XXXI. Jahrgang, Heft 161
Sep - Dez 2012/3

 
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Letzte Änderung:
28.10.2012

 
 

 

 
 

 

 

EDITORIAL

Die Silhouetten der Solidarität
Wider die subalterne Euphonie vor der Eulenflucht der Agora-Auguren

   
 
 


Der bisherige Verlauf der Appelle-Aktion, der Redaktion mit denkbaren Spenden beizustehen, um die überholten, zum Teil defekten Satzanlagen zu ersetzen, reagierten allerhand Brücke-Autoren solide solidarisch – diverse Amateuren zeigten sich jedoch ziemlich kontradiktorisch im Komödianten-Mikrokosmos. Ein Poeten-Apologet überwies 300,– und ein anderer 400,– Euro. Aber auch unangenehme Reklamationen und Reaktionen folgten.

Eine Autorin zum Beispiel, die seit etlichen Jahren in DIE BRÜCKE ihre Tretmühlen-Texte publizierte, reagierte auf den redaktionellen Entschluß, „den Autoren, die weder Fördermitglied des herausgebenden Vereins sind noch Abonnenten keine gratis Exemplare mehr zu schicken“ (DIE BRÜCKE Heft 151, Editorial) mit dem streitsüchtigen Vermerk „Unart“. Als Antwort auf den anfänglichen redaktionellen Appell ließ sie Mitte Februar 2012 folgenden E-Mail-Brief an die Redaktion los:

„so leid es mir tut, aber: ich hoffe, die BRÜCKE ist bald tot.
Sie war noch nie ein Qualitäts-Organ, immer nur ein Quantitäts-Organ.
Das heißt im Klartext: jeder kommt in die BRÜCKE rein, es gibt keinerlei qualitative Schranken, euer Motto war immer: schickt uns euren Scheiß, wir drucken jeden Scheiß!
Man kann das 'antirassistisch‘ nennen, ich nenne es eher 'rückgratlos‘.
Die BRÜCKE ist teuer und dick, weil es halt einen Haufen Dilettanten gibt, die ihren Sondermüll loswerden müssen.
Unter diesem Gewicht wird sie irgendwann ins Meer stürzen und es ist nicht schade drum. Es gibt schon genug schlechte Literatur in Deutschland.
In diesem Sinne: Machs kaputt, bevors dich kaputt macht, lieber Necati!
Herzlich...”

Nach diesem Schrieb wurde auch ihre E-Mail-Adresse von der Verteiler-Liste entfernt. Damit sah das Thema endgültig erledigt aus. Oder doch nicht? Anfang August 2012 kam von ihr folgende E-Mail-Post:

„Lieber Necati,
HEL bat mich, euch wieder was zu schicken.
Anbei zwei Beiträge, die du veröffentlichen kannst.
Aber OHNE Rechnung!
Ich werde euch nun nochmals prüfen. Solltet ihr wieder unsolidarisch sein, dann wars das.
Liebe Grüße...“

Doch diese Art der Alternativ-Autoren und Sofisten der Sorgenlast-Sophia müssen wissen, daß jede einzelne Seite unseres Heftes fast 70,– Euro (Satz, Druck, Versand) kostet. Und Solidarität? Worum geht es bei diesem Terminus tatsächlich? Um Publikation der Texte oder um die Jagd nach der Mäuse-Mache, welche die Freiautoren nach Adam Riese von ”Verwertungsgesellschaft WORT” beziehen können? Also um den Erwerb von Memoire-Meute-Meriten – mit einer Satte Salz-Salat durch das Skylinen-Loch der System-Saline?...

Augenmerk-Merkmal der mehrerlei selbst stilisierten Aufstiegs-Aura-Autoren

Im Krähwinkel und Vehikel der Metropolis-Melange haben eine Menge Menschen längst davon Kenntnis, daß die Brücken-Brigade sich beharrlich befleißigt, nach über drei Jahrzehnten trotz aller Nöte ihren Bestand zu beweisen.

Als Retourkutsche auf die oben thematisierte Tretrad-Tour einer Text-Tastatur-Treterin eignen sich folgende Worte von Ulrich Bergmann aus Bonn auf der freien Spur:

In der letzten Nummer (160) beeindruckten mich diesmal besonders viele Texte! Immer wieder natürlich Heleno Saña, den ich sehr schätze (wenn auch manchmal kritisch sehe, wenn er allzu sehr politisch gegen deutsche Verhältnisse polemisiert, obwohl ich auch diese Polemiken, die immer einen wahren Kern haben, mit Genuss lesen kann). Sehr gut gefielen mir auch die Aufsätze von Schandl, Rückleben – und vieles andere, auch Gedichte und belletristische Texte im Kultur-Atelier, in dem ich mich ja besonders zu Hause fühle.

Und ich dachte wieder: Es ist gut, dass es die BRÜCKE gibt, es ist wichtig für die Bewusstseinsbildung und gegenseitige Ermutigung, es ist schön, dass Politik kombiniert wird mit musischen Aspekten des Lebens - und es ist konsequent, Poesie und Politik miteinander zu vernetzen, weil Politik poetisch, also schöpferisch sein muss, weil Politik zu tun haben muss mit utopischen Entwürfen und damit, dass alles gedacht werden darf und muss, weil wir sonst ersticken in der political correctness, im übertriebenen Kompromissdenken, in allzu nichtigen, bürokratischen Sachzwängen. Für all dies ist die BRÜCKE gut, und ich hoffe, die Regierenden an der Saar merken das mit der Zeit auch. Wenn es heißt: Die BRÜCKE ist tot, dann müssen wir immer wieder rufen: Es lebe die BRÜCKE!

   

Netzbrücke:

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