XXVIII. Jahrgang, Heft 150
Jan - Mär 2009/1
 
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Letzte Änderung:
14.02.2009

 
 

 

 
 

 

 

IN DEN KULISSEN DER TEUTOZENTRALE

Markige Meriten in Folge-Marginalien
Zyklon im Krisenzirkus

   
 
 


Die Minderbemittelten bemängeln das elitäre Mangelmanagement und bringen sein Ellenbogenrecht zur Räson

Bildkräftige Gedankensplitter aus einem Winter, der sich besonders boshaft dem Zyklon näherte

Von Necati Mert

Es gibt die Folge der Episoden, zusammengestückelt von schrägen Schreiberlingen der merkantilen Mediakratie, der Orthodoxie der ordinären Ökonomik sowie der Vulgo-Demokratie, um den Fortbestand des Turbokapitalismus zu untermauern sowie das ideologische Abdriften von Eigentums- und Marktgötzen zu verhindern.

Es kriselt. Furcht und Elend im systemischen Szenarium der Krachkonjunktur summieren sich. Der Souverän überwacht hastig den faulen Haufen von Havarien, sichert den Betrieb der Singakademie von Marktschreiern und Moneymachern, somit das Glück seiner bieder Untergebenen.

Es kreiselt. Die Erde bewegt sich. Man geht mal unter dem Label "Wertegemeinde", dann mit einer "Weltgemeinschaft" zu Werke. Die miserable Maskeraden-Maschinerie der Menschenrechtsmonopolisten zieht an der Würde und dem Wert des humanen Individuums vorbei, zugleich dem sozialen Fortschritt. Stets gegenwärtig halten die Leuchtturm-Wärter der Warenauswahl an ihrer Überlegenheit fest. Die mobilen Moralapostel mahnen fleißig vor der mentalen Malaise am Gegenufer der sozial Entrechteten. Armen-Hirte liegen in Morpheus' Armen. Das Kredo, daß der Ständestaat sich als Kreditor aufspielt, zieht kräftige Kreise. Die hochbejahrte "unsichtbare Hand" der Marktkräfte möchte gern den alten Adam ablegen, tut sich als Global Governance hervor. Darunter heucheln demokratisch dekorierte Staatsschauspieler sehnlich Sentimentalität.

Es rumort überall hörbar. Das Novum Romanum der Nordiden-Nomenklatur kriegt die Krösus-Krise weit über den herben Herbst des erbärmlichen Endkapitalismus hinaus. Die High-Society fürchtet den Furor der Furie, veranstaltet daher kostspielige Urnengänge, um die Loser aller Länder zu unterhalten - mit parlamentarischen Palaverpartys.

Bourgeoise Humanität der beständigen Besitzstandsbesten – alte Gülle in neuen Schläuchen wie Enduring Freedom

Es kreischt kräftig. Der nordatlantisch arische Pakt steckt tiefgründig im Kröten-Crash. Seine Regentschaften, besonders die des Groß-D-Landes, stehen noch hastiger mit dem Rest des Erdkreises auf Kriegsfuß. Das transnationale Lehrgebäude unter der Leerformel der humanitären Redegabe zielt auch auf die kulturalistische Abqualifikation der peripheren Parias.

Immer wenn die Rhetoren der Neuberliner Republik germanophilen Genres mit Weitblick auf dem Kaukasus ihre Zunge lösen, heißt es die "brutale Invasion der Russen", und mit dem Laien-Bardenblick aufs Amselfeld in Balkanien lautet das latente Urteil der medialen Leihrichter "humanitäre Intervention des Westens". Den turbulenten Trumpf "Minderheitenrechte" aus dem UNOversalen Kapitel der kulturellen Menschenrechte, der den christlich-abendländischen Hegemonial-Habichten immerdar den expansiven Triumph in Aussicht stellte, spielt jetzt ausgedehnt auch Moskau.

Es triumphiert. Die "Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen" (FUEV), von der Berliner Reichstagsrepublik gepäppelt und angetrieben, agiert vom Balkan über Kaukasus bis zum Hindikusch, bald auch in Alanya, "Klein-Allemania" am östlichen Mittelmeer, so sicher wie das Amen in der Kirche. Die kulturellen Menschenrechte, auf denen der Passus der hegemonialen Ambitionen fußt, gelten im Stammstaat der FUEV natürlich nicht.

Stetig steigt hier der Pegel kulturalistisch kalkulierter Fluten, die von der Gesamtgewalt der Majorität in Gang gesetzt werden. Immer mehr autochthone Ansässige geraten ins Zentrum ressentiment-geladener Ausschluß-Aversionen. Immer maskenhafter werden Maßregeln reglementiert, um die eingewanderten Einwohner abzusondern, sie als Ungebändigte des Getto-Getobes zu thematisieren.

Wenn es hierzulande um die Lebenswelten islamischen Glaubens geht, werden sie als noch nicht trocken hinter den Ohren figuriert. Hingegen werden die Machtmuslime am Bosporus als Superdemokraten über den grünen Klee gelobt, da sie sich dort bereits als lokale Lakaien des eurozentrischen Expansionsdrangs erwiesen haben. Das aktuellste Fabrikat aus der mass-medialen Gespenster-Gilde trägt den trickreichen Titel "Gefahr", die angeblich vom Islam ausgeht. So ist Islamophobie unter Schwarz-Rot-Gold mit der Marke "Terror" versehen, die Hochkonjunktur hat. Sie ist nicht allen das Weltbild einiger extremistischer Populisten-Promotoren am rechten Rand, sondern darüber hinaus umfaßt sie fast das ganze Spektrum des breiten Publikums.

Wenn sich seit fast vier Jahrzehnten die integrationale Investition bzw. Intervention als Fakt erwiesen hat, daß sich die Teuto-Türken mit islamischem Gottvertrauen auf den Fährten zum Getto befinden, sollte ihnen doch die kulturelle Autonomie gewährt werden. Doch das Recht auf Selfgovernment gilt im (Be)Reich des ethnisch homogenen, respektive germanischen Volksstaates nicht. Auch nicht exemplarisch oder emblematisch. In "interkulturellen" herbstlichen Partywochen und manchen Protest-Parties wird nicht die Islamophobie selbst, sondern deren rechtslastige Präsentation als obszön wahrgenommen. Der antirassistische Konsens im linkem Spektrum wird kaum wirken, solange er sich reflexartig und reklamehaft nur gegen die Kreischer am äußerst rechten Rand richtet und nicht gegen die germanophil liberale Hegemonie.

Es manifestiert: Dieses christlich-abendländische Gesellschaftsgebäude kreiert ein Massenbewußtsein mit anti-islamischen Ressentiments und reduziert einen beträchtlichen Teil seiner Untertanen auf das ethno-soziale Unten marginalisierter Bürger- und Menschenrechte. Da im Dunkel wird kultureller Überlegenheitsdünkel verbreitet - gegenüber anderen arrondierten Lebenswelten.

Es animiert: Mitte Oktober 2008 gastierte die Republik Türkei in Frankfurt am Main, in der weltgrößten Messe der schwarzen Kunst, und gab den Hauswirten den Anlaß, sie als Brücke in die mittelöstlichen und zentralasiatischen Ressourcengebiete einzuspannen. Da sahen Wortfechter der Teutomanie ihre Blütenträume reifen. Es ging darum, die diesbezüglichen Ambitionen Ankaras mit deutschen Absichten zu verzahnen: Drang nach dem Osten, zu den Öl- und Gasfeldern.

Tribunen des doktrinär demokratischen Titanen-Turms befindet sich im Fluß vor dem Tribunal – das Prekariat prangert an

Zur Zivilisation zählen mechanische bzw. materielle Faktoren, zur Kultur Ideale, höhere geistige, künstlerische, sittliche Eigenschaften. Allzeit alarmiert, als alterprobte Gipfelstürmer zielen die alimentierten Groupies der Grossisten den Blinkerblick auf das Allerlei am global sozialen Talhang, zieren den Allgemeinplatz mit Tartüff-trüben Allüren.

Es kriselt. Was das Gedankengebäude der Zivilisationserstlinge angeht, da ziehen Zebaoth und Gott am selben Seil. Also es kreiselt, und der Hegemon grinst. Die Propheten des wackligen Profitsystems schlagen Alarm, lamentieren vor dem Flöhencrash sowie wegen der Laienlyrik ihrer linken Rivalen, denen sie dann die Flötentöne beibringen oder die sie durch die Gosse ziehen.

Im Dickicht der diktatoralen Dogmen dominieren die digitalen Dilettanten der medialen Meute über den Intellekt des breiten Publikums. Jeder Federschwenker, Tiefen-Tüftler der Turbo-Theorien oder Tastatur-Tätige eines Elektronengehirns versteht sich als letzter Mohikaner und sattelt so den Pegasus beim blassen Himmelblau, fabriziert moralinsaure Kanons als kulturalistischen Konsens, der im Kolonisatoren-Kosmos der zivilisatorisch Überlegenen zum Vorschein kommt. Ziemlich zombig. Epische Episoden der selbstgerechten Urbanen entpuppen sich erkünsteltes Luftschloß. Das Gewicht des Jägerlateins, vom medialen Metier melancholisch ausgesät, vom breiten Publikum für wahr gehalten, haben dramatische Folgen auf das humane Habitat.

Es braust. Die Bravour-Bourgeoisie gibt sich leidlich Mühe, ruhiges Blut zu bewahren und nun erst recht Ruhm zu ernten. Im herben Herbst 2008 nimmt das Geldweltmarktbeben gewaltige Züge an, treibt die okzidentalen Oligarchien an, den Minderbegüterten auf allen Erden das Mark aus den Knochen zu saugen. Und das Elendsmanagement in den elitären Metropolen der Erdgemeinde zielt auf die Elimination des überflüssigen Prekariats in den peripheren Steppen, Savannen und Slums, aber auch in den Zentren der Prosperität. Gleichgerichtet tritt der Unrat über die Ufer. Gewiß noch unsichtbar. Doch Gestalt nimmt ein Tribunal gegen den kapitalistischen Totalitarismus. Auf der Anklagebank sitzen bald die Marketender und Geldschneider, kurzum: die Triumphatoren der merkantilen wie monetären Kreuzzüge.

Der Herold des gelebten Weltalters richtet auf monetäre Malaise der modernen Herkulesse den Blick

Hunger versteht sich als ein geistvolles Geschäftsobjekt, wird von Honoratioren der humanitären Gilde, NGO-Akteuren zu hohen Feiertagen zum Thema erhoben, an die bourgeoise Barmherzigkeit und private Spendierlaune der Übersatten appelliert, am Ende zugunsten anderweitiger Problemfelder abgesetzt. Die warmherzigen Revoluzzer nehmen das globale Auftreten des Phänomens in Augenschein und informieren darüber, daß das Hungern ein harter Schlag ist, schrecklich, aber Schicksal. Davon abweichende Gedankenfolgen kriegt man in die falsche Kehle. Moralwachteln und Krisenwarnern, die sich allein ihrem gefallsüchtigen Gewissen verpflichtet fühlen, ihnen tut das Leid, das die allmächtigen Marktkräfte auf Weg und Steg anrichten, leid.

Es grinst großspurig. Daher rufen sie den alten Pfaffen Malthus ins Gedächtnis, der die Überzahl der Erdeinwohner durch Seuchen, Kriege u.a. reduzieren und so das Gleichgewicht zwischen Lebensmittelproduktion und Population herstellen wollte. Doch der Hungertod ist nicht die Folge der Knappheit, sondern des Preismechanismus, der den Überfluß ausmerzt, den Werteverfall verhindert und das Privateigentum vermehrt.

Die Melancholie kreuzt nicht mehr als Anomalie auf. Es dreht sich dabei nicht um eine Krankheit, die auch im antiken Weltalter sichtbar hervortrat. Der Schwermut der Wenigheiten, welche sich auf die übergroße Masse der planetaren Population belaufen, mausert sich zum marktfromm ausgeformten Marasmus, dem Klagechor der Methusalems.

Das Mainstreaming des debattierten Politikums fußt nicht auf den mondial-sozialen Gegensätzen, sondern wird auf das breite Publikum einer Nation sowie auf die mentalen Schicksale der metropolitanen Schickeria verkürzt. Milliarden von Erdenbürgern fühlen sich vom hundsgemeinen Heulen der Finanzhaie nicht betroffen.

Das Erdenrund bricht als provisorisch geteilt in provinziellen Zonen und prosperierten Zentren hervor. Die Metapher der Metropolis versteht sich als deras Mekka der marktgläubigen Marionetten, der fiktive Ort des christlich kapitalistischen Abendlandes, zugleich als Drehpunkt der Zivilisation universalen Gedankengehalts. OneWorl-Kapitale Washington läßt sich als ein solches Metropolis markieren - dort am Potomac mit Pentagon und Kapitol neben dem Weißen Haus. Der frisch favorisierte Imperator mit weißem Hirn und dunkler Haut wird in der Kulisse "Oval-Office" genau die Rolle spielen, die ihm aus dem Postzsenium die Souffleure ins Ohr flüstern.

Parias des Blauen Planeten kreiden die Platitüden der Privatiers an

Die Himmelsstriche des UN-kontrollierten Erden-Elends weitet sich unabwendbar aus. Doch die nordisch arisch ausgebrütete Wertegemeinschaft der OneWorldOrder befaßt sich damit, mehr Demokratie-Export, damit die Markt-Expansion zu wagen.

Es bräunt. Ans Ruder gelangen die Agenda-Agenten des Global Players allerorten mit Gloria und Grazie, und parlamentarische Parade-Parteien schreiten als Pressuregroups des preisgerichsparaten Gewichts zur Tat. Die durch den Urnengang berufe Häuptlinge stehen den peripheren Menschenscharen des Globalvillage vor, betätigen sich als Vasallen des weißen Warte-Turms.

Septembertage auf Kalenderblatt
Temperaturen kühlen ab
in Silhouetten der Mäuse-Häuser
manchmal auf Werte am Gefrierpunkt
Wie engmaschig die kranke Krake
des christlich-abendländische Kosmos
überwacht werden kann
weiß kein Forscherfrosch im Frost

Es prangt. Naturgüter, Bodenschätze und humanes Geschlecht werden von der Besitzstandsbastei zur Ressource degradiert, mondial vagabundierende Brandstifter zum braven Dirigenten des Feuerwehrchors erklärt. Jedem Narren gefällt seine Kappe, und die Schildkröte erschien im Glotzophon und sprach als Methusalem während der kalten Tage des Kröten-Krachs als Satrapensatire den Reklame-Text für heiß gedruckte "Bundeswertpapiere".

In der spätbourgeoisen Sphäre des humanen Fortschritts verdienen sich die ständestaatlichen Sponsoren des krisen-kapitalistischen Kasinos die Sporen. In der nächtlichen Spelunke der Hypotheker hauen sich die Spekulanten den Bauch voll. Und die poppige Party der Privatier-Piraten hält an - noch bis zur Morgenröte.

Planetare Parias beaugapfeln während ihrer orakelhaft opponierenden Odysseen das Eldorado der auserkorenen Kreaturen, die zivilisationszentrische Zeremonie, den marktgläubigen, hinterlistigen Humanismus, der sich von Besitzkastenkritikern, den Rebellen der Barbaren-Baracken, nicht auf den Kopf spucken lassen will. Lieber liebäugelt der Kaskaden-Kapitalist mit der linken Libertinage im Exklusiv-Museum der liberalen Laienliteratur als mit den aus Neue prahlenden Piraten, obwohl sie ihrem Bestreben nach mit ihm verschwistert sein können. Hier dreht es sich um jene Raubritter, die zivilisatorisch nicht legitimiert sind, auf einen Teil der transnational transferierten Beute, des Mehrwerts, Anspruch zu erheben.

Auf eine Seeschlacht richten sich die Nationen des Nordatlantischen Paktes (NATO) gegen die reinkarnierten Freibeuter ein. So patrouillieren Kriegsschiffe unter Schwarz-Rot-Gold im Indischen Ozean, exakt lokalisiert, im Golf von Aden, der Meerenge zwischen Somalia und Jemen, wie sie auch vor den Küsten der Levante Wachdienst halten.

Gegen die listigen Korsaken am Horn von Afrika, welche die Steppen, Savannen und Wüsten verlassen, um ihrem Los dann im Salzwasser des großen Teichs auf den Fersen zu bleiben, kommen die Kreuzritter der "Operation Enduring Freedom" selbst als lästige Korsaren zum Vorschein. Diese periphere Geographie der Schlacht für die "dauerhafte Freiheit" bleibt ganz gewiß nicht mit der Intervention in einer Meerenge eingegrenzt. Bald wollen die Luftflotten der nordischen Alliierten über den Himmelsstrichen Somalias Bombenregen ins Werk setzen.

Dort kommen auch die migratorischen Erdlinge verschiedener weiterer Gegenden zusammen mit Blick auf das Gegenufer als Eldorado. Im Jahr 2008 wagten 38.000 migrantische Mohren den Golf von Aden mit armseligen Seelenverkäufern zu überqueren und in den Jemen zu gelangen. Mehr als 600 von ihnen verunglücken beim Passieren des Seepasses, landeten im Gottesacker am Meeresgrund. Treibjagd gegen die Migrantenheere autonomen Ausblicks inszenieren die Höflinge der Metropolis, um Triumphe zu feiern sowie die Kapazität der Arbeitsfron zu sichern. Und die Leithammel mit ihren Leitkulturkumpeln mannigfaltiger Standorte verdeutschen aus voller Kehle, daß der Fortbestand der Prosperität dem systematischen Import des Humankapitals am Tropf hängt.

Auf die Anklagebank bringen die Besitzlosen den selbst ernannten universalen Hegemon

Der Zyklop der krakenkapitalistischen Krise erwacht und erwächst. Der Mephistopheles fährt die Retourkutsche, lehrt den Mäuse-Messias das Fürchten. Auch retrospektiv. Da reift in seinem Tiefen dennoch der Plan, sich die Eselsbrücke des Planeten bis auf den letzten Buchstaben zu bemächtigen. Spätmoderner, atomisierter Individualismus, nämlich der totale Rückzug ins Private ist die Folge der platten Palaver-Partie des Demokratismus. Nicht einmal der Schutz des ureigenen Humanen bewegt die Privatier-Partei zu kollektiven Kompromissen. Das Unbehagen transformiert sich nicht in Kritik, gerät in Verfall, verfault auf dem Transparent der kruden Karikatur.

Es graut. Fast ein halbes Jahrhundert her als die Chicago-Boys samt ihren Klonen die südliche Halbkugel erstürmten. Das globalisierte Marktkräftespielkasino des Milton Friedman manifestierte die Maxime der Oligarchen, soviel Krötenkapital zu akkumulieren wie möglich. Das tat die "unsichtbare Hand" auch, die nun das nackte Faust des Staates zur Hilfe ruft.

Rechenschaft fordern die Pleitiers des merkantilen Messias

Gerade erleben die nordisch-arischen Hochburgen des in Fäulnis übergehenden Kapitalismus ein Gelderdbeben gewaltigen Ausmaßes, modeln in einem abgrundtief brodelnden Hexenkessel herum. Reformatoren touren durch die Staatsanstalten, ohne ihre Würde ins Feuer zu werfen, solange sie für den Erhalt der Besitzstandspyramide ein goldenes Herz haben. Desolate Desperados dominieren freihändig über die Oberetagen, haften für die schicksalsschwanger schikanösen Ochsentouren und bleiben stumm.

Es seufzt die Geschichte. Selbst die Klimbim-Kritiker legen der nordischen Noblesse das Auftürmen des eliminatorischen Elends zur Last und bürden ihr die Schuld der kosmisch kontinuierlichen Katastrophen auf.

Es wettert. Der Mäuse-Marasmus weitet sich weitläufig wie weidgerecht aus. Wetterleuchten macht Schildbürger weichmütig. Beim Wettstreit der Beutelschneider um den Wert wirft der herkulische Winkelwertadvokat der Patronage den Werktätigen den Fehdehandschuh weihevoll ins Gesicht und tut das Waterloo wiederholt kund. Der Mittelstand, mit ihm der kleinbürgerliche Kreis posiert kollaborationsbereit, heult mit den Wölfen und heuchelt: Himmelkruzitürken kommen erneut zum Vorschein.

Die "Volksgemeinschaft" germanischen Genres lebt ohne Alternation fort, aber auch ohne den Ariernachweis ihrer staatsbürgerrechtlichen Angehörigen. Die Fontäne des Rassistischen versiegt nicht, bleibt sprudelnd mit Teutonen-Tönen, und der Souverän hält den anderen eine Standpauke, die sich verweigern, absolut akklimatisiert zu werden. Das von Willy Brandt einst ausgebrütete Schlagwort "mehr Demokratie wagen" führte einen starken Staat im Schilde, dessen fundamentale Funktion auf Profit und Privateigentum fokussiert, den Marktmagnaten sowie Kaskaden des Kapitals den Rücken deckt, nur am Rande die Besitzlosen-Basis des Gesellschaftsgebäudes tangiert.

Himalajahoch ragen die Ambitionen der Teutomanen über alles. Jahrzehntelang zeremoniell zerlegt, ziehen sie mit gleichem Slang der Kanaken alle auf einen Faden, zensieren unterm Lehrgebäude "Political Correctness" jeglichen Fernblick auf die kosmopolitane Utopie, zementieren eine Dystopie der Despotie mit der ethnozentrischen Zivilgesellschaft. Die Rezitation der selektiven Assimilation wird besonders hörbar mit dem Refrain "Integrationale Inkognito" des Hohnhymnus auf Türken. Die animierte Anomalie erzeugt zwischen Arier- oder Blutdeutschen und den Mulatten die Wertstufe, entfremdet die Spätankömmlinge von der gesellschaftlichen Gegenwart, indem man ihnen einen Sonderstatus zuschreibt - unter dem Label "Mitbürger mit Migrationshintergrund".

Hungerleider rümpfen über die Humanitas der kraken-kapitalistischen Hybris die Nase

Nach Opfern giert drahtig das breite Publikum der imperialen Zentren. Es dreht sich dabei um den Verlust des Angeeigneten, der ins Haus steht. Aber auch die Loser hegen Blütentraum darauf, daß ihre Zeit kommt.

Es gewittert. Dort unten, im enteigneten Süden, ruft der Hungertod. Allee sechs Sekunden rafft er ein Kind unter fünf Jahren dahin. Rund 100 000 am Tag. Seit Ende der 1990er steigt die Zahl derer, die am Hungertuch nagen, jährlich um vier Millionen an, erreicht mittlerweile eine Milliarde.

Die Schere zwischen Wohl- und Minderbemittelten öffnet sich weitläufig. Da können sich die drögen Dolce-vita-Demokraten vor ihren Untertanen unteilbar als Werteträger aufplustern, in demselben Atemzug als Apologeten der Eine-Welt-Emphase. Als Paradies des lässigen Handels und Wandels erwies sich die Geldwelt, in der ein großes Hauen und Stechen um Ressourcen stattfindet.

Werkbank der Weltbanken - zünftige Wallstreet-Zündler lassen den Globus züngeln. Allerdings geht keiner in die Knie vor dem endkapitalistischen Koloß. Man glaubt, daß es ein Strohfeuer ist, das rasch wieder verlischt. Triumphale Tribunen suchen Verse in den Büchern mit gold-meliertem Deckel, beschönigen die Timokratie der Titanen und die Theokratie der Tiraden. Nicht im geringsten liegt der prahlsüchtigen Journaillen-Junta daran, am ewigen Zeitalter des imperialen Kapitalismus zu zweifeln und die Society der feinen Oberkastenkarikatur aufzuklären.

Es rüttelt an den Ketten auf Weg und Steg. Wider das Spektrum der Spekulanten brechen die Spätlingsspäher des Spartakus über den systemischen Souverän den Stab, verdammen den Schwarm der Hyänen hinter der mystisch humanitärer Maske.

Der migrantische Heimlichen-Mohr stellt die Talkshow-Tartüffe bloß und attackiert die weiße Wagenburg der Weisen

Die gutbegüterten betagten Bürger im Alten Kontinent sind auf billige Pflegen angewiesen. Ob die Hungernden die Altenpyramiden im hohen Norden studieren, um sich eine Zielregion auszusuchen, bevor sie in See stechen und den Tod in den Wellen finden. Humanistische Herrschaften weisen stets darauf hin, daß die archaischen Einwohner der Prosperitätssphäre ohne die oft illegalen Altenpfleger und Haushaltshilfen nicht auskommen. Dazu kommt, daß zuhauf Dreck aufgeschichtet wird, den solche heimlichen Galeerensklaven vom Tisch fegen müssen.

Nebenbei: In Groß-D-Land fehlen bis 600 000 qualifizierte Erwerbstätige. Es wird versucht, Anreizsysteme und zugleich das Auslese-Getriebe zu perfektionieren. Nicht nur verbal. Künftig steht ein Krieg um die besten Köpfe bevor - zwischen Standorten und Staaten.

Es kriselt. Die Regenten des demokratischen Regimes agieren eifrig gegen jeglichen Blütentraum der Loser im erdweiten Unten. Im Stillstand sind die potentiellen Morgenstürmer. Der Troupier-Trabant der sanftmütigen Troubadoure tritt auf der Stelle. Der Kritikus kommt aus dem Kurs. Die Tüftlergenies der Gettogether-Theatralik verschwinden im Nebelwald der Tragik, schließen ihre Augen vor dem Regenbogen, verhöhnen die Parteigänger der Utopie. Die alimentierten Akteure der gentilgesellschaftlichen Gebräuche überwachen in der Arena der Karriere-Krieger die Episode der Dystopie. Überall, worauf man ein Auge riskiert, kreischt Krise, grinst Armageddon.

In allen Klagerunden sticht die alteingewurzelte Allotria hervor. Was über Null-Gewicht verfügt, ist die demographische Krise. Doch die erwerbsfähige Population in imperialen Zentren stagniert. Wie die Demographen vorhersagen, fehlt bis 2030 dreißig Millionen, meist qualifizierte Arbeitskräfte. Den Mangel an dieser Humanressource will man durch den gezielten Import decken, zugleich die nicht-nachgefragte Migration unter Kontrolle bekommen. Zu diesem Zweck fand am 25. November 2008 im libyschen Tripolis eine "EU-Afrika-Konferenz" statt, an der mehr als achtzig Delegationen teilnahmen. Verabschiedet haben sie dort ein berlinisch herrisch inspiriertes Dreijahresprogramm, das den beteiligten afrikanischen Staaten de facto oktroyiert wurde.

Das Papier, das in allen wesentlichen Elementen den Ambitionen der Berliner Republik entspricht, sieht vor, neue Mechanismen für einen passgenauen Zufluß afrikanischer Arbeitskräfte in die EU zu entwickeln. Für den selbsttätig migratorischen Haufen sieht das Programm originelle Anstalten zur Abwehr vor, darunter die Indienstnahme kostspieliger High-Tech-Geräte zur Personenkontrolle.

Während die Gewinne aus dem Technologieimport wie im Falle der Biometrie in die europäischen Industriestaaten fließen und dort den weiteren Aufbau der Repressionsindustrie unterstützen, betätigen sich die Staaten Afrikas im EU-Auftrag an ihren eigenen Grenzen als Migrantenjäger. Nicht zuletzt werden sie im Tripolis-Papier aufgefordert, eine umfassende Rücknahme ihrer Untertanen zu garantieren, sollten diese in den Zentren der Europiden-Bastion nicht mehr erwünscht sein und deshalb deportiert werden sollen.

Bei diesem schwer-winterlich in den Sattel gehobenen Treffen handelt es sich letztendlich darum, "das Fundament für weitere konkrete Schritte der Kooperation entlang der westafrikanischen Migrationsroute zu legen" erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser. Tatsächlich haben die Projekte, die zur Zeit in Westafrika erprobt werden, Modellcharakter. Die autorisierten Regimenter in Berlin und Brüssel würden sie in Zukunft "auch auf andere Migrationsrouten in Afrika und den östlichen und südöstlichen Nachbarregionen der EU anwenden".

Überdies soll mit dem zyklischen Terminus der "zirkulären Migration" eine frisch gebackene Ära des konventionellen Gastarbeitermanagements mit Rückkehrzwang eingeleitet werden. Durch die Unterschrift von Rückübernahmeabkommen für "illegale Migranten" sollen die afrikanischen Staaten ihre Kooperations- bzw. Kollaborationsbereitschaft bekunden, Migrationsfluten möglichst weit vor der Scheidewand der Feste Europa zu stoppen.

Klage erheben die Wanderproleten gegen die okzidentalen Ali-Baba-Haramiten in ihren Perlenpalästen

Mit den Expressionen temporär, zirkulär, prekär nimmt das aktuelle Migrationsregime von Neuem Gestalt an. Mit jeder Scheidewand, die die Fluchtmigranten überwinden, jedem Wachposten, an dem sie sich vorbeischleichen, hinterlassen sie Überreste ihrer Mordgeschichten, wenn sie auf offener See nicht in den Wellen verschwinden.

Die Regimenter des kompletten Limesregimes versuchen sich einzubunkern, sich abzuschotten, bauen die Mauern immer höher, bis sie in ihren Oasen des Amüsements irgendwann einmal nur den Himmel, aber nicht mehr die Nachbarn sehen können. Es wird zu spät sein, wenn die hiesigen Alteingesessen merken, daß sich die Monotonie zum Moloch entwickelt, da das Fremde fern bleibt.

Es exerziert. Das aufklärerisch gegrübelte Lehrgebäude, daß das humane Geschlecht in Rassen aufgeteilt existiert, lebt fort. Zuletzt im Gehäuse der Kulturen. Beäugelt man aber die Herkunft der geheiligten Mischpoche der Europiden, sichtbar werden insbesondere Bastarde.

Es klassifiziert die Kasino-Kaste in Kaskaden. Wer nun seine Taten als zivilisatorische Zucht reklamiert, seine Position als einzig Positives deklamiert, wer also die klaftertief kreierte Keule des unüberbrückbaren Antagonismus zwischen Okzident und Orient schwingt, der lebt im Krater des historischen Stillstandes, kann das geheimnisvolle Rendezvous der Kulturen, die gewaltige kreative Energie, die aus den Migrantenfluten erwächst, nicht begreifen. Die Menschenrechtsersten im Alten Kontinent an der Küste des nördlichen atlantischen Teichs müssen, meinen seine weißen Stabsstrategen, auf den jährlich wachsenden „Flüchtlingsstrom“ aus dem schwarzen Süden kräftig reagieren. Er darf einfach nicht nordwestwärts fließen, lautet ihr arrangiertes Argument.

Augenfällig haben sich die Strategen der Feste Europa mit der agil aggressiven Agentur Frontex ein arg schlagkräftiges, transnational ausgerüstetes Grenzregime geschaffen, damit die Verelendeten in ihren Slums ruhig gestellt. Für das Wachstum des Reichtums, der in den Kerngebieten der EU produziert wird, sind sie großenteils nicht zu gebrauchen, also steht ihnen auch hier kein Lebensrecht zu. Strenge und Gewissenlosigkeit im organisierten Umgang mit den Aufgegriffenen sind deshalb die gängigen Methoden für die Grenzpatrouillen der Erdeliten-Union, die ihren Job gut erledigen - und das alles wirft ein Schlaglicht darauf, wie sich in der gegenwärtigen Welt Not und Reichtum in und zwischen den Nationen sortieren, wie die Zuständigen dann das Menschenmaterial in Volksgenossen, die zu ihrem nationalen Bestand gehören, und für ihre nationalen Belange nützliche und deshalb zugelassene Ausländer oder aber in nutzlose Hungerleider scheiden.

Man gestattet handgezählten Elendsgestalten aus dem großen Reservoir, die man brauchen kann, die Einreise. Als solche Kreaturen sind sie dann Stoff eines weiteren Paragraphen zum Thema „Europas Flüchtlingspolitik“. Im klassischen Kapitalismus sind bestens etablierte Bedürfnis nach billigen wie willigen Arbeitskräften höchst attraktiv. Weniger attraktiv erscheint demgegenüber, wie im nationalen Blätterwald gelegentlich zu Protokoll gegeben wird, für das hiesige Staatssystem, daß diese ‚Clandestini’ (‚Heimlichen’) wesentlich mehr Straftaten als Alteingesessenen und regulär im Land lebende allochthone Malocher verüben.

Es steht fest: Für die Frontkrieger der Frontex dreht es sich darum, den Strom der elenden Kreaturen zu stoppen, die man nicht ins Herrenhaus der Prosperität lassen will. Für die kritischen Humanisten und selbstherrlichen Sansculotten der hoch zivilisierten Zone geht es überhaupt darum, daß man gelegentlich Klarheit gewinnt, ob diese Clandestini vielleicht auch als Verfolgte im Sinne der hiesigen Gesetze eingestuft werden könnten.

Die EU-Agentur Frontex mit ihrer überstaatlichen Flottille ist zuständig für die Koordination der agierenden Grenztruppen, Kenntnisse und Risikoanalysen. Sie macht vor allem in mediterranen Gewässern von sich reden, wo sie die Holzboote mit migrantischem Menschenmaterial daran hindert, zu den altkontinentalen Küsten vorzudringen.

Die Agentur Frontex beäugelt: Anhaltend ertrinken massenhaft migrationswillige, kleinmütige Meute, die in Nussschalen und Seelenverkäufern versucht, die Misere mit dem Glauben auf irgendein Auskommen in den nordisch kapitalistischen Metropolen zu entkommen. Sie werden immer öfter von der Frontex-Formationen aufgegriffen, die weit vor den europäischen Hoheitsgewässern operieren und die Fluchtrouten, über die sie genau Bescheid wissen, überwachen.

An den Pranger stellen die Galeerensklaven ihre Peiniger im Patronagen-Port

Im Salzwasser vor der Scheidewand des nordischen Imperiums kommt es von früh bis spät zu Havarien zwischen migrantischen Seelenverkäufern und Frontex-Sturmbooten. Der Tod durch Ertrinken ist allgegenwärtig. Das breite Publikum des europiden Prosperitätsforts sieht nicht weg, sondern genau zu. Es nimmt sich das Geschehen sogar als legitim zu Herzen - mit gleicher mentaler Manier und markiger Manie seiner kolonialistischen Altvordern.

Es nominiert das Nonplusultra. Noch ist das okzidental zivilisatorische Gemeinplatz-Geschreibsel weit entfernt davon, als Geschichte normiert zu werden. Denn Geschichten fußen auf Gewichten universaler Perspektiven, nicht auf der nomadischen Nomenklatur.

Es läßt sich notieren: Jahr für Jahr sterben Fluchtmigranten am Limes der Europiden-Bastion in Scharen. Bisher 12.938 im Mittelmeer sowie im Atlantischen Ozean vor den Kanarischen Inseln und auf dem Weg nach Spanien, im Gibraltar. 3.208 im Kanal von Sizilien und vor Sardinien. 896 in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei. 616 in der Adria zwischen Italien und Albanien. 603 im Indischen Ozean zwischen den Komoren und der französischen Insel Mayotte. Die Dunkelziffer liegt weit über 20.000.

Heimtückisch abenteuerliche Strecken haben sie hinter sich, diese Wonnen- und Sonnensucher. Durch Steppen, Savannen und Saharas marschierend gelangen sie an die Strände des Maghreb, haben eine halsbrecherische Odyssee vor sich, um das Mittelmeer zu überqueren. Vor den anhaltenden Migrationsfluten, an den Stränden der Freudenreichen gestrandeten Globetrotter, bündeln die Gendarmerie, Küstenwache, Schiffahrts-, Fremden- und Hafenpolizei ihre Kräfte, um gegen die fabulierte Invasion der Minderbegüterten vorzugehen.

Es sortiert das Terrain: Eine betonierte Separation von äußerer und innerer Sicherheit gibt es nicht mehr. Der Krakeel zwischen Besitzstandsberserkern und kolonialistisch beraubten Erdenbürgern entwickelt sich allmählich zum mondialen Klassenkrieg. Der prunkvoll proklamierte "Enduring Freedom", die Konföderierten-Schlacht gegen den "globalen Terror", der aus der Mottenkiste stammt, entpuppt sich als eine krude Kapriole, ein Artefakt im abstrakten Akt der kapitalistisch-zivilisatorischen Hochstapler.

Während der Hetzjagd gegen die Sans papiers, die als Human Resources für den irregulären Frondienst eingespannt werden, schwinden den Vorderfont-Verfechter der formell fundierten Demokratie die einfachen Artikel der Menschenrechtsmetapher aus dem Gedächtnis. Dem Artikel 13 der 1948 deklarierten Menschenrechte "Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen" würdigen die Urheber der Residenzpflicht für Asylmigranten keines Blickes.

Elegisches Elendenmeeting in hellen Scharen brandmarkt den Elan der Eldorado-Eleganten

Die Spaceshuttle der Menschenrechtsmakler deportiert die Erwerbslosen-Spezies der Stromer in den Hades, trägt die harte Hanswurstiade des Hochhausdrachens herum. Vor dem Glotzophon grollen einige wenige Bravour-Barden der Barmherzigkeit grobschrötig die Aktion als Attraktion. Da wollen sie nicht zu dem patriotischen Kollektiv der trivialen Täter gehören, ohne jedoch darauf zu verzichten, an dem Genuß zu partizipieren, den der Hegemon seiner gefügigen Gefolgschaft bietet. Jede demokratische Demonstration, die wie eine Lore nackter Affen angibt, einen Effekt der Solidarität mit Gedemütigten auf dem Leib zu haben, ist eine Tartüff-Tünche.

Die Söldlinge und Rambos der imperialen Zentren operieren, mit heiklen High-Tech-Geräten ausgerüstet, allerorten, setzen ein brachial barbarisches Heidenspektakel ins Werk, um über die Zivilisation der Zocker und Zeloten vor den byzantinischeen Zöglingen und Briganten des Marktes den Schild zu halten. Merkantile Mandatare der globalen Besitzkastenpyramide und mentale Maskeraden, schimärische Scharlatane der charmanten Schickeria schreiten zur Tat, schlagen die Trommel vor dem glühenden Unstern.

Im Hohlraum zwischen der poppigen in der Sonne golden leuchtenden Herbstidylle und dem rostroten Qualm mauserte sich mit Hangen und Bangen das banale Politikum der Bankrotteure und Bankiers. Eine Tour d'Horizon kam kaum hervor - außer dem gängigen Bauernfang, für den der volksverbundene Hegemon heiter Bürgschaft leistete.

Es dominiert das Donnerwetter-Dorado. In den Print- und Bildmedien geben sich neolinke Lakaien des Geldgötzen ein Stelldichein als Epigonen des marktfrommen Manövermeisters und als liturgische Laien eines maroden Marionettentheaters. Der sozialistisch souveräne Gegenwind bleibt im Souterrain der Klassen-Pyramide festgefahren.

Das gegenwärtig geplagte Dilemma der demütig dilettantischen Liliputaner-Linken besteht darin, daß sie sich den Grundcharakter zu Eigen machte, eine Perspektive zum Krisenkapitalismus zu erstellen und keine kollektive Alternative zum Privateigentum aus der Erde zu stampfen. Hingegen die subalternen Sektionen des demokratisch imperialistischen Systems, die sich unter dem Label humanitäre Fabel zum respektablen Unternehmen mauserten. Was sie als Nothilfe produzieren, füllt nicht den Bauch der Hungerleider, sondern den Geldsack der Gönner.

Über den Aufschwung des Elends regen sich die Missionare der NGO-Maskerade auf, legen aber die Ursachen auf das Konto der Opfer des Kannibalen-Kolonialismus, der Raubritter aus dem Alten Kontinent. Das Brandschatzen auf der südlichen Halbkugel setzen sie gegenwärtig intensiver als gestern fort. Der extreme Raubbau der Natur expandiert. Als exemplarisch läßt sich notieren, wie die Zivilisationszüchter die Menschenscharen nötigen, indem sie die Agrikultur zur Spritdestille umwidmen. Immer mehr Mengen driften in das Heer der Loser ab und schließen sich den Kompanien der Migrationsmeute an.

Notebene: NGO-Nomaden als gelegentliches Geleit des Geldadels oder der nordischen Nomenklatur

Demokratie braucht brave Mitläufer zum Urnengang. Urbanisierte Demagogie fußt auf den doktrinären Dogmen der dominanten Demokratie. Aus dem Hut gezaubert hat der marktschreierisch merkantile Luderladen das Arbeitsfeld der humanitären Hilfe demokratischer Dekoration, auf dessen morschen Schultern sich lediglich moralische Lasten auftürmen und dessen leidlich besoldete Ehrenamtsakteure jeden Erdstrich stürmen, wo es kriselt und kreiselt.

Die Gilde-Gesellen des humanitären Engagements unter dem nebeligen Label NGOs eignen sich ein universales Mandat an. Ihr Handwerk fußt auf dem schlicht erdichteten Recht, sich einzumischen. Also erst provozieren sie einmütig mit ihren vaterländisch heimischen Regenten lokale Desaster und sorgen souverän dafür, daß loyale Kamera-Teams der Journaillen-Junta dort erscheinen, wo Bettelsuppe verteilt wird. Allen voran leisten sie aber Gewähr für ihre fette Gehälter, lassen sich als Heilands Helden in Ehren halten. Das nennt sich leichtverdaulich sympathisches, zugleich problematisches Management.

Helferhorden aus dem Norden überfluten ganze Himmelsstriche und legen am Hexenkessel letzte Hand an. Sie tätigen als Magister der Magie und als Meister der gehaltvollen Meetings, wie der schwarze Tag der aus dem Takt Gebrachten sich ins Spektakel verwandeln läßt. Verbleibende Desaster in verelendeten Ländern ermutigt die emsigen Ensembles der NGO-Zunft dort, wo sich der Nebel des Elends verbreitet, mit allerlei Almosen und Emphase zu vagabundieren sowie die billigste Demagogie überhöht anzubieten: die Demokratie. Die Klinkenputzer-Troubadoure tun sich zuhause als Lampenputzer-Revoluzzer hervor - vor einem breiten Publikum der gehörig begüterten Erdlinge, die in ihrem waidwunden Inneren kläglich frieren.

Auf dem transparenten Reklame-Training tauchen die in Not Geratenen als bedauernswerte Figuranten des emotionalen bzw. moralischen Marketings auf. Das elitäre, allerlei alterprobte Engagement, das immer wieder als exemplarisch aufgetischt wird, mißachtet jegliche Existenzart des real Anderen. Das reklamehafte Szenario des Unsterns, dem das tränenselige Theater der Tatarennachrichten innewohnt, hat zum Ergebnis, daß die Gesellschaftsschichten des humanitären Geschlechts die sozialen Widerstände allerorten vergessen. An deren Stelle tritt das Mitleid, ein solches loses Gefühl, das jedes Bewußtsein von Unbill erstickt wird.

NGOs etablieren sich im globalen Apartheidssystem als perfekte Prediger und Mentoren des Prekariats, Präfekten des Elendsmanagements und Parteigänger der Geldschneider in den Zivilisationszitadellen. Damit sie ihre Existenz sichern, bieten die Fachleute, Freiwilligen oder Funktionäre der NGOs als transnationale Unternehmen der Ware Moral alle möglichen Pillen für gutes Gewissen. Sie maskieren jene Katastrophen und Massaker, welche die Freibeuter-Patronage der hoch betuchten Zentren hervorruft, als natürliche Not. Avantgardistische NGO-Agenten, die sich genau genommen als arrivierte Nachzügler der militanten Missionare und zivile Posten der Kreuzzüge auftun, sind auf gutmütige Mittläufer und Laien angewiesen, die sie nach der Maxime einsetzen: Brandschutz sammelt Brennholz.

NGOs bewirken, daß der Globus nach Besitzständen geteilt bleibt, praktisch eine profunde Kastenpyramide präsentiert. Oben die Privilegierten, das privationsberechtigte Geld- und Gutgeschlecht, das Primat des Privateigentums, also Überlegenen und unten die Pleitiers, Primitiven, Parias, Loser, Flüchtlingsfluten oder auch Moribunde. Versilbert wird verstärkt jener humanitäre Gefühlsüberschlag, der im besten Fall Wut zu provozieren, aber jegliches Lüftchen der Rebellion zu bändigen hat.


Porträts im Port des Politikums

Es grüßt der dunkelhäutige Häuptling der bleichgesichtigen Demokratur

Barak Hussein Obama, der braungebrannte Halbblut-Imperator des imperialistische weißen Weltalters, der aus der kürzlich abgelaufenen Urnengangspartie unter Stars and Stripes als triumphaler Trabant des trägen Turbokapitalismus hervorging, wird den amerikanischen Traum mit plattem Plateau-Wind erlaben, das Trugbild des populistisch polierten Tohuwabohus der Mäuse-Oligarchen Wall-Streets orakelhaft, aber auch tartüffe-tüchtig ornamentieren.

Der größte Siedlerstaat der Geschichte wird den händelsüchtigen Patriotismus seiner herrenmenschenmental urbanisierten Untertanen aufpulvern, die Okkupation von Hindikusch und Mesopotamien fortsetzen, die Scheidewand vor der stets steigenden Sintflut von Migranten aus den Steppen und Slums der südlichen Halbkugel untermauern.

Die Misere der Schwarzen in den Gettos der US-Metropole wie New York oder Chicago wird er nicht überwinden. Denn er muß allen voran die Zukunft der hoch-heimatlichen Hautevolee sichern. Den superimperialistischen Weißen-Pakt stabilisieren, den Lakaien-Pack auskühlen, mit Weitblick auf Orient Wasser in den Wein gießen und die evangelikan krakeelenden end-kapitalistischen Kreuzzüge eskalieren lassen.

Der als charismatisch charakterisierte Karrierist und Wahlurnen-Kaiser, Coverboy der kolorierten Illustrierten, Thronfolger des Texaner-Cowboys im Weißen Haus am Potamac, wird sich in kurzem als Karikatur der Domänen-Demokratur entpuppen, aus dem archivarischen Arsenal des archaischen Jägerlateins seine Luftschlösser aufzählen, um seine Untertänigen zu unterhalten und so die Karren der kläglichen Krautjunker aus dem tiefen Schlamassel holen zu helfen.

Der Imperatoren-Neuling des unipolaren Unikums in Washington wird keine makabre Kaskaden scheuen und jegliche Maskeraden zur Probe aufführen. Alles andere bleibt denkunmöglich. Denn die imperialistische Nation des amerikanischen Nordens jubelt ihren Potentaten, nicht irgendeinen Nonkonformisten zu.

Es lädt ein die herbstrosa Mulatten-Lady im Kontra zur Kosmopolitania à la Allemania

Angela Merkel, die Potpourri-Patronin der Banker-Patronage und Bankrotteure an der Spree, saß nach zwei Tagen des Triumphs des Karikatur-Kosmopoliten Barak Hussein Obama dem "Dritten Integrationsgipfel" vor und ließ die in Marginalien markierten Marionetten der selektiven Assimilationsästhetik an die Angel gehen. Also landete, wie der transparenten Tradition der Privatier-Parteien-Demokratie eigen, der allochthone Teil der zur gastfreien Teilnahme ermunterten herb herbstlichen Gipfelstürmer am Talhang der Teutomanen-Domäne. Vor ihnen weitet sich aufwärts steil eine Serpentine.

Die Assoziation zählt zum einmaligen gottvollen Genre der Gipfelgesprächs-Gepflogenheiten: Kaum zwei Stunden Zeit für eine Delegierten-Menge von kaum zweihundert Personen, um eine Zwischenbilanz aus den terminierten Tätigkeiten im Ressort des "Nationalen Integrationsplans" zu ziehen, was als die von der Majorität, dem germanophilen Volksstaates absorbierte Absicht des Gutleut-Getümmels zutage trat. Das ist auch genau geschehen, und zwar gemäß der Redensart: Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter voran.

Zwei Stunden?! Zeit genug für die Pro-Partei der integrationalen Ratio auf dem Podium. Zum Gottseibeiuns mit dem Rest, der "Multitude", die sowieso den Kürzeren zu ziehen hatte. Wie im Blätterwald bereits belegt, habe Angela Merkel die besondere Gabe auf Lager, von unten positionierte Postulate mit allerlei anmutigem Wortgeklingel knallhart abzuweisen, ohne auch nur ein einziges Mal "Nein" gesagt zu haben. "Migranten gehören zu unserer Gesellschaft, und sie müssen sich in den Institutionen wiederfinden", deutelte die charmante Kanzlerin während des landläufigen, für Karriere-Kreaturen kurzweiligen Gipfel-Gepräges. Ihre Staatsministerin Maria Böhmer mit dem Portefeuille Ausländer-Akklimatisation verdeutschte: „Viele haben ihre Rolle noch nicht gefunden. Sie definieren und artikulieren sich weitgehend über die Betroffenheitsrhetorik. Wir haben ein Interesse an leistungsfähigeren Organisationen, die die gesamte Gesellschaft in den Blick nehmen.“

Sprecher der zu Gast geladenen Verbände und Meublements bemäkelten mal lautstark mal kleinlaut: Weit entfernt vom Dunstkreis des Dialogs probt das ganze (nicht nur Gipfel-)Programm das Diktat dogmatischen Unikums.

Schwer zu verbergen: Der Druck auf den migrantischen Lebenskreis wächst jahraus jahrein an. Die majoritäre Obrigkeit verschärfte das dazugehörige Rechtsgebaren seit der ersten Gipfeltrommel massiv. Zum Beispiel wurde der Nachzug der Ehegatten derart mit Sprachkenntnissen verknüpft, daß nun eine Vielzahl von Familien unablässig getrennt leben müssen, wenn sie sich nicht scheiden lassen.

Dem Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft wurde vorsätzlich ein Test angehängt, der auch Themenfelder enthält, deren Kenntnis sich selbst den Alteingesessenen als ein Schlag ins Kontor vorkommt. Gemäß der zuletzt erfolgten Novelle des Staatsangehörigkeitsgesetzes haben auch Jugendliche unter 27 Jahren einen Nachweis für Unterhaltssicherheit vorzulegen. Eine steile Hürde für Schüler, Studenten und Auszubildende.

Der pro forma Protest dagegen konnte aber weder am Standpunkt noch am Verhalten der institutionellen Initiatoren des Gipfelgefasels in praxi ein Deut ändern. Auf diesem eingefahrenen kulturalistischen Kurs halten sie intrigeninhärent an ihrem Leitbild fest, wenn sie die Reklametrommel für die Integration rühren.

Die selektive Assimilationsästhetik der Integrationszunft, nämlich das Menschenmanagement, erweist sich als schwere Last für die eingewanderten Minoritäten vor allem auch in der Zukunft. Ist es daher nicht kurios, die migrantischen Assoziationen aufzufordern, die Betroffenheitslyrik abzulegen und allein die Herrschaftsgesellschaft summa summarum ins Blickfeld zu nehmen?

Die Migrantenverbände verdanken ihre existentielle Gegenwart dem Widerstand der entrechteten Lebenswelten gegen die neorassistischen, respektive kulturalistischen Anstalten des ethnisch homogenen Gemeinwesens. Als eine Folge davon kommt das Beharren der Spätankömmlinge an der Daseinsform in Gettos oder Parallelgesellschaften zum Vorschein. Wer wirklich den vorbedachten Fortschritt im Allgemeinplatz zum Schwergewicht erhebt, hat dieses Faktum zu akzeptieren: Eine kosmopolitische Republik auf dem Fundament der Allmende (Gemeineigentum)!

Mit den leichtgläubig und loyal stilisierten Migrantenselbstorganisationen bewerkstelligt das autoritäre Menschenmanagement ein Migration-Mainstreaming und moderiert Mußestunden-Meetings mit murrköpfigem Memmen- und Mannestatentum. So erweist sich die integrationale Sumpfblüte als ethnisch homogenes, obrigkeitsstaatliches Evergreen, und die rotblonde Lady Chancellor als Paukerin einer Eleven-Elite, die bevollmächtigt wurde, einer von Events und eventuellen Emporkommen begleiteten Elimination der mißgestimmten Mulatten zu bewältigen.

   

Netzbrücke:

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