kröten (in Höhe von 40 Millionen Euro als erste Rate) unter die Arme, damit sie genau an jenem Wüstenrand zu patrouillieren eilt, wo das Potential der Wanderproleten weilt. 2004 gelang es 55.000 trotzdem, von der Süd- an die Nordküste des mediterranen Teichs zu gelangen. 18 Millionen Afrikaner befinden sich auf dem Weg nach Norden, schätzen die UN-Agenten. Unbemerkt spielen sich weitere Tragödien ab, und niemand kann wissen, in welchem Winkel.

Keine Frage: Die Agrarier Andalusiens profitieren letztens von dem Einsatz der „Illegalen“ stattlich. Fronarbeit auf dortigen Plantagen gibt es auch künftig zuhauf, von denen aus ganz Kontinent versorgt wird. Auch werden die Agrar-Güter nach Afrika exportiert – dort zu Dumpingpreisen verscherbelt, da sie staatlich subventioniert werden. Dieser Handel demoliert bäuerliche Existenzen, und ganze Landstriche verwandeln sich in Ruin. Flucht tritt als einzige Hintertür zutage, und den so enteigneten Menschen bleibt keine andere Wahl, als zu versuchen, heimlich das Mittelmeer zu überqueren oder scharenweise die Stacheldrähte von Malilla und Ceuta zu stürmen – hier vielleicht zu enden.


Afrika als billig geblinkter Blickfang

Das Regenten-Repertoire des spätzivilisatorischen Szenariums fußt auf dem eugenischen Rassismus, der Genese des menschenrechtsmentalen Gendarmen-Genres, protegiert die Schattenwirtschafts-Politur außerhalb der eigenen Scheidelinien, patronisiert den Aufbau der Stützpunkte als künftige Wachtürme über die Maquiladora-Produktionsstätte – praktiziert werden sie im postöstlichen Terrain des Euro-Hauses.

Seit fast drei Jahrzehnten scheuen die Sicherheitsarchitekten der Euro-Burg vor keinem Mittel zurück, die migrantisch vagabundierenden Erdmenschen-Massen abzuschrecken. Um das Reich der Reichen und Riesen zu erreichen, nehmen diese immer riskantere Wege, damit den Exitus in Kauf. So kam es seit 1993 zu über 6.300 registrierten Todesfällen an den Demarkationslinien der Patronagen-Bastei. Die Dunkelziffer dürft noch ein Vielfaches höher liegen. Betroffen ist der gutbetuchte Bürger der Gutmenschen-Gemeinde nicht direkt. Gestorben wird schließlich woanders, und das muß gefälligst auch so bleiben. Er fühlt sich den Kampfkapriolen der Grossisten komplett ausgeliefert und hält krampfhaft an den Besitzständen fest, über die er gerade noch verfügt. Höchstens wünscht er sich nach wie vor ein humanes Afrika, als ein alimentiertes Protektorat mit Obstgarten, privaten Plantagen und Wildparken für Safari-Sensationen.

Der Weitblick der Weißen-Intelligentsia auf den Schwarzen-Kontinent geht über das Wandererwagnis hinaus. Nicht Misere, Kohldampf, Entschlafen, Chaos und sonstige Dämonen dort ist das Problem, sondern das Phänomen der faulen Eliten, marodierenden Mörderbanden und ausgemergelten Gesellschaften, generell von Despoten dominiert wie Simbabwes Robert Mugabe, der die Vorrechte der weißen Gutsherren mißachtet und ihre Ländereien an die Landlosen verteilen will. Diese Dissidenten des machiavellistischen Marktregimes sabotieren, daß die gemeine Geschichtsgefolge nach kolonialer Sklaverei fortgefahren wird – unter den Diktaten der superimperialistischen Institutionen wie IMF und Weltbank. Die souveränen Staaten Afrikas haben sich den globalisierten Kolonisatoren-Kurs zu Herzen zu nehmen, daß das goldene Dreieck „Demokratie-Markt-Menschenrechte“ endlich auch am schwarzen Mangelhimmel der Manchester-Manufaktur montiert wird – mit markanten Kompradoren-Communities unter dem laisser-passer-paraten Management der weißen Marketender.

Während die Pfade für Migranten als marginales Menschenmaterial – ausgenommen mengenweise Marihuana und Hetären – von Süd nach Nord systematisch separiert werden, öffnen sich alleweil Schmuggeltore auf umgekehrter Route, durch die fast alles mögliche fließt, was der Norden zum Export anzubieten weiß: Öl, Getreide, Motoren, Elektrogeräte, Pornos... „Riesige Umschlagplätze“ erspäht Michael Schwelien in „Die Zeit“ vom 13. Oktober 2005 in Ceuta und Melilla:

Über solche Zäune hätten sich die Grenzschutztruppen der DDR gefreut. Der „antifaschistische Schutzwall“ des sozialistischen Regimes war ein krudes Bauwerk gegen die High-Tech-Anlagen in Ceuta und Melilla. Und nun, nach den Anstürmen der Afrikaner, nach den Todesstürzen und Schüssen, die vermutlich nie restlos aufgeklärt werden, soll der Schutzwall gegen Afrika noch verstärkt werden. Er besteht bisher aus Doppelzäunen, drei bis sechs Meter hoch, gekrönt von Stacheldraht. Auf einem Postenweg im Inneren gehen die spanischen Grenzer auf Streife. Angeblich feuerten sie, anders als später die Marokkaner, nur mit Gummigeschossen. Aber wie kam es dann zu den Todesschüssen auf etliche der Verzweifelten? (...)

Aus vermeintlich humanitären Gründen soll ein dritter Zaun hochgezogen werden. So gebaut, dass die Afrikaner ihn gar nicht erst erklimmen können. Diese weitere Sperre wird dann aus einem drei Meter breiten Drahtlabyrinth zwischen zwei Meter hohen Betonpfeilern bestehen. Schon jetzt werden »Stacheldrahtkissen«, welch ein Unwort, zwischen den beiden vorhandenen Zäunen ausgelegt. Europas Vorposten igeln sich weiter ein. Natodraht gegen die Schwarzen. 26 Millionen Euro sollen allein für die technisch raffinierte neue Konstruktion ausgegeben werden.

Vorgeblich will nun auch Spanien die rigide europäische Abwehrpolitik verfolgen. Zugleich aber dürstet seine boomende Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften. Ganz gleich, was in den Exklaven geschieht, es werden immer wieder illegale Immigranten gebraucht, ja geradezu eingeladen. (...)

Marokko wird auf andere Weise von Europa bedacht. Die Bemühungen des Maghreb-Staates, die Verzweifelten schon vor dem Ansturm auf die europäischen Vorposten abzufangen, sollen nun mit der Auszahlung von 40 Millionen Euro honoriert werden, Geld zur Grenzkontrolle bis weit in den Süden hinein, das bisher eingefroren war. Damit kann das arme Königreich Geländefahrzeuge und vielleicht auch einige Schnellboote kaufen. Auch hier ist der Grundgedanke überdeutlich: Der Ansturm soll möglichst weit vor den Toren Europas abgefangen werden.

Wird nun das unlösbare Problem doch noch gelöst? Nein. Es wird nur verlagert. Der Todesmut der Verzweifelten, die anderswo auf pateras, morschen Holzschiffen, über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln und dem nordwestlichen Andalusien ihr Leben riskieren, bleibt. Große Familien, ja ganze Dörfer legen ihr Geld zusammen, um den einen Sohn nach Europa zu schicken. Sie hoffen, dass er es schafft und Geld zurückschickt, Geld, das insgesamt heute schon die Entwicklungshilfe übersteigt. Und der Entsandte kann es nicht wagen, mittellos zurückzukehren und die Seinen zu enttäuschen. (...)

Nun wird es als Erfolg gesehen, dass die Zäune verstärkt werden, die ersten Abschiebungen erfolgten und Marokko stärker mit Europa kooperiert. Sollten die letzten Einfalltore nach Europa geschlossen werden, die regionalen Hilfsprojekte aber ausbleiben, dann werden die Elenden in den Wüsten Afrikas verhungern und verdursten.


Trustburg als Trutzburg – Timokratie als Demokratie

Aus der Geschichte der Gemäuer gelernt, die stets als Instrument dienten, um den Ein- und Ausgang der Städte zu kontrollieren – gegenwärtig fungieren die Außen-Grenzmauern ähnlich und sollen die globalen Elendswellen kanalisieren sowie Territorien tunlichst undurchdringlich abschotten.

Bislang tauchten im Musentempel des medialen Jägerlateins Flüchtlingsbilder auf, die massenhaft in hölzernen Seelenverkäufern, in Containern der Fuhrwerke und Frachter oder zu Fuß unterwegs gezeigt werden, heimlich ins „Paradies“ der Supermärkte einzudringen. Daraus machten Menschenschmuggler ein lukratives Geschäft.

Mit den Aufnahmen aus den spanischen Exklaven in Marokko stehen die Sicherheitsstäbe der Eurokatie vor einer organisierten, mit primitiven Mitteln, den selbst gebastelten Leitern ausgeführten Massenattacke, deren Mitstreiter exemplarisch testen, die drei bis sechs Meter hohen, stacheldrahtbewehrten Zäune zu überwinden.

Dem Maghreb-Ufer entlang im Hinterland bezwecken die demokratisch partizipierten Sicherheitspatrone des Imperium Europanum, die Mandatare der Magnaten, Auffanglager für Migranten-Meuten einzurichten wie in ihren südlichen Territorien auch. So verwaltet Italien ein solches hermetisch abgeriegeltes Camp auf der Insel Lampedusa, die als Fluchtpunkt für jene Globetrotter gilt, die vor dem ökonomischen Terror fliehen und in Libyen oder Tunesien ein Zwischenstation machen. Die hier internierten Insassen werden von Carabinieri drangsaliert, von Mücken und Flöhen gepeinigt.

Die Grenzzäune in Melilla und Ceuta werden nicht nur erhöht und verstärkt, sondern in aller Eile will man einen zusätzlichen, dritten Zaun bauen. Eine Reihe mit Pfählen, zwischen ein und drei Metern Höhe, verbunden mit Drähten, die einen Massenansturm unmöglich machen sollen.

Sozial derangiert und systemisch deklariert stehen Flüchtlingsschutzprogramme der großkapitalistischen Kastell-Architektur im Maßnahmenkatalog für Migrantenkontrolle.

Als Türsteher eines Establishments aufgrund einer peripher pervertierten Partnerschaft sollen die Wallanlagen der Zivilisierten-Hochburg künftig auch von jenen Maghreb-Regimes abgesichert werden, die bisher als diktatoriale Schurken typisiert wurden. Protegiert werden sie mit Finanzspritzen und Exportartikel wie Wärmebildkameras, Geländewagen, Schnellboten, Wolldecken und Zelten für arretierten „Illegalen“ oder Leichensäcken für die Opfer der angeschlagenen Anstürme.

Wie in Melilla, wo zuletzt sechs „Illegalen“ ums Leben gekommen sind. Einige von ihnen seien erschossen, andere zu Tode getrampelt worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Dazu Florian Rötzer in „www.heise.de/tp/ – Telepolis“ vom 6. Oktober 2005:

Gerade erst gab es wieder einen Massenansturm von 1.000 Flüchtlingen in Melilla, von denen es aber offenbar nur wenige geschafft haben, die nun von der Guardia Civil und marokkanischen Polizisten scharf bewachte Grenze zu überwinden. Eingesetzt wurden Gummigeschosse und Tränengas. Die Szenen mit den im Dunklen heranstürmenden Menschen, die ihre Leitern am Zaun aufrichten, erinnern an das Mittelalter. Allerdings ist die Grenze mit zwei Zäunen im Abstand von einigen Metern hell erleuchtet, die Wächter haben Nachtsichtgeräte, patrouillieren zwischen den Zäunen und auf kontrollieren auf Wachtürmen, es gibt Überwachungskameras, Richtmikrofone und Bewegungsmelder. Gegen einzelne Menschen, die versuche, diese Hightech-Grenze zu überwinden, helfen die Vorkehrungen, weswegen die Immigranten bislang auf das Meer ausgewichen sind. Doch seitdem auch hier mit modernsten Mitteln besser kontrolliert werden kann und überdies viele Immigranten starben oder erwischt wurden, kam es zu den Massenanstürmen, bei denen schon die ersten Menschen starben und offenbar auch die Flüchtlinge aggressiver werden.

Spanien will die Grenze nun mit Stacheldrahtrollen mit einer Breite von drei und einer Höhe von zwei Metern zwischen den beiden hohen Stacheldrahtzäunen sichern. Wer über den ersten Zaun gelangt, würde riskieren, in die messerscharfen Stacheldrahtbefestigungen zu fallen und sich dabei schwer zu verletzen. Überdies wird an den Bau eines dritten Zauns gedacht. Ohne den Einsatz von Waffen können aber auch hohe Zäune, die Anwesenheit von Militär und der Einsatz von Überwachungstechnik langfristig wenig ausrichten.


Rassistisch zementiertes Lehrgebäude der erdsozialen Apartheidspyramide

In Gesamtbreiten des EU-patriotischen Parteien-Parketts wird das Thema des eigenmächtigen Migrationsprozesses als eine Fehlgeburt des Globalismus gehandhabt. Neben einer samtweichen Diktion der demo-krativ humanitären Agenturen wird sich daher die Repressionsroute bei eliminatorischen Attacken auf den Fluß der Überflüssigen fortsetzen. Die Regelwerke werden militärisch reglementiert, Kontrolltechniken radikal reguliert und mit ideologischen Faustregeln komplementiert. Unter der Ägide einer Dirigenten-Tiararchie mit D-Land, F-Reich und G-Britannia reift ein Gewaltzentrum rasant heran – eine militaristische Formation, genannt Europäische Union.

Auch schrecken die parlamentarisch partizipierten Regimenter dieser superimperialistischen Hochburg vor den relegierenden Experimenten rassistischen Gedankengehalts nicht zurück. Einen Fingerzeig darauf gibt neuerdings der Vorsatz der neokonservativen Konsorten im Koalitionären-Konvoi der Berliner Republik, die „Leitkultur“-Litaneien als wohlfeile Manipulationsmacht aufzufrischen. Längst vor ihrem Amtsantritt begannen die Leithammel der Schwarzen-Union bereits, das verminte Gelände unter dem Kulturkitt aufs Neue zu betreten.

Um das Augenmerk der untertänigen Population der Nation von sozialen Sorgen abzulenken und aus privilegierten Minderheiten Mehrheiten zusammenzuleimen, testen sie, selbst aus dem tauben Gestein des Pangermanismus mit einer Portion „Patriotismus“ Funken zu schlagen, um den Werteschrein in ein anheimelndes Licht zu tauchen. Sie bauen auf den Zorn der völkischen Zombies und zielen auf den ökonomischen Terror, unter dem der soziale Spagat zunehmend in den Sog des global deklarierten Elendsmanagements gerät und die enteigneten Untertanen zur bloßen Humanressource degradiert werden.

Damit die neoliberal renovierte „Leitkultur“-Galeere in der Galerie der Kröten- und Krautjunker-Kaste nicht gleich an Strahlkraft verliert und ihre Tüftlergenies ins Straucheln bringt, muß sie mit dem spirituellen Dünkel im spätmodernen Dunkel dekoriert werden – mit jenem christlich komponierten Evergreen als sakraler Humus. Somit soll der Terminus Kultur der imperialen Allianz die Kulten im rassistischen Lehrgebäude umfassen – neben dem Geschick der Geschichtlichkeit sowie dem Gottvertrauen auch die Nationalsprache als Träger und Speicher von monetär modellierten Mythen.

Der meist menschenrechtsmental artikulierte Kulturalismus manifestiert sich insofern als die Paraphrasie des christlich-abendländisch etablierten eugenischen Rassismus. Neuland betreten seine Protagonisten auf der Ebene der sozial fingierten Hierarchien und arbeiten auf den eleganten Aufbau einer globalen Apartheidspyramide hin, auf deren Gipfel sie sich schließlich selbst setzen – als ewige Eliten der Zivilisation. Ein Elaborat, welches ein „Leitkultur“-Eleve namens Thorsten Hinz im neurechten Wochenblatt „Junge Freiheit“ vom 28. Oktober 2005 demonstrativ zum Ausdruck bringt:

Natürlich hätte den Begriff („Leitkultur“) niemand eingeführt, wenn es keine massive Zuwanderung nach Deutschland gegeben hätte oder wenn diese mehrheitlich aus Dänen, Franzosen oder Ungarn bestünde. Mit diesen haben die Deutschen 95Prozent ihrer Leitkultur gemeinsam, der Rest ist Smörrebröd, Baguette und Salami. Auch der indische Facharzt oder der Ingenieur aus Istanbul ist kein Problem.

Es geht um die Zuwanderung von armen, ungebildeten Unterschichtlern, die häufig noch archaischen Sittengesetzen anhängen und in eine hoch- und postindustrielle Gesellschaft kaum integrierbar sind. Das festzustellen bedeutet keineswegs, ihre Würde oder religiöse Überzeugung herabzusetzen. Warum sie auf die Formulierung der Leitkultur, Normen und Lebenswelt ihres Ziellandes, in das sie schließlich aus eigenem Antrieb gekommen sind, einen vergleichbaren Einfluß haben sollen wie die Einheimischen, bleibt aber unersichtlich.

Ob von Mainstream-Mentoren der Schwarzen-Union wie Merz oder Merkel moderiert oder von den systemsittenstrengen Soziussen der Studiokratie, „Leitkultur“-Elogen übertönen vielfach weite Viertel der Zivilisierten-Weltzone unter Zwölfsternen-Banner, verwandeln sie in eine Arier-Arena der globalen Gladiatoren. Die Eremiten der Ellbogenfreiheit, die Apostel der Zivilgesellschaft, arrangieren höchstens Elegien für Elenden, stimmen die Aristokraten-Arien an, hüllen sich generell in Schweigen.


Morgenstürmer von gestern mit gestandenem Gegenwind

Die welt-sozial derangierten, human gedemütigten Deserteuren der globalen Apartheidspyramide werden sich nicht abwimmeln lassen und zulassen, daß man ihnen das Kreuz des globalen Kraken überstülpt. Hier haben die Widersacher der markt- und mammonparaten Kolonisatoren-Party den Demagogen-Parteien demokratischen Genres den Rücken zu zeigen. Auf Zielgeraden brauchen sie den langen Atem nicht.

Es ist die höchste Krise der Herrenrasse. Ihre Türme stürzen überall ein. Von den Tiefen des Trikonts macht sich eine Wilden-Masse auf den Weg gen Zentrum, pocht auf ihren Teil, will sich morgen zurückholen, was ihr gestern genommen wurde.

Auch nach fünfzehn Jahren seines Theatertriumphs über den real-sozialistisch stilisierten Rivalen gelingt es dem Lehrgebäude des Spätkapitalismus nicht zu verhüllen, daß er in einem Tiefen steckt.

Es genügt schon eine Migrantenmeute von tausend Gefährten, die es über Nacht an ihre Tore verschlagen hat, die Legende von der Invasion der Unterzivilisierten in den Umlauf zu setzen. Mit der Episode einer Vision, welche von idiomatischen Ideologen geschrieben und schliffen geschulten Imitatoren gespielt wird, baut man eine nette Marionettenbühne und ein zeitgeist-immanentes virtuelles Generalstabs-Bureu davor.

Die neuerlichen Eskalationen am Limes des Novum Romanum, die ein Schlaglicht auf den noch nie dagewesenen Aspekt der weltsozialen Daseinskämpfe werfen, lassen sich nicht melancholisch als zeitweilig manische Eskapaden erfassen. Sie gehören – vom marktmentalen Menetekel markiert, von kosmopolitanen Manifesten der Klassenkämpfe frankiert – zum Memory des herangetretenen Weltalters.

Gewiß lassen sich die letzten Anmärsche der trikontinentalen Proleten an der Außenmauer der Privilegierten-Bastion nicht den Schluß ziehen, daß eine welt-soziale Revolte auf den Beinen ist, zur Reife zu gelangen. Dennoch markieren sie einen gegenwartsgeschichtlichen Meilenstein und flößen dem super-imperialistischen Establishment gewissermaßen einen Schrecken ein. In Schützengräben der humanitären Interventionskriege gekrochen, krakeelen die Dolce-Vita-Garden betätigen den Paukenschlag der Privatier-Partie und bedienen bei jenem Kleinbürgertum die Ängste, dem es unter den Globalismusglocken sowieso droht, durch den Rost zu fallen bzw. an den Bettelstab zu kommen.

Um ihrem Ruf als Morgenstürmer gerecht werden zu können, müssen die Streitschriftsteller das okzidentale Lehrgebäude und den von ihm eingebrockten verfahrenen Verlauf human-sozialer Verhältnisse auf dem Globus attackieren. Ihren historischen, ökonomischen und moralischen Hintergründen müssen sie standhaft auf die Spur kommen, ohne Rast und Ruh mit dem waltenden, den Erdkreis in Schach haltenden Imperium Okzidentum abrechnen, sich in die Lebenskämpfe der merkantil marginalisierten ethnisch entfremdeten Leibeigenen vor den eurozentrischen Barrikaden der Zivilisationszitadellen denken, neorassistische die Kastenpyramide des Besitz- und Krötengötzen attackieren, sich dem Fazit anschließen: Das heutigentags verfaulte System läßt keinen Blütentraum aufkeimen, keinen Ausblick auf eine Zukunft jenseits markiger Miseren und martialischer Mißstände wie Hunger, Gewalt und Krieg für wahrscheinlich halten. Nur ein neuwertiges Emanzipations- und Zivilisationsmodell macht die überfällige Umkehr möglich.


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Sie kommen von überall her
von gestern mit gestandenem Gegenwind
Auf ihren sonnenverbrannten Schulten schwer
ist ihr Gepäck ein Sonnen-Schwert
das sie als Kompaß tragen und als Gewehr
überqueren revolutionär
nach Savannen und Sahara das Mittelmeer
um am Morgen teilzuhaben