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Der bisherige Verlauf der Appelle-Aktion, der
Redaktion mit denkbaren Spenden beizustehen, um die überholten,
zum Teil defekten Satzanlagen zu ersetzen, reagierten allerhand
Brücke-Autoren solide solidarisch – diverse Amateuren
zeigten sich jedoch ziemlich kontradiktorisch im Komödianten-Mikrokosmos.
Ein Poeten-Apologet überwies 300,– und ein anderer 400,–
Euro. Aber auch unangenehme Reklamationen und Reaktionen folgten.
Eine Autorin zum Beispiel, die seit etlichen Jahren
in DIE BRÜCKE ihre Tretmühlen-Texte publizierte, reagierte
auf den redaktionellen Entschluß, „den Autoren, die
weder Fördermitglied des herausgebenden Vereins sind noch Abonnenten
keine gratis Exemplare mehr zu schicken“ (DIE BRÜCKE
Heft 151, Editorial) mit dem streitsüchtigen Vermerk „Unart“.
Als Antwort auf den anfänglichen redaktionellen Appell ließ
sie Mitte Februar 2012 folgenden E-Mail-Brief an die Redaktion los:
„so leid es mir tut, aber: ich hoffe, die BRÜCKE
ist bald tot.
Sie war noch nie ein Qualitäts-Organ, immer nur ein Quantitäts-Organ.
Das heißt im Klartext: jeder kommt in die BRÜCKE rein,
es gibt keinerlei qualitative Schranken, euer Motto war immer: schickt
uns euren Scheiß, wir drucken jeden Scheiß!
Man kann das 'antirassistisch‘ nennen, ich nenne es eher 'rückgratlos‘.
Die BRÜCKE ist teuer und dick, weil es halt einen Haufen Dilettanten
gibt, die ihren Sondermüll loswerden müssen.
Unter diesem Gewicht wird sie irgendwann ins Meer stürzen und
es ist nicht schade drum. Es gibt schon genug schlechte Literatur
in Deutschland.
In diesem Sinne: Machs kaputt, bevors dich kaputt macht, lieber
Necati!
Herzlich...”
Nach diesem Schrieb wurde auch ihre E-Mail-Adresse
von der Verteiler-Liste entfernt. Damit sah das Thema endgültig
erledigt aus. Oder doch nicht? Anfang August 2012 kam von ihr folgende
E-Mail-Post:
„Lieber Necati,
HEL bat mich, euch wieder was zu schicken.
Anbei zwei Beiträge, die du veröffentlichen kannst.
Aber OHNE Rechnung!
Ich werde euch nun nochmals prüfen. Solltet ihr wieder unsolidarisch
sein, dann wars das.
Liebe Grüße...“
Doch diese Art der Alternativ-Autoren und Sofisten
der Sorgenlast-Sophia müssen wissen, daß jede einzelne
Seite unseres Heftes fast 70,– Euro (Satz, Druck, Versand)
kostet. Und Solidarität? Worum geht es bei diesem Terminus
tatsächlich? Um Publikation der Texte oder um die Jagd nach
der Mäuse-Mache, welche die Freiautoren nach Adam Riese von
”Verwertungsgesellschaft WORT” beziehen können?
Also um den Erwerb von Memoire-Meute-Meriten – mit einer Satte
Salz-Salat durch das Skylinen-Loch der System-Saline?...
Augenmerk-Merkmal der mehrerlei selbst stilisierten
Aufstiegs-Aura-Autoren
Im Krähwinkel und Vehikel der Metropolis-Melange
haben eine Menge Menschen längst davon Kenntnis, daß
die Brücken-Brigade sich beharrlich befleißigt, nach
über drei Jahrzehnten trotz aller Nöte ihren Bestand zu
beweisen.
Als Retourkutsche auf die oben thematisierte Tretrad-Tour
einer Text-Tastatur-Treterin eignen sich folgende Worte von Ulrich
Bergmann aus Bonn auf der freien Spur:
In der letzten Nummer (160) beeindruckten mich diesmal
besonders viele Texte! Immer wieder natürlich Heleno Saña,
den ich sehr schätze (wenn auch manchmal kritisch sehe, wenn
er allzu sehr politisch gegen deutsche Verhältnisse polemisiert,
obwohl ich auch diese Polemiken, die immer einen wahren Kern haben,
mit Genuss lesen kann). Sehr gut gefielen mir auch die Aufsätze
von Schandl, Rückleben – und vieles andere, auch Gedichte
und belletristische Texte im Kultur-Atelier, in dem ich mich ja
besonders zu Hause fühle.
Und ich dachte wieder: Es ist gut, dass es die BRÜCKE
gibt, es ist wichtig für die Bewusstseinsbildung und gegenseitige
Ermutigung, es ist schön, dass Politik kombiniert wird mit
musischen Aspekten des Lebens - und es ist konsequent, Poesie und
Politik miteinander zu vernetzen, weil Politik poetisch, also schöpferisch
sein muss, weil Politik zu tun haben muss mit utopischen Entwürfen
und damit, dass alles gedacht werden darf und muss, weil wir sonst
ersticken in der political correctness, im übertriebenen Kompromissdenken,
in allzu nichtigen, bürokratischen Sachzwängen. Für
all dies ist die BRÜCKE gut, und ich hoffe, die Regierenden
an der Saar merken das mit der Zeit auch. Wenn es heißt: Die
BRÜCKE ist tot, dann müssen wir immer wieder rufen: Es
lebe die BRÜCKE!
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