|
Zum Tod von Wolfgang Fienhold
Einmal noch
Niemals mehr
Schwarze Augen die trauern
Einmal noch
Niemals mehr
Geborgen sein in einer Stimme
Nein nein
Kein Boule mehr am Main
Doch doch
Prosecco immer noch
Selten noch
Wörter scrabbeln
Immer noch
Deiner Hybris lächelnd
Gedenken
Immer weiter
Deine Lyrik in
Unsere Träume versenken
Und nun?
Hallt dein Echo
Durch die Galaxien
Oder quantelst du bereits
Im Nullpunktfeld?
Vielleicht einmal noch
Vielleicht auch niemals mehr
Erkennen wir uns!
Antje Meinhold
***
Zeit
hope I die before I get old
logen The Who
time is on my side
glaubte Mick Jagger
Prince Valiant wurde
von der Zeit besiegt und
als Knochenbündel
auf den Müll geworfen
eine Illusion sei die Zeit
behauptete Einstein
und meinte das relativ objektiv
ebenso wie
dass Gott nicht würfelt
Zocker wissen:
Würfel und Frauen haben kein Gedächtnis
keine Zeit ist mit der Zeit
im Einklang
manche glauben
wenn Godot kommt
kommt auch Gott
andere dass dieses Universum nur
die Müllhalde eines übergeordneten
Systems sei
oder der Wunsch nach Gott nur die
reale Verzweiflung
an der objektiven Hoffnungslosigkeit
what watch
sooo much watch
hieß es im film “Casablanca“
too much
wenn aus den zerplatzten Ballons
der alten Universen wieder
neue entstehen könntet ihr wissen
dass nichts jemals endet und
Würfel, Frauen und Physiker
kein Gedächtnis haben
Wolfgang G. Fienhold
***
Grund
In Mitterteich, Oberpfalz
sah ich unter Aprilwolken Erhängte an Bäumen
der Straße entlang, auf dem Markplatz
Jungen, gerade erst geboren, elfenbeinerne Stirnen, Materie, dumpf,
tot
oder wie ein gutabgehangenes Stück Fleisch
von einem Haken, nur mit Klamotten, Wehrmachtsmantel
mit den dunklen grottenähnlichen Ärmelöffnungen
– Flüchtige vor der mörderischen Fahne
mit angehefteten Schild im Chor:
Weil ich meinen Führer verriet
(Nichts schöneres als unsere tapferen Soldaten
die sich wie Löwen auf den Feind stürzten
nicht innehielten)
Wovon sprachen sie noch zuvor in Gedanken
von der Mutter?
von der Geliebten auf der Schulbank?
Tage, harmlos pendelnd
Volksverräter
Unwichtig ihr Name, Scheuchen aus echten Leibern, apokalyptisch
über dem schmutzigen Schnee
Ich verlor sie nie wieder
aus den Schlehenaugen
Wochen später im Hauptbunker Berlin
Übergossen der großen Volksschauspieler, Ausrotter
mit Benzin
seine letzte Verwandlung zu vollenden in Kohle
Der Erhängten wegen, hieß es
sagte die Mutter zum Kind
Reinhard Bernhof
***
Die alte Frau der Straße
Man schätzt sie abgearbeitet in ihrem Waisenstand,
voller Falten und Make-up,
mit dem herabhängendem Fleisch und dem
nackten Rücken, abgestellt in einer Ecke
des Drogenviertels, neben der einzigen Grotte,
die überlebt in jenen berühmten Bordellen.
Ihr Blick sucht Anerkennung,
aber die Umgebung gibt keine Antworten mehr.
Die Einsamkeit steht vor sich selbst,
während das Gewerbe sich im Vergangenen windet,
wie ihre Erinnerung, die ihr wieder vorträgt
den Monolog der unendlichen feurigen Tänze.
Alfredo Pérez Alencart
***
Blaue Wüste
Auf dem Meer
spiegelt sich immer
der Himmel,
aber auf dem Himmel
kein Meer.
Blaue Wüste der Blick
des Kindes:
weil wir sterben
müssen,
fehlt uns sogar die Kindheit.
Hugo Mujica
***
nachts
verschanzt hinter
wortbarrikaden
um mitternacht
wickel die decke fester
um dich
frost zerfetzt die haut
im herzen
eisblöcke
die nicht mehr schmelzen
***
einsichten
himmelhoch geschichtet
die schriften
am rande der nacht
in der mitte des tages
fahle seiten
Jutta Dornheim
***
Das Gesicht
dieser Welt
verblasst
im Angesicht
seiner selbst
Im Angesicht
dieser Welt
viele Falten
die sich
immer wieder
bewahrheiten
Im Angesicht
dieser Welt
Spuren
vom Krieg
und vom Frieden
Und die Augen
im Weltgesicht
weitsichtig
oder
kurzsichtig
Wer schon
erkennt die gegebene
Sehkraft?
Friederike Weichselbaumer
***
Gerecht gefertigt
die gefahr
zu resümieren
zu früh
zu bilanzieren
sich erschlagen zu fühlen
von den eigenen versäumnissen
verweigernd schlüssigerweise
das abarbeiten fremder
das leben verwechselnd
mit menschlichen systemen
konstrukte ängstlicher ideale
eine pervertierte solidarität
strotzender heuchler und
ahnungsverweigerer
ach und sich
nicht mehr
entschuldigen
müssen beim
pöbel weil
man den
sinn entdeckt
habe
Karl-Heinz Schreiber
***
Schweigen
eine bulgarische Ärztin
der tschechischen Sprache
nicht mächtig
konnte nur deuten
nichts verstehen
Jan Palachs Freunde
ahnten davon nichts
waren überzeugt davon
die Staatssicherheitspolizei
habe die Ärztin als Spitzel
an sein Totenbett gesetzt
Jan Palach schwieg
bin in den Tod
die Ärztin schwieg
drei Jahrzehnte lang
bis sie das Geheimnis
nicht mehr
für sich behalten konnte
aber
sie hätten Worte
aus seinen Lippen schneiden können
das Fanal
konnten sie
nicht mehr rückgängig machen.
Ingo Cesaro
ausgedient
als ich sah
waren gedanken am verbluten
hälse fühlten sich erdrückt
von last der klugen köpfe
spikes montiert an handschuhen
fahren über die jugend
damit vernunft
zukunft verpasst
extremitäten kommen
zur altkleidersammlung
vergammeln recycelt
in wärmeren kontinenten
lediglich wanderratten
holen teile davon
wildkatzen hingegen
miauen vor vergnügen
Georg Walz
***
Italienische Kanalisation
Der Fluß läßt sich ablenken,
so, wie meine Gedanken auch immer wieder abschweifen,
sich in den sich bräunenden Blättern am Baume verfangen.
Wenn am Baumstamm kräftig geschüttelt wird,
falle ich zu Boden,
& liege im Gras.
Ich träume so vor mich hin –
Ruhe, Beschaulichkeit –
wer sagt, daß ich weiter muß?
Auch eine einfache Wiese,
paar Bäume,
ruhig dahinfließendes Wasser,
kann eine Oase sein.
Auch ohne Üppigkeit,
ohne pralle Pflanzen Pracht,
ohne hängende Gärten.
Hier ist nicht die Alhambra,
kein botanischer Garten,
ganz zu schweigen vom Garten Eden.
Doch schweigen kann ich auch hier,
einen Ruhepunkt finden,
in mir.
Es geschehen lassen,
es treiben lassen.
Wollen mal sehen, ob es jemand wagt,
mich aus meinem Paradies zu vertreiben.
Die Flußheiligen rümpfen die Nase,
sie sind zum Stillstand verdammt.
Sie wenden sich ab,
dem Wasser,
dem Leben,
sie halten es für eine Kloake.
Sie haben nichts Verbindendes,
auch nicht untereinander.
Das ist Sache der Brücke.
& jede Brücke hat ihren Nepomuk,
ihren Brückenheiligen.
& dieser hier ist auch gleich viel gesprächiger,
erzählt mir von den Kriegen,
von den Frauen,
von den Städten.
Auch er hält nicht viel von dem Fluß,
seinem Fluß.
– Rein oberflächlich betrachtet ist der
Fluß blau,
aber schauen Sie bloß nicht zu genau hin.
Außerdem ist er langweilig,
so endlos langweilig.
& dann fließt das Wasser auch immer in wohlgeordneten
Bahnen,
kanalisiert.
Ein Über-die-Ufer-Treten ist eine Regelverletzung.
Dabei will ich doch Menschen verbinden,
I will connect you,
lebendige Menschen,
spüren, wie das Leben fließt,
pulsiert,
über die Strenge schlägt.
– Aber das Leben ist doch für die meisten
Menschen
auch nur ein langsam dahingehender trauriger Fluß,
gefangen im Alltagstrott,
in Konventionen,
entgegne ich.
– Ich verspüre Lust, in den dreckigen Fluß
zu springen.
Aber ich bin mir nicht sicher,
ob ich damit ins Leben springe,
oder in die Ewigkeit hinüber.
Oder soll ich einfach Wasser lassen
(Pissing in the River, Patti Smith)?,
er lacht.
– Ach Nepomuk,
Du bist schon komisch.
Du bist der Pumuckl der Steinzeit.
Peter Oehler
***
Das Lied der Weber
Das Lied der Weber,
geht mir gehörig auf
die Leber:
Denn ich höre
es ständig wieder!
Doch die Weber,
so unverschämt
sie sind,
die weben immer
weiter,
sei es werktags oder
sie hätten frei,
sie weben weiter,
immer fort!
Stimmen wir also in das Lied der
Weber mit ein:
Denn die Weber weben
weiter, sei es werktags
oder sie hätten frei.
Denn die Weber,
müssen weben und das auch
bei eitlem Sonnenschein.
Wilhelm Westerkamp
***
Eurobonds
Angst geht um
in Europa:
Gefestigte Märkte
lösen sich auf,
Scheine und Münzen
verlieren den Wert,
Aktien fallen.
Mancher sucht sein eigenes Heil,
hortet die Barren, die goldnen,
kauft Häuser, hoffend, dass sie nicht stürzen
in Feuersbrünsten,
ganz heimlich versteckt der eine, die andre
Geld im Strümpfen.
Du sehnst dich nach dem Ganzen,
nach Europa,
gemeinsam willst du Sicherheit
in Produktion und Handel,
wir nehmen, wir geben, verteilen
den Reichtum und die Not.
Die meisten trauen nicht
und raffen ihren Teil,
fliehen an so genannte bessere Orte,
in trügerischen Schein.
Ich wünsch mir eine Wirtschaftsregierung
und gleiche Zinsen für Arm und Reich.
Wilhelm Riedel
***
Fukushima
Das Übel kambei Hiroshima von den Feinden
bei Fukushima von zuhaus
Ist des Zauberlehrlings Besen
mal wieder aus der Mär
heraus?
Im Land der aufgehenden Sonne
und wo das Lächeln war zu Hause
beeimdrucken jetzt nicht mehr Vasen,
und Geishas Teezeremonie,
sondern die viele Totgestrahlten
und die noch mehr in Agonie.
Die Stäbe brennen sich die Weg,
– wenn nicht gekühlt wie’s vorgeschrieben –
durch die Erdkruste nah unten
bis zu das Magma in den Tiefen
und keiner wagt es laut zu sagen:
doch wenn die Handgemachte Glut
mit den Urfeuern der Natur
sich irgenwann zusamentut,
dann könnten wir uns pfaustolz brüsten
wir könen auch Vulkane rüsten,
dank unserm Fortschritts blinder Wut.
Und im Bewusstsein solcher Wahrheit
kann ich an dümmeres nicht denken;
nur an was man im Allgäu sagte:
"Das Windklraftwerk entstellt Landschaft,
mehr als industrieller Rauch."
Nun fraget Euch, Ihr sieben Schwaben:
Atomexplosionen
tun das nicht auch?
Johannes Bettisch
***
griechisch-römischer kampfstyle
banken in spätrömischer dekadenz
barocker ausfluß des zierrats
vom postmodernen kauderwelsch
untiefen der mittelalterlichen sümpfe
das dunkle bricht herein in die allmende
als triumph des entfesselten prometheus
lichte gestalten mit aktenkoffern
die auf ihre steueroasen zujetten
klientel des imperators nicht tribunen
schaufelt sich den schnee in nasenlöcher
um kollateralschäden sichtlich bemüht
bombardiert die hochzeitsgesellschaften
auf griechischen inseln in not
alarmzeichen der maßlosen völlerei
wird dem schrank in die schuhe geschoben
weiß sich den schicken nerz umzuhängen
als blindenstock der geschichte
reißt die üppigen formen auf und nieder
den vorhang zur betrogenen hängematte
sportlich geht hier keiner in die knie
Manfred Pricha
***
ich habe Osama bin Laden getötet
ich bin der Veteran der Held und der Rekrut
aller Kriege versehrt
einbeinig einarmig einäugig
aber meine zerschossene Brust behängt
mit dem billigen Metall der Orden
und auf meinem Brot das Schmalz
der peinlichen patriotischen Reden
ein Präsident hat mich gelobt
Minister gedenken mit Ehrfurcht meiner Tat
die Damen der Medien würden sich hinlegen mit mir
wenn sie mich kennten
nur der General der mir den letzten Orden anheftete
hatte ein unbewegtes blechernes Gesicht
ein Automat wie ich drückte er
meine verbliebene Hand
und sagte daß das Vaterland nie genug tun könnte
um mich zu ehren
ehe ich zurücktrat in den Schatten
einer Ehrenpension
zu verzehren
an den noch zu schaufelnden Gräbern
die der Krieg verlangen wird
in diesem Moment und nur in diesem
habe ich verstanden
was das alles bedeutet
ich habe Osama bin Laden getötet
Norbert Büttner
***
An die Bachmann
Ich ginge wohl gerne im Winter
nach Rom
wo niemand mich kennt
Eine Wohnung bauen
in die Bäume am Fluss
Dem Raubvogel gleich
die Flügel aufstellen
die grünen, blau glänzenden
Zu segeln durch die lauen Nebel
der Stadt
Zur Nacht komme ich heim,
in den Fängen das weiße
Fleisch meiner Freundin
Der Nacken so hell bis auf den
Grund, meiner Lippen
Wege sind tief bis ins Holz
und selten verschneit
Ich ginge zum Fluss, meine Beute
zu waschen, zu lesen, auf Steinen
zu stehen über der strömenden Zeit
Angelica Seithe
***
Das Licht streckt seine Hände aus
Die vielen Arbeitslosen
weinen.
Die vielen Abgehakten
weinen.
Die Scharen der Alten, der Dementen, der
Schwerkranken, der Sterbenden weinen.
Gelbe Schlüsselblumen wehen
im Wind. Eine Gruppe gelber Schlüsselblumen
weht im Wind.
Die Vergessenen
weinen. Die vielen Toten.
Die vielen Hilflosen, Schwachen, die
Entrechteten, die Betrogenen weinen.
Die eingekerkerten Verbrecher in ihren Gefängnissen
weinen.
Das Licht streckt seine Hände aus.
Die Überdrüssigen gähnen und
langweilen sich.
Eine Gruppe gelber Schlüsselblumen
winkt im Wind.
In der Hand des Auferstandenen
sieht der Apokalyptiker
sieben Sterne, das sind
sieben Sakramente, das sind
sieben Kräftestrahlungen.
Das Licht streckt seine Hände aus.
Sigrid Nordmar-Bellebaum
***
Seelied
In dieser Nacht fallen
nicht die Propeller, ruhen
die Maschinen hier.
Der Platz ist zugestellt.
Tamtamtareisingtdiedrossel,
schlingt um hecken die drossel
den schnabel, singt, singt, singt heute nicht.
Haus an Haus und die Bäume gezählt,
zwei, drei Minuten im Lift geschwiegen:
Hiroshima liegt im See und auch
wir und der Himmel im See.
Tamtamtareisingtdiedrossel,
schlingt um hecken die drossel
den schnabel, singt, singt, singt heute nicht.
Horst Bingel
***
Unterschied und Gleichheit
Ein Mann, wenn er geht
nimmt unbedingt mit seinen Hut
das ist alles, was er tut
eine Frau meint,
dass sie alles mitnehmen muss
und sie weint
aber jedoch beide, wenn sie gehen
nehmen sie immer mit
die Hoffnung.
Mircea M. POP
***
Deutschland ist schön
nach Franz Stefan Griebl
Deutschland? Ist das schön. Und hundertmal
& überhaupt. Deutschland ist schön, und
schon schön ist Deutschland. Ich bin hundertmal
verliebt in Deutschland. Und Deutschland
ist sehr schön, das lernen wir, hundertmal, dass
Deutschland richtig schön ist, und das ist
das Schöne an Deutschland, dass hundertmal
schon die deutschen Schulkinder lernen,
wie schön und überall dieses Deutschland nun ist,
damit sie es nur ja nie mehr vergessen. Ist
das schön. Und überhaupt. Die Sonne. Und
damit sie es nur ja nie mehr vergessen, wie schön,
schön Deutschland ist, müssen schon die
deutschen Schulkinder hundertmal,
hundertmal schreiben, Deutschland ist schön.
Ist das schön. So schön ist Deutschland, dass
schon die Schulkinder es aufschreiben müssen.
Müssen schreiben: Deutschland fängt schön an, und
schön hört Deutschland auch auf. Ja. So ist das
mit Deutschland. Durch und durch schön. Hundertmal.
Clemens Schittko
***
Wo sind die Hippies
Erinnerst Du Dich vor Vierzig Jahr
Jeans Flower Power Blumen im Haar
Jimi Hendrix war in Woodstock dabei
und Janis sang: WHY DONT YOU CRY
Doch jetzt ists vorbei, sag mir:
Wo sind die Hippies, wo sind die Hippies
Komm wir gucken uns noch mal Woodstock an
Dann ist Easy Rider mit Peter Fonda dran
Jack Nicholson ist High und macht Nick, Nick
Und Du lächelst verträumt
Mit dem Peter Fonda Blick
Dont Bogart Your Joint my Friend –
Doch Easy Rider hat kein Happy End
Sag mir, wo sind die Hippies
Fragst auch Du Dich wo die ganzen Hippies sind
Das sind jetzt Manager weiß jedes Kind
Nur noch ganz wenige als treue Hippies weitergehen
Andere kannst Du dann als Jesusjünger sehen
Wieder andere singen im Irrenhaus: Blowin in the Wind
Und daß wir doch alle Blumenkinder sind
Wo sind die Hippies, sag mir:
Wo sind die Hippies
Ich steck mir noch mal Blumen ins Haar
Und träum, wie schon es bei den Hippies war
Streck meine Zunge, reiz meine Gitarre
Feuer in die Menge, als wärs ne Knarre
Der Karnevalsverein hat mich prompt engagiert
Und mich mit der Karnevalsprinzessin
Als Bonnie und Clyde gleich engagiert
Sag mir, wo sind die Hippies, wo –
Sind die Hippies
Manfred Dechert
***
Das letzte Hemd des Präsidenten
In der April sonne ist die Wäsche schnell getrocknet.
Auf dem Balkon nehme ich die Stücke
einzeln vom Ständer, falte sie grob
und lege sie auf Stapeln zusammen.
Nach dem langen Winter ist auch
das Obama-T-Shirt meines Sohnes wieder dabei.
Kaum zu glauben, wieviel das Hemd
von seinen leuchtenden Farben verloren hat.
Das Gesicht des Präsidenten ist verblichen
bis zur Unkenntlichkeit. Die geballte Faust
mit der Losung „Yes we can“: nicht mehr als
ein Armstumpf. Aus schwarz auf weiß
wurde grau in grau. Die dunklen Flecken
auf dem Rücken, auf dem regenbogenbunt
zu lesen war: „It is time for a change“,
sind auch mit neunzig Grad und Superwaschkraft
nicht mehr herauszuwaschen.
Noch hängt mein Sohn an seinem T-Shirt
made in China. Aber irgendwann landet es
im Altkleidercontainer, den die Caritas
mitfühlend für die Erdbebenopfer in Haiti
an den Straßenrand gestellt hat.
Peter Schütt
***
Preis des Lebens
Nichts im Leben
sollst du auf morgen verschieben,
weil jeder Tag seinen Preis hat.
Kein Stück der Ewigkeit
kannst du in den Händen halten,
sofern du nicht keine Macht besitzt,
im eigenen Gemüt
mit der du allein
den Preis für dich bestimmst
und unter welchem Motto
du mit der Welt verkehrst.
Altes in der Welt hat seinen Wert,
aber nichts kann wie das Leben
mit einem Preis ermessen werden.
Savo Kostadinovski
***
Yggdrasil
Esche, Achse, Weltenbaum,
der Ahnen großer Weltenraum,
ist schönster Baum auf Erden,
vereint in sich neun Gärten.
auf der Spitze thront ein Wesen,
es ist ein Adler wohl gewesen,
einen Namen trägt er nicht,
führt aber Vedrfölnir im Gesicht.
durch drei Wurzeln lebt der Baum,
man erkennt sie kaum,
sie führen nach Jötunheim, Asgard und Niflheim,
mitten in das Leben hinein.
Ratatöskr klettert hin und her,
üble Nachrede ist sein Begehr,
Hirsche fressen an der Esche,
Schlangen decken ihre Mittagstische.
Unter den Zweigen herrscht Gericht,
die Götter zeugen neu‘ Gesicht,
sie beraten und urteilen ab,
sehen von Yggdrasil herab.
Am Fuße sitzen Urd, Werdandi und Skuld,
sie entscheiden über Schicksal und Schuld,
die drei Nornen weben den Faden des Lebens,
wissen um die Geheimnisse des Gebens und Nehmens.
Achte auf Yggdrasil, sieh ihn beständig an,
wenn er zu beben beginnt, naht Ragnarök heran,
welken die Blätter und fault der Stamm,
droht der Weltuntergang.
Christoph Eydt
***
schwarz
ein kindermund, ein gefühl dass sich löst
ein nachtstück tanzt auf einer eisfläche
unter einem erloschenen stern
der himmel friert und plustert seine daunen auf
dieser hungrige sturmvogel
im rücken gottes dort liegt seine tote hand
auf dem eis, das gefühl der kindermund
wartet dass sie sich rührt
Birgit Kreipe
***
rückfettende sorgenberuhigung
die staatlich besorgte armut
wird teilweise für ungültig erklärt
wie eine rückfettende creme
aufgetragen um die kosmetik bemüht
gesichtszüge menschlicher art
die sonst in der dekadenz entgleisen
und im sparzwang der notgroschen
der sache äußerst dienlich sind
es kommt auf das vertrauen an
wie der kredit verspielt wird
solange der schuldendienst weiterrollt
wird man dem staat sorgen auftragen
Manfred Pricha
***
Metaphysik ihr nullter Satz
Was ist diese deine Elle Leben denn
als ein Zug von Schwelle zu Schwelle
zwischen Wollen und Sollen
Gärung und Währung
ausgerichtet durch Appelle
ein Kohlefädchen gleichgewoben
ins Netz gespannt von Ursach’ und Wirkung
und von ihnen aufgehoben
Dich zu speisen versiegt Quell’ um Quell’ anderswo
so
empfange Kraft auf deinen Namen
den vor dir viele schon getragen
Wieso Unvermeidliches umarmen
Denen die so klagen
ist dies Schicksal
egal
Wieso nicht das Gängige umgeh’n das Gemiedene befragen
Wenn wir wüssten
was wir täten
wüssten wir
was wir wollten
täten wir
was wir müssten
säten wir
was wir sollten
küssten
wir auch was nicht schön Sprache, ihr gröbster Schatz
Christoph S. Eberle
***
Wechselnde zeiten
Vor über tausend jähren
wurde auf fels ein kloster gebaut
aus rissigen gestern
sprudelte heilendes wasser
Nonnen schöpften es
für die kranken
Wechselnde zeiten
wechselnde herren
brüche erlebte
das land ringsum
Die quellen
heilen heute noch
Die Stadt trägt narben
im gesicht
fabriken stillgelegt
brachgelände umzäunt
von Werbung verhüllt
renaissancefassaden
Die Schöpfkelle des geldes
hat einen langen stiel
***
Und niemand mißt die zeit
Verletzlich
die haut der erde
unter ihr brodelt glut
Ein vulkan war’s
der die erste eiszeit
brachte
Irgendwo
tickt eine uhr
im gestern
Unter aschewolken
schwefeldampf
verlöscht leben
Und niemand
mißt die zeit
Marlies Schmidl
***
GÖÖGLMÖÖSCH & = 20
96
Gestapelt waren und deutlich zu sehn
so tefifone wie skiriemm
Ein transrapidtausendfüßler lief
auf stelzen die windwand rauf filmteams
konterten kanterten Scheinwerfer ein
US Präsidentschaftswahlfähnchen
kenterten klüngelten rheinisch zum L
über Harzer zahnradbähnchen
97
Der chef einer landesbank teilte den sturm
schritt trocken zwischen den teilen
Er mußte der Wallstreet den Ibisdax
erst durchgeben dann sich beeilen
Und Posis konsorten? die trafen sich wohl
zum großen kumulusbiertest
Ich nahm ihre sturmparade ab
Ja wenn man die Stinktiere hier läßt --
98
Infolge Inversion kam es daß
manch reziprokes vorbeitrieb
Was zb suchte im stürm
ein usbekisches milchkolchosseihsieb?
Funkenmariechen rotweißberockt
faßten tritt und erstmals sah man
dreiköpfige kälber in Spiritus
und haar vom echten Haarmann
99
Und alle himmel verfinsterten sich
und über der korridorkammer
wo’s aussah wie Jill auf Steuerflucht
hub an schiens ein großes gejammer
Das waren die gräber der gesternzeit
der große totenschanker
ein bläuliches heer zwischen sonne und land
und jaulten in trachtenjanker
100
Dann aber tat sich die erde auf
und schrappte die ganze geschichte
Nur Dr Kohl chteckte noch in dem chpalt
dem die maske die chtirnfalten wichte
Ich blieb verschont Es reichte nicht mal
für den hohlen zahn in der kruste
Und ich sah noch wie sich der stürm wie ein schirm
den man schließt zu beruhigen wußte
ToussainT
***
Weihnachtsabend im internat
ihr bübchen & mädchen ach höret doch all‘
Gottes Sohn ward geboren in Bethlehems stall
kommet und staunet welch wunder auch hier
zu ehren des tages erstanden ist mir
das könnt ihr begrüßen liebkosen auch
zu huldigen ihm ist ein christlicher brauch
Alois Hallner
***
frostiger wintermorgen
frostiger wintermorgen,
zeitloser augenblick
das kommen,
das gehen.
verschwunden die bäume
vorm haus,
die gestern
noch standen,
schwankende gestalten.
du könntest sie zeichnen,
eine fahrige
bleistiftzeichnung,
graffiti der erinnerung,
in schwarz und grau,
aber auch hilflos
und zärtlich zugleich
eine ahnung
wässrigen blaus.
Michael Starcke
***
Ein Kosmopolit
Dein Vater ist von hier,
die Mutter ist von dort
aber du bist heimisch
stets an jedem Ort...
Du kannst viele Sprachen
und kennst jeden Hit,
du bist ein Weltenbummler,
ein echter Kosmopolit...
Du verbindest Menschen,
pflegst viele Kulturen,
du bist es de facto
aber nicht de jure...
Du kämpfst für die Menschen
aller Kontinente,
teilst die Liebe auf
in kleinste Fragmente...
Erkenntnisse gibst du
aus Erfahrung weiter,
dein Gemüt ist sonnig
und dein Herz ist heiter...
Du bist nicht aus Ungarn
und auch nicht aus Spanien,
du bist ein Weltbürger
aus Kosmopolitanien...
Dragica Schröder
***
dachspaziergang
eines tages
am hellen morgen
ging ich
wie üblich
in selbstmörderischer absieht
über die dachziegel
erblickte eine elster
mit einem zweig im schnabel
zeit das nest zu bauen
geckerte sie mich an
dass die jungen zeit haben
sich für den winter was
anzufressen
ich folgte ihr unauffällig
aber geruchlos
bis ich in meinem Schlafzimmer
ihr nest fand
legte mich unter sie
um mich ausbrüten zu lassen
für das übernächste leben
das nicht im entferntesten
zu ahnen ist
zum kuckuck noch mal
Fred Luhde
***
Fluchtende
die Leinwand
frisst
den schnellen Schritt
weiß
im Schatten
wackelnder Bilder
fällt ein Koffer
in den Schnee
links und rechts
platzen
Lebensreste
gebündelt
am Fluchtende
Olaf Kurtz
***
Kölner Morgen
Gewiss doch
auch Köln kann
himmlisch mich verstehen,
wenn am Morgen
meine Gefühle verströmen
und zusammen mit der Sonne
ich beseligt mich belebe.
Sie mit Strahlen vom Himmel,
ich mit irdischen Worten,
beide in unendlichem Leuchten,
dass von diesem Stolz
sich entfaltet,
das Banner des Lebens.
Doch, Köln vermag
den Morgen in mir zu erwecken.
Savo Kostadinovski
***
Die Schwachen
Schwache Menschen
Straucheln
Auf den Höhen
Zum Erfolg.
Sie halten nicht stand
Dem rauhen Lebenswind
Der computergesteuerten Arbeitswelt
Der Ego – Gesellschaft.
Sie sind die Versager
Neben den Erfolgsmenschen
Nicht erreichbar
Für deren Augen.
Betti Fichtl
***
Neun politische Haikus
US-PRÄSIDENT I
george w. bush
bekämpft terror mit terror
in jesu namen
US-PRÄSIDENT II
barack obama
die standarte der hoffnung
zerfleddert im krieg
KANZLERIN I
bundeskanzlerin
ungerührt von der armut
teflonbeschichtet
KANZLERIN II
für das kanzlerwort
multikulti gescheitert
applaus vom stammtisch
ZUM ANTIKRIEGSTAG I
(1. SEPTEMBER)
der herrschenden wunsch
produktionsstätten von hass
sklaven angst dummheit
ZUM ANTIKRIEGSTAG II
(1. SEPTEMBER)
was wünscht sich die macht
produktionsstätten von hass
tot einfalt und kot
SIEGEREHRUNG
general nach schlacht
angetreten zur ordens-
entgegennahme
DER PLAGIATOR
ein zu guttenberg
bestellt zum kriegsminister
lügt dementspechend
NO THANKS
früher in japan
ein frosch der quakt das haiku
jetzt fukoshima
Rudolph Bauer
***
geteilte welt
während er
seinen arsch
im polster eines sessels wohl bettet
und sich
gedanken darüber macht
wie er dem pickel in seinem gesicht
am vorteilhaftesten
zu leibe zu rücken vermag
zerfetzt es gerade menschen
in ihren häusern
anderswo
liegen vertriebene
auf den feldern
in ihren fäkalien
und kinder verrecken
vor laufender kamera
Ivar Bahn
***
Trag mich durch die Nacht
Trag mich durch die Nacht
bat ich die Rose
als ich erwachte, sah ich
dass ich auf einem Löwenzahnblatt lag
Hüte meinen Schlaf
bat ich den Mond
als ich erwachte, sah ich
dass ich auf der nackten Erde ruhte
Geh mir aus der Sonne
sagte ich dem Unglück
als ich mich umschaute, sah ich
dass ich in seinem Schatten stand
Hüte meine Kinder
bat ich das Schicksal
als ich es anblickte
wandte es sich ab und weinte
Begleite mich durch den Tag
bat ich die Liebe
am Abend sah ich
dass ein Herz neben meinem lag
Hilf mir durch das Leben
bat ich Gott
als ich alt war, sah ich
dass ich in seiner Hand lag…
Angelika Pauly
***
Die Heide
Die Heide hat tausend Augen
und Adern aus Sand –
verfallene Schützengräben.
Granaten bluten unter
Katzenpfötchen und Riedgras.
Aus verflossenen Jahrzehnten
summen Geschosse wie Bienen.
Jetzt schlummert der Mittag
in den Kusseln. Der Turm
wirft einen langen Schatten,
wie ein Minutenzeiger, der
die Zeit in Intervalle teilt,
die niemand mehr zuzuordnen weiss
ob des grossen Vergessens,
das nach dem Sandsturm kam.
Die Heide hat lila Augen. Lila.
Lila Braut des Septembers.
Edda Gutsche
***
Sinkende Uhren im Juli
in die Uhren dieser wochen sinken botschaften über die
Hungernden in den kenianischen zeltstädten
aber wer vernimmt es in den großen haushalten
da sieht man die Fallschirme
der bleiernen Klauseln
und hört man etwas der porösen, untreuen Erklärungen
und posaunen
Transfers für den finanzwall aus Brüssel.
Der große Haushalt will die krawatten der glänzenden
protokolle
und vorzeigbaren apparate und strukturen
beibehalten, wirtschaftliche exzessive Waagen und Achsen die
nicht zu moderigen gegenständen werden dürfen
und im Haushalt fragen dabei zu wenige:
was geschieht mit den fliehenden bewohnern, Hirten, Töchtern
Ostafrikas, die von zerfressenen maisfeldern und glühenden
anbauflächen geflohen sind
und sich mit umwundenen knöcheln und tauben lippen in südsomalia
nieder liegen
was geschieht mit ihnen, inmitten der Lende einer verstoßenen
Gerechtigkeit?
wo ist der würdevolle mund und die unbeugsame, stolze sehne
europas?
der eilende transfer gegen die glut
gegen die unregistrierte strecke des hungers
Töchter sterben auf den Schössen und Atemzügen der
Witwen
und während das Trauern wächst in der schwefeligen Dürre
ostafrikanischer Steppen,
und nichten, hirten, gepeitschte bauern niederfallen
Büsche und Ziegen ohne winselndem Aufbegehren und mit kampflosem
Fell
verenden
verenden
sprießt die Struktur in den reichen Haushalten
die Überlegung für die glatte Ziffer
in rigorosen krawatten vorgetragen mit der einigkeit
des kurzen blickes
die uhr, die von bestialischer, hyänischer Trockenheit aufgezehrte
uhr der jungen
generation ostafrikas, dabei verdeckend
die es schaffen ins lager bei dagahaley und in umzäunten jahren
hausen
arbeiten als lastenträger oder schmuggeln palmöl,überlebende
des hungerkelches
der wüstenwind löst die plastikplanen der hütten
genestelte hütten aus dornengezweig
in ihnen schwarze, schwarze kessel und rationiertes, dunkles maispulver
die töchter und söhne, die es nicht schaffen legen sich
an den rand des marsches
an die henkernde lende
in der sich das haar der töchter löst
und der marsch der flüchtlinge führt weiter
weiter in die Zeltstädte von dadaab und dagahaley
noch im ton der dürre
in ortschaften an der kenianischen Grenze, in denen man ohne
Zusagen wacht
umringt von derber glut
ohne ertönendem licht der welt, im langen kampf
Civan
***
Sinai
ein busch brennt
schwärender rücken
parallele wirklichkeit
selbst gefälscht
die statistik, der man traut
stets schwelgt der blick
milchtrübe im hauchenden trost
entsetzen ergreift
von neuem den flatternden plan
gefasst
als wüchsen bäume
von sträucherschatten hinab
und doch krümmt er sich plötzlich fort
vergrelltes schauen
in der seele eine kuhle zurück
es gibt halt kein sich vertun
niemals ward ein strich
der punkt, den wir bestehen
wie Potjomkin wohl der Thot
heißt denn leben nicht
immer einen neuen grund zu erstehen
und vielleicht am ende
den felsen doch zu übertun?
Danyal Nacarli
***
Humanitäre Version der Invasion
Das Trauergedicht ist das Gegengewicht
zum uralten Gericht und sich dicht
am Sorgen-Morgen im Moor mausert
vermauert die Sicht vor dem Licht
Verswellen schälen den Fels von Fellen
losgebunden am Vorabend Hunde bellen
unter Vogel-Wolken und Schakalen-Schrei
kommt der Kollektiven-Konvoi im Hellen
zieht gezielt an Donnerwetter-Weiten vorbei
dem Dornen-Drohen der Banker-Bastei
Autonomie der Migration vor Fortfront
und Integration bleibt Intriganten-Mission
Kontra-Konturen der Libertinage-Lakaien klont
Kommentare kopiert und Litanei-Lektüren
in Kommando-Kulissen hinter Trivial-Türen
artikuliert die Aura der Autoren-Autorität
Legendäre-Legionäre des Demokraten-Dorados
und Mäuse-Marasmus der Majorität
High-Tech-Heere und der Kloster-Kosmos
ziehen zu Felde neben Rebellen gegen Leben
Sie erkunden den kruden Kult und großen Tod
testen das Erdengewicht in Tonnen zu heben
verbunden mit Leiden und Mangel an Brot
mit Städte-Schrott und Frucht-Boden-Not
Sie kommen über die Schwachen zu wachen
mit Jägerlatein-Lesen und Litaneien-Lyrik
auf ihren Scherben einen Staat zu machen
Latrinen-laut und Lamento-mental
Laien-liederlich im sentimental Mehrfachen
inszeniert intakt und voll instrumental
Sie die Hurra-Horden der Super-Syndikate
Kommissions-Korsaken und Triumph-Süchtigen
Kraken-Kompagnons und Sachkunde-Tüchtigen
Hegemonie-Heroen und Humanitär-Huren
Blaue Söldlinge und sonstige Sonderlinge
Sensationsjäger nach Hunger-Heeren fern
Satte Staren-Scharen und Status-quo-Spätlinge
kommen in Fliegern und kolonisieren gern
die Luft und das Wasser und den Boden
Hominiden-Hoch und sogar Affen-Hoden
im Anhang mit Menschenrechtsmärpaketen
Freiheitstüten und Demokratie-Raketen
kommen sie die schwarze Erde zu spalten
mit schrägen Schergen und Grossisten-Gorillas
und herrischer Härte die Werte zu verwalten
Händel zu schüren zwischen Stammeschurken
die Handelswege in sicheren Händen zu halten
Sie kommen die Sahara-Sonne zu bemächtigen
als Energie-Herd und Extra-Profit-Welle
Sie kommen die Städteränder einzukesseln
als Höhlen-Hölle und die Tiefen-Quelle
der globalen Migrationsfluten zu vermasseln
OneWorld als catch-as-catch-can-Arena
seit Julius Cäsar den Rubikon überschritt
und den Kaiser-Chaos in Szene setzte
im Kapitol das Kapitel Husarenritt
die Rivalen zum Meuchelmord hetzte
die Borderline des Humanum Romanum
sah versinken auf einmal im Forum
Am Potomac der Neo-Nero hinter Pomp-Portal
an der Themse der Imperatoren-Impetus
an der Seine und Spree mental Monumental
gehen den Apokalypsen-Reitern auf den Leim
Flieger-Flotten im Einsatz mit Krebs-Schleim
legen Feuerteppiche über Städte und Straßen
hinterher Raketen-Wurf-Kreuzer und Satelliten
zielen auf das nackte Gelände der Massen
In Stabsstuben Pentagons die Epauletten-Eliten
selektieren kraß zwischen Klassen und Rassen
Marodeure belagern die Oasen mondial
mit Maschinengewehren gegen den Mohr
die Tropen des Orpheus mehrfach medial
die Wildwälder des Orang-Utans mit Furor
um die Lager der Safari-Society zu sichern
und den Horizont für den Hyänen-Humor
Gedankensplitter im Spinnen-Netz
Gemahntes Gemisch im All-Gemeinen
Aalglatt das Haupt und Demokratie-Total
der Krisen-Kapriolen mit Kraken-Kapital
Scharlatanen-Schwall und Schurken-Schakal
Sakral-Skandal im Protokollanten-Portal
Mental-Monumental Überall-Okzidental
Tiraden-Tribunal und Tribal-Kontinental
Untertanen-Universal Teutomanen-Typus
Emphasen-Emotional der Orakel-Oktopus
Trivial Spätlingen-Spaß im Chaos-Campus
Im Huren-Humus jeder Bankier-Bonus
Span-Sparten-Spasmus im Staats-Korpus
Super-Surplus vor dem Monetär-Minus
Im Wintergarten atmen die Hautevolees
den Schmetterling-Schmelz des Schnees
die nach Rauch und Brandwein stinken
schmecken kostbare Arten des Kräutertees
die sich für Get-together-Partys schminken
während im Arrestlokal die Deportees
die Feen verfluchen und Tränen trinken
Piraten-Patrouille und Privatier-Gier
prämieren im Propheten-Bülbül-Vestibül
die Freiheit und Fortuna im Rentier-Revier
hinter Marmor-Mauern und Marionetten
Delegierten-Dialog und Depremierten-Delier
Aus Furcht vor Tsunami und Tornados
suchen im Talschatten ein Heuhüpfer-Hier
vor den Pomp-Palästen Worte-Meetings
den Prahlhans-Praktiker im Poeten-Papier
mit Elitär-Elogen für Ellbogen-Logen
Digital-Tiger und den Status-quo-Stier
opfern dem Ganoven-Gott Feld und Wald
Blatt-Blütentraum und Fakiren-Tier
M. Kurtulus
|